<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0">
  <teiHeader>
    <fileDesc>
      <titleStmt>
        <title>Die Sprengstoffe, ihre Chemie und Technologie</title>
        <author>
          <persName>
            <forname>Rudolf</forname>
            <surname>Biedermann</surname>
          </persName>
        </author>
      </titleStmt>
      <publicationStmt />
      <sourceDesc>
        <bibl>
          <msIdentifier>
            <idno>1950363430</idno>
          </msIdentifier>
        </bibl>
      </sourceDesc>
    </fileDesc>
  </teiHeader>
  <text>
    <body>
      <div>
        <pb n="1" />
        *

*

Nc

—————

Biedermann

Die Sprengstoff.
ihre Chemie und Technologie

5

—
/

2

—EX

6

J—

A

—r———⏑—4
        <pb n="2" />
        *

Die Sammlung
„Aus Natur und Geisteswelt“

verdankt ihr Entstehen dem Wunsche, an der Erfüllung einer bedeut—
samen sozialen Aufgabe mitzuwirken. Sie soll an ihrem Teil der
unserer Kultur aus der Scheidung in Kasten drohenden Gesahr be—
gegnen helfen, soll dem Gelehrten es ermöglichen, sich an weitere Ureise
zu wenden, und dem materiell arbeitenden Menschen Gelegenheit
dieten, mit den geistigen Errungenschaften in Fühlung zu bleiben. Der
Befahr, der halbbildung zu dienen, begegnet sie, indem sie nicht in
der Vorführung einer Sülle von Lehrstoff und Lehrsätzen oder etwa
gar unerwiesenen hHyypothesen ihre Aufgabe sucht, sondern darin, dem
Leser Verständnis dafür zu vermitteln, wie die moderne Wissenschaft
2s erreicht hat, über wichtige Sragen von allgemeinstem Interessfe
kicht zu verbreiten, und ihn dadurch zu einem selbständigen Urteil
über den Grad der Zuverlässigkeit jener Antworten zu befähigen.
Es ist gewiß durchaus unmöglich und unnötig, daß alle Welt
ich mit geschichtlichen, naturwissenschaftlichen* und philosophischen
Ztudien befasse. Es kommt nur darauf an, daß jeder an einem
Punkte die Sreiheit und Selbständigkeit des geistigen Cebens ge—
winnt. Im diesem Sinne bieten die einzelnen, in sich abgeschlossenen
Sschriften eine Einführung in die einzelnen Gebiete in voller An—
chaulichkeit und lebendiger Frische.
In den Dienst dieser mit der Sammlung verfolgten Aufgaben
haben sich denn auch in dankenswertester Weise von Anfang an
die besten Namen gestellt. Andererseits hati dem der Erfolg entsprochen
cibsatz bis 1. .. 1914 ca. 2 Millionen Exemplare), so daß viele
e 150) der Bändchen bereits in 2.-6. Auflage vörliegen. Damit
sie stets auf die Höhe der Forschung gebracht werden können, sind die
Bändchen nicht, wie die anderer Sammlungen, stereotypiert, sondern
werden — was freilich die Aufwendungen sehr wesentlich erhöht —
bei jeder Auflage durchaus neu bearbeitet und völlig neu gesetzt.
So sind denn die schmucken, gehaltvollen Bände durchaus ge—
rignet, die Freude am Buche zu wecken und daran zu gewöhnen,
einen kleinen Betrag, den man für Erfüllung körperlicher Bedürfnisse
 nicht anzusehen pflegt, auch für die Befriedigung geistiger an—
zuwenden. Durch den billigen Preis ermöglichen sie es tafsächlich
edem, auch dem wenig Begüterten, sich eine kleine Bibliothekzu schaffen,
die das für ihn Wertvollste „Aus Natur und Geisteswelt“ vereinigt.
Die meist reich illustrierten Bändchen sind
abhn schlIassen und ein⸗eln käuflich
Werke, die mehrere Bönöchen urtassen, auch in einem Band geb.
Jedes Bändchen gehestet M. 1. — in Leinwand gebunden M. 1.25
Leipzig B. G. Teubner
        <pb n="3" />
        Jedes Bändchen geheftet M. 1.—2, in Leinw. gebunden M. 1.25

Angewandte Naturwissenschaft. Technik.

die KRaturwiffenschaften im Haushalt. Von Dt. J. Bongaroͤt. 2 Bde. Mit
zahlreichen Abb. (Bd. 125, 126.) (Auch in 1 Bd. geb.)
en wie sorgt die Hausfrau für die Gesundheit der Familie? Mit 31 4bb.
Bd. 125.
Ware gWie sorgt die Hausfrau für gute Nahrung? Mit 17 Abbildungen.
Bd. 126.
Themie in Küche und haus. Von Dr. J. Klein. 3. Rufl. (Bd. 76.)
Desinfektion, Sterilisation, Konservierung. Von Rege u. Med.Kat Dr. O.
Solbrig. (Bd. 401)
phnfik in Küche und Haus. Von Prof. Dr. h. Speitkamp. GBo. 478.)
Die Schmucksteine und die Schmuckftein-IAndustrie. Von Dr. A. Eppler. Mit
64 Abb. (Bd. 376.)
die Spinnerei. Von Dir. Prof. m.Sehmann. Mit 35 abb. Bd. 338.)
Weinbau und Weinbereitung. Don Dr. FS. Schmitthenner. (Bd. 332.)
Die Bierbrauerei. Von Dr. A. Bau. Mit 47 Abb. (Bo. 333.)
Der Tabak. Anbau, Handel und Derarbeitung. Von Jak. Wolf. (Bd. 416.)
Agrikulturchemie. Von Dr. P. Krische. Mit 21 4bb. (Bd. 314.)
urhen and Sarbstoffe, ihre Crzeugung und Verwendung. Von Dr. A. Zart.
klektrochemie. Von Prof. Dr. K. Arudt. Mit 38 4bb. (Bd. 234.)
photochemie. Von Prof. Dr. G. Kümmell. Mit 23 Abb. (Bd. 227.)
Der Luftjtickstoff und seine Verwertung. Von Prof. Dr. X. Kaiser. mit
1346b. (Bb. 313.)
Bilder aus der chemischen Technik. Von Dr. A. müller. Mit 24 Abb. (Bd. 191.)
nng und Cüftung. Von Ingenieur J. E. Mayer. Mit 40 Abbildungen.
Ddas moderne Beleuchtungswesen. Von Ing. Dr. h. Tux. Mit 54 Abb. (Bd. 433.)
Am sausenden Webstuhl der Zeit. Von Prof. Dr. W. Saunhardt. 3. Aufl.
Mit 16 Abb. (Bd. 23.)
Das Perpetuum mobile. Don Dr. Fr. Ichak⸗öRubiner. (Bd. 462.)
— der Ingenieurtechnißk. Von Baurat K. Merckel. Mit 43 bb.
h0.
schöpfungen der Ingenieurtechnik der Neuzeit. Von Geh. Reg. Ruůt M.Geitel.
Mit 32 Abb. (Bd. W.)
Mmaschinenelemente. V. Geh. Bergrat Prof. R. Pater: 2. Aufl. Mit 184 Abb. (Bd. 301)
Die Dampfmaschine. Von Geh. Bergrat Prof. R.Vater. 2 Bde.
l. Wirkunugsweise des Dampfes in Kessel und Maschine. 3. Aufl. Mit 45 Abb. (Bd. 393.
II. Ihre Geftaltung und ihre Verwendung. Mit 93 Abb. (Bd. 394.)
ndinenre SFeuerungsanlagen und Dampfkeisel. Von Ingenieur J.t. Mayer.
.348.
die neueren wWärmekraftmaschinen. Von Geh. Bergrat Prof. R.Dater. 2 Bde.
J. Einführung in die Theorie und den Bau der Nlaschinen für gasförmige und
flüssige Brennstoffe. 4. Aufl. Mit 33 Abb. (Bd. 21.)
Il. Gaserzeuger, Großgasmaschinen, Gas- und Dampfturbinen. 3. Aufl. Mit
465. Abb. (Bd. 86.)
die Wasserkraftmaschinen und die Ausnützung der Wasserkräfte. VYon Geh.
Reg.⸗Rat A. v. Ihering. 2. Aufl. Mit 57 äbb. (Bd. 228)
Die elektrische Kraftübertragung. Von Ing. P. Möhn. Mit 137 Abb. (Bd. 424.)
Die Wirtschaftlichßeit der Kraftanlagen. Von U. Gercke. (Bd. 425.)
ondwirtschaftliche maschinenkunde. Von Prof. Dr. G. Sischer. Mit 62 Abb.

Anus6 13: Technik. 11. 14.
        <pb n="4" />
        Jedes Bändchen geheftet M. 1.—, in Leinw. gebunden M. 125

hebezeuge. Das Heben fester, flüssiger und luftförmiger Körper. Von Geh—
Bergrat Prof. R. Vater. Mit 67 bb. (Bo. 196.)
Das Eisenbahnwesen. Von Eisenbahnbau⸗ u. Betriebsinspektor a. D. E. B ieder—
mann. 2. ufl. Mit 56 ibb. (Bd. 134)
Die Klein- und Straßenbahnen. PVon Oberindenieur a. D. A. Siebmann. mit
85 Abb. (Bo. 322
Grundlagen der Elektrotechnik. Von Dr. A. Rotth. Mit 72 abb. (Bd. 391.)
Die Telegraphen- und Sernsprechtechnik in ihrer Entwicklung. Von Tele—⸗
grapheninspektor h. Brick. Mit 58 abb. (Bd. 235.)
Drähte und Rabel, ihre Anfertigung und Anwendung in der Elektrotechnik. Von
Telegrapheninspelior h. Brick. mit 23 abb. Bd. 265.)
Die Sunkentelegraphie. Von Oberpostpraktikan H. Thurn. Mit 58 4bb.
2. Aufl. (Bd. 167.)
Nautik. Von dir. De. J. möller. Mit 38 4bb. Bo. 255.)
Das Uriegsschiff. Von Geh. Marinebaurat Arieger. (Bd. 389.)
Die Cuftfahrt, ihre wissenschaftlichen Grundlagen und ihre technische Entwicklung.
Von Dr. R.Nimführ. 3. Hufl. von Dr. SF. Huth. Mit 60 Abb. (38. 300
Das Automobil. Eine Einführung in Bau und Betrieb des modernen Urast⸗
wagens. Von Ingenieur K. Blau. 2. Aufl. Mmit 83 4bb˖ Bod. 166.)
Themie und Technologie der Sprengdstoffe. Von Prof. Dr. R. Biedermann.
Mit is Sig. (Bo. 2860)
der Krieg im Zeitalter des verkehrs und der Technik. Von hauptmann
. mener. mit 3 ob. o. 270)
Die hjandfeuerwaffen. Ihre Entwicklung und Technik. Von Hauptmann K. Meiß.
Mit 69 Abb. (Bd. 364.)
Die Uhr. Von Reg.Bauführer a. D. H. Bock. Mit 47 Abb. (Bd. 216.)
Die Rechenmaschine. Von Reg.⸗Rat DiplIng. K. Lenz. (Bd. 490.)
—D— Aufl. Mit 7 Tafeln und
26 Abb. (Boͤ. 1765)
Die Photographie, ihre wissenschaftlichen Grundlagen und ihre Anwendung.
Von Dr. G. Prelinger. mit 66 bb. (Bod. 414.)
Die kRünstlerische Photographie. Ihre Entwicklung, ihre Probleme, ihre Be—
deutung. Von Dr. W. Warst at. Mit' Bilderanhang (12 Tafeli). Bò 410.
Die Uinematographie. Von Dr. h. Sehmann. (Bo. 358.)
Ddie Baustoffe des Hauses, ihre Eigenschaften. Verwendung und Erhaltung.
Von Prof. m. Girnoͤn (GBo. 447.)
Der Eisenbetonbau. Von Dipl⸗Ing. E.haimoviei. Mit 81 Abb. Bo. 275.)
die Rälte, ihr Wesen, ihre Erzeugung und Perwertung. Von Dr. B. Alt.
Mit 48 bb. (Bo. 311.)
das ECisenhüttenwesen. Von Geh. Bergrat Proß. Dr. h. Wedding. 4. Hufl.
mit 15 Fig. (Bo. 20)
Das wohnhaus. Von Reg.Baumeister a. D. G. Cangen. 2 Bde. (Bd. 444, 445.)
Bd. I: Sein technischer Aufban. B. I. Sein Anlage und Ausgestaltung.
Die Gartenstadtbewegung. Von Generalsekretär H. Kampffmeyer. mit
45 Abb. 2. Aufl. (Bd. 250.)
d inie der Gartenkunst. Von Reg.Baumeister Chr. Ranck. Mit 41 4bb.
.274.
        <pb n="5" />
        53

Aus Natur und Geisteswelt
Sammlung wissenschaftlich-gemeinverständlicher Darstellungen
286. Bändchen J

Die Sprengstoffe

ihre Chemie und Technologie

D0n

Dr. Rudolf Biedermann
Beheimer Reg.⸗KRat uhd · Professor der Chemie
an der Universität Berlin

Mit 15 Siguren im Text

A4

Druck und Verlag von B. G. Teubner in Leipzig 1910
        <pb n="6" />
        Ne
c 4
F nmat 2
Univors —3
V kieh. *
2
—— Inhaltsverzeichnis.
Weg MXö. h zeich

4

Erstes Kapitel.
Die Sprengstoffabrika—
tion in ihrer geschicht⸗
lichen Entwickelung.

