54 Drittes KRapitel: Technologie der einzelnen Sprengstoffe.

nicht ein Schwarzpulver mit Ammonsalpeter bis zum Schmelz⸗
punkt des Schwefels erhitzen und pressen und dadurch die wasser⸗
anziehenden Teile umhüllen, wie es beim Natronsalpeterpulver
möglich ist, weil schon unterhalb dieser Temperatur explosive Zer—
setzung eintritt, aber andere niedriger als Schwefel schmelzende
Bindemittel können den gewünschten Erfolg herbeiführen. Ammonsalpeterhaltige
 Sprengstoffe sind daher in neuerer Zeit von her⸗
vorragender Wichtigkeit geworden.
Nicht allein die Alkalinitrate, sondern auch die Alkalisalze an—⸗
derer sauerstoffreicher Säuren sind, wie leicht einzusehen, als
Sauerstoffträger für Explosivstoffe zu benutzen. Schon Graf Ber—
thollet hat zu diesem Zweck das von ihm im Jahre 1786 ent⸗
deckte Kaliumchlorat KClOs empfohlen. Dieses Salz zersetzt sich
bei 3520 nach der Gleichung:
2KCIOS RCIO- CI O..
Bei stärkerem Erhitzen zerfällt dann auch das Kaliumperchlorat:
RKClIO0SS KCI 202.

Bei raschem oder plötzlichem Erhitzen zerfällt das Chlorat wahr—
scheinlich direkt in Chlorid und Sauerstoff. Nach Dupré wird
Herchlorat (welches im Salpeter enthalten sein kann, s. oben 8. 52)
bei 5459 sogar umgekehrt in Chlorat verwandelt.
cin Schießversuch, der mit Bertholletschem Kaliumchloratpulver
angestellt wurde, fiel unglücklich aus, das Geschütz zersprang, und
mehrere Personen kamen dabei ums Leben (1788). Die kalium—
chlorathaltigen Sprengstoffe sind gegen Stoß und Schlag so emp⸗
findlich und zugleich so brisant, daß ihre Herstellung, Aufbewah⸗
rung und Verwendung mit Gefahren verknüpft ist. Erst in neuerer
Zeit ist man auf die Verwendung des Kaliumchlorats wieder zu—
rückgekommen, besonders seitdem dessen herstellung durch die Elek—
trolhse der Chloralkalien, die jetzt ein chemisches Großgewerbe
darstellt, sehr billig geworden ist. Es ist dabei notwendig, die
große Empfindlichkeit der Chloratsprengstoffe herabzumindern.
Im D. P. 95278 von A. v. Stubenrauch wird als geeignetes
Mischungsverhältnis für einen solchen angegeben: 80 Proz. Kalium⸗
chlorat, h —7, Proz. Teer, 12-14 Proz. Kohle, “ Proʒ.
Magnesium- oder Kalziumkarbonat. Die Anwendung von Kohlen⸗
wasferstoffen und besonders auch von fetten Olen, zur Umhüllung
des Chlorats in Chloratsprengstoffen, die sich allerdings vom