52 Drittes Kapitel: Technologie der einzelnen Sprengstoffe.

englischen Schwarzpulver angesehen. Von vielen Seiten wurde die
Behauptung aufgestellt, daß ein Gehalt an überchlorsaurem Ka⸗
lium bei längerem Lagern des Pulvers eine Explosion hervor⸗
rufen können und auch wohl schon mehrfach hervorgerufen habe.
Ein quantitativ wirkendes Mittel zur Entfernung des Perchlorats
kennt man nicht; wiederholte Umkristallisation des Salpeters be—
wirkt aber eine genügende Keinigung. Dupré einerseits, Lenze
und Bergmann andererseits)) haben indeß den Nachweis geliefert,
daß perchlorathaltiges Pulper auch gegen starke Einwirkungen
nicht gefährlicher ist als solches, das frei von diesem Körper ist.
Dies ist auch wahrscheinlich, da die Zersetzung des Kaliumper—
chlorats Wärme verbraucht, nicht entwickelt: KClO KCI4 O
-7,9 Kal.
Der für die Schwarzpulverfabrikation benötigte Sch wefel wird
durch sorgfältige Reinigung des sizilianischen Rohschwefels erhalten.
Der Schwefel fiedet bei 4480. Man kann ihn daher durch Destil⸗
lation von begleitender Gangart, Gips und UKalkstein, trennen.
Werden die Schwefeldämpfe rasch und plötzlich abgekühlt, so bil—
den sie erstarrt ein feines Pulver, die sog. Schwefelblumen. Er⸗
folgt die Abkühlung langsam und bei höherer Temperatur, so
erhöht man zunächst flüssigen Schwefel (Schmelzp. 1120), der in
hölzerne, etwas konische Formen gefüllt wird, in welchen er zu
— Pulverfabrikation
nur den letzteren und nicht, was anscheinend vorteilhafter sein
würde, die feinpulverigen Schwefelblumen, da diese infolge ihres
feinzerteilten Zustandes eine geringe Orydation erleiden und des—
halb schweflige Säure und Schwefelsäure enthalten. Um den Stangen⸗
schwefel ohne Entzündungsgefahr fein pulverisieren zu können,
leitet man zweckmäßig während des Mahlens Kohlensäure oder
ein anderes inertes Gas durch den Arbeitsraum.?)
Sehr wichtig ist die Beschaffenheit der Holzkohle, welche leicht,
porös, gut zerreiblich, leicht entzundbar, nicht hygrostopisch und
von geringem Aschengehalt sein soll. Meistens benutzt man zur
Vverkohlung das Faulbaumholz, Rhamnus frangula, besonders
für Schießpulver. Daneben auch, für billigeres Sprengpulver, das
Hholz der Weide und Erle, ferner der Pappel, Linde, Haselnuß—
staude, in Italien und Spanien auch hanf.
1) Journ. Soc. Chem. Ind. 1902, 825. - V. Internat. Kongreß
. angew. Chem. 1903.
2)D. P. 136547 von Walter.