Zellulose. Nitrozellulose. 81

erwärmte Flüssigkeit Zellulose ein, wobei die Temperatur nicht
über 700 steigen darf. Es entsteht ein dünner Brei, der zentri⸗—
fugiert, ausgewaschen und bei 700 getrocknet wird. Man kann
auch Salzsäure verwenden, in die man bei gegen 700 Zellulose
und zugleich geringe Mengen Kaliumchlorat einträgt. Diese Hy⸗
drozellulose, besonders die mit Chlor und Essigsäure hergestellte,
löst sich leicht mit rauchender Salpetersäure und gibt ein sehr
gleichmäßiges Nitrat.
Oxyzellulose entsteht ebenfalls durch Cinwirkung vieler Oxy⸗
dationsmittel auf Sellulose. Tollens und v. Faber) bezeichnen
als Zellorin den Körper, welcher 1 Atom Sauerstoff mehr ent—
hält als Sellulose CHioOs, also CHioOs Je nach dem Grade der
Orydation sollen die Oxyzellulosen dann Verbindungen von1
bis 4 Molekülen Sellulose mit 1 Mol. Zelloxin sein. Nach
Vignon entsteht die Oxyzellulose (CoHOOS)sS. CHVIOOS durch Erhitzen
 von 30 g Baumwolle mit 31 Wasser, 150 g Kaliumchlorat
und 125 ebem konz. Salzsäure. Er hält sämtliche Nitrozellu—
losen für Nitrooxyzellulosen. Nach Lunge?) entstehen dagegen
bei Anwendung konzentrierter Säuren zur Nitrierung von Zellu—
lose keine Oxyzellulosen. Guttmann ist der Ansicht, daß, je mehr
Oxyzellulose aus der Baumwolle vor dem Nitrieren gebildet wird,
um so unstabiler die in der Nitrozellulose enthaltenen Körper sind.
Man kommt beim Nitrieren von Zellulose nicht über eine
Schießwolle von 13,8 Proz. Stickstoffgehalt hinaus, oder — wenn
man dabei geringe Mengen von nicht oder niedrig nitrierter Zellu—
lose in Abzug bringt — nicht über 14,14 Proz. N. Dieses Produkt
entspricht der Formel CMSOBM)(ONO)‘. Man sieht, in diesem
Körper sind noch 4 Hndroxylgruppen enthalten, welche nicht este—
rifiziert sind. Warum nicht? Einleuchtend ist die Erklärung von
Croß und Bevand, welche annehmen, daß beim Nitrieren ein
gemischter Schwefelsäure-Salpetersäureester entsteht. Dieser würde
dann beim KAuswaschen mit Wasser die Schwefelsäurereste gegen
Wasserstoff austauschen, eine Erscheinung, die nicht gerade selten
ist. Es ist indessen zu berücksichtigen, daß bei den vorbereitenden
ODperationen, denen die Baumwolle unterzogen wird, der Behand⸗
lung mit Natronlauge, Chlorkalk und verdünnten Säuren, zweifel⸗

1) Ber. D. chem. Ges. 1899, 2589.
2) Zeitschr. angew. Chem. 1901, 510.
3) Ber. D. chem. Ges. 35, 2496.
Anuc 286: Biedermann. Sprenastoffe.