82 Drittes Kapitel: Technologie der einzelnen Sprengstoffe.

los die Gelegenheit zur Merzerisierung und zur Bildung von
hydro⸗ und Oxyzellulose gegeben ist.
Schwalbe gibt der merzerisierten Baumwolle oder Hydrat⸗
zellulose die Formel CMο:o. HaO, der hydrozellulose 6 CHloO
H?O, während nach Nastukoff?) die Ortzellulose 406H100
4CHoos ist. Da nach Schwalbe die hydro⸗ und Orxyzellulose
ein weit stärkeres Reduktionsvermögen gegen Fehlin gsche Kupfer—
lösung zeigen als Zellulose selbst, so kann die Ermittlung der
Kupferzahl“ Schlüsse auf ihre Anwesenheit in der Rohbaumwolle
zu ziehen erlauben. Wie eine solche Verschiedenheit aber in den
itrierungsprodukten zu Tage tritt, ist noch nicht genügend er⸗
mittelt worden.
Die Nitriersäure besteht aus einem Gemisch von 1 Teil Sal⸗
petersäure und 3 Teilen Schwefelsäure, beide von höchster Kon—
zentration. Die Schwefelsäure dient auch hier, wie bei der Spreng⸗
ölherstellung, zur Aufnahme des bei der Nitrierung frei werden⸗
den Wassers.
Für die Nitrierung verwendet man bei weitem mehr Säure,
als theoretisch erforderlich sein würde, die 59-fache Menge vom
Gewichte der Baumwolle und noch mehr. Da die Baumwolle
außerordentlich voluminös ist, so ist sehr viel Säure nötig, um
sie vollständig mit dieser zu durchdringen und zu bedecken. Die
Nitrierung erfolgt in eisernen, tönernen oder Bleigefäßen oder in
besonderen Nitrierapparaten, neuerdings in Nitrierzentrifugen aus
Steinzeug. Man muß dabei für Kühlung des Apparates und Ab⸗
zug der entwickelten Gase Sorge tragen. Viel gebraucht wird die
Nitrierzentrifuge der Firma Selwig und Lange (D. P. 64447),
eine Kombination des Nitrierapparats mit einer Zentrifuge. Die
Nitrierung erfordert eine längere, etwa halbstündige Berührung
der Baumwolle mit der Säure, worauf nach Ablassen der Säure
die überschüssige Säure in der Sentrifuge abgeschleudert wird.
Die Firma Vereinigte Thonwarenwerke in Charlottenburg
verfertigt Nitrierzentrifugen, in welcher alle mit Säure in Berüh—
rung kommende Teile aus Ton bestehen.
Man hat auch das Vakuum bei Nitrierapparaten verwendet
(D. P. 74 736 der Firma Nobel in Wien), um die Luft aus den
Baumwollfasern zu entfernen, wodurch natürlich die Säure rascher
und vollständiger in die Baumwolle eindringt. Die Herstellung

1) Ber. D. chem. Ges. 40, 4525.
2) Ber. D. chem. Ges. 33, 2237.