Zersetzungsgeschwindigkeit.

6. Zersetzungsgeschwindigkeit.

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Die vorhergehenden Entwickelungen zeigen, daß die Zers etzungs⸗
zleichung eines Sprengstoffs nicht nur die Natur und die Mengen
der Komponenten und der Reaktionsprodukte erkennen läßt, son⸗
dern, thermo⸗chemisch betrachtet, auch die bei der Reaktion ent—
wickelte Wärmemenge O. Hus diesen Daten ergeben sich nun
weitere wichtige Schlußsolgerungen.
Damit die explosive Reaktion eintrete, ist die Temperatur der
sprengmasse an einer Stelle bis zu der Zersetzungstemperatur
zu steigern. Wenn die bei der Zersetzung frei werdende Wärme
ausreicht, um die Temperatur der benachbarten Leile in gleicher
Weise zu erhöhen, so pflanzt sich die Zersetzung durch die ganze
Masse fort. Die Entzündungstemperatur, also diejenige
Temperatur, bei welcher die Verbrennung beginnt und der An—
stoß zur Explosion gegeben wird, ist für verschiedene Stoffe ver⸗
schieden. Schwarzpulver entzündet sich bei 3150, Knallqueckilber
bei 1860. Andere Entzündungstemperaturen sind nach Munroe:
für Nitroglyzerin ............. 203 bis 2050
komprimierte Schießbaumwolle. .. 192 2010
Dynamit Nr. 1. .1. 2000
Belatinedynamit 203 2090.
Wenn viel Wärme durch Strahlung und Leitung verloren geht
und zur Erhöhung der Spannkraft der Gase verbraucht wird, so
kann die Temperalurerhöhung, d. h. die Geschwindigkeit der Mole⸗
kularbewegung, so gering sein, daß keine Explosion eintritt. Wenn
z. B. Acetylen durch Crwärmung in Benzol umgewandelt wird,
so wird eine sehr erhebliche Menge Wärme frei, das vierfache
der bei der Cxplosion von Pulver entwickelten Wärme, bezogen
auf gleiche Gewichte. Dennoch erfolgt keine Erplosion, weil die
Wärme so allmählich auftritt, daß sie verschwindet, ohne erheb⸗
liche Temperatursteigerung zu bewirken GBertheloth.
Die molekulare Geschwindigkeit ist also ein wesentliches Clement
bei diesen Vorgängen. Die Gesetze, welche dabei in Frage kommen,
faßt Berthelot folgendermaßen zusammen: Die molekulare Be—
wegung wächst mit der Temperatur in raschem Verhältnis. Sie
nimmt ferner zu mit der Dichtigkeit des Stoffes, also mit dem
Druck in einem gasförmigen System. Sie wird vermindert durch
die Gegenwart eines inerten Rörpers, welcher durch Wärmever—
brauch die Temperatur erniedrigt und auch die Dichtigkeit ver—⸗
Anus 286: Biedermann, Sprengstoffe.