Sprengels Sprengstoffe. — Nitroglyzerin. 67

Eine gewisse Berühmtheit hat das Rackarock erlangt, welches
zum Sprengen des hellgate-Selsens im hafen von New-Hork ver—
wendet wurde. Dieser Sprengstoff wurde aus Kaliumchlorat und
Nitrobenzol unter Zugabe von 12 bis 16 Proz. Pikrinsäure her⸗
gestellt.
Die flüssigen Sprengelschen Explosivmittel sind Mischungen
von Salpetersäure mit Nitrobenzol u. dgl., auch mit Pikrinsäure.
Auch derartige Gemische können, mit Knallquecksilber⸗Sprengkapsel
entzündet, bedeutende Kraftwirkung entfalten.
Obgleich die Sprengstoffe dieser Art im allgemeinen von der
Praxis zurückgewiesen worden sind, werden immer wieder der—
artige Mischungen komponiert. So von Hellhoff der hellhoffit
Galpetersäure — Binitrobenzoh), von Turpin die Panklastite.
zu letzterem soll verflüssigte Untersalpetersäure (Stickstoffdioxyd
NO9) verwendet werden im Gemisch mit Schwefelkohlenstoff, Pe—
troleumbenzin oder dgl.
Erwähnt sei hier noch, daß von Winand Grit. P. 26261/1907)
das Tetranitromethan C(NO) als Sauerstoffträger in Gemisch
mit Petroleum oder dgl. vorgeschlagen wird. Diefer Körper kri—
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ist in Wasser unlöslich. Um eine vollständige Verbrennung zu
erzielen, sind folgende Verhältnisse zu wählen: bei Verwendung
von Petroleum 1: 7, von Ruß 1:2,5, von Rohlenhydraten 1:2,
von Benzol 136,3, von Essigsäure 1: 2,2. Die schwierige Ge—
winnbarkeit solcher Körper steht ihrer Verwendung entgegen.

4. Nitroglyzerin, Sprengöl.

Das Nitroglyzerin ist keine Nitroverbindung, trägt seine Be—
zeichnung also zu Unrecht. Es ist vielmehr der Trisalpetersäure⸗
ester des dreiwertigen Alkohols Glyzerin. Wäre es eine Nitro—
verbindung (in welcher die Nitrogruppe NOs unmittelbar mit
einem Celtom verbunden sein würde), so würde bei der Behandlung
 mit Reduktionsmitteln die Nitrogruppe in die Amidogruppe
NH* übergeführt werden. Dies geschieht nicht, sondern es wird
dadurch, entsprechend seiner Esternatur (gemäß welcher die NO⸗
Gruppe an ein Sauerstoffatom und durch diefes an Kohlenstoff
gebunden ist) Glyzerin regeneriert, und durch Einwirkung von
fetzalkali entsteht Glyzerin und Alkalinitrat. Die Ronstitution des
Nitroglyzerins entspricht also folgender Formel: