durch die sie, allerdings in vollständiger Verkennung der Orga—
nisation selbst und ihrer ethischen Ziele, eine Konkurrenz für
die bestehenden alten Kreditinstitute befürchteten, und es fehlte
nicht an Stimmen, die in der Propagierung der Raiffeisenorga—
nisation geradezu eine Gefahr für den Zentralverband erblick⸗
ten, welcher von diesen alten Kreditinstituten Subventionen
erhielt, deren Einstellung bei einer weiteren Propaganda für
die Raiffeisenkassen durch die Wanderlehrer in Aussicht gestellt
oder befürchtet wurde.
Warum an diese beiden Episoden vom 18. September 1887
und 9. April 1888 hier erinnert wird? Weil sie charakteristisch
sind für die Skepsis einerseits, mit der man in Böhmen anfangs
den Gedanken der Raiffeisen'schen Spar⸗- und Darlehenskassen⸗
vereine aufnahm, und andererseits für die Schwierigkeiten, mit
welchen die praktische Einführung der Raiffeisen'schen Einrich—
tungen im Land zu kämpfen hatte.
Wurden nach den obwaltenden Verhältnissen zunächst auch
leine praktischen Maßnahmen zur Einbürgerung der Raiffeisen—
schen Spar⸗- und Darlehenskassenvereine von dem gemeinnützi—
gen Geist ergriffen, welcher diese Einrichtung durchweht und
durchwärmt. schritt die Bevölkerung selbst alsbald zur genossen—
schaftlichen Tat; noch im Jahr 1888 nahm der erste Raiffeisen'sche
Spar- und Darlehenskassenverein in Michelsdorf bei Podersam
(gegründet am 12. Juli 1888) seine Tätigkeit auf. Zuerst lang—
sam, aber stetig und später in immer größerer Zahl folgten ihm
andere nach.

Der Genossenschaftsgedanke gewann von da an immer wei—
teren Boden, neben Spar- und Darlehenskassenvereinen wur—
den alsbald auch landwirtschaftliche An- und Verkaufsvereine
und andere landwirtschaftliche Genossenschaften gegründet und
fünf Jahre später, 1893, sah sich der Deutsche landwirtschaftliche
Zentralverband für Böhmen, durch die unaufhaltsam fortschrei—
tende Genossenschaftsbewegung gedrängt, gezwungen, der Frage
der Gründung eines Verbandes der deutschen landwirtschaft—
lichen Genossenschaften Böhmens näher zu treten.
Am 8. Dezember 1893 erging ein auf die Gründung eines
Genossenschaftsverbandes bezügliches Rundschreiben an die
damals bestehenden Genossenschaften, durch das diese ersucht