V. Die Krise der Kommerzialisierung
Finanzielle Ergebnisse. — Einfluß der Pensionslasten. — Die Elektrifizierung.
 — Wettbewerb mit dem Kraftwagen. — Das Fahrbegünstigungssystem.
 — Ersparungsmaßnahmen.

Die Verkehrseinnahmen der Bundesbahnen, die im Jahre 1929, in
welchem der höchste Stand erreicht wurde, 638,8 Millionen Schilling
betragen haben, sanken im Jahre 1930 auf 592,2 Millionen Schilling,
während die Ausgaben sich von 637,5 Millionen Schilling auf
625,1 Millionen Schilling verringerten. Die für Investitionen verwendeten
 Gelder konnten nicht mehr verzinst, die Bankkredite nicht
zurückgezahlt werden. Da die Einnahmen weiterhin unaufhaltsam
sanken und die Rückwirkung auf den gesamten Staatshaushalt nicht
ausblieb, wurde der Völkerbund im Jahre 1931 neuerlich mit der
finanziellen Lage der Österreichischen Bundesbahnen befaßt. ®

Wenn man den Ursachen nachgeht, welche den finanziellen Notstand
 der Bundesbahnen herbeigeführt haben, so sind diese in erster
Linie auf die Auswirkung des Friedensvertrages von St. Germain
zurückzuführen. Was von den Eisenbahnen nach dem neuen Staatsgebilde
 Österreich noch verblieb, glich einem Komplex von Bruchstücken.
Vordem bildeten die Österreichischen Staatsbahnen eines der wichtigsten
einheitlichen Staatsbahnnetze, mit einer Betriebslänge von 19275 km,
das den Verkehr des südöstlichen Mitteleuropas mit der adriatischen
Seeküste und den angrenzenden Orientländern beherrschte. Nach dem
Verluste ganzer Ländernetze und nach dem brutalen Abschnüren technisch
und wirtschaftlich zusammengehöriger Bahnstrecken, verblieben außer
einer einzigen verkehrspolitisch, allerdings sehr wichtigen, westöstlichen
Durchgangslinie, nur mehr Reste mit einem durch Ablenkung und Zollgrenzen
 wesentlich verminderten Verkehr und einer Betriebslänge
 von 5829 km. In weiterer Folge war es insbesondere die
Konstruktion des Bundesbahngesetzes vom Jahre 1923, das der
Unternehmung, ganz im Widerspruch mit dem ihr zugedachten kaufmännischen
 Beruf, sowohl in der Verwaltung wie in der Personalwirtschaft
 große Hindernisse in den Weg gelegt hat. Hiezu gesellte
sich als weiterer Verlustfaktor die Weltwirtschaftskrise und die
Konkurrenzierung durch den Autoverkehr.
Zum Ausbruch kam die Krise, als die Verschuldung der Bundesbahnen,
 die auf eine seither viel angefochtene Bilanzierungsmethode