100 Drittes Kapitel: Technologie der einzelnen Sprengstoffe.

schreibenden Versuchsstrecken angestellte Versuche haben gezeigt,
daß noch andere Faktoren in Betracht kommen. Vor allem haben
diese Versuche gelehrt, daß eine absolute Sicherheit der Spreng⸗
stoffe überhaupt nicht vorhanden ist. Wenn genügend große Ge—
wichtsmengen der Sprengstoffe zur Explosion gebracht werden, so
tritt immer Entzündung der Schlagwetter ein.
Serner hat sich gezeigt, daß die CExplosionstemperaturen der
Sprengstoffe nicht im umgekehrten Verhältnisse zu ihrer Sicher⸗
heit stehen. Bei gleichen Cxplosionstemperaturen sind Mischungen
von Ammonnitrat und Nitroglyzerin sehr unsicher, Mischungen
von Ammonnitrat mit nicht explodierenden Kohlenstoffträgern,
wie harz, Naphtalin und dgl. sind viel sicherer, und am sichersten
die sog. Karbonitmischungen aus Kali-(Natron)salpeter. Mebl und
Nitroglyzzerin.)
Einen großen Einfluß übt die Explosionsgeschwindigkeit des
Sprengstoffs aus. Durch die momentane Explosion muß eine
starke Verdichtung der umgebenden Atmosphäre eintreten. Da bei
der Explosion des Sprengstoffs im Bohrloch Drucke von 6000
bis 8000 Atmosphären auftreten, so wird die umgebende Luft
leicht bis auf 100 Atom. zusammengepreßt werden können. Bei
solchen Druckgrößen wird so viel Wärme entwickelt, daß diese allein
für sich genügt, um vorhandene Schlagwetter zur Entzündung zu
bringen. Von der Brisanz, d. h. der aus der Explosionsgeschwin⸗
digkeit und der Kraft der Sprengstoffe resultierenden Energie,
hängt die Sicherheit ab. Diese ist um so größer, je geringer die
Brisanz ist. Man muß also die Sicherheit mit einem Verlust an
Kraftleistung erkaufen. Es gibt aber noch mehrere andere Um—
stände, welche die Schlagwettersicherheit beeinflussen. hierüber sind,
zumal in deutschen Sprengstoffabriken, viele Untersuchungen aus—⸗
geführt worden, unter welchen die von Bichel?) veröffentlichten
besonders bemerkenswert sind. Sie führen zu folgendem allge⸗
meinen Ergebnis: Die Schlagwettersicherheit der Sprengstoffe ist
um so größer, je geringer die Detonationsgeschwindigkeit, der er⸗
zeugte Gasdruck, die erzielte Bleiblockausbauchung . S. 44), die
Menge der entwickelten Ralorien, die Flammenlänge und die
Flammendauer sind. Dabei darf keine dieser Erscheinungen eine
gewisse obere Grenze überschreiten, da in diesem Fall ein Aus—
I Vgl. hierüber Aufsätze von Heise in Glückauf 1898, Ur. 34238,
1899, Nr. 36.
2) 3. f. Berge, hütten- u. Salinen-Wesen (1902), 50. 669.