2 Erstes Kapitel: D. Sprengstoffabrikation in ihrer geschichtl. Entwickl.

Fortschritt die Beherrschung des Stoffes und der Naturkräfte be⸗
trifft, hängt er ab von den theoretischen Kenntnissen, die aus dem
Studium der Natur gewonnen werden. Der Einfluß der Phnsik
und Chemie macht sich, wie in allen Zweigen der Technik, auch
auf dem Gebiete der herstellung und Verwendung der Spreng⸗
stoffe geltend.
Aber nicht allein ihr Gebrauch für Krieg und Zerstörung führt
zu diesem Ergebnis, auch friedliche Zwecke, die das Wohl der ge⸗
samten Menschheit fördern, bilden den Anlaß zu immer tieferer
Erkenntnis der Sprengstoffe. Mit dem Schießpulver, dem Dyna⸗
mit usw. ist dem Menschen eine ungeheure Kraft in die hand
gelegt, eine Kraft, die er nach Belieben zum Verderben oder zum
heile der Mitmenschen lenken kann. Mit hilfe dieser Kraft werden
dem Schoße der Erde die unentbehrlichsten Stoffe, die Kohlen, die
Erze, Salze, Gesteine, entrissen, sie hat es ermöglicht, daß das steile
Gebirge kein hindernis mehr für den Verkehr von Menschen und
Hütern bildet, sie beseitigt Klippen, die der Schiffahrt gefährlich
sind, u. dgl. m.
Zum Dank für die Förderung, welche die Technik durch die rein
wissenschaftlichen Untersuchungen erfuhr, gab sie der abstrakten
Wissenschaft die Anregung und die Möglichkeit zur Durchführung
von Versuchen, welche die theoretischen Naturgesetze erweiterten
und vertieften. Gerade das Studium der Sprengstoffe führte Physik
und Chemie auf Gebiete, die bislang der experimentellen Forschung
sern gelegen hatten. Hier zeigt sich die Materie in extremen Zu—
ständen des Druckes, der Temperatur, der Bewegung. Diese er⸗
reichen Größen, die weit hinausreichen über die, unter welchen
gewöhnlich die chemischen und physikalischen Wechselwirkungen der
Materie stattfinden. Im allgemeinen vollziehen wir chemische
Keaktionen bei dem Drucke der Atmosphäre und bei mäßigen
Temperaturgraden, bei welchen die Gase nur eine schwache leben⸗
dige Kraft zeigen. Die Reaktionen, welche die Sprengstoffe hervor⸗
rufen können, aber entwickeln Druckgrößen, die sich nach Tausenden
von EAtmosphären berechnen; Wärmemengen werden dabei frei,
welche die höchsten erreichbaren Temperaturen bedingen und den
Molekülen Geschwindigkeiten von Tausenden von Metern in der
Sekunde erteilen. Durch die Untersuchung solcher Vorgänge werden
die Grenzen der Naturerkenntnis bedeutend erweitert und aus—
gedehnt über den beschränkten Kaum der gewöhnlichen Erfahrung.
Die Frage, wann zuerst ein Sprengstoff, insbesondere das Schieß⸗