50 Drittes Kapitel: Technologie der einzelnen Sprengstoffe.

salpetergewinnung dienen. Auf diese Quelle wurde man während
der ersten französischen Republik aufmerksam, als deren Kriege
viel Schießpulver erforderten und der Bedarf an dem dazu nötigen
Salpeter durch Einfuhr aus dem Uuslande nicht gedeckt werden
konnte. „Gebt uns salpeterhaltige Erde, und nach drei Tagen
werden wir unsere Kanonen laden“, rief der Chemiker Monge
aus, und in der Tat gewann man in wenigen Monaten zwölf
Millionen Pfund Salpeter auf diese Weise. Die Salpetersäure,
welche die Nitrate der Mauerauswitterungen bildet, ist das End⸗
produkt der Oxrydation von stickstoffhaltigen organischen Stoffen,
die in den tierischen Abfallstoffen in den Ställen usw. vorhanden
—
ahmt, indem man ein Gemenge von tierischen Abfallstoffen aller
Art und von Kali- und Kalksalzen, wie holzasche, Bauschutt usw.,
der Einwirkung der Luft aussetzt. Die daraus gebildeten haufen
bleiben monate⸗ oder jahrelang liegen und werden während dieser
Zeit öfter umgeschaufelt. Schließlich laugt man die äußere Schicht mit
Wasser aus und gewinnt aus der Lauge nach Zusatz von Pot—⸗
asche (Kaliumkarbonat) durch Abgießen der Lösung von dem ent⸗
—
salpeter.
Die so gewonnenen Salpeterarten enthalten noch viele Fremd⸗
stoffe und müssen durch wiederholtes Umkristallisieren gereinigt
werden. Bedeutend einfacher ist der sog. Konversionsfalpeter
rein zu erhalten. Etwa um 1820 wurden in den Grenzbezirken
zwischen Chile und Peru die ausgedehnten Lager von Salpeter
entdeckt, die seitdem besonders für die europäische Landwirtschaft
als Stickstofflieferer für die Pflanzen, aber auch für die Industrie
von größter Bedeutung geworden sind. Die ziemlich dicht an der
Erdoberfläche liegende, „Caliche“ genannte Schicht enthält aber
nicht Kali⸗, sondern Natronsalpeter, der wahrscheinlich aus See—
pflanzen unter Mitwirkung von Guano entstanden ist. Die Sal⸗
petererde wird mit Wasser ausgelaugt und aus der Lösung durch
Eindampfen und UKristallisation der Natronsalpeter gewonnen.
Die dabei erhaltene Mutterlauge enthält Fremdsalze, besonders
jodsaure Salze, und bildet eine wichtige Quelle für die Jodgewin—
nung. Da das Natriumnitrat wegen seiner hygroskopischen Cigen⸗
schaft für die Schwarzpulver-Fabrikation ungeeignet ist, so wird
der Chilesalpeter in Kalisalpeter „konvertiert“, indem man heiße
gesättigte Lösungen von 8 Teilen Chilesalpeter und 7 Teilen Chlor—