Schießbaumwolle.

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vorteilhafter sei als die erstere Säure allein, indem das bei der
Einwirkung von Salpetersäure auf die Baumwolle entstehende
Wasser von der Schwefelsäure gebunden wird und dadurch nicht
die Salpetersäure verdünnen und in ihrer Wirkung schwächen kann.
Millon und Gaudin empfahlen, ein frisch bereitetes Gemisch
von Salpeter und Schwefelsäure zu verwenden, wodurch die ge—
sonderte herstellung der Salpetersäure umgangen wird.
Die Versuche, welche eine Kommission in Mainz zur Prüfung der
schießbaumwolle auf ihre Verwendbarkeit angestellt hatte, waren
nicht ungünstig ausgefallen. Im Jahre 1853 führte die österreichische
Regierung nach Übereinkommen mit dem Deutschen Bunde die
Schießbaumwolle, die nach Vorschrift des Hauptmanns von Lenk
in der von diesem eingerichteten Fabrik zu hirtenberg bei Wiener—
Heuftadt hergestellt wurde, bei der Genietruppe als Sprengmittel
und bei der Artillerie zur Füllung von hohlgeschossen ein. Weniger
geeignet erwies sich die Schießbaumwolle für Geschütze; die Ka—
nonenrohre wurden von den Explosionsgasen angegriffen und von
den hohen Explosionsdrucken zu sehr in Anspruch genommen.
Indessen war der Gebrauch der Schießbaumwolle wieder in
Frage gestellt worden, nachdem mehrfach aus unaufgeklärten Ur⸗
sachen gefährliche Explosionen in Fabriken und Magazinen statt—
gefunden hatten. Frederick Abel, der Chemiker des englischen
Kriegsdepartements, zeigte 1865, daß diese Unfälle in der un—
genügenden Reinigung der nitrirten Baumwolle ihren Grund
hatten. Er gab eine wichtige Verbesserung des Verfahrens an,
die darin bestand, daß die Schießbaumwolle nach erfolgter Nitri—
rung und Auswaschung in einem Papierzeug-Holländer zerkleinert
wird. Die dadurch entstehende Pülpe ist leicht vollständig zu reinigen
und läßt sich dann in die Form regelmäßiger Körper pressen.
hierdurch wurde die Aufbewahrung gefahrlos und die regelmäßige
Erplosion bei der Verwendung der Schießbaumwollstücke sicher
zestellt.
Eine folgenreiche Entdeckung wurde im Jahre 1846 durch
Sobrero in Turin gemacht, nämlich die des Nitroglyzerins
oder Pyroglyzerins, wie der Körper anfänglich genannt wurde.
Angeregt durch die Arbeiten Pelouze's über die Einwirkung der
Salpetersäure auf Zellulose und ähnliche Kohlenhydrate, hatte
Sobrero zu dieser Reaktion das Glyzerin benutzt. Es entsteht
auch hier kein wirklicher Nitrokörper, sondern ein Salpetersäure—
ester des Glyzerins, der aber allgemein als Nitroglyzerin bezeichnet