42 Zweites Kapitel: Theorie der Sprengstoffe.

höher als 500 bis 6000. Bei sehr starken Drucken und sehr hohen
Cemperaturen, also gerade unter den durch CExplosion herbei—⸗
geführten Umständen, sind sie nicht mehr streng gültig. Die Rech⸗
nungen sind also nur unter gewissem Vorbehalt zu verwenden.
Berthelot sieht das Produkt aus spezififchem Gasvolumen
und Explosionstemperatur yg t — vg— als Maß für die mecha⸗
nische Arbeitsleistung der Sprengstoffe an, und er nennt die Größe
vo O das charakteristische Produkt des Sprengstoffs. Man darf
darin aber nicht einen Wertmesser für die Explosiostoffe sehen,
da ein wichtigstes Moment, die Detonationsgeschwindigkeit, dabei
keinen Ausdruck findet.

2. Gasdruck-Meßapparate.
Man hat schon früh den Gasdruck durch direkte Messung zu
bestimmen gesucht. Dies ist auch zu empfehlen, da die theoretische
Berechnung, wie wir gesehen, mit nicht ganz zuverlässigen Sak—
toren zu tun hat.
Die zu dem 3weck konstruierten Apparate beruhen auf der
statischen oder der dynamischen Methode. Bei jener wird, wie bei
der Wage, der zu messenden Kraft eine veränderliche Kraft ent⸗
gegengesetzt, deren Größe man kennt, mit welcher man der anderen
das Gleichgewicht zu halten sucht. Die dynamische Methode be⸗
steht in der Untersuchung der Bewegung, welche einem schweren
Rörper durch den Gasdruck mitgeteilt wird.
Einer der einfachsten und am längsten bekannten Druckmeß⸗
apparate ist der des Grafen Rumford vom Jahre 1792. Dies
war im wesentlichen ein schmiedeeiserner Mörser, in dessen Boh⸗
rung die Pulverladung gegeben wurde, und der mit einer Ein⸗
richtung versehen war, um das Pulver mittels einer glühenden
Eisenkugel zu entzünden. Auf den Mörser legte man Gewichte
verschiedener Größe, und man beobachtete, ob das aufgelegte Ge⸗
wicht nach dem Abfeuern gehoben wurde, so daß die Gase ent—
weichen konnten.
Der Kerbapparat von Rodman (1857) und seine ver—
schiedenen Abänderungen, ebenso der Apparat von Uchatius
beruhen darauf, daß durch einen keilförmigen oder kreissegment⸗
förmigen stählernen Meißel, welcher mit einem durch die Ex⸗
plosionsgase bewegten Kolben verbunden ist, auf einer Rupfer⸗
platte ein mehr oder weniger langer Einschnitt erzeugt wird.