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Zweites Kapitel: Theorie der Sprengstoffe.

Je genauer man, besonders infolge der Arbeiten Berthelot's
und seiner Schüler, das Wesen der Explosion kennen lernte, und
je bessere Prüfungsmethoden ausgearbeitet wurden, umso mehr
wurden die verschiedensten Stoffe, besonders Nitrokörper, auch
Diazoverbindungen, in den Bereich der Sprengtechnik gezogen.
Es würde zu weit führen, sie hier alle aufzuzählen; bei der späteren
Beschreibung der einzelnen wichtigeren Sprengstoffe werden auch
die geschichtlichen Daten angegeben werden.
Nur auf einen Fortschritt aus neuerer Zeit sei noch kurz hin—
gewiesen. Das ist die Einführung des rauchlofen Pulvers. Ein
solches Schießpulver, dessen Explosionsprodukte rein gasförmiger
Natur sind, ohne feste Bestandteile, also keinen Kauch bilden,
wurde zuerst 1886 von Vieille aus in Ather gelöster Schieß—
baumwolle und pikrinsäure hergestellt. Fast sämtliche Staaten
sind seitdem mit großem Eifer bestrebt gewesen, ähnliche rauch—⸗
lose oder rauchschwache Pulver in ihren Armeen einzuführen, wobei
noch der wichtige Erfolg erzielt wurde, Gewehre von kleinem Ka—
liber zu benutzen, also den Soldaten mit einer größeren Anzahl
von Patronen als bisher auszurüsten. Jetzt ist in raschem Verlauf
das Jahrhunderte hindurch gebrauchte Schießpulver fast vollständig
durch das rauchlose Pulver verdrängt worden.

3weites Kapitel.
Theorie der Sprengstoffe.
J. die Sprengkraft und ihre Elemente.

Die Verwendung der Explosivstoffe für Kriegszwecke und im
Bergbau beruht auf der plötzlichen Entwicklung eines beträcht⸗
lichen Gasvolumens in einem Raume, welcher zu klein ist, um
dies Gasvolumen bei dem Atmosphärendruck enthalten zu können.
Dies bedingt eine mehr oder weniger große Spannkraft, die in
einem sehr kurzen Zeitraume entwickelt wird und deshalb große
dynamische Wirkungen ausübt. Die plötzliche Entwickelung eines
großen Gasvolumens aus einem viel kleineren Anfangsvolumen
der Masse bildet die Erplosion, welche Schall⸗ und heftige
mechanische Wirkungen hervorruft. Man nennt die Erscheinung
auch Detonation, wenn sie den höchsten Grad der Geschwindig⸗
keit und Energie erreicht. Der Gasdruck überträgt die lebendige
Kraft der Gase auf die Geschosse oder zertrümmert die Wände
des Raumes, in welchem die Explosion erfolgt.