wirtschaftlichen Verhältnisse der Bauern in der nachteiligsten
Weise zurück, denn er war es, der dem Landwirt häufig die
Hände band und es ihm unmöglich machte, von den Hilfsmitteln
des modernen Landbaues Gebrauch zu machen und manchen
Fortschritt, auch wenn dieser noch so nützlich war, in seiner
Wirtschaft einzuführen. Und wer, ohne über Barmittel zu ver⸗
fügen, doch zu manchen Neuerungen griff, kaufte wieder auf
Borg und verfiel dadurch häufig dem Warenwucher und dieser
war gar oft noch schlimmer als der Geldwucher.
Der Mangel an Bargeld sowie die mangelnde Organisation
für die Beschaffung des Personal- und Betriebskredites trugen
unzweifelhaft erheblich dazu bei, daß statt des so notwendigen
Fortschrittes im Wirtschaftsbetrieb in vielen Fällen, wenn nicht
ein Rückschritt, so doch ein Stillstand wahrzunehmen war.
Deshalb war das Verlangen nach Geldmitteln — welche
damals nur auf Wechselkredit zu hohen Zinsen zu erhalten
waren —, um einen besseren Wirtschaftskredit einzuführen, ein
ebenso allgemeines wie gerechtfertigtes und zur Beschaffung
dieser Geldmittel bedurfte es einer geeigneten Organisation,
welche es möglich macht, den erforderlichen Personal- und Be—
triebskredit jederzeit im Fall des Bedarfes, aber auch in einer
Art und Weise zu beschaffen, wie es der Eigenart des landwirt⸗
schaftlichen Betriebes entspricht.
So sah es bei uns im Lande aus, ehe Raiffeisen in unser
Land kam.

Wenn wir heute um 50 Jahre zurückschauen, so sehen wir
ihn bereits an der Arbeit hie und da am Lande. Insbesondere
war es der damalige Wanderlehrer des Deutschen landwirt⸗
schaftlichen Zentralverbandes für Böhmen, Stefan Richter,
welcher trotz sich ihm entgegenstellender Hindernisse mit Jugend⸗
frische für die Sache begeistert eintrat. Er stellte sich das hohe
Ziel, die eigentliche Volkskraft, die in unserem Bauernstand
steckt, zu wecken und diesen auf dem Wege der Selbsthilfe dahin
zu führen, daß er den Kampf um seine Existenz siegreich zu
bestehen vermag.
Von der Erkenntnis ausgehend: „Was einem nicht gelingt,
vereinte Kraft vollbringt“, wählte er zur Erreichung dieses
Zweckes den Weg des genossenschaftlichen Zusammenschlusses,