für die Lagerhäuser, welche nach diesen Grundsätzen errichtet
werden, vorläufig auch reichliche Mittel gesichert und noch grö—
bere Quellen angedeutet, die der Landesausschuß nach Beschluß
des Landtages nunmehr für genossenschaftliche Zwecke nutzbar
zu machen bestrebt sein werde.
Das Genossenschaftswesen Deutschböhmens hat im Jahr
1900 seinen eigentlichen Organisator Stefan Richter ver—
loren, welcher in Wien die Direktorstelle beim „Allgemeinen
Verband landwirtschaftlicher Genossenschaften in Oesterreich“
antrat.

Mit dem Rücktritt des ersten Verbandsdirektors schließt ein
für die Entwicklung unseres heimischen Genossenschaftswesens
einflußreicher Abichnitt.
Stefan Richter stand an der Wiege des landwirtschaft—
lichen Genossenschaftswesens in Böhmen, für dessen Funda—
ment, die Spar- und Darlehenskassenvereine, er in Wort und
Schrift schon zu einer Zeit eintrat, als viele, die später sich für
diese Bauernkassen erwärmten, ihnen entweder noch gleichgültig
gegenüberstanden oder deren Gegner waren, und als auch noch
kapitalistische Einflüsse deren Einführung zu hintertreiben
suchten.

Der Verbandsausschuß ernannte in seiner Sitzung vom
10. November 1900 den Verbandsrevisor Hermann Brunner
zum Verbandsdirektor, welchem nach dem Abgang Stefan Rich—
ters außer der Revisionstätigkeit die gesamte Geschäftsleitung
des Genossenschaftsverbandes übertragen wurde.
Mit der kaiserlichen Verordnung vom 21. September 1899,
RGBl. Nr. 176, wurde unter anderem die Bestimmung getrof⸗
fen, daß vom 1. Jänner 1900 an alle Geschäftsbücher der unter
besonderen Aufsicht stehenden oder zur öffentlichen Rechnungs—
legung verpflichteten Geld- und Kreditanstalten in der Kronen—
währung zu führen sind.

In der am 1. November 1900 abgehaltenen Sitzung des
Vorstandes des Allgemeinen Verbandes landwirtschaftlicher
Genossenschaften in Oesterreich wurde die Errichtung einer
„Bezugs- und Absatzstelle“ beschlossen und ins Leben gerufen;
mit deren Leitung wurde Direktor Stefan Richter betraut.

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