Nachdem sich auf das Rundschreiben 15 Genossenschaften
zustimmend geäußert hatten, wurde auf den 28. Jänner 1894
der erste „Deutschböhmische Genossenschaftstag“ nach Prag ein—
berufen, auf welchem in Anwesenheit der Vertreter von 7 Spar—
und Darlehenskassenvereinen und 6 An- und Verkaufsgenossen⸗
schaften über Stefan Richters Bericht und Antrag beschlossen
wurde:

1. Die Gründung eines Verbandes der in Böhmen be—
stehenden deutschen landwirtschaftlichen Genossenschaften ist
sofort in Angriff zu nehmen.

2. Die An- und Verkaufsgenossenschaften sowie die Raiff—
eisen'schen Spar- und Darlehenskassenvereine sind in einem Ver—
dand zu vereinigen.
3. Der neue Genossenschaftsverband ist — bei voller Wah—
tung seiner Selbständigkeit — als Abteilung des „Deutschen
landwirtschaftlichen Zentralverbandes für Böhmen“ ins Leben
zu rufen.
Am 29. Mai 1894 beriet ein engeres Komitee über den vom
Verbandssekretär Stefan Richter vorgelegten Statuten—
entwurf für den zu gründenden „Central-Verband der deutschen
landw. Genossenschaften Böhmens“. Leider hatte dieses Komi—
tee sich gegen Richters Antrag, der darauf hinausging, den
Verband auf Grund des Genossenschaftsgesetzes zu konstituie—
ren, ausgesprochen und der nächstfolgende Verbandsstag vom
15. Juli 1894 trat dieser Anschauung bei. Die vom letztgenann—
ten Genossenschaftstag beschlossenen Statuten erhielten nicht
ohne Schwierigkeiten am 1. Dezember 1894 die behördliche Ge—
nehmigung und am 2. Feber 1895 konnte endlich die konstituie—
rende Versammlung des Central-Verbandes der deutschen
l(andw. Genossenschaften Böhmens stattfinden.
Die konstituierende Versammlung wurde am genannten
Tag unter dem Vorsitz des Obmannes des Deutschen landwirt—
schaftlichen Zentralverbandes für Böhmen abgehalten.
Der Vorsitzende berichtete über die Gründungsarbeiten und
teilte mit, daß den organisatorischen Arbeiten des Genossen—
schaftsverbandes seitens des Deutschen landwirtschaftlichen Zen—
tralverbandes für Böhmen bereits dadurch vorgearbeitet wurde,

2