Seite

Drittes Kapitel.
Technologie der einzel⸗
nen Sprengstoffe. 49
1. Schwarzpulver..... 49
2. Schwarzpulverähnliche
Erplosivmischungen,
Chloratsprengstoffe.. 63
3. Sprengels Sprengstoffe. 66
4. Nitroglyzerin, Sprengöl. 67
5. Schießbaumwolle.. .. 79
6. Dynamit.. 89
7. Rauchloses Pulver... 95
8. Sicherheitssprengstoffe. 98
9. Verschiedene Sprengstoffe 115

Seite

Z3weites Kapitel.

Theorie der Sprengstoffe
1. Die Sprengkraft und ihre
Elemente.....
2. Thermochemie. ....
3. Arbeitsleistung. . ..
4. Die ZSersetzungsgleichung
5. Gasvolumen.... ..
b. Sersetzungsgeschwindigkeit
7. Initialimpuls. . ..
8. Explosionstemperatur.
9. Explosionsdruck
10. Cadedichte. . .

1

14
8

30
7
33
57
38
40
45

Register.
CLitteraturverzeichnis

*727
129

Copyright 1910 by B. G. Teubner in Leipzig.

Alle Rechte, einschließlich des Übersetzungsrechts, vorbehalten.
        <pb n="7" />
        —
V
—8*

y
0

—
8
—
—
27
—

2
Bñ 5*

F

2
0

—*
I

re

8*
D

*
0

Vorwort.

Das vorliegende Buch ist aus einer Keihe von Vorträgen her—
vorgegangen, die vor Studierenden der Chemie gehalten worden
sind. Es setzt die Kenntnis der chemischen Grundbegriffe und der
allgemeinen physikalischen und chemischen Gesetze voraus. (S. W. Coeb,
Einführung in die chem. Wissenschaft, Leipzig 1909.) Auf dieser
Grundlage will es ein Gebiet der menschlichen Uultur zum
allgemeineren Verständnis bringen, welches nicht oft eine zu—
sammenfassende Behandlung erfahren hat, obgleich es in wissen—
schaftlicher wie in technischer Beziehung ein besonderes Interesse
beanspruchen darf.
Die Renntnisse über die Sprengstoffe und ihre Anwendungen
in Krieg und Frieden haben sich anfänglich, bis in das vorige
Jahrhundert hinein, auf rein empirischem Wege entwickelt. Wenn
auch die handhabung der Sprengstoffe und besonders ihr artil—
leristischer Gebrauch manche Vervollkommnung gefunden hat, so
blieben doch die wirklichen Ursachen der Schieß- und Sprengkraft in
chemischer wie in mechanischer Beziehung verborgen. Erst Bunsen
und Schischkoff unternahmenes 1857 (Poggendorff's Annalen 102,
321), mit rein wissenschaftlichen hilfsmitteln die Natur des
Schwarzpulvers und die Vorgänge bei dessen Explosion zu er—
gründen. Sie bestimmten die SZusammensetzung des Pulvers und
maßen das Volumen der bei seiner Explosion entwickelten Gafe
und die dabei entwickelte Wärme. Allein der thermochemische Zu—
sammenhang zwischen dem ursprünglichen System des Spreng—
stoffes und dem System seiner Explosionsprodukte war damals
nur wenig erkannt, und außerdem ist der Sprengkörper, mit dem
die Untersuchungen angestellt wurden, das Schwarzpulver, von
viel zu komplizierter Beschaffenheit und gibt zu verwickelte Ser—
setzungserscheinungen, um die Auffindung einfacher Gesetzmäßig—
keiten leicht zu machen. Die dann eintretende Entwickelung der
Thermochemie, besonders infolge der zahlreichen Bestimmungen
M. Berthelot's, ermöglichte es diesem (1871 —1883) ein helles,

8

*

8

15

*

—
2

—X
3

D
—

D
—

2

—

*
1*
162

—
3z —

9
æ

*
——

—

2
cV

2
—

2
c

J

A
NC

X
—

7*

—
M

5
        <pb n="8" />
        4

Vorwort.

klärendes Licht auf die chemischen und physikalischen Vorgänge bei
der Explosion zu werfen. Sein Werk, „Sur la force des matières
explosives d'après la Thermochimie“ (3. HRufl. 1883) bezeichnet
den Beginn der wissenschaftlichen Behandlung der Sprengstoff—
Chemie und der rationellen Zusammensetzung neuer Sprengstoffe. Da⸗
mit war das Tor geöffnet für eine lange Reihe glänzender Erfolge,
deren technische Bedeutung noch deutlicher vor jedermanns Kugen
liegt als deren wissenschaftliche. Mit großem Scharfsinn arbeiten
jetzt zahlreiche Forscher und Techniker daran, die Gesetzmäßig—
keiten bei explosiven Vorgängen festzustellen und die Handhabung
——
zu machen.
Einen CEinblick in den augenblicklichen Zustand der Chemie und
Technologie der Sprengstoffe sucht dieses Buch zu gewähren, es
will aber nicht den Anspruch darauf erheben eine erschöpfende
Darstellung der Materie zu geben. Schon der zur Verfügung
stehende Raum läßt dies als völlig ausgeschlofsen erscheinen.
Immerhin war der Verfasser bestrebt, auch aus der neueften Zeit
wissenschaftliche Forschungsergebnisse und bemerkenswerte tech—
nische Neuerungen mitzuteilen, so daß auch der Fachmann einigen
Nutzen vom Gebrauch des Buches haben mag.
Die Quelle für die neueren Erfindungen auf diesem Gebiet
bildet im wesentlichen die Patentlitteratur. Im übrigen ist die
CLitteratur über Sprengstoffe nicht sehr erheblich. Cine besondere
Zeitschrift für dieses technologische Gebiet erscheint erst seit drei
Jahren. Eine Zusammenstellung einiger bemerkenswerter Werke,
die zum Teil bei der Ausarbeitung des Textes zu Rate gezogen
sind, findet man am Schlusse des Buches.
        <pb n="9" />
        Erstes Kapitel.
Die Sprengstoffabrikation in ihrer geschichtlichen
Entwickelung.

Abgesehen von der vorgeschichtlichen künstlichen Erzeugung des
Feuers hat wohl keine, auf einem chemischen Vorgang beruhende
Erfindung einen solchen Einfluß auf die Gestaltung der menschlichen
Gesellschaft ausgeübt, wie die herstellung der Sprengstoffe. Die
Erfindung des Schießpulvers und die Verwendung seiner Explosip⸗
kraft zum Schleudern von Geschossen eröffnen eine neue äüra in
der Geschichte der Menschheit. Bis dahin war der Unterschied in
der Bewaffnung und der Kriegführung bei den zivilisierten Natio—
nen einerseits und den Barbaren andererseits nicht immer groß
genug, um der rohen physischen Kraft den Sieg streitig zu machen.
do mußte das auf der höhe der Kultur stehende, mit allen hilfs—
mitteln staatlicher Organisation ausgerüstete Römische Kaiserreich
dem starken Arme der Germanen unterliegen, so konnten die fana—
tischen Islambekenner das persische und das byzantinische Reich
zerstückeln und die mongolischen Horden ihre herrschaft über Mittel⸗
asien bis nach Polen ausdehnen. Solche Ereignisse haben den
Fortschritt der Sivilisation für Jahrhunderte gehemmt und die
Menschheit in finstere Barbarei zurückgeworfen.
Derartige Offensivstöäße von Rassen niedrigeren Kulturgrades
gegen höher stehende Völker werden aber unmöglich, sowie bei
letzteren der regelmäßige Gebrauch der Sprengstoffe für Kriegs⸗
zwecke auftritt. Das Schießpulver und die immer vollkommener
hergestellten Instrumente zu dessen Gebrauch haben der europäischen
Sivilisation die herrschaft über den größten Teil der Erde ver—⸗
schafft.
Die im Besitze von Schießpulver und Schießwaffen befindlichen
Nationen mußten darauf bedacht sein, beides stetig zu vervoll—
kommnen. Sonst wurde ihre Machtstellung und ihre Selbständig—
keit von den Kivalen bedroht. Die Mittel zu solcher Vervollkomm⸗
nung konnte nur die Wissenschaft liefern. Soweit der kulturelle
Anuc. 2880: Biedermann, Sprengstoffe.
        <pb n="10" />
        2 Erstes Kapitel: D. Sprengstoffabrikation in ihrer geschichtl. Entwickl.

Fortschritt die Beherrschung des Stoffes und der Naturkräfte be⸗
trifft, hängt er ab von den theoretischen Kenntnissen, die aus dem
Studium der Natur gewonnen werden. Der Einfluß der Phnsik
und Chemie macht sich, wie in allen Zweigen der Technik, auch
auf dem Gebiete der herstellung und Verwendung der Spreng⸗
stoffe geltend.
Aber nicht allein ihr Gebrauch für Krieg und Zerstörung führt
zu diesem Ergebnis, auch friedliche Zwecke, die das Wohl der ge⸗
samten Menschheit fördern, bilden den Anlaß zu immer tieferer
Erkenntnis der Sprengstoffe. Mit dem Schießpulver, dem Dyna⸗
mit usw. ist dem Menschen eine ungeheure Kraft in die hand
gelegt, eine Kraft, die er nach Belieben zum Verderben oder zum
heile der Mitmenschen lenken kann. Mit hilfe dieser Kraft werden
dem Schoße der Erde die unentbehrlichsten Stoffe, die Kohlen, die
Erze, Salze, Gesteine, entrissen, sie hat es ermöglicht, daß das steile
Gebirge kein hindernis mehr für den Verkehr von Menschen und
Hütern bildet, sie beseitigt Klippen, die der Schiffahrt gefährlich
sind, u. dgl. m.
Zum Dank für die Förderung, welche die Technik durch die rein
wissenschaftlichen Untersuchungen erfuhr, gab sie der abstrakten
Wissenschaft die Anregung und die Möglichkeit zur Durchführung
von Versuchen, welche die theoretischen Naturgesetze erweiterten
und vertieften. Gerade das Studium der Sprengstoffe führte Physik
und Chemie auf Gebiete, die bislang der experimentellen Forschung
sern gelegen hatten. Hier zeigt sich die Materie in extremen Zu—
ständen des Druckes, der Temperatur, der Bewegung. Diese er⸗
reichen Größen, die weit hinausreichen über die, unter welchen
gewöhnlich die chemischen und physikalischen Wechselwirkungen der
Materie stattfinden. Im allgemeinen vollziehen wir chemische
Keaktionen bei dem Drucke der Atmosphäre und bei mäßigen
Temperaturgraden, bei welchen die Gase nur eine schwache leben⸗
dige Kraft zeigen. Die Reaktionen, welche die Sprengstoffe hervor⸗
rufen können, aber entwickeln Druckgrößen, die sich nach Tausenden
von EAtmosphären berechnen; Wärmemengen werden dabei frei,
welche die höchsten erreichbaren Temperaturen bedingen und den
Molekülen Geschwindigkeiten von Tausenden von Metern in der
Sekunde erteilen. Durch die Untersuchung solcher Vorgänge werden
die Grenzen der Naturerkenntnis bedeutend erweitert und aus—
gedehnt über den beschränkten Kaum der gewöhnlichen Erfahrung.
Die Frage, wann zuerst ein Sprengstoff, insbesondere das Schieß⸗
        <pb n="11" />
        Griechisches Feuer.

