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Zweites Uapitel: Theorie der Sprengstoffe.

4. die Zersetzungsgleichung.

Aus der Zusammensetzung eines Sprengstoffes kann man die—
jenige der Explofionsprodukte stets dann mit Sicherheit bestimmen,
wenn der Sprengstoff genügend Sauerstoff enthält, um die oxy⸗
dabeln Elemente in die sauerstoffreichste Orydationsstufe überzu—
führen. Diese Zersetzung entspricht auch dem thermischen Marxi—
mum und der größten Abeitsleistung. So ergibt sich 3. B. die
Zersetzungsgleichung für Nitroglyzerin:
2CH(O· NO 60CO 5—20 -3N202.
Diese Grenze wird allerdings in der Praxis nicht immer erreicht
wegen der außerordentlich kurzen Dauer der. Explosion, welche
den Produkten nicht genügend Seit zur Bildung des stabilsten
Siystems läßt, und wegen der plötzlichen Abkühlung, welche die
Gase erfahren.
Wenn dagegen der Sprengstoff nicht so viel Sauerstoff enthält,
um die gänzliche Oxydation herbeizuführen, oder wenn er (wie
Diazobenzolchlorid oder stickstoffwasserstoffsaure Salze) gar keinen
Sauerstoff enthält, so sind die Explosionserzeugnisse sehr verschieden,
je nach den Explosionsbedingungen, besonders der Cemperatur
und dem Druck. Dies ist z. B. der Fall beim Schwarzpulver, bei
der Schießbaumwolle und dem Kaliumpikrat.
In solchen Fällen kann man nicht mit Sicherheit die Zusammen—
setzung der Explosionsprodukte und damit den Exrplosionsverlauf
im voraus feststellen: es gehören dazu vielmehr besondere Ana—
lmsen unter Berücksichtigung der Keaktionsbedingungen.
Kecht lehrreich sind in dieser Beziehung die Untersuchungen
Berthelot's9) über die Zersetzung des salpetersauren Ammoniaks.
Sie kann, je nach der Reaktionsgeschwindigkeit und der Sersetzungs⸗
temperatur, nach sieben verschiedenen Keaktionen erfolgen, die auch
gleichzeitig stattfinden können:
I. NH*. NOs- NI4 HNO. Diese Dissoziation scheint zunächst
und bei niedrigster Temperatur einzutreten. Sie verbraucht not⸗
wendigerweise Wärme, — 41,3 Kal., bezogen auf festes, — 37
etwa, bezogen auf geschmolzenes Salz.
2. NH. NOS-N?O4 2HBO (T 10,2 Cal.). Diese Reaktion,
bei welcher sich Stickorydul entwickelt, tritt bei höherer Tempe—
ratur unter mäßiger Wärmezufuhr ein.

F 1) La Force des matières explos. J., 20; Essai de Mécanique
ehimique. II. 43.