Erplosionsgeschwindigkeit. Initialimpuls. 37

?. Initialimpuls.

Die oben (S.30) erwähnte Verschiedenheit im explosiven Serfall ein
und desselben Sprengstoffs scheint abhängig zu sein von der Art,
wie der Serfall des endothermischen Systems eingeleitet oder aus—
gelöst wird, d. h. vom sog. Initialimpuls. Der Widerstand gegen
den freiwilligen Eintritt der explosiven Reaktion muß an minde—
stens einem Punkte durch Cinwirkung einer fremden Energie über⸗
wunden werden. Die explosive Umwandlung z. B. des Systems
CI (Chlorknallgas) in das Suftem 2HCI
Hꝰ 012 2BCI 22 Kal.

erfolgt unter Cinwirkung des Sonnen⸗ oder elektrischen Cichtes.
In andern Fällen wird eine andere Form der Energie, Wärme,
mechanische, wie Stoß, Druck, Keibung, oder chemische Energie, ver⸗
wendet. Es ist aber eine Aquivalenz unter den verschiedenen Energie⸗
arten in bezug auf die Initialwirkung anscheinend nicht vorhanden.
Sso hat Berthelot nachgewiesen!), daß Knallquecksilber gegen Stoß
empfindlicher ist als Silberoxalat, daß letzteres aber bei gleicher
Wärmezusuhr früher explodiert als jenes. Es ist zweifellos, daß
die Art und die Intenfität des Initialimpulses von wesentlichem
Einfluß auf den Cintritt und Verlauf der Erplosion ist.
Der Initialimpuls kann durch plötzliche ftarke Wärmezufuhr
herbeigeführt werden (Funken⸗, Glühzündung). Stoffe, wie Pikrin⸗
säure und Kaliumchlorat, weiche bei allmählicher Wärmezufuhr
ruhig schmelzen bzw. abbrennen, explodieren, wenn sie plötzlich
sehr hohen Temperaturen ausgesetzt werden. Die plötzliche Wärme—
entwicklung ist es auch wohl, welche bei der Schlaͤg- und Stoß⸗
zündung durch die plötzlich umgewandelte lebendige Kraft der
bewegten Mafse zur Wirkung kommt.
Die gebräuchliche Sprengkapsel-(Nnallquecksilber)zündung ist
wohl nur als eine Abart der Funkenzündung anzuziehen, die sich
aber unter hohem Explosionsdruck vollzieht. Die außerordentliche
Brisanz des Knallquecksilbers vermag, wie A. Nobel zuerst ge⸗
zeigt hat, Sprengstoffe zur Detonation zu bringen, bei denen ein—
fache Zündung nur ein Abbrennen herbeiführt oder sie gar nicht
affiziert. Durch die aussprühenden Funken einer Zündschnur wird
die Dynamitladung eines Bohrlochs zunächst zum „Auskochen“
gebracht; erst bei der unter dem Besatze stattfindenden Steigerung

1) Mat. explos. 1, 71.