80 Drittes Kapitel: Technologie der einzelnen Sprengstoffe.

glyzerin ist die Kollodiumwolle löslich. Die in ätheralkohol un—
lösliche Hexanitrozellulose bildet die Schießbaumwoile.
Der hauptsächlichste Zelluloserohstoff ist noch immer die gerei—
nigte Baumwolle. holzzellulose, die ja in großer Menge herge—
stellt wird, ist nach der erforderlichen, sehr sorgfältigen RKeinigung
zu teuer. Die Baumwolle wird mit Sodalauge entfettet und weiter
gereinigt, sodann auf Keißwölfen zerfasert, zerschnitten und bei
etwa 1000 getrocknet.
Die verschiedenen handelssorten der Baumwolle verhalten sich
nach Versuchen von Lunge und Bebieh beim Nitrieren nicht we⸗
sentlich verschieden voneinander. Croß, Bevan und Jenkins?)
haben ein verschiedenes Verhalten für gebleichte und ungebleichte
Baumwolle festgestellt. Von Cinfluß ist auch die mechanische Ver⸗
arbeitung der Baumwolle. Die viel gebrauchten Spinnereiabfälle
verhalten sich anders als rohe Baumwolle. Nach C. Vignon9
entstehen durch die Behandlung, welche die Baumwolle bis zur
Spinnfähigkeit erfährt, Derivate der Sellulose, nämlich Oxy⸗ und
hydrozellulose. Jene liefert unbeständige Nitrokörper, diese zeigt
eine größere Nitriergeschwindigkeit als unveränderte Zellulose.
Die hydrozellulose wurde von Girard9 durch Behandeln
von Baumwolle mit mäßig starker Schwefelsäure oder mit feuchtem
Salzsäuregas dargestellt. Es findet dabei Wasseraufnahme statt,
so daß aus CHο:o ein Kohlenhydrat CiHS0 wird. Durch
Einwirkung von Wasserstoffsuperoxyd auf Zellulose hat Wolf—
fenstein eine „hydralzellulose“ von aldehydischem Charakter und
eine säureartige „Azidzellulose“ erhalten, welche verschieden von
der Girardschen Hydrozellulose sind.
Die Hydrozellulose ist eine leicht zerreibliche Masse. Auf ihrer
Bildung beruht der Zerfall des Papiers, welches längere Zeit der
Einwirkung von Säuredämpfen ausgesetzt wird. Sie läßt sich durch
Salpetersäure leicht nitrieren, und es ist nicht zweifelhaft, daß in
der gewöhnlichen Nitrozellulose Nitrohndrozellulosen enthalten sind.
Nach Wolffenstein sind sämtliche Nitrozellulosen als Nitrohndro⸗
zellulosen aufzufassen; der nitrierenden Wirkung der Salpeter⸗
säure würde also eine hydrolysierende vorausgegangen sein.
R.Sthamer (D. P. 123 121) will sogar zunächst direkt Hy⸗
drozellulose darstellen und diese dann mit Salpetersäure nitrieren.
Er sättigt Essigsäure mit Chlor und trägt in die auf 65 bis 700
1I) —schr. angew. Chem. 1903, 197. 2) J. Soc. Chem. Ind. 1900, 318.
3) Compt. rend. 1898 u. 1000. 4) Ann. chim phys. (5) 24, 337.