Die Explosion.

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Die Spannkraft der Gase kann wirksam werden durch die Aus⸗
dehnung von vorher zusammengedrückten Gasen, wie bei der Wind—
büchse, oder durch den aus einer Flüssigkeit durch Erhitzen ent⸗
wickelten Dampf, wie in der Dampfmaschine, oder endlich durch
eine chemische Reaktion, welche aus einem festen, flüssigen oder
gasförmigen Körpersystem plötzlich eine große Menge Gas und
hohe Temperatur entwickelt. Die letztere Methode erzeugt die
mächtigsten Wirkungen. Sie ist auch deshalb für Sprengzwecke
vorzuziehen, weil sie keiner hilfseinrichtungen zum Komprimieren
von Gas oder zum Erhitzen von Flüssigkeiten bedarf.
Von den chemischen Vorgängen wählt man in der Praxis aus—
schließlich diejenigen, bei welchen Sauerstoff, der frei oder ge—
bunden sein kann, auf oxndierbare Stoffe einwirkt, also Verbren⸗
nungen hervorruft. Das typische Beispiel für diese Art von Reak—
tionen ist das Knallgas, das Gemisch von 2 Vol. Wasserstoff und
Vol. Sauerstoffgas. Auf gleiche Gewichte bezogen, liefert es so⸗
gar mehr kinetische Energie, als irgend ein anderes Gemisch. Aber
das Volumen dieses Sprengstoffes im Anfangszustand ist wegen
seiner Gasform schon von vornherein so groß, daß die durch
die Explosion erreichten Druckgrößen nicht sehr erheblich werden.
Aus diesem Grunde, und weil das handhaben von Gasen über—⸗
haupt unbequem ist, verwendet man im allgemeinen nicht gas⸗
förmige Sprengstoffe oder freien Sauerstoff. Fast ausschließlich
kommen feste oder flüssige sauerstoffhaltige Verbindungen zur Ver⸗
wendung, wie Kaliumnitrat, Salpetersäure, Kaliumchlorat, Am⸗
moniumnitrat, Metalloxyde u. dgl. m. ebenso hauptsächlich feste
brennbare Stoffe, wie Schwefel, Kohle, Phosphor, Antimon, Alu⸗
minium, Ferrocyankalium, Kohlenhydrate und andere organische
Verbindungen. Man kennt auch Explosionsstoffe, welche keine Ge—
mische sind, sondern den zur Verbrennung nötigen Sauerstoff und
den brennbaren Stoff in einer einzigen chemischen Verbindung
enthalten, wie Nitroglyzerin, Schießbaumwolle, Rnallquecksilber.
Sogar sauerstoffreie Körper, wie Diazobenzolsalze, Stickstoffwasser⸗
stoff u. a., können heftig explodieren. Derartige Körper sind unter
Wärmeabsorption aus den Elementen gebildet, sie enthalten also
eine Summe von Energie, welche bei ihrer plötzlichen Zersetzung
frei wird und mechanifche Wirkungen ausüben kann.
Dies führt uns zu einer Theorie der Sprengstoffe, bei welcher,
wie ersichtlich, die BZildungswaͤrmen der chemischen Verbindungen
eine maßgebende Kolle spielen. Diese Größen sind die Ergebnisse