pulver, hergestellt und als mächtiges Kraftmittel angewendet worden
ist, kann nicht mit großer Genauigkeit beantwortet werden. Wir
finden schon frühe bei verschiedenen Völkern den Gebrauch von
brennenden Wurfgeschossen. Die als solche benutzten Holzscheiter
wurden alsbald verbessert durch die Perwendung von Pech, Schwefel,
harzen, von Stoffen, die leicht zu entzüunden und, einmal brennend,
schwer zu verlöschen sind. Diese Stoffe werden in der hitze flüssig
und haften stark an den Körpern, auf welchen sie sich geschmolzen
verbreiten. Immerhin waren sie verhältnismäßig leicht durch
Abkühlung und Luftabschluß unschädlich zu machen. Das Geschoß
selber durfte keine sehr große Geschwindigkeit haben, um nicht
schon während seines Fluges durch die abkühlende Wirkung der
Cuft zu erlöschen.
Diese Übelstände der Brandgeschosse wurden beseitigt durch das be—
rühmte griechische Feuer (um 673). Das Geheimnis seiner Fabri⸗
kation und seiner Verwendung war zunächst auf das byzantinische
Raiserreich beschränkt. Dies Feuer, welches anscheinend durch kein
Mittel zum Erlöschen gebracht werden konnte, machte einen gewal⸗
tigen Eindruck auf die damaligen Zeitgenossen. So wurde behauptet,
daß auch die durch das griechische Feuer in Brand gesetzten Gegen⸗
stände nicht wieder gelöscht werden könnten. Sahlreiche andere
seugnisse einer lebhaft getroffenen Cinbildungskraft find vorhanden.
Worin bestand nun die so erfolgreiche Neuerung in der herftellung
des griechischen Feuers? Es ist die Entdeckung des Salpeters und
seiner Eigenschaften, welche den Erfolg herbeigeführt hat.
Die salzigen Huswitterungen, welche sich im Boden vieler trockner
Hegenden und an den Mauern von Bauwerken bilden, waren im
Altertum bekannt. Die chemische Zusammensetzung dieser Efflores⸗
zenzen ist nicht immer dieselbe. Neben Kalziumnitrat und Kalium—
nitrat bilden auch Natriumsulfat, Natriumcarbonat, Chlornatrium
usw. ähnliche Auswitterungen. Der von Dioskorides und von
Plinius beschriebene Stein von Assos (Stadt in Mysien) scheint
aber identisch mit dem eigentlichen Salpeter, dem Kaliumnitrat,
zu sein. Auch die als „chinesischer Schnee“ bezeichnete Masse muß
aus diesem Salz bestanden haben. Arabische Schriftsteller beschreiben
als Barud, d. h. hagelskorn (dessen streifige Struktur an die der
Salpeterkristalle erinnert) ein Salz von den Eigenschaften des
dalpeters.
Man benutzte anfänglich den Salpeter in der Heilkunde als
Hitze und Kühlmittel bei Geschwüren und Wunden. Vielleicht ist
        <pb n="12" />
        4 Erstes Kapitel: D. Sprengstoffabrikation in ihrer geschichtl. Entwickl.

diese korrosive Eigenschaft des Salpeters die Veranlassung zu seiner
Verwendung in brennbaren Gemischen, oder man hat zufällig
entdeckt, daß er, auf glühende Kohlen geworfen, die lebhafteste
Verbrennung bewirkt.
Zuerst scheinen die Chinesen den Salpeter zur hervorrufung von
Seuererscheinungen, zu Feuerwerken u. dgl. benutzt zu haben.
Darauf deuten die Namen „chinesisches Salz“ und „chinesischer
Schnee“, mit welchen arabische Schriftsteller den Salpeter bezeichnen.
Aber es ist nicht möglich, einigermaßen genau die Zeit dieser Er⸗
findung anzugeben. Es scheint, daß die Verwendung solcher Feuer⸗
sätze für Uriegszwecke in China nicht früher erfolgt ist als in den
westlichen Ländern. Berthelot erwähnt in dieser Beziehung
einige von jesuitischen Missfionaren in alien chinesischen Schriften
gefundene Angaben. Sie berichten: Im Jahre 969 der christlichen
Zeitrechnung, im zweiten Jahre der Regierung des Tai-Tsou,
Gründers der Dwmnastie der Song, brachte man diesem Fürsten
eine Masse, welche die Pfeile entzündete und sie weit forttrug.
Um 1002, unter seinem Nachfolger Tschin-Tsong, benutzte man
Röhren, welche Feuerkugeln und entzündete Pfeile 700 und sogar
1000 Schritt weit schleuderten.“ Man darf nicht vergessen, daß
es sich hierbei um Raketen, nicht um Kanonen, auch nicht um
Geschützpulver handelt.
Die Belagerung der Stadt Kai-fung-⸗fu durch die Mongolen im
Jahre 1232 wird als erstes Beispiel der Verwendung von Kanonen
bzw. von Schießpulver zitiert. Der Berichterstatter, Pater Gaubil,
bemerkt indessen schon, daß die auf beiden Seiten benutzte Ma⸗
schine, Ho⸗-pao genannt, wahrscheinlich keine Kanone sei, sondern
eine Schleudermaschine, welche mit brennenden Stoffen gefüllte
Seuertöpfe auf weite Entfernungen warf. Khnliche, bei der Be—
lagerung von Siang-yang um 1271 gebrauchte Maschinen waren
nicht von Chinesen, sondern von fremden Ingenieuren, Italienern
und Persern, gebaut, wie Marco Polo in Uebereinstimmung mit
chinesischen Geschichtsschreibern berichtet.
Aus diesen und anderen Überlieferungen geht soviel unzweifel⸗
haft hervor, daß die Chinesen damals die Anwendung des Schieß⸗
pulvers nicht kannten. Die Kanonen waren ihnen noch 1621
unbekannt, denn, wie du halde berichtet, gerieten die Mandarinen
bei Schießversuchen mit Kanonen, welche die Stadt Macao dem
chinesischen Kaiser geschenkt hatte, in große Bestürzung.
1) Matières explosives. t II. 354.
        <pb n="13" />
        Salpeterhaltige Feuersätze.

7
V

Die Chinesen haben wohl zuerst den Salpeter entdeckt und ihn
mit brennbaren Stoffen, besonders auch mit Schwesel und Kohle,
gemischt und zu Feuerwerken benutzt. Sie haben auch die aus der
Verbrennung solcher Gemische entstehende bewegende Kraft erkannt
und zu Kaketen für Kriegszwecke benutzt, aber dieses nicht vor dem
Ende des 10. Jahrhunderts, zu einer Zeit, als diese Erfindung
auch im Abendlande schon gemacht war. Sie haben aber nicht als
erste die Explosivkraft der Gase aus salpeterhaltigen Mischungen
in abgeschlossenen Räumen erkannt, sie haben nicht das eigentliche
Schießpulver gekannt.
Drei Jahrhunderte vorher, um 673, tritt das griechische Feuer
zum ersten Male bei einem geschichtlichen Ereignis auf als eine
Erfindung des Kallinikos aus Hheliopolis. Die Flotte der Rraber,
welche Konstantinopel belagerte, wurde mit dessen hilfe zerstört,
und das griechische Feuer war mehrere Jahrhunderte hindurch
eine furchtbare Waffe in den händen der Byzantiner, besonders
in den Seeschlachten. Kaiser Leo der Philosoph hat in seinen mili—
tärischen Schriften angegeben, daß man es aus Röhren schleudern
solle, aus welchen es mit Donnergeräusch hervorbreche, und daß
seine nicht verlöschende Flamme die feindlichen Schiffe vernichte.
Ob und in welcher Weise hierbei die Treibkraft der Perbrennungs—
gase mitwirkte, ist nicht festzustellen. Daß Salpeter als Bestand—
teil in die Mischungen aufgenommen wurde, ist zweifellos. Ge—
wöhnlich wurde das griechische Feuer in ausgehöhlte Steine oder
eiserne mit Löchern versehene Gefäße eingeschlossen, welche aus
Wursmaschinen geschleudert wurden. Die Byzantiner gebrauchten
auch solche Gefäße und Rohre (Chirosyphon genannt), welche
mit der hand auf den Feind geworfen wurden.
Die Bereitung und Verwendung des griechischen Feuers war
lange Zeit hindurch ausschließlich den Griechen bekannt. Die byzan—
tinischen Kaiser hatten die schrecklichsten Strafen auf den Verrat
des Geheimnisses gesetzt. Dennoch verbreitete es sich nach und
nach und kam endlich auch zur Uenntnis der Gegner. Nicht von
China her, sondern von Konstantinopel lernten die Mohammedaner
das griechische Feuer kennen, von dem sie in den Kreuzzügen einen
so unheilvollen Gebrauch machten. Die Schilderung Joinville's
Histoire du roy Sainect-Loys) läßt erkennen, welchen Schrecken
die feindlichen Feuermaschinen im heere Cudwigs des heiligen
verbreiteten.
Von vielen Schriftstellern wird über den Gebrauch der Feuer—
        <pb n="14" />
        b Erstes Kapitel: D. Sprengstoffabrikation in ihrer geschichtl. Entwickl.

pfeile und Seuerkugeln bei Belagerungen und in der Schlacht aufs
eingehendste berichtet. Aber die genaue Zusammensetzung des grie—
chischen Feuers wurde von den Griechen sorgfältig geheim gehalten.
Sie nennen die brennbaren Bestandteile, Pech, Naphta, Schwefel,
aber von dem wichtigsten Bestandteil, dem Salpeter, wird kein
Wort gesagt. Weniger Reserve legten sich die arabischen Schrift—
steller auf. In einem von Reinaud und Favsé Du jeu grégeois
et des origines de la poudre à canon; 18485) übersetzten ara⸗
bischen Manuskript werden mehrere Mischungen von Salpeter mit
verschiedenen brennbaren Stoffen angegeben.
Diele Rezepte salpeterhaltiger Brenngemische finden wir in dem
berühmten Buche des Marcus Graecus: Liber ignium ad
comburendum hostes. Die Entstehungszeit dieses Werkes ist
ungewiß; sie wird zwischen 11. und 13. Jahrhundert gesetzt.
Huttmann) meint, es könne nicht vor 1229 verfaßt worden
sein, da die Araber früher noch nicht Salpeter zu den brennbaren
Mischungen verwendet haben und der Verfasser hauptsächlich aus
arabischen Quellen schöpft. Unter den Vorschriften finden sich Zu⸗
sammensetzungen, welche der des heutigen Sprengpulvers sehr nahe
kommen, 3. B. 2 Pfund Schwefel, 2 Pfund Lindenkohle, 6 Pfund
salpeter. Aber ebenso wie die arabischen Autoren spricht auch
Marcus Graecus nur davon, daß die Mischungen Brand er⸗
zeugen sollen, er beschreibt auch die Kakete, aber die Verwendung
als Treibmittel in Kanonen kennt er nicht. Immerhin wurde mit der
KRakete Gebrauch von der Triebkraft gemacht Marcus Graecus
beschreibt sie als ignis volatilis oder tunica ad volaundum. Das
salpeterhaltige Gemisch wurde in eine Röhre gebracht, die am
geschlossenen oder verengten Ende erhitzt wurde. Die hier entflammte
Masse schleuderte den Inhalt brennend heraus. Es ist auch zu
berücksichtigen, daß der damalige Salpeter, auch wenn er umkristalli⸗
siert war, nur ein sehr unreines Kaliumnitrat sein konnte. Wenn
die oben angegebene Mischung reinen Salpeter enthielte, so würde
sie beim Entzünden plötzlich detonieren, aber nicht wie eine Rakete
oder ein Schwärmer verbrennen. Marcus Graecus beschreibt
allerdings auch eine tunica tonitruum faciens. Aber auch hierbei
handelt es sich nicht um eine momentane Explosion. Die mit Brenn⸗
mischung halb gefüllte hülse zerplatzte unter Knall, sobald sie
durch den Druck der allmählich entwickelten Verbrennungsgase

