Nitroglyzerin, Herstellung, Eigenschaften. 73

daß, wenn man der Abfallsäure eine kleine Menge Wasser zusetzt,
in letzterer auch nach langer Zeit keine Nitroglyzerinbildung ein⸗
tritt. Die Menge Wasser ist so gering (2Proz.) daß die Wiederkon—
zentration der Säure dadurch nicht beeinträchtigt wird. Man kann
die Säure ohne besondere Vorsichtsmaßregeln beliebig lange auf—
bewahren.
Die Waschwässer aus den verschiedenen Phasen der Fabrikation
können merkliche Mengen Nitroglyzerin mit sich fortführen. Die
von der Scheidung kommenden Waͤsser sind meistens sauer, die
von den endgültigen Waschungen kommenden alkalisch. Sie kommen
in lange ausgebleite Kästen, die durch Querwände in eine An—
zahl von Abteilungen geteilt sind. Die Querwände haben ab—
wechselnd oben und unten Offnungen, so daß das Wasser auf⸗
und absteigen muß und auf diesem Wege das Nitroglyzerin aus⸗
fallen muß. Dies wird von ZSeit zu Zeit durch einen hahn an
der tiefsten Stelle des mit schrägem Boden versehenen Gerinnes
abgelassen.
Da, wo es erforderlich ist, sind in der Nitroglyzerinfabrik
Sicherheitsbottiche angebracht, besonders in Verbindung mit
dem Nitrierapparate und der Scheidevorrichtung. Diese meist ver⸗
bleiten Bottiche müssen einen solchen Fassungsraum haben, daß
bei halber Füllung mit Wasser die Menge des letzteren mindestens
der zehnfachen Menge der zu ersäufenden Charge entspricht. Wenn
beim Nitrieren usw. unter Crwärmung und Entwickelung alpetriger
Dämpfe der Beginn einer gefährlichen Zersetzung sich bemerkbar
macht, so muß die Charge sogleich in den grofsen Wasserüberschuß
abgelassen werden.
Eigenschaften. Das Nitroglyzerin ist eine bei gewöhnlicher
Temperatur ölige Slüssigkeit von gelblicher Färbung, ohne Geruch
und von süßlichem Geschmack. Es ist giftig und greift die Schleim—
häute an. Die Dämpfe erzeugen, eingeatmet, Kopfweh und Schwin⸗
del. Es ist fast unlöslich in Wasser; bei gewöhnlicher Temperatur
löst dieses nur 0,003 Proz. Leichter löst es sich in Alkohol, üther, Me—
thylalkohol, Azeton, Benzol, Chloroform. Sein spezifisches Gewicht
ist 136, in gefrornem Zustande 1,735. Bei dauernder Einwirkung
einer Temperatur von 700 verdampft es langsam, nach Gutt—
mann auch schon unter dieser Temperatur. Bei 1050 entwickelt
es rote Dämpfe und bei 2170 tritt Explosion ein. Bei 4 80 ge—
friert es zu langen Kristallen und taut erst bei 110 wieder auf. Es
zeigt indessen in hohem Maße die Eigenschaft der Unterkühlung,