84 Drittes Kapitel: Technologie der einzelnen Sprengstoffe.

durch Verdunsten und Pressen, sowie durch Trocknen in besonderen
Vakuumtrockenschränken befreit.
Man hat versucht, das langwierige Verfahren des Mahlens im
holländer und den Rochprozeß ganz auszuschalten, indem man
die Sellulose bei niedriger Cemperatur (2 bis 39 so lange mit
konzentrierter Schwefelsäure (5 Teile auf 1TIl. Zellulose) behandelt,
bis sie gelöft oder vielmehr desaggregiert ist, und sie in diesem
Zustand mit der theoretischen Menge Salpetersäure (2 Teile) ni—
triert (O. P. 198284 der Patronenfabrik Saxonia). Man
erhält durch Eingießen in Wasser ein strukturloses Nitroprodukt,
das aber in Atheralkohol löslich ist und nicht den Nitrierungsgrad
der Schießbaumwolle zeigt.
Das aus den Nitrierzentrifugen abgeschleuderte Säuregemisch
hat bei dem Nitriervorgang so viel Wasser aufgenommen, daß es
zu erneuter Verwendung nicht ohne weiteres geeignet ist. Seine
Zusammensetzung ist etwa 70 Proz. Schwefelsäure, 10 Proz. Sal⸗
petersäure, 20 Proz. Wasser. Es würde aber zu kostspielig sein, für
jeden neuen Posten Baumwolle neues Säuregemisch herzustellen,
zumal es in so großem Überschuß verwendet werden muß. Man
sucht deshalb eine Wiederbelebung oder Kevivifikation der Ab⸗
fallsäure auszuführen. Man füllt den Betrag der von der Schieß—
baumwolle zurückgehaltenen Säure frisch nach, oder, was besser
ist, man entfernt ein PDiertel des gesamten Säurequantums und
ersetzt dies durch frisches konzentriertes Säuregemisch. Immerhin
ist eine gewisse Verdünnung bei jeder neuen Nitrierung nicht zu
vermeiden, und die Folge ist, daß das Produkt jeder neuen Ope—
ration weniger Stickstoff enthält. Um eine Schießbaumwolle von
gleichmäßiger Beschaffenheit zu erhalten, muß man deshalb die
Produkte der verschiedenen Operationen miteinander vermischen
und, entsprechend dem analytischen Befunde, nach einer gewissen
finzahl von Operationen die Abfallsäure nicht mehr verwenden.
Mit Vorteil verwendet man zum Auffrischen der Säure rauchende
Schwefelfäure von 20 Proz. SOs-Gehalt; dadurch wird der Über—
schuß an Abfallsäure erheblich vermindert.
In den Denitrifikatoren wird eine Trennung der Salpeter⸗
säure von der Schwefelsäure ausgeführt. Etwa 4 m hohe, mit
säurefesten Steinen ausgekleidete Sylinder enthalten Bimsstein,
Kugeln, Platten oder dgl. Verteilungsvorrichtungen, über welche
die Rohsäure herabrieselt, während unten Luft und Wasserdampf
eingeblasen werden. Diese führen die Salpetersäure in eine Vor—