50 Drittes Kapitel: Technologie der einzelnen Sprengstoffe.

Die verschiedenen Pulvergrößen werden häufig miteinander
in bestimmten Verhältnissen vermengt, um ein Pulver von be—
stimmten Cigenschaften herzustellen. Denn die Wirkung des Schwarz⸗—
pulvers hängt nicht allein von dessen Zusammensetzung ab, sondern
auch von der Korngröße. Staubförmiges Pulver brennt langsamer
ab als gekörntes und feinkörniges schneller als grobkörniges.
Das fertige Pulver wird in Tonnen oder dichten kupfernen
Kasten von 50 kg Inhalt verpackt.
RKomprimiertes und prismatisches Pulver. Das aus der
Kanone abgefeuerte Geschoß soll eine möglichst große Stoßkraft
haben. Diese hängt außer von dem Gewichte des Geschosses ab
von der Sluggeschwindigkeit. Letztere kann man nicht durch Ver—
mehrung der Pulperladung ad libitum vergrößern, denn bei starker
Cadung würde der Gasdruck bei der Explosion des Pulpvers so
groß werden, daß das Geschützrohr dadurch gesprengt werden
würde. Man suchte nun ein Maximum an Sluggeschwindigkeit
und Durchschlagskraft dadurch zu erreichen, daß man statt eines
momentan abbrennenden, sog. offensiven Pulvers ein langsam
verbrennendes anwendete.
Wenn das momentan erplodierende Pulper vollständig verbrennt,
ehe das Geschoß seine Bewegung im Geschützrohre beginnt, so
haben die Pulvergase zu früh ihre höchste Spannung. Diese nimmt
ab im Maße, als das Geschoß sich zur Mündung fortbewegt, weil
die Gase den sich beständig vergrößernden Raum im Rohre aus—-⸗
füllen und dabei auch einen Teil ihrer lebendigen Kraft als Wärme
an Geschütz und Geschoß abgeben. Dieser Verlust ist um so größer,
je länger das Geschützrohr ist, und wenn das Geschoß aus der
Mündung heraustritt, ist die Gasspannung erheblich geringer als
zu Anfang, wenn die Gase das Geschoß in Bewegung setzen. Wenn
aber das Pulver so langsam verbrennt, daß die Entwickelung der
Explosionsgase erst dann vollständig ist, wenn das Geschoß die
Mündung verläßt, so kann die Gasspannung vom Beginn der
Entzündung bis zum Austritt des Geschosses im wesentlichen sich
gleich bleiben oder sogar zunehmen. Demnach wird bei gleich hohem
Gasdruck im Ladungsraume das Geschoß eine erheblich größere
Anfangsgeschwindigkeit annehmen, als wenn es durch plötzlich ver—
brennendes, offensives Pulver fortgeschleudert wird.
Auf Grund dieser Erwägungen, die durch experimentelle Messung
des Gasdruckes in den Geschützrohren bestätigt werden, hat zuerst
General Rodm an in den Vereinigten Staaten während des Bürger—