wurden, bis längstens Ende Dezember 1893 ihre gutächtliche
Aeußerung über die geplante Genossenschaftsgründung sowie
darüber abgeben zu wollen, ob sie sich zu diesem Zweck an einer
Aussprache beteiligen wollen.
In dem erwähnten Rundschreiben wurde zur Begründung
dieser Anregung u. a. ausgeführt:
„Es unterliegt wohl keinem Zweifel, daß erst ein Verband aller An—
und Verkaufsgenossenschaften überall als erfolgreicher Konkurrent auftreten
und viel mehr noch als die einzelne Genossenschaft die Verbilligung und
bessere Beschaffung landwirtschaftlicher Betriebserfordernisse anstreben und
auch erreichen kann, und die in neuerer Zeit erfreulicherweise immer zahl—
reicher werdenden Raiffeisen'schen Spar- und Darlehenskassenvereine wer—
den gleichsfalls erst in ihrer Vereinigung zu einem Verband jenen Rückhalt
finden, den sie zur Sicherung ihres Geschäftsbetriebes und zu einem erfolg—
reichen Bestand unbedingt brauchen.
Der Genossenschaftsverband soll insbesondere aber auch die Stelle sein,
an welcher die einzelnen Genossenschaften ihre Erfahrungen sammeln und
austauschen, und dadurch zu einer gedeihlichen Weiterentwicklung des gan—
zen Genossenschaftswesens beitragen. Gewisse Grundsätze und Kalkulatio—
nen müssen allen Genossenschaften gemein sein, wenn sie ihr Geschäft mit
möglichstem Vorteil und Erfolg betreiben wollen, und in der Verallgemei—
nerung dieser geschäftlich vorteilhaftesten Erfahrungsgrundsätze und der
einheitlich besten Ausgestaltung des Genossenschaftswesens müßte der Ver—
band seine Zweckbestimmung erblicken. Eine genaue Kontrolle und sach—
gemäße Revision geben die Beruhigung und Gewähr für die gesunde
Gebarung in jedem geschäftlichen Unternehmen und diese Kontrolle und
Revision wäre eine weitere Aufgabe des Genossenschaftsverbandes.
Das Genossenschaftswesen in Deutschböhmen ist heute über die ersten
Anfänge hinaus, aber, von einzelnen hochentwickelten und prosperierenden
Genossenschaften abgesehen, noch lange nicht am Ziel seiner Entwicklung.
Eine große Zahl von Genossenschaftsgründungen steht bevor, bei allen die—
sen Neugründungen hätte der Verband zu intervenieren, überall mit Rat
und Tat zur Stelle zu sein und auch selbst neue Gründungen anzuregen
und in die Hand zu nehmen.
Wir versprechen uns von einem Verband der bereits bestehenden
landwirtschaftlichen Genossenschaften in Deutschböhmen nach dem Muster
und Vorbild der Genossenschaftsverbände in Deutschland, nur mit beson—
derer Berücksichtigung unserer heimatlichen Verhältnisse, einen nach vielen
Richtungen günstigen Einfluß auf die Entwicklung des landwirtschaftlichen
Genossenschaftswesens und die Tätigkeit der bereits bestehenden Genossen—
schaften und sind deshalb, wenn die geehrten Genossenschaften, an die wir
uns hiemit wenden, unsere Anschauung teilen, von dem Wunsch erfüllt, die
Gründung eines Genossenschaftsverbandes in die Hand zu nehmen und
mit allen uns zu Gebote stehenden Mitteln und Kräften zu fördern.“