10 Erstes Kapitel: D. Sprengstoffabrikation in ihrer geschichtl. Entwickl.

Harris, die Sicherheitszündschnur 1831 durch Bickford und die
Bohrung mit gepreßter Luft 1854 durch Brunton und Bartlett
erfunden.
Jahrhunderte hindurch war Schwarzpulver das für Schieß- und
Sprengzwecke allein verwendete Triebmittel. Erst das 19. Jahr—
hundert brachte neue Sprengstoffe, zunächst die sogen. Nitrokörper,
die Salpetersäurerester von Zellulose und ähnlichen Kohlenhydraten.
Im Jahre 1832 hat Braconnot gefunden, daß aus Holzfasern,
Stärkemehl u. dgl. durch Einwirkung von konzentrierter Salpeter—
säure leicht verbrennliche Stoffe entstehen, welche er Xyloidin nannte.
Pelouze zeigte im Jahre 1838, daß dies Xyloidin bei 1800 sich
entzünde, aber auch durch starken Schlag explodiere. Er empfahl
es zur Anwendung in der Feuerwerkerei. J. B. Dumas benutzte
Papier zur herstellung eines ähnlichen Körpers, welchen er Nitro—
amidin nannte. Alle diese Produkte waren indessen von ungleich—
mäßiger Wirkung und ungenügender haltbarkeit.
Ein brauchbares Produkt, welches das größte Aufsehen erregte,
erhielt zuerst Schönbein in Basel im Jahre 1845 durch die Ein—
wirkung von Salpetersäure auf Baumwolle. Ohne daß die Struktur
der Baumwolle äußerlich sichtbare Veränderungen erfuhr, wurde
sie in einen äußerst explosiven Körper umgewandelt, der sich als
zu Schieß- und Sprengzwecken geeignet erwies. Schönbein, der
dem Präparat später den namen Schießbaumwolle gab, hielt
dessen Bereitung geheim, und so kam es, daß R. Böttger in
Frankfurt a. M. im Jahre 1846 die gleiche Erfindung machte.
Beide Forscher vereinigten sich und boten das Verfahren dem
Deutschen Bunde zum Erwerb an. Es wurde ihnen eine National—-belohnung
 in Aussicht gestellt, falls die Schießbaumwolle das Schieß⸗
pulver für den Gebrauch in Feuerwaffen mit Vorteil ersetzen
könne.
Inzwischen hatte auch S. J. Otto in Braunschweig die erplo—
sive Baumwolle hergestellt, und er zuerst brachte das Verfahren
an die Offentlichkeit durch einen im Oktober 1846 in der HAugsburger
 Allgemeinen Zeitung erschienenen Aufsatz.
Nun wurden zahlreiche Versuche bekannt, nach welchen die
Baumwolle durch andere ähnliche Stoffe, Flachs, Sägespäne u. dal.,
der Salpetersäurebehandlung unterworfen wurden; auch das Ver—
fahren selbst wurde abgeändert. Karmarsch und heeren in
hannover, sowie Knop in Leipzig zeigten, daß ein Gemisch von
konzentrierter Salpetersäure und konzentrierter Schwefelsäure viel