4 Zweites Kapitel: Theorie der Sprengstoffe.

abgedichtet werden, sind in schmiedeeisernen Scheiben eingeschraubt,
welche ihrerseits durch sechs Bolzen zusammengehalten werden,
wie auf der Zeichnung zu sehen ist. Die von Noble und Abel,
sowie von Sarrau und Vieille mit diesem Apparat erhaltenen
Druckgrößen stimmen mit den durch Rechnung gefundenen recht
gut überein.
Die bequemste Methode, um vergleichsweise die Kraftäußerung
von Sprengstoffen zu ermitteln, ist die Trauzl'sche Bleiblock—
probe. Nach diesem, dem täglichen Gebrauch dienenden Verfahren
wird die Explosion des Sprengstoffs in einem Bleizylinder von
bestimmten Abmessungen vorgenommen, der eine zentrale Bohrung
von ebenfalls bekannten Dimensionen hat. In diese bringt man
die abgewogene Menge Sprengstoff, mit Sprengkapsel und Zünd⸗
schnur versehen, füllt den übrig gebliebenen hohlraum mit trockenem
Sand, spannt zweckmäßig das Ganze zwischen eisernen Platten ein
und bewirkt elektrisch die Zündung. Es entsteht ein flaschenförmiger
hohlraum, welcher durch Eingießen von Wasser aus einem gra⸗
duierten Gefäß gemessen wird.
Für die Ausführung sind auf dem V. Inter⸗
nationalen Kongreß für angewandte Chemie
(1903) einheitliche Bestimmungen beschlossen
worden. In einer gußeisernen Gießform wird
ein Bleizylinder von 200 mm höhe und
200 mm Durchmesser gegossen. In der Achse
dieses Zylinders befindet sich eine 125 mm tiefe und 25 mm
weite Ausbohrung, welche zur Aufnahme des Sprengstoffs be—
stimmt ist. Das Blei soll reines Weichblei sein, und die für eine
Hersuchsreihe bestimmten Zylinder sollen ein und derselben Schmelze
entstammen. Zur Erwärmung des Gießstutzens wird um diesen ein
glühend heißer King gelegt.
Die Bleizylinder müssen nach dem Gusse eine gleichmäßige
Temperatur von 15 bis 200 angenommen haben.
Eine Menge von 10 g des zu prüfenden Sprengstoffs wird
abgewogen und in Sinnsolie von 80 bis 100 8 pro qm nach
nebenstehenden Abmessungen zu einer Patrone von 25 mm Durch⸗
messer geformt (Fig. 2).
Als Initialzündung wird in die Mitte des Sprengstoffs eine
Sprengkapsel mit 2g Ladung mit ausschließlich elektrischer Zün—
dung eingesetzt. Die Patrone wird in das Bohrloch mit hilfe
eines Holzstäbchens bis auf den Grund des Bohrlochs hinunter⸗

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