38 Zweites KAapitel: Theorie der Sprengstoffe

des Drucks und der Temperatur tritt Explosion ein. Eine Rnall—
quecksilber-Sündung bewirkt aber momentane Detonation, hier,
wie bei allen brisanten Sprengstoffen. Wahrscheinlich spielt bei
dem Initialimpuls die Berthelot'sche explosive Welle eine wich—
tige Rolle; es ist sonst nicht gut das sehr verschiedene Verhalten
höchst empfindlicher Stoffe wie Metallsalze der Stickstoffwasser—
stoffsäure, Knallquecksilber, Schwefelstickstoff usw. als Initiierungs—
mittel zu verstehen.

8. Explosionstemperatur.

Die Kenntnis der Explosionstemperatur ist zur Bestimmung
des Drucks, unter welchem die Explosionsgase in einem bestimmten
Raum stehen, erforderlich, wichtig auch deshalb, weil die Ent—
zündung von Schlagwettern davon beeinflußt wird.
Die direkte Messung der hohen Exrplosionstemperaturen bietet
außerordentliche Schwierigkeiten dar. Man ist wesentlich auf die
theoretische Berechnung angewiesen.
Die theoretische Berechnung erfolgt auf Grund der kalorimetri—
schen Konstanten der in Frage kommenden Körper. Die bei der
Reaktion freiwerdende Wärme (O) wird durch die mittlere spezi—
fische Wärme (c) der Explosionsprodukte dividiert:
t22.

Das Ergebnis ist richtig, vorausgesetzt, daß man die richtige spe⸗
zifische Wärme einsetzt und die Menge Wärme (O) der Bildungswärme
 der Produkte entspricht, welche bei den Explosionsbedin⸗
gungen tatsächlich vorhanden sind. Die entwickelte Wärmemenge
ist unabhängig von der Größe des Raumes, in welchem die Er—
plosion sich vollzieht, ebenso von dem Verhältnis zwischen Anfangs-⸗
druck und entwickeltem Druck, bei konstantem Volumen. Es ist
aber zu berücksichtigen, daß wir über die chemische Beschaffenheit
der Explosionsprodukte bei dem Explosionsvorgange nicht genügend
unterrichtet sind. Sind sie dieselben Stoffe, welche man nach Er—
kalten der Gase auf analytischem Wege findet? Bei der hohen
Temperatur können die Verbrennungsprodukte dissoziiert und die
Elemente frei vorhanden oder zu einfacheren Verbindungen zu—
sammengetreten sein. Dann würde die im Moment der Explosion
entwickelte Wärme geringer sein. Andererseits verringert sich die
Dissoziation im Maße als der Druck beträchtlicher wird. Den