70 Drittes Rapitel: Technologie der einzelnen Sprengstoffe.

d. h. es bleibt noch flüssig auch erheblich unterhalb des Gefrier—
punktes und wird dann durch die ganze Masse fest, sowie ein
Nitroglyzerinkriställchen hineingeworfen wird. Nauckhoff!) hat
die Schmelztemperatur des reinen Nitroglyzerins zu 12 bis 12,40,
die des technischen zu 10,4 bis 10,50 festgestellt. Es ist sehr emp⸗
findlich gegen Stoß und Schlag. Nach Will tritt durch einen Fall⸗
hammer von 2Kg Gewicht Detonation bei 4 em FSallhöhe ein.
Durch eine Flamme, z. B. die eines brennenden Zündholzes, wird
das Nitroglyzerin nur schwierig entzündet. In kleinen Mengen
brennt es ruhig ab. Kann sich aber die dabei entwickelte Wärme
ansammeln, so daß die Temperatur bis 1800 steigt, so explodiert
es mit größter heftigkeit, ebenso durch Schlag und Stoß oder
durch die Explosion eines Knallquecksilberzünders. Wird ein Tropfen
Nitroglyzerin auf Filtrierpapier gebracht und ein Hammerschlag
auf dieses ausgeübt, so detoniert es mit lautem Knall. Gefrorenes
Nitroglyzerin soll gegen Schlag weniger empfinolich sein als flüssiges;
es ist jedoch nicht ausgeschlossen, daß die durch Sertrümmern der
Kriftalle frei werdende Wärme die Sersetzung einleiten kann.
Die Zersetzung des Nitroglyzerins erfolgt nach der Gleichung:
2 CSN(.NOVSG COCS 5SHBOSBRNSO.

Es wird also der Vohlenstoff und Wasserstoff vollständig zu
Kohlensäure und Wasser verbrannt, ja es bleibt noch 4 Mol.
Sauerstoff übrig (im Gegensatz zu Schwarzpulver, Schießbaum—
wolle u. a.). Prozentisch ausgedrückt, entstehen 58,2 Proz. Kohlen⸗
säure, 19,8 Wasser, 18,5 Stickstoff, 3,5 Sauerstoff.
Die Gleichung zeigt ferner, daß dabei 6 45 3414,5 Mol.
gasförmiger Körper entstehen. Da das in Gramm ausgedrückte Mol.
Gew. eines Gases bei 760 mm Druck und 09 den Raum von
22,32 1, bei 150 den von 23,551 einnimmt, so ergibt sich, daß
2 Grammmoleküle Nitroglyzerin (also 454,3 g) eine Gasmenge
liefern, die bei 139den Raum von 14,65 23,55 341,475 1 ein⸗
nimmt. 1 kg gibt also 1070. 311, 175 — 75151 Gase bei 150
oder 712,861 bei 0Ob. hierbei ist das Wasser immer als dampf—
förmig gedacht. Berücksichtigt man nur die Gase nach Verflüssi⸗
gung des Wassers, so ergibt sich für 1k8 467 1 Gase. Für die
Erplosionstemperatur (t), die bei der Cxplosion im eigenen Volumen
entwickelte Wärmemenge (O), die Arbeitsfähigkeit (A), den Gas—
sJ 3. andew. Ch. 1905. 16.