76 Drittes Kapitel: Technologie der einzelnen Sprengstoffe.

ringe Mengen von abgeschiedenem Trinitroglyzerin werden ent⸗
fernt, und die Lösung wird mit Kther ausgeschüttelt. Die äthe—⸗
rische Lösung wird mit Sodalösung neutralisiert, und nach Tren—
nung von der Salzlösung wird der äther abdestilliert und das
zurückbleibende Dinitroglyzerin über Schwefelsäure getrocknet.
Man kaun das Dinitral auch bequem aus Trinitroglyzerin er—
halten, wenn man dieses in Schwefelsäure löst und die Lösung
mit Wasser verdünnt.
Genaue Angaben über Natur und Beschaffenheit des Dinitro⸗
glyzerins sind von W. Will mitgeteilt worden.) Das in der an⸗
gegebenen Weise erhaltene Produkt ist ein nahezu farbloses Ol
von 1,47 spez. Gew. bei 1503; es erstarrt erst unterhalb — 380.
In Wasser von 150 löst es sich zu 8 Proz. Verdünnte Schwefel⸗
säure löft es auf, stärkere (z. B. 70!proz.) spaltet daraus Salpeter⸗
säurereste ab, so daß erst Mononitroglyzerin, dann Glyzerin ent⸗
steht. Im Gegensatz zum Trinitrat ist das Dinitrat hygroskopisch,
indem es aus der Luft bis 3 Proz. Wasser aufnimmt. Trocken hat
es hervorragendes Gelatinierungsvermögen für Nitrozellulose.
Die Theorie läßt zwei isomere Formen für das Dinitrat des
Glyzerins voraussehen, welche durch die Formelbilder K und F
ausgedrückt werden.
C . O.NO* CN. O-.NO*
CH. O CH. O. NO?
CH . O· Hoꝰ CH . OH
(K) P)

Beide isomere Körper entstehen bei der beschriebenen Nitrie⸗
rung des Glyzerins. Man kann sie voneinander trennen, indem
man das rohe Dinitroglyzerin, welches 3 Proz. Wasser erhält, mit
Nieselgur vermischt und Temperaturen von Oð bis — 200 aus⸗
setzt. Es tritt dann Kristallisation ein. Bringt man nun einen
soichen Kristall in Dinitroglyzerin, so kristallissert ein großer Teil
aus (K), von welchem der flüssig gebliebene Anteil (F) durch Eb⸗
saugen getrennt wird.
Das Dinitroglyzerin (K) bildet Prismen vom Schmelzp. 26093;
sie sind in Wasser leicht löslich, auch in Benzol. Die Verbindung ent⸗
hält Kristallwasser, entsprechend der Formel 3 CMSOMN? HEO;

1P Ber. D. chem. Ges. 1908. 1107