78 Drittes Kapitel: Technologie der einzelnen Sprengstoffe.

vom Schmelzpunkt 540. Dieses liefert bei vorsichtiger Nitrierung
das Dinitroglyzerin F, die o-Derbindung dagegen die beiden Dini⸗
trate F und K, ein Verhalten, welches der Vonstitution der Nitrate
E und K entspricht. Beide Mononitrate sind nicht explosiv.
Die Wirksamkeit der Dinitrate als Mittel, um die Gefrierbar—
keit des Trinitroglyzerins zu verhindern, ist nicht einwandfrei. In
wasserfreiem Zustande bleiben sie allerdings bei niedrigen Winter—
temperaturen flüssig. Sie ziehen aber aus der Luft Wasser an,
und die Hydrate kristallisieren verhältnismäßig leicht. Ihre Stoß⸗
empfindlichkeit ist, wenn auch geringer als die des Trinitro—
glyzerins, doch nicht unbeträchtlich.
Als wirksames, selbst noch sprengkräftiges Mittel zur Verminde—
rung der Gefrierfähigkeit von Nitroglyzerinsprengstoffen hat sich das
Monochlordinitroglyzerin bewährt. Nach D. P. 180 668 der
Deutschen Sprengst. Akt.“Ges. Alfr. Nobel wird Glyzerin mit
Salzsäure in Monochlorhydrin CꝰHꝰ. ClI(OM)* übergeführt, wel—⸗
ches beim Nitrieren ein Gemisch von Dinitrochlorhydrin und Tri⸗
nitroglyzerin liefert.
Das Dinitrochlorhydrin, eine gelbliche in Wasser unlösliche
Flüssigkeit, siedet bei 190 bis 1930 unter geringer Sersetzung,
unter Druck von 15 mmbei 1220 unzersetzt. Es ist sehr unemp⸗
findlich gegen Stoß und Schlag, detoniert durch Initialzündung
mittels Rnallquecksilber. Es wird bei — 300 noch nicht fest. Wert⸗
voll ist seine Eigenschaft, wie Trinitroglyzerin, Nitrozellulose auf⸗
zulösen und damit eine Sprengstoffgelatine zu bilden. Mit Tri—
nitroglyzerin mischt es sich in jedem Verhältnis. Nach D. P. 183400
der D. Sprengst. Akt.Ges. ist die Gefrierbarkeit eines Spreng—
öls, welches aus Nitroglyzerin mit 5 bis 20 Proz. Chlordinitro⸗
glyzerin besteht, praktisch aufgehoben, ohne dak die Brisanz merk⸗
lich geringer geworden ist.
Aus Monoazetin, CP(OH)? O. C2HSO, und Monoformin,
CHC(OMO. CHO, hat Vender durch vorsichtige Nitrierung
Nitroprodukte erhalten, welche ähnliche Eigenschaften wie Nitro—
hlorhydrin zeigen.
Durch Erhitzung mit konz. Schwefelsäure auf 130 bis 1609
(Wohl, D. P. 58957) oder durch einfaches Erhitzen auf 2950
(will und Stöhrer) wird GElyzerin zu Diglyzerin

Brit. P. 21117, 1907, 3. Schieß- u. Sprengstoffwesen, 2.21.
2) 3. Schieß- und Sprengstoffwesen. 1.231.