92 Drittes Kapitel: Technologie der einzelnen Sprengstoffe.

erfolgte die Mischung mit der Hand, jetzt sind meistens KUnet—
maschinen (z. B. die von Werner und Pfleiderer) in Gebrauch.
Die Sprenggelatine ist viel weniger gegen mechanische Cin—⸗
wirkungen empfindlich als Gurdynamit. Sie ist auch widerstands—
fähig gegen Feuchtigkeit und wird deshalb vorteilhaft in nassen
Gruben und zu Sprengungen unter Wasser verwendet. Sie bedarf
zur Explosion einer starken Initialzündung. Man verwendet dazu
Sprengkapseln von mindestens O, 8 g Nnallquecksilberladung (Nr. 5),
oder man setzt auf die Sprenggelatineladung eine Patrone von
Gurdynamit, Schießwolle oder Gelatinedynamit. Sie explodiert
dann sicher und mit äußerster Brisanz.
Durch Susatz von Kampfer (ähnlich wie bei der Zelluloid—
fabrikation) wird die Empfindlichkeit noch weiter herabgesetzt (D. P.
5528). Die in Osterreich längere Zeit in Gebrauch gewesene Kriegssprenggelatine
 bestand aus 96 Proz. Sprenggelatine (90 Nitro—
glyzerin 4 10 Kollodiumwolle) und 4 Proz. Kampfer. Diese ge—
kampferte Sprenggelatine wird durch ein Zündhütchen mit 28
Unallquecksilberladung noch nicht zur Explosion gebracht; man
verwendet dazu eine Sündpatrone, welche ein Gemisch von 60 Teilen
Nitroglyzerin und 40 Teilen Nitrohydrozellulose enthält.
Für eine Sprenggelatine aus 93 Proz. Nitroglyzerin und 7 Proz.
Kollodiumwolle kann man nach heise)) folgende Zersetzungsgleich—
ung annehmen:
61, 60 HoNOV): 4 C2 SINOSs — 209 CcOoꝛ
4170620 4 202 4 97 N.e.
Daraus ergibt sich:
*7081 9332 kg
t⸗32030 0,7081
O *1535 Cal. L14 — 1,5
A652375 mkg.
Bichel?) sieht mit Recht die dynamische Stoßarbeit als das wich—
tigste Charakteristikum der Dynamite und Sprengstoffe überhaupt
an. Die Detonation eines Sprengstoffes braucht eine gewisse, ex—
perimentell zu ermittelnde Zeit, welche von einer Eigenschaft des
Sprengstoffs, seiner Detonationsgeschwindigkeit, abhängt. Die Masse

3 Heise, Sprengstoffe, 5. 56.
2) Glückauf 1905, heft 15. Methoden und Apparate zur Prüfung
von Sprengstoffen, HFamburg 1907.