8 Erstes UNapitel: D. Sprengstoffabrikation in ihrer geschichtl. Entwickl.

lässig nachgewiesen worden. In SFrankreich hat im Jahre 1339
Barthélemy Drach laut einem noch vorhandenen Dokument
der Rechnungskammer einen Bericht vorgelegt, „pour avoir
poudres et autres choses nécessaires aux canons“. Bei der
Verteidigung von Cambrai (1339) sind 10 Kanonen in Gebrauch,
und in der Schlacht bei Crécy (1346) haben die Engländer 3
Kanonen, aus denen sie kleine eiserne Rugeln schießen.
In Deutschland ist die Erfindung des Schießpulvers mit dem
Namen Berthold Schwarz verknüpft. Dieser Gertholdus Niger),
ein Franziskaner in Freiburg i. B. soil bei alchemistischen Versuchen
zufällig das Schießpulver und seine Wirkung entdeckt haben. Im
15. und 16. Jahrhundert galt er allgemein als der Erfinder des
Schießpulvers. Sichere Daten über diesen Mönch und die Zeit, in
der er lebte, sind noch nicht ermittelt worden. Sieht man von den
vielen über ihn erzählten Anekdoten ab und hält sich an die zu—
verlässigeren Berichte aus deutschen, italienischen, niederländischen
und anderen Quellen des 15. und 16. Jahrhunderts, so kann
man wohl als wahrscheinlich annehmen, daß der Mönch Berthold
Schwarz wirklich existiert und auch wohl unabhängig, ohne Be—
nutzung anderer, besonders arabischer Schriften, die Erfindung
gemacht habe, aber zu einer Zeit, Mitte des 14. Jahrhunderts
(am häufigsten wird sogar 1380 angegeben), in der anderwärts,
auch in Deutschland, der Gebrauch des Schießpulvers schon wohl⸗
bekannt war. So wissen wir, daß Pulverfabriken 1340 in Straß⸗
burg, 1344 in Spandau, 1348 in Liegnitz existierten. In CLübeck
soll 1360 ein Brand, der das Rathaus zerstört hat, infolge einer
Pulvererplosion entstanden sein. Johannes Rothe erzählt in
seiner thüringischen Chronik, daß zum ersten Male bei der Be—
lagerung von Einbeck durch Friedrich, Markgraf von Meißen (im
Jahre 1365), von Seiten des Verteidigers, des herzogs Heinrich
von Braunschweig, Schußwaffen gebraucht worden seien: „Diz waz
dy erste Buchse, dy yn dissin Land in vernomme wart.“
In Spanien ist die Rede von durch Feuer geschleuderten Kugeln
bei Gelegenheit der Belagerung von Alicante 1351, in Rußland
wird um 1389, in Schweden um 1400 ürtillerie eingeführt. Der
Gebrauch der Kanonen und Bombarden hat sich offenbar sehr
raschverbreitet, wenn auch andererseits die Bewaffnung der Infanterie
mit Piken lange Seit, in Frankreich bis zur Zeit Ludwigs XIV.,
beibehalten wurde, und die durch ihre Bogenschützen berühmten
englischen Armeen auch lange Zeit hindurch ihre alten Waffen