Ammonnitrat⸗Sprengstoffe. 111

Das Ammomnitrat ist selber ein (vollständig vergasender) Er—
plosivstoff. Für die Sersetzungsgleichung HNOSS2ο--Ho
ergeben sich:
89761 381 Kal. s5196 mkg
*113460 A161925 mkg.

In den Explosionsgasen ist freier Sauerstoff enthalten. Man wird
daher die an sich geringe Arbeitsleistung des Ammonsalpeters durch
Zugabe eines der Menge freien Sauerstoffs entsprechenden Kohlen⸗
stoffträgers vergrößern können. Eine weitere Erhöhung der Explo⸗—
sionsfähigkeit und Arbeitsleistung erzielt man durch geringen Zusatz
anderer Sprengstoffe, wie Nitroglyzerin, Schießbaumwolle, Trini⸗
trotoluol, Dinitrobenzol u. dgl. m. Nach diesem Prinzip werden die
Ammonsalpetersprengstoffe hergestellt, die in unserer Zeit
eine sehr große Bedeutung erlangt haben. Sie sind gegen Stoß und
Schlag unempfindlich und können auf der Eisenbahn als Stückgut
transportiert werden. Durch eine Flamme werden sie kaum ent⸗
zündet; in Berührung mit Flammen oder Funken tritt Explosion nicht
ein. Sie gefrieren nicht, wenn sie kein Nitroglyzerin enthalten.
Diesen guten Eigenschaften stehen gewisse Nachteile gegenüber.
Sie bedürfen sehr starker und deshalb teurer Sprengkapseln zur
Explosion. Diese ist nicht immer vollständig; man steigert des—
halb die Empfindlichkeit durch hinzufügung von etwas Nitro—
glyzerin. Am unangenehmsten ist die große Hygroskopizität des
Ammonnitrats. Die Patronen erhalten allerdings einen Uberzug
von Paraffin; dennoch empfiehlt es sich nicht, sie lange in feuchten
Gruben lagern zu lassen. Für die vollkommen trocknen Kalisalz⸗
bergwerke kommt dies nicht in Betracht.
Beispiele aus dieser zahlreichen Sprengstoffklasse sind außer
einigen schon erwähnten Sicherheitssprengstoffen die folgenden:
Der Westfalit für Gestein der Westf.-Anh. Akt.«Ges. be—
steht aus 95 Proz. Ammonitrat und 5 Proz. harz. Im Westfalit
für Kohle sind 4Proz. Ammonnitrat durch Kaliumnitrat ersetzt.
Die feinpulverigen Stoffe sind sehr hygroskopisch. Die Patronen⸗
hülsen werden deshalb paraffiniert. Oder, da die Schlagwetter—
sicherheit durch paraffiniertes Papier etwas herabgesetzt wird,
man benutzt sog. Beutelpatronen. Bei diesen ist die mit gewöhn⸗
lichem Papier versehene Patrone in eine äußere hülse aus paraf—
finiertem Papier gebracht, die beim Lagern der Patronen schützend
wirkt, vor dem Benutzen des Bohrloches aber entfernt wird.