1) Industrie der CExplosiostoffe, Braunschweig 1895. 8. 8.
        <pb n="15" />
        Sschießpulver.

zertrümmert wurde. Der Zweck war nur, durch den Rnall Schrecken
zu verbreiten.
In den Schriften der berühmten Alchemisten Albertus Magnus
(1193 - 1280) und Roger Bacon's (1214-1292) finden wir
höchst überschwängliche Mitteilungen über salpeterhaltige Brenn—
mischungen, über ignis volans, über tunica ad volandum und
ad faciendum tonitruum. Der Kern der phantastischen Angaben
enthält aber nichts Originelles, sie sind alle auf die des Marcus
Braecus zurückzuführen.
Am Ende des 13. Jahrhunderts kannte man also salpeterhaltige
Gemische, die leicht entzundlich waren und brennbare Gegenstände
leicht in Brand zu setzen vermochten, die auch in Form von Kaketen
auf gewisse Entfernungen hin geschleudert oder geschossen werden
konnten. Die letztere Verwendung führte nun allmählich dahin,
die Treibkraft des Pulvers zum Abschießen von Projektilen zu
verwerten. In die Kaketenröhre brachte man nicht nur das brenn⸗
bare Gemisch, sondern auch darüber ein Geschoß, welches durch
die Verbrennungsgase fortgetrieben wurde.
Diese Erfindung und damit die des Schieß pulvers scheint von
den Arabern gemacht worden zu sein. In einem in der Petersburger
 Bibliothek aufbewahrten arabischen Manuskript aus dem
Anfang des 14. Jahrhunderts wird eine Mischung beschrieben,
die aus 10 Drachmen Salpeter, 2 Drachmen Kohle und 12 Drachmen
Schwefel hergestellt wird. Mit diesem zu einem feinen Pulver zer⸗
riebenen Gemisch füllt man den „Medfaa“ zu einem Drittel an,
drückt die Masse mit einem zweiten passenden Medfaa zusammen,
legt eine Kugel oder einen Bolzen darauf und bringt dann Seuer
an das Zündloch usw. Medfaa war ein ausgehöhlter Lanzenschaft.
Das Wort hat die etymologische Bedeutung: Propulsorium, projectorium.
 Erst später nimmt es im AUrabischen die Bedeutung
von Kanone an.9)
Hier haben wir die erste ballistische Wirkung des Pulvers. Um
von der Schießröhre Medfaa zur Kanone zu gelangen, war nur
ein Schritt nötig, vielleicht die Ubertragung der Erfindung auf
die Feuertöpfe. Diese für die Kriegsführung wichtigste Neuerung
tritt zuerst im Abendlande, in Europa, auf.
Nach Libri hätte man 1326 schon in Florenz Metallkanonen
angefertigt. Jedoch sind die Angaben dieses Autors als unzuver⸗

RUpmann, Das Schießpulver; Brschwg. 1874, 5. 7.
        <pb n="16" />
        8 Erstes UNapitel: D. Sprengstoffabrikation in ihrer geschichtl. Entwickl.

lässig nachgewiesen worden. In SFrankreich hat im Jahre 1339
Barthélemy Drach laut einem noch vorhandenen Dokument
der Rechnungskammer einen Bericht vorgelegt, „pour avoir
poudres et autres choses nécessaires aux canons“. Bei der
Verteidigung von Cambrai (1339) sind 10 Kanonen in Gebrauch,
und in der Schlacht bei Crécy (1346) haben die Engländer 3
Kanonen, aus denen sie kleine eiserne Rugeln schießen.
In Deutschland ist die Erfindung des Schießpulvers mit dem
Namen Berthold Schwarz verknüpft. Dieser Gertholdus Niger),
ein Franziskaner in Freiburg i. B. soil bei alchemistischen Versuchen
zufällig das Schießpulver und seine Wirkung entdeckt haben. Im
15. und 16. Jahrhundert galt er allgemein als der Erfinder des
Schießpulvers. Sichere Daten über diesen Mönch und die Zeit, in
der er lebte, sind noch nicht ermittelt worden. Sieht man von den
vielen über ihn erzählten Anekdoten ab und hält sich an die zu—
verlässigeren Berichte aus deutschen, italienischen, niederländischen
und anderen Quellen des 15. und 16. Jahrhunderts, so kann
man wohl als wahrscheinlich annehmen, daß der Mönch Berthold
Schwarz wirklich existiert und auch wohl unabhängig, ohne Be—
nutzung anderer, besonders arabischer Schriften, die Erfindung
gemacht habe, aber zu einer Zeit, Mitte des 14. Jahrhunderts
(am häufigsten wird sogar 1380 angegeben), in der anderwärts,
auch in Deutschland, der Gebrauch des Schießpulvers schon wohl⸗
bekannt war. So wissen wir, daß Pulverfabriken 1340 in Straß⸗
burg, 1344 in Spandau, 1348 in Liegnitz existierten. In CLübeck
soll 1360 ein Brand, der das Rathaus zerstört hat, infolge einer
Pulvererplosion entstanden sein. Johannes Rothe erzählt in
seiner thüringischen Chronik, daß zum ersten Male bei der Be—
lagerung von Einbeck durch Friedrich, Markgraf von Meißen (im
Jahre 1365), von Seiten des Verteidigers, des herzogs Heinrich
von Braunschweig, Schußwaffen gebraucht worden seien: „Diz waz
dy erste Buchse, dy yn dissin Land in vernomme wart.“
In Spanien ist die Rede von durch Feuer geschleuderten Kugeln
bei Gelegenheit der Belagerung von Alicante 1351, in Rußland
wird um 1389, in Schweden um 1400 ürtillerie eingeführt. Der
Gebrauch der Kanonen und Bombarden hat sich offenbar sehr
raschverbreitet, wenn auch andererseits die Bewaffnung der Infanterie
mit Piken lange Seit, in Frankreich bis zur Zeit Ludwigs XIV.,
beibehalten wurde, und die durch ihre Bogenschützen berühmten
englischen Armeen auch lange Zeit hindurch ihre alten Waffen
        <pb n="17" />
        Schießpulver zum Sprengen.

,

führten und noch 1627 bei Belagerung der Insel Ré mit Bogen
und Pfeil kämpften.
Das griechische Feuer verschwand allmählich aus der Kriegs⸗
führung, im Maße als man die Verwendung des Schießpulvers
vielseitiger gestaltete. So benutzte man die Pulverexplosion bald
nicht mehr ausschließlich zum Schleudern von Geschossen, die Ar—
tilleristen lernten auch, Minen zu graben, diese mit Pulverladungen
zu besetzen und durch deren Explosion die Mauern von Festungen
zu zerstören. Cine andere Neuerung war die, an Stelle von steinernen
oder eisernen Vollkugeln Hohlgeschosse abzuschießen. Diese waren
wohl aus den alten Feuertöpfen entstanden, sollten aber nicht
mehr wie diese nur einen Brand erzeugen. Die Wände der Hülsen
wurden dicker gemacht und ihr Inneres wurde mit Pulver ge⸗
füllt, das erst später zur Explosion kam als das zum Abschießen
des Geschosses benutzte. So entstand die Bombe, durch deren in
der Ferne erfolgende Explosion die zerstörende Wirkung der Kugeln
bedeutend verstärkt wurde. Die Bomben traten im 16. Jahrhundert
auf, erlangten im 17. eine große Wichtigkeit und sind heutzutage
so vervollkommnet, daß die Vollkugeln dagegen eine nur unbedeu—
tende Rolle spielen.
Gegen Ende des 17. Jahrhunderts fing man auch an, die Ex—
plosipkraft des Pulvers im Bergbau und Straßenbau zum Sprengen
von Steinen und zur Beseitigung von hindernissen aller rt nutz⸗
bar zu machen. Bis dahin hatte man sich für diese Zwecke nur
der Menschenkraft bedient, die wohl durch Feuer und auch durch
Wasser unterstützt wurde, um das Gestein mürbe zu machen. Jetzt
war man aber im Besitz einer ungeheuer viel größeren Kraftquelle,
und durch ihre rationelle Benutzung, besonders durch Erfindung
neuer mächtiger Sprengmittel, hat man die erstaunlichsten Erfolge
erzielt.
Die erste sichere Nachricht über die Verwendung von Schieß
pulver zur Sprengarbeit findet sich in dem Protokolle des Schem⸗
nitzer Berggerichtsbuches vom 8. Februar 1627, wonach ein Tiroler
Bergmann, Caspar Weindl, die erste Sprengung an diesem
Tage durchgeführt hätte.) Von Schemnitz aus wurde die Spreng⸗
arbeit nach Böhmen und dem harze eingeführt, und zwar 1632 in
Clausthal, sodann 1645 in Freiberg, 1670 in England, 1724 erst
in Schweden. Die elektrische Zündung wurde im Jahre 1823 durch

1) Guttmann in Muspratt's Techn. Chemie, 4. Aufl., Bd. 7, 780.
        <pb n="18" />
        10 Erstes Kapitel: D. Sprengstoffabrikation in ihrer geschichtl. Entwickl.

Harris, die Sicherheitszündschnur 1831 durch Bickford und die
Bohrung mit gepreßter Luft 1854 durch Brunton und Bartlett
erfunden.
Jahrhunderte hindurch war Schwarzpulver das für Schieß- und
Sprengzwecke allein verwendete Triebmittel. Erst das 19. Jahr—
hundert brachte neue Sprengstoffe, zunächst die sogen. Nitrokörper,
die Salpetersäurerester von Zellulose und ähnlichen Kohlenhydraten.
Im Jahre 1832 hat Braconnot gefunden, daß aus Holzfasern,
Stärkemehl u. dgl. durch Einwirkung von konzentrierter Salpeter—
säure leicht verbrennliche Stoffe entstehen, welche er Xyloidin nannte.
Pelouze zeigte im Jahre 1838, daß dies Xyloidin bei 1800 sich
entzünde, aber auch durch starken Schlag explodiere. Er empfahl
es zur Anwendung in der Feuerwerkerei. J. B. Dumas benutzte
Papier zur herstellung eines ähnlichen Körpers, welchen er Nitro—
amidin nannte. Alle diese Produkte waren indessen von ungleich—
mäßiger Wirkung und ungenügender haltbarkeit.
Ein brauchbares Produkt, welches das größte Aufsehen erregte,
erhielt zuerst Schönbein in Basel im Jahre 1845 durch die Ein—
wirkung von Salpetersäure auf Baumwolle. Ohne daß die Struktur
der Baumwolle äußerlich sichtbare Veränderungen erfuhr, wurde
sie in einen äußerst explosiven Körper umgewandelt, der sich als
zu Schieß- und Sprengzwecken geeignet erwies. Schönbein, der
dem Präparat später den namen Schießbaumwolle gab, hielt
dessen Bereitung geheim, und so kam es, daß R. Böttger in
Frankfurt a. M. im Jahre 1846 die gleiche Erfindung machte.
Beide Forscher vereinigten sich und boten das Verfahren dem
Deutschen Bunde zum Erwerb an. Es wurde ihnen eine National—-belohnung
 in Aussicht gestellt, falls die Schießbaumwolle das Schieß⸗
pulver für den Gebrauch in Feuerwaffen mit Vorteil ersetzen
könne.
Inzwischen hatte auch S. J. Otto in Braunschweig die erplo—
sive Baumwolle hergestellt, und er zuerst brachte das Verfahren
an die Offentlichkeit durch einen im Oktober 1846 in der HAugsburger
 Allgemeinen Zeitung erschienenen Aufsatz.
Nun wurden zahlreiche Versuche bekannt, nach welchen die
Baumwolle durch andere ähnliche Stoffe, Flachs, Sägespäne u. dal.,
der Salpetersäurebehandlung unterworfen wurden; auch das Ver—
fahren selbst wurde abgeändert. Karmarsch und heeren in
hannover, sowie Knop in Leipzig zeigten, daß ein Gemisch von
konzentrierter Salpetersäure und konzentrierter Schwefelsäure viel
        <pb n="19" />
        Schießbaumwolle.

11

vorteilhafter sei als die erstere Säure allein, indem das bei der
Einwirkung von Salpetersäure auf die Baumwolle entstehende
Wasser von der Schwefelsäure gebunden wird und dadurch nicht
die Salpetersäure verdünnen und in ihrer Wirkung schwächen kann.
Millon und Gaudin empfahlen, ein frisch bereitetes Gemisch
von Salpeter und Schwefelsäure zu verwenden, wodurch die ge—
sonderte herstellung der Salpetersäure umgangen wird.
Die Versuche, welche eine Kommission in Mainz zur Prüfung der
schießbaumwolle auf ihre Verwendbarkeit angestellt hatte, waren
nicht ungünstig ausgefallen. Im Jahre 1853 führte die österreichische
Regierung nach Übereinkommen mit dem Deutschen Bunde die
Schießbaumwolle, die nach Vorschrift des Hauptmanns von Lenk
in der von diesem eingerichteten Fabrik zu hirtenberg bei Wiener—
Heuftadt hergestellt wurde, bei der Genietruppe als Sprengmittel
und bei der Artillerie zur Füllung von hohlgeschossen ein. Weniger
geeignet erwies sich die Schießbaumwolle für Geschütze; die Ka—
nonenrohre wurden von den Explosionsgasen angegriffen und von
den hohen Explosionsdrucken zu sehr in Anspruch genommen.
Indessen war der Gebrauch der Schießbaumwolle wieder in
Frage gestellt worden, nachdem mehrfach aus unaufgeklärten Ur⸗
sachen gefährliche Explosionen in Fabriken und Magazinen statt—
gefunden hatten. Frederick Abel, der Chemiker des englischen
Kriegsdepartements, zeigte 1865, daß diese Unfälle in der un—
genügenden Reinigung der nitrirten Baumwolle ihren Grund
hatten. Er gab eine wichtige Verbesserung des Verfahrens an,
die darin bestand, daß die Schießbaumwolle nach erfolgter Nitri—
rung und Auswaschung in einem Papierzeug-Holländer zerkleinert
wird. Die dadurch entstehende Pülpe ist leicht vollständig zu reinigen
und läßt sich dann in die Form regelmäßiger Körper pressen.
hierdurch wurde die Aufbewahrung gefahrlos und die regelmäßige
Erplosion bei der Verwendung der Schießbaumwollstücke sicher
zestellt.
Eine folgenreiche Entdeckung wurde im Jahre 1846 durch
Sobrero in Turin gemacht, nämlich die des Nitroglyzerins
oder Pyroglyzerins, wie der Körper anfänglich genannt wurde.
Angeregt durch die Arbeiten Pelouze's über die Einwirkung der
Salpetersäure auf Zellulose und ähnliche Kohlenhydrate, hatte
Sobrero zu dieser Reaktion das Glyzerin benutzt. Es entsteht
auch hier kein wirklicher Nitrokörper, sondern ein Salpetersäure—
ester des Glyzerins, der aber allgemein als Nitroglyzerin bezeichnet
        <pb n="20" />
        12 Erstes Kapitel: D. Sprengstoffabrikation in ihrer geschichtl. Entwickl.

wird. Der Entdecker erkannte wohl die Bedeutung dieses flüssigen
Körpers als Explosivstoff, vermochte aber nicht, seine technische
Herwendung in diesem Sinne herbeizuführen. Zunächst fand das
Nitroglyzerin eine unbedeutende therapeutische Verwendung, indem
es in sehr verdünnter alkoholischer Lösung als Mittel gegen Kopf⸗
schmerzen und Migräne (unter der Bezeichnung Glonoin und Angio—
neurosin) diente. Es gehört auch jetzt noch dem Arzneischatze an.
Erst im Jahre 18603 wurden durch Alfred Nobel die ersten
Hersuche gemacht, den von ihm Nitroglyzerin genannten Körper
für Sprengzwecke zu benutzen. Er brachte zunächst die Flüssig⸗
keit durch kleine Pulverladungen zur Erplosion. Allein die Hand⸗
habung erwies sich als zu gefährlich für die Bergarbeiter. Er
empfahl dann, das Nitroglyzerin in Methylalkohol zu lösen und
diesen kurz vor dem Gebrauch durch Zusatz von Wasser, in welchem
das Nitroglyzerin unlöslich ist, wieder von letzterem zu trennen.
Durch dies Verfahren wurde zwar die Empfindlichkeit des Nitro—
glyzerins so herabgesetzt, daß es transportfähig wurde, allein die
Trennung von dem Methnlalkohol war umständlich, und Gefahren
waren doch nicht ausgeschlossen, sei es infolge der leichten ber—
dunstung des holzgeistes, sei es aus anderen Ursachen.
Mowbran in Massachusetts zeigte, daß das Nitroglyzerin in
festem Sustande gegen manche äußere Einwirkungen weniger emp⸗
findlich ist als in flüssigem, und er verwendete gefrorenes Nitro⸗
glyzerin zum Transport in Blechgefäßen. Aber auch hierdurch
wurden unbeabsichtigte Explosionen bei unvorsichtigem Ruftauen
nicht vermieden, und gegen Stoß und Schlag ist die Empfindlich⸗
keit immer noch sehr groß.
Nobel hatte inzwischen Versuche angestellt, um das Nitroglyzerin
durch Mischen mit festen Körpern in einen nichtflüssigen, halbfesten
zustand überzuführen. Er fand im Jahre 1866 ein hierzu fehr
geeignetes Material in der Infusorienerde oder Kieselgur, die
besonders in der Lüneburger heide in einem mächtigen Cager
vorkommt. Damit erhielt er ein sehr plastisches, gegen Stoß fast
unempfindliches Produkt, das leicht in Bohrlöcher eingeführt werden
kann. Er nannte es Dynamit.
Schießbaumwolle wie Dynamit fanden alsbald eine sehr aus—
gedehnte Anwendung, besonders im Bergbau, wenn sie auch nicht
ganz frei von gewissen Übelständen waren. Die in bestimmie
Formen gepreßte Schießbaumwolle ließ sich oft nicht glatt in die
Bohrlöcher bringen und wirkte oft zu plötzlich und kräftig. Dyna—
        <pb n="21" />
        Nitroglyzerin. Dynamit.

13

mit nimmt bei Zutritt von Wasser dieses auf und läßt Nitro—
glyzerin austreten; bei niedriger Cemperatur gefriert es zu einer
steinharten Masse, die gegen jede mechanische Einwirkung von
außen (beim Zerkleinern der festen Masse z. B.) äußerst emp⸗
findlich ist.
Nobel hatte den glücklichen Gedanken (1878), beide Sprengstoffe
 mit einander zu kombinieren. So entstand die Spreng—
gelatine, welche bald das im Bergbau am meisten verwendete
Sprengmittel wurde und auch für Kriegszwecke als Füllmittel für
Granaten u. dgl. sich als brauchbar erwies. Sellulose bildet außer
der Schießbaumwolle noch andere Salpetersäureester, welche weniger
Salpetersäurerester enthalten als jene. Ein zuerst als „Dinitro—
zellulose“ bezeichnetes Produkt vermag sich in Atheralkoholgemisch
aufzulösen. Eine solche Lösung ist das bekannte Kollodium. Nobel
fand, daß diese Dinitrozellulose sich auch in Nitroglyzerin auflöft
und damit, je nach den Verhältnissen, eine zähe gallertartige bis
hornartige Masse bildet. Hier wird also die Gelatinierung oder
Plastizierung des Nitroglyzerins nicht durch Sumischung eines un—
wirksamen Körpers wie Kieselgur bewirkt, sondern eines Stoffes,
der selber ein starker Explosivstoff ist. Schon 8 Prozent Dinitro⸗
zellulose sind hinreichend, um das Nitroglyzerin zu gelatinieren,
also eine bei weitem geringere Menge, als von Kieselgur erforder⸗
lich ist. Es ist ersichtlich, daß die Gelatinedynamite im allgemeinen
oiel kräftigere Sprengstoffe sind als der Gurdynamit.
Man suchte nun auch nach anderen starken Explosivstoffen und
Gemischen, deren Eigenschaften sie besonders für Kriegszwecke brauch⸗
bar machten. Zunächst zogen die wirklichen Nitrokörper, und unter
diesen Pikrinsäure, das Trinitrophenol, die HRufmerksamkeit auf
sich. Borlinetto hat im Jahre 1867 ein Gemisch von Pikrin⸗
säure, Natronsalpeter und Kaliumbichromat als Sprengpulver
empfohlen. Kalium⸗ und Ammoniumpikrat wurden auch in Eng—
land und Nordamerika zur Füllung von Bomben verwendet. Großes
Aufsehen erregte die von Cugen Turpin in Paris (1887) er⸗
fundene Verwendung von Pikrinsäure in gepreßtem und geschmol⸗
zenem Zustande, sowie in Verbindung mit Kollodium, zum Füllen
von Granaten. Ein solches Produkt ist das in der französischen
Armee eingeführte Melinit. Die dem Trinitrophenol homologen
Trinitrokresole in Form der Ammoniumsalze werden seit 1888
als Ecrasit in der österreichischen, als Kresylit in der fran—
zösischen Armee gebraucht.
        <pb n="22" />
        1

Zweites Kapitel: Theorie der Sprengstoffe.

Je genauer man, besonders infolge der Arbeiten Berthelot's
und seiner Schüler, das Wesen der Explosion kennen lernte, und
je bessere Prüfungsmethoden ausgearbeitet wurden, umso mehr
wurden die verschiedensten Stoffe, besonders Nitrokörper, auch
Diazoverbindungen, in den Bereich der Sprengtechnik gezogen.
Es würde zu weit führen, sie hier alle aufzuzählen; bei der späteren
Beschreibung der einzelnen wichtigeren Sprengstoffe werden auch
die geschichtlichen Daten angegeben werden.
Nur auf einen Fortschritt aus neuerer Zeit sei noch kurz hin—
gewiesen. Das ist die Einführung des rauchlofen Pulvers. Ein
solches Schießpulver, dessen Explosionsprodukte rein gasförmiger
Natur sind, ohne feste Bestandteile, also keinen Kauch bilden,
wurde zuerst 1886 von Vieille aus in Ather gelöster Schieß—
baumwolle und pikrinsäure hergestellt. Fast sämtliche Staaten
sind seitdem mit großem Eifer bestrebt gewesen, ähnliche rauch—⸗
lose oder rauchschwache Pulver in ihren Armeen einzuführen, wobei
noch der wichtige Erfolg erzielt wurde, Gewehre von kleinem Ka—
liber zu benutzen, also den Soldaten mit einer größeren Anzahl
von Patronen als bisher auszurüsten. Jetzt ist in raschem Verlauf
das Jahrhunderte hindurch gebrauchte Schießpulver fast vollständig
durch das rauchlose Pulver verdrängt worden.

3weites Kapitel.
Theorie der Sprengstoffe.
J. die Sprengkraft und ihre Elemente.

Die Verwendung der Explosivstoffe für Kriegszwecke und im
Bergbau beruht auf der plötzlichen Entwicklung eines beträcht⸗
lichen Gasvolumens in einem Raume, welcher zu klein ist, um
dies Gasvolumen bei dem Atmosphärendruck enthalten zu können.
Dies bedingt eine mehr oder weniger große Spannkraft, die in
einem sehr kurzen Zeitraume entwickelt wird und deshalb große
dynamische Wirkungen ausübt. Die plötzliche Entwickelung eines
großen Gasvolumens aus einem viel kleineren Anfangsvolumen
der Masse bildet die Erplosion, welche Schall⸗ und heftige
mechanische Wirkungen hervorruft. Man nennt die Erscheinung
auch Detonation, wenn sie den höchsten Grad der Geschwindig⸗
keit und Energie erreicht. Der Gasdruck überträgt die lebendige
Kraft der Gase auf die Geschosse oder zertrümmert die Wände
des Raumes, in welchem die Explosion erfolgt.
        <pb n="23" />
        Die Explosion.

15

Die Spannkraft der Gase kann wirksam werden durch die Aus⸗
dehnung von vorher zusammengedrückten Gasen, wie bei der Wind—
büchse, oder durch den aus einer Flüssigkeit durch Erhitzen ent⸗
wickelten Dampf, wie in der Dampfmaschine, oder endlich durch
eine chemische Reaktion, welche aus einem festen, flüssigen oder
gasförmigen Körpersystem plötzlich eine große Menge Gas und
hohe Temperatur entwickelt. Die letztere Methode erzeugt die
mächtigsten Wirkungen. Sie ist auch deshalb für Sprengzwecke
vorzuziehen, weil sie keiner hilfseinrichtungen zum Komprimieren
von Gas oder zum Erhitzen von Flüssigkeiten bedarf.
Von den chemischen Vorgängen wählt man in der Praxis aus—
schließlich diejenigen, bei welchen Sauerstoff, der frei oder ge—
bunden sein kann, auf oxndierbare Stoffe einwirkt, also Verbren⸗
nungen hervorruft. Das typische Beispiel für diese Art von Reak—
tionen ist das Knallgas, das Gemisch von 2 Vol. Wasserstoff und
Vol. Sauerstoffgas. Auf gleiche Gewichte bezogen, liefert es so⸗
gar mehr kinetische Energie, als irgend ein anderes Gemisch. Aber
das Volumen dieses Sprengstoffes im Anfangszustand ist wegen
seiner Gasform schon von vornherein so groß, daß die durch
die Explosion erreichten Druckgrößen nicht sehr erheblich werden.
Aus diesem Grunde, und weil das handhaben von Gasen über—⸗
haupt unbequem ist, verwendet man im allgemeinen nicht gas⸗
förmige Sprengstoffe oder freien Sauerstoff. Fast ausschließlich
kommen feste oder flüssige sauerstoffhaltige Verbindungen zur Ver⸗
wendung, wie Kaliumnitrat, Salpetersäure, Kaliumchlorat, Am⸗
moniumnitrat, Metalloxyde u. dgl. m. ebenso hauptsächlich feste
brennbare Stoffe, wie Schwefel, Kohle, Phosphor, Antimon, Alu⸗
minium, Ferrocyankalium, Kohlenhydrate und andere organische
Verbindungen. Man kennt auch Explosionsstoffe, welche keine Ge—
mische sind, sondern den zur Verbrennung nötigen Sauerstoff und
den brennbaren Stoff in einer einzigen chemischen Verbindung
enthalten, wie Nitroglyzerin, Schießbaumwolle, Rnallquecksilber.
Sogar sauerstoffreie Körper, wie Diazobenzolsalze, Stickstoffwasser⸗
stoff u. a., können heftig explodieren. Derartige Körper sind unter
Wärmeabsorption aus den Elementen gebildet, sie enthalten also
eine Summe von Energie, welche bei ihrer plötzlichen Zersetzung
frei wird und mechanifche Wirkungen ausüben kann.
Dies führt uns zu einer Theorie der Sprengstoffe, bei welcher,
wie ersichtlich, die BZildungswaͤrmen der chemischen Verbindungen
eine maßgebende Kolle spielen. Diese Größen sind die Ergebnisse
        <pb n="24" />
        16 Sweites RNapitel: Theorie der Sprengstoffe.

einer verhältnismäßigen jungen Wissenschaft, der Thermo—
chemie, welche besonders durch die klassischen Untersuchungen
M. Berthelot's, sowie Jul. Thomson's zu hoher Vollendung
gebracht worden ist. Vorher war die Kenninis der Sprengstoffe
eine rein empirische. Heutzutage, im Lichte der Thermochemie, ist
man imstande, eine Menge neuer Sprengmischungen herzustellen
und ihre Eigenschaften einigermaßen sicher im voraus zu bestimmen.
Die Thermochemie ist die Wissenschaft von den gegenseitigen Be⸗
ziehungen zwischen chemischen und Wärmeerscheinungen, sie unter—
sucht die Umwandlung von chemischer in Wärmeenergie und um—
gekehrt. Die Wärmeenergie ist in den Sprengstoffen latent, sie
ist potentielle Cnergie, ihre durch Rechnung oder experimentell
bestimmbare Größe ist ein Maß für die kinetische Energie. Die
Umwandlung der Erplosionswärme in mechanische Arbeit besteht
in der durch die Wärme bewirkten Ausdehnung der Explosionsgase,
wodurch sich unter Berücksichtigung der Detonationsgeschwindigkeit
der entsprechende Gasdruck gibt.
Die mechanischen Wirkungen einer Explosion hängen also ab
von dem Volumen der bei der chemischen Reaktion gebildeten
Gase und von der frei werdenden Wärmemenge, welche die das
Volumen beeinflußende Temperatur bedingt.
Wesentlich ist ferner die Zeit, welche zur Vollendung und zur
Sortpflanzung der chemischen Reaktionen erforderlich ist. Man
unterscheidet demnach brisante und langsam explodierende Spreng⸗
stoffe. Su den ersteren gehören die Dynamite und die Ammon—
salpetersprengstoffe, zu den letzteren das Schwarzpulver. Um die
Kraft eines Sprengstoffes zu bestimmen, muß man also die Natur
der chemischen Reaktion kennen, woraus sich das Gasvolumen
und nach den thermochemischen Bestimmungen die Menge der ent⸗
wickelten Wärme ableitet, und ferner die Geschwindigkeit der
Reaktion.
Die Natur der Reaktion ist bestimmt durch die Zusammen⸗
setzung des Sprengstoffs und durch die der Explosionsprodukte.
Diese sind die der vollklommenen Verbrennung, wenn genügender
Sauerstoff vorhanden ist, um die brennbaren Elemente in die
letzten Oxydationsprodukte überzuführen, wie es 3. B. beim Nitro—
glyzerin der Fall ist, dessen Kohlenstoff und Wasserstoff gänzlich
in Kohlensäure und Wasser umgewandelt werden. Verwickelter
wird der Vorgang, wenn es an Sauerstoff fehlt. Es finden dann
zugleich mehrere Keaktionen statt. Aus dem Schwarzpulver 3. B.,
        <pb n="25" />
        Wärmeenergie. Gasvolumen. Chemische Keaktion. 17

dem Gemisch von Kaliumnitrat, Kohle und Schwefel, entstehen
nicht nur Kohlensäure, Kaliumkarbonat und Kaliumsulfat als
Produkte der vollständigen Verbrennung, sondern auch Kohlen⸗
oxyd und Schwefelkalium insolge unvollständiger Verbrennung.
Dabei ist zu berücksichtigen, daß die Verbrennungsprodukte bei
der hohen Explosionstemperatur nicht immer dieselben sind, wie
sie nach dem Erkalten beobachtet werden. Wasserdampf kann
in seine Elemente Wasserstoff und Sauerstoff, Kohlensäure in
Kohlenoxyd und Sauerstoff dissoziiert sein. Zu dieser Dissoziation
wird Wärme verbraucht, die allerdings bei der Abkühlung wie—
der frei wird.
Die bei der Explosion entwickelte Wärmemenge ist aus den
Reaktionsprodukten für konstanten Druck oder für konstantes Po—
lumen zu berechnen. Ein Teil dieser Wärmemenge wird bei der
Verwendung der Sprengstoffe in mechanische Arbeit umgesetzt.
Bei dem gewöhnlichen Schießpulver wird in dieser Weise etwa
der Gefamtwärme nutzbar gemacht.
us der chemischen Reaktion ist auch das Volumen der Gase
bei irgend einer Temperatur abzuleiten. Dabei ist auch das Gas—
Volumen von Körpern, wie Wasser, die bei der Explosionstem—
peratur gasförmig sfind, zu berücksichtigen. Aus dem Gasvolumen
kann man den Druck der Gase bei der Explosionstemperatur be—
rechnen. Da aber die Gasgesetze bei hohen Temperaturen nicht
streng gültig sind, so zieht man es im allgemeinen vor, den Gas—
druck mit Hilfe geeigneter Apparate direkt zu bestimmen.
Serner ist zu berücksichtigen, daß die Zersetzungsgleichung nicht
immer etwas von vornherein theoretisch Feftstellbares ist, son—
dern daß bei manchen explosiven Umsetzungen ein verschiedener
Reaktionsverlauf denkbar ist. Dies ist besonders dann der Fall,
wenn nicht genügend Sauerstoff zur völligen Verbrennung der
oxndabeln Elemente vorhanden ist, wie in der Schießbaumwolle.
Für diese hat A. Noble berechnet, daß verschiedene Explosionszersetzungen
 möglich sind und demgemäß die Zersetzungsgase
Kohlensäure, Kohlenoxyd, Wasserstoff, Methan und Wasserdampf
in verschiedenen Mengen auftreten können. Demnach wird man
auch verschiedene entwickelte Wärmemengen (O) herausrechnen.
Es ist daher sicherer in solchen Fällen, die Cxplosionswärme durch
den Versuch im Kalorimeter festzustellen.
Es ergibt sich hieraus, daß zunächst die thermochemischen Ver⸗
hältnisse von wesentlicher Bedeutung sind.
AnusG. 286: Bliedermann, Sprenastoffe.
        <pb n="26" />
        19 Zweites Kapitel: Theorie der Sprengstoffe.

2. Thermochemie.

Der erste Grundsatz, auf dem die Thermochemie beruht, lautet:
Die bei irgend einem chemischen Vorgange entwickelte
Wärmemenge ist ein Maß für die Summe der bei dem—
selben geleisteten chemischen und physikalischen Arbei—
ten. Dieser, auch als Grundsatz der Molekulararbeit zu bezeich—
nende Satz ist schon von Lavoisier und CLaplace aufgestellt
worden.
Die bei einer chemischen Reaktion entwickelte Wärme ist die
Folge des Verlustes an lebendiger Kraft der kleinsten Teilchen,
der Anderung ihrer Bewegungsgröße, der bei der Bildung neuer
Verbindungen eintretenden Veränderungen. Man bezeichnet diese
Wärme auch als Bildungswärme der neuen durch die Reaktion
entstandenen Verbindung. Diese Größe drückt im Wärmemaß auch
diejenige Energie aus, welche erforderlich ist, um die Verbindung
oder das neue System in den früheren Zustand oder das frühere
System zurückzuführen. Das heißt also: die Bildungswärme ist
gleich der Zersetzungswärme und für jede Verbindung eine be—
stimmte Größe.
Die Einheit, welche der Wärmemessung zugrunde liegt, wird
Kalorie genannt. Man unterscheidet dabei:
1. Die große Kalorie (Nal), d. i. diejenige Wärmemenge,
welche erforderlich ist, um die Temperatur von 1 kg Wasser um
10 zu erhöhen.
2. Die kleine Kalorie (kal.), welche diejenige Wärmemenge
ausdrückt, durch welche die Temperatur von 1g Wasser um 10
erhöht wird.
3. Die mittlere Kalorie () oder diejenige Wärmemenge,
welche 18 Wasser von 09 auf 10009 erwärmt.
Im allgemeinen ist also 1 Kal. — 10 K 1000 kal. Wenn
es sich um beträchtliche Wärmemengen handelt, ist die Bezeichnung
nach Kal. am bequemsten.
Ein Beispiel erläutere das Vorhergehende. Blei vermag sich
mit Jod zu verbinden und bildet damit Bleijodid. Der Chemiker
pflegt diesen Vorgang auszudrücken durch die Gleichung
PD 29 - PD“ä
Diese Gleichung besagt, daß 1 UAtom Blei und 2 Atome Jod sich
zu einem Molekül Bleijodid vereinigen. Da das Atomgewicht des
Bleis 206,9 ist, das des Jods 126,97, so sagt die Gleichung ferner,
        <pb n="27" />
        Thermochemie.

19

daß 206,9 Gewichtsteile (Gramm) Blei und 253,8 g Jod 460,7 g
Bleijodid bilden.
Die Gleichung gibt den Vorgang aber nicht vollständig wie—
der, denn bei der Bildung des Bleisodids wird Wärme entwickelt,
und zwar eine für diese Verbindung, in Gramm⸗Molekülen aus—
gedrückt, ganz bestimmte Wärmemenge. die vollständige Glei—
chung lautet

PbD 29 - PbPIA 39,8 Kal.

Mit anderen Worten: 39,8 Kal. ist die Bildungswärme des
Gramm⸗Moleküls Pleijodid, oder der Energieinhalt des Systems
206,9 g Blei 4 253,8 g Jod ist bei der Umwandlung in das
System 460,7 g Bleijodid um 39,8 Kal. vermindert worden.
Es gibt nun auch Reaktionen, bei welchen Wärme nicht ent—
wickelt, sondern aufgenommen wird, deren Bildungswärme also
negativ ist, oder bei denen das neue System einen größeren Energie—
inhalt besitzt als das frühere. 3. B. die Bildung von Jodwasser—⸗
stoff aus Jod und Wasserstoff tritt nur unter Sufuhr von Energie
in Form von Wärme ein:

LHSIHAG kKal.

126,8 g Jod und 1,01 g Wasserstoff bilden 127,81 g Jodwasser⸗
stoff unter Absorption von 6 Kal.
Zur Zerlegung der Verbindungen in die Ausgangsstoffe ist der
ihrer Bildungswärme entsprechende Aufwand an CEnergie erforder⸗
lich. Also um 1 Gramm-Mol. Bleijodid (460,7 g) in Blei und Jod
zu spalten, müssen 39,8 Kal. Wärme oder ein äquivalente andere
Energieform wieder zugeführt werden, welche Wärme dann in
den frei werdenden Elementen als chemische Energie enthalten ist.
Bei der Zersetzung von 1 Gramm-Mol. Jodwasserstoff (127,8 8)
dagegen tritt eine Wärmeentwickelung von 6 Kal. ein.
Man hat also zwei Arten der Bildung chemischer Stoffe zu
unterscheiden, welche durch die allgemeinen Formeln auszudrücken
sind:
(1) ABSCF qkal.
Dies ist eine exothermische Reaktion, und Cist eine exothermische
Verbindung.
2) ABCA qkal.
stellt eine endothermische Keaktion dar, und C ist endothermisch.
        <pb n="28" />
        20 Zweites Kapitel: Theorie der Sprengstoffe.

Die Vorgänge, welche bei der Zersetzung explosiver Verbin—
dungen stattfinden, sind immer exothermischer Art; es wird immer
Wärme frei. Das Körpersystem, welches der explosiven Sersetzung
fähig ist, muß also endothermisch zersetzbar sein.
Man sieht dies z. B. sehr schön bei der Zersetzung der Metall—
oxalate Gerthelot))
ZTn CSOESS 70 4 2002 - 42,8 Kal.
Agꝰ COñ — Ag?ꝰ - 2002 4 29,5 Kal.
Zinkoxalat ist überhaupt nicht zersetzbar ohne Einwirkung fremder
äußerer Energie; Silberoxalat dagegen ist ein wirklicher Explofiv—
stoff, welcher durch Schlag oder auf 1300 erhitzt, lebhaft detoniert.
Zur Messung der Anderung des Wärmezustandes oder der
Wärmetönung eines Körpersystems in Slüssigkeiten, bei Lösungen,
bei Neutralisationen z. B. bedient man sich des Mischungskalori—
meters. Es ist dies ein Gefäß aus Glas oder Metall, in welchem
die aufeinander einwirkenden Stoffe von bestimmter Temperatur
miteinander gemischt werden. Die Temperaturänderung, welche
dabei die vorhandene, genau gemessene Wassermenge erfährt, wird
bestimmt und daraus wird die Wärmemenge berechnet.
Zum Messen der Wärmetönung bei Verbrennungen dient das Ver—
brennungskalorimeter. Dieses (die Berthelot'sche oder Mahler'—
sche Bombe) besteht aus einer verschließbaren Stahlhohlkugel, welche
innen mit Gold, Platin oder Email überzogen ist. In dieser wird
eine bestimmte Menge des betr. Stoffes in auf etwa 25 Atm.
komprimiertem Sauerstoff mit hilfe eines Platindrahtes durch elek—
trische Glüh- oder Funkenzündung verbrannt. Die Bombe befindet
sich in einem Mischungskalorimeter. Die Temperaturänderung,
welche dessen bestimmte Wassermenge erfährt, wird genau am
Thermometer festgestellt.
Der zweite hauptsatz der Thermochemie betrifft die Äqui—
palenz zwischen Wärme und chemischer Umwandlung; er lautet:
Wenn ein System einfacher oder zusammengesetzter Körper unter
bestimmten Verhältnissen gegeben ist und dasselbe physikalische
oder chemische Anderungen erfährt, welche das System in einen
neuen Zustand übersühren, ohne daß dabei äußere mechanische
Wirkungen vollbracht werden, so hängt die bei diesen Anderungen
erzeugte oder absorbierte Wärmemenge einzig von dem Anfangs—

) Matières explosives 7, 125.
        <pb n="29" />
        Thermochemie.

21

zustande und dem Endzustande des Systems ab, ist aber dieselbe,
welches auch die Art und die Folge der Zwischenzuftände sein
mag.
Dies zuerst von dem russischen Chemiker Heß (1840) ermittelte
Gesetz ist von großer Wichtigkeit, da es häufig ermoͤglicht, die
Bildungswärme eines Rörpers zu berechnen, wenn deren direkte
Bestimmung im Kalorimeter nicht möglich ist. 3. B. der Kohlen⸗
stoff bildet mit Sauerstoff zwei Oxydationsstufen, das Kohlen—
oxyd CO und die Rohlensäure COs. Bei der vollständigen, im
Kalorimeter ausführbaren Verbrennung entsteht nur Kohlensäure,
und der Versuch führt zu der Gleichung:
CT20 600 -4943 Kal.

Andererseits kann man das brennbare Kohlenoxydgas auch mit
Sauerstoff zu Kohlensäure verbrennen. Dieser Vorgang entspricht
der Gleichung o -.0 - C02 4 68,3 Kal. Da nun die Waͤrme—
entwickelung bei der Bildung der Kohlensäure stets dieselbe(94, 3 Kal.)
ist, einerlei ob der PVorgang auf einmal oder in mehreren Ab—
schnitten verläuft, so folgt als Bildungswärme des Kohlenoxyds
CTOCO-OMAA-6,3 26 Kal.
Dieser Satz ermöglicht es z. B., die bei der Umwandlung
eines Explosivstoffes entwickelte Wärme in den Fällen zu bestimmen,
wo keine vollständige Verbrennung stattfindet, aber die Produkte
analytisch bestimmt sind. Man muß kennen 1. die Wärme, welche
durch die vollkommene Verbrennung des Explosiostoffes entwickelt
wird, und welche kalorimetrisch unter Verwendung von reinem
Sauerstoff bestimmt werden kann; 2. die Wärmemenge, welche durch
die vollkommene Verbrennung der Explosionsprodukte entwickelt
wird, und welche berechnet werden kann, wenn diese durch die
Analyse festgestellt sind. Die Differenz der beiden Größen bildet
die gesuchte Wärmemenge.
Der zweite Satz ist besonders wichtig bei der Bestimmung
der Bildungswärme organischer Körper, welche nicht direkt ge—
messen werden kann. Die Bildungswärme einer organischen Ver—
bindung aus ihren Elementen ist die Differenz zwischen der
Summe der Verbrennungswärmen der Elemente im freien Sauer—
stoff und der Verbrennungswärme der Verbindung, unter Bil—
dung der gleichen Verbrennungsprodukte. Umgekehrt kann man
die Berbrennungswärme eines aus Rohlenstoff, Wasserstoff, Sauer—
stoff und Stickstoff zusammengesetzten Körpers berechnen, wenn
        <pb n="30" />
        22 SZweites Kapitel: Theorie der Sprengstoffe.

man seine Bildungswärme kennt. Man nimmt die Summe der
Wärmemengen, welche die in der Verbindung enthaltenen Mengen
Kohlenstoff und Wasserstoff, in freiem Zustande, bei ihrer Um—
wandlung in Kohlensäure und Wasser liefern, und zieht von
dieser Summe die Bildungswärme ab.
Der von Berthelot aufgestellte dritte Satz ist der Grund—
satz der größten Arbeit: Jede chemische Veränderung, welche
sich ohne Dazwischenkunft einer fremden Energie vollzieht, strebt
zur Erzeugung desjenigen Körpers oder desjenigen Systems von
—DDD
Dieser Satz ist nur vor bedingter Kichtigkeit, aber in den meisten
Fällen von praktischer Bedeutung zutreffend. In dem System
Kalium 4 Chlor 4 Brom bildet sich nicht Bromkalium, sondern
Chlorkalium, weil die Bildungswärme von KCl 106, die von KBr
nur 90 Kal. beträgt. Damit hängt es auch zusammen, daß ein
chemischer Vorgang sich umso leichter vollzieht, wenn die entftan—
denen Produkte in einer sekundären Keaktion neue Verbindungen
eingehen, wodurch neue Wärmemengen frei werden. So zerfetzt
Chlor das Wasser nur langsam, da die freiwerdende Wärmemenge
gering ist; H?O 4- CI2HBCIOA IO Kal. Wenn aber der
freiwerdende Sauerstoff Gelegenheit findet, einen andern Körper,
3. B. Schwefeldioryd, zu oxydieren, so findet die Zersetzung des
Wassers sehr energisch statt; 2820 4 Clꝰ 4 802 - H80ν
21C014 74 Kal.
Das Prinzip der größten Arbeit trifft nicht zu bei Reaktionen,
die bei hohen Temperaturen verlaufen; bei solchen bilden sich
vielmehr leicht dissoziierende endothermische Verbindungen. Da—
bei ist noch der von Carnot und besonders von Clausius ent—
wickelte zweite hauptsatz der mechanischen Wärmetheorie zu be—
rücksichtigen, welcher die Umwandlung der verschiedenen Energie—
arten ineinander bei der Sustandsänderung eines Körpersystems
betrifft. Die Sustandsänderung kann von zweierlei Art sein. Ein—
mal kann der Energieinhalt des Körpers im Anfangs- und im End—
zustande denselben Wert haben. Er kann dann einen Kreis—
prozeß durchlaufen. Die von außen zugeführte Wärme wird
vollständig zur Arbeitsleistung verbraucht, und beim umgekehrten
Herlauf wird die Arbeit in Wärme verwandelt und nach außen
abgegeben. So kann ein Gas, das in einem durch einen beweg⸗
lichen Stempel verschossenen Zylinder sich befindet, durch Wärme⸗
zufuhr eine gewisse Ausdehnung erfahren und den Stempel ent—⸗
        <pb n="31" />
        Thermochemie.

23

sprechend heben; umgekehrt wird durch Niederdrücken des Stempels
unter Wärmeabgabe das ursprüngliche Volumen wieder hergestellt.
Bei nicht umkehrbaren Vorgängen ift dies nicht der Fall. Solche
sind z. B. der Übergang von Wärme von heißeren auf kältere
Rörper, die meisten chemischen Prozesse, die exothermisch unter
Wärmeentwickelung verlaufen.
Bei umkehrbaren Prozessen ist die Summe der Wärmemengen,
welche von dem den Kreisprozeß durchlaufenden Körper aufge—
nommen und abgegeben werden, gleich Null; bei nicht umkehr—
baren Prozessen ist sie negativ. Die in einem Sinne zur Um—
wandlung in eine andere Energieart verbrauchte Energie kann
hier also nicht quantitativ wiedergewonnen werden. die nicht
umkehrbaren Veränderungen streben nach einem Grenzzustand
für den Teil der Energie, der nicht mehr in anderer Energie um—
gewandelt werden kann. Dieses Streben wird als Entropie
bezeichnet.
Der Teil der Energie eines Rörpersystems, welcher sich in
mechanische Arbeit verwandeln läßt, heißt nach Helmholtz freie
Energie. Die Differenz der gesamten inneren Energie und der
freien ist die gebundene Energie. Je größer diese, umso
größer die Entropie. Die gebundene Energie in Wärmemaß ist
gleich dem Produkt aus Entropie in die Temperatur.
Nicht umkehrbar sind die natürlichen, freiwillig verlaufenden
Vorgänge. 3. B. Wasser fließt freiwillig abwärts und kann dabei
Arbeit leisten; um es aber wieder auf das höhere Niveau zu
bringen, ist neuer Aufwand von Arbeit erforderlich. Wärme
kann nur Arbeit leisten, wenn sie von höherer auf niedrigerer
Temperatur sinkt, usw.
Die chemischen Reaktionen nun sind nicht dadurch bedingt,
daß chemische Cnergie in Wärme übergeht, wie es der dritte Satz
Berthelot's ausfagt, sondern dadurch, daß die freie Energie ab—
nimmt. Nur diese kann in äußere EArbeit oder Wärmeenergie
oder eine andere Art von Energie übergeführt werden, entspricht
also dem Maximum äußerer Arbeit, welche irgend ein Vorgang
ohne Zufuhr von äußerer Energie leisten kann. Chemische Vor—
gänge hängen also davon ab, daß die Entropie des Körpersystems
möglichst groß wird.
Wenn nun auch dem Satz von der größten Wärmeentwickelung
keine allgemeine Gültigkeit zugesprochen werden kann, so ist er
doch als eine in den meisten Fällen zutreffende Regel anzusehen;
        <pb n="32" />
        24 Sweites Rapitel: Theorie der Sprengstoffe.

er ist für die Beurteilung der Wirkung und die herstellung von
Explosivstoffen von großer Bedeutung.
Die Bildungswärmen aller wichtigeren chemischen Verbindungen,
besonders auch die für die Sprengstoffchemie in Betracht kommen—
den, sind mit Genauigkeit bestimmt worden. Man findet sie in
Tabellenwerken zusammengestellt (z. B. im Chemitker-⸗Kalender).
Immerhin seien einige häufig benutzte Zahlen hier mitgeteilt.
Es ist dabei zu bemerken, daß die Wärmetönung sich ändert,
wenn der betr. Körper aus einem Aggregatzustand in einen
andern übergeht. Es ist die latente Schmelz⸗ bzw. Verdampfungs⸗
wärme zu berücksichtigen. So verbraucht 1 kg Eis von 0o
30. Oz Kal., um flüssiges Wasser von 00 zu werden; 1 g also
, O8 Nal., das Grammmolekül H?O also 180,08- 1,440 Kal.
Es ist nun die Bildungswärme H? 0 H?o (flüssig) 469 Kal.,
daher — H?O (fest) (69 - 1,4) 70,4 Kal.
Serner ist die Temperaturänderung zu berücksichtigen. Die
Differenz zwischen den Wärmemengen Or und QOꝛ, welche bei
den verschiedenen Temperaturen 7T undeentwickelt werden, ist
gleich der Differenz zwischen der Wärmemengen, welche von den
Komponenten (1) und den Reaktionsprodukten (y) innerhalb
jener Temperaturen aufgenommen werden, d. h. die Differenz
ihrer mittleren spezifischen Wärmen. Die Renntnis der lehtteren
Hrößen ist also notwendig. Man hat dann Or —QVAV.
Leider sind die spezifischen Wärmen, d. h. diejenigen Wärme—
mengen, welche erforderlich sind, um die Temperatur der Ge—
wichtseinheit (1 kg) eines Körpers um 10 zu erhöhen, für höhere
Temperaturen nicht genau bekannt.
Endlich ist der Druck von Einfluß auf die Wärmetönung bei
Reaktionen zwischen gasförmigen Körpern. Tritt keine Kondensa⸗
tion ein, so ist die entwickelte Wärmemenge die gleiche, sei es,
daß die Reaktion bei konstantem Volumen, sei es, daß sie bei
konstantem Druck erfolgt. Findet aber Rondensation statt, so ist
die bei konstantem Druck p (bei Atmosphärendruck) entwickelte
Wärme, dieselbe Temperatur vorausgesetzt, gleich der bei kon—
stantem Volumen v entwickelten Wärme, vermehrt um das Pro—
dukt aus der absoluten Temperatur 7T und 0.002 der Differenz
der Molekularvolume (n — n)

Or —Or-0 002(1n - n)7
bezieht sich auf die Einheit der Anzahl Liter, welche von den
        <pb n="33" />
        Bezeichnung

Komponenten

Thermochemie.

25

Verbin⸗
dungen

Mol.
Gew.

Bildungswärme in Kal. für
das Molekulargewicht ing

gasförm. flüssig fest

Thlorwasser⸗
stoff ...
Wasser ...
Ammoniak...
schwefel
dioxyd ....
vchwefel⸗
trioxyd. ...
Schwefelfäure
Stickoxyd
dalpeftrige
Säure.....
Ssalpetersäure—
anhydrid..
Salpetersäure
Nohlenoxyd
Nohlensaͤure
Naliumoryd..
Natriumoryd ⸗
Magnesia“
Aluminium⸗
oriyd .....
Chlorkalium.
Thlornatrium
Thlorammo⸗
nium .....
Kaliumsulfid
Natriumsulfid
Naliumchlorat
atriumchlor.
Kaliumper⸗
chlorat ....
aliumsulfat
Natriumsulfat
Kaliumnitrat
Jatriumnitrat
Ammonium⸗
nitrat .....
Kaliumkar⸗
bonat. ....
Natriumkar⸗
bonat .....

14 01
428
—E8

8402
840*
A
—X
N- 0O*
—
VO-H
040
040⸗
—X
Na?4 0
Mg 40

Al?- 0*
—
Na 401

NPMI CI
48
Na?--8
C ok
—

CI-OK
840K⸗
04 Na⸗
NSPOK
NOSsNMNa

N 02 4H-C4OMK-

 40s Na?

401
H20
NHE

802

80*
4280*
NO

N2OS

No⸗“
ANOs
00
20
—X
Na?oO
MgoO

A120*
KCl
NaClj

NHCI
kKe8
Na?s
KCIO
—J

KClO⸗
ke80
Na?so“
KNOs
NaNOS

NHMNMOSs

kK2r008

Naꝰ?COs

36,5
18
17

54

80
98
30

76

108
63
28
44
94,2
62
40

102
74,6
58.5

53,5
162
78
1226
065

138,6
17N82
142
10154
83

80

138.2

106

422
58,3
1122

69,3

22
21,6

21.4

— 1,2
344
261
9765

469 4 70
166 704

74.7

192,2

103,8
1931

36
16

11,9
4223

98,2
100.9
1434

3885,6
105.7
979

76,8
035
803
938
8438

113,5
3443
3285
116
1107

88.6

278.8

270.8
        <pb n="34" />
        Zweites Kapitel: Theorie der Sprengstoffe.

Organische Verbindungen.

Bezeichnung

Methan .....
Acetylen.....
Athylen .....
Benzol ......
Naphtalin ...
Nitrobenzol..
o⸗Dinitro⸗
benzol ....
m⸗Dinitro⸗
benzol ...
p⸗ Dinitro⸗
benzol ....
Nitronaphta⸗
in
Phenol .....
Trinitophenol
Kaliumpikrat
Glyzerin ....
Nitroglyzerin
Cellulose ...
Nitrocellulose
itromannit
Unallqueck⸗
silber ...

Formel

oH⸗
He
2—⸗
7—
10118
CGs. NO⸗
CHNO-—


—
CGRSN 307
Mk
SHSOs
—
— 1005
c24 290 NO) *
CPSC(NO 8)6
CNog

Mol.
Hew.

19
26
28
78
128
123

168

168

168

173
—*
229
2671
o2
27
162
1005
452

284

gasförm. flüssig

4189
581
— ia
113

—41
214
451

—8
434.5

161,7
952

fest

—21,8
228
478

4 0.3

68
84

—6,5
368
—
41164
1686

230,4
7N56
1794

62,9

Verbren⸗
nungs⸗
wärme bei
konst. Druck

213,5
31517
34111
7841
12418
7332

703.5

697

695.4

1191
736

397,2
3612
680.
251871
662

gasförmigen Komponenten, reduziert auf 0d und 760 mmm Druck,
eingenommen wird. Diese Einheit ist 22,32 1, d. h. alle Gase
als Grammmoleküle (2g Wasserstoff, 32 g Sauerstoff usw.)
nehmen bei 0Od und 760 mm den Raum von 22,321 ein. n
ist die entsprechende Größe der Reaktionsgase.
Auf die Temperaturst bezogen, wird obige Gleichung zu:
Qio — OQty -0. 5421 (n - n) 4 0 00201 - m)t.
Z. B. für die Reaktion CO - 0 CO? bei konstantem Volumen
wurde, auf die Cemperatur 159 reduziert, gefunden 4 67,9 Kal.
Man hat 1 Molekularvolumen CO (28 g), / Mol.Vol. O (168),
1Mol.vol.CO (Aa4 g) also n - n'— Ti I/. Daraus
berechnet sich Qip — 68,2 Kal.
Diese Beziehung gestattet also, die Differenz zwischen beiden
Wärmemengen bei konstantem Druck bzw. Volumen für jede
        <pb n="35" />
        Spezifische Wärme.

27

Reaktion, deren Formel man kennt, zu berechnen, und sie gilt
nicht nur für diejenigen Keaktionen, wo alle KRörper, Komponenten
und Produkte, gasförmig sind, sondern auch für diejenigen, bei
welchen einige Körper im Ausgangssystem oder im Endsystem
flüssig oder sest sind.
Die in den vorhergehenden Tabellen (S. 25, 26) angegebenen
Bildungswärmen gelten für 150 Temperatur und atmosphärischen
Druck.
Wie schon bemerkt wurde, wird die Wärmetönung auch von
der Wärmeaufnahme-Fähigkeit der Explosionsprodukte, d. h. von
deren spezifischer Wärme, beeinflußt, und demnach auch die
Erplosionstemperatur und der Explosionsdruck. Ferner ist die
spezifische Wärme auch der Komponenten zu berücksichtigen, um
die Wirkungen einer gewissen Erwärmung der letzteren zu er⸗
fahren. Es seien deshalb hier die spezifischen Wärmen einiger
für das Studium der Sprengstoffe in Betracht kommenden Körder
mitgeteilt.
Die spezifische Wärme fester Körper kann als konstant ange—
sehen werden. Auch bei Wasser ist ihre Zunahme mit der Tempe—
ratur sehr gering. Bei Gasen ist sie je nach der Temperatur ver—
schieden. Die spezifische Wärme von Gasen bei konstantem Druck
Etmosphärendruck) ist immer größer als bei konstantem Volumen,
da das Gas bei freier Ausdehnung äußeren Druck überwinden,
also Arbeit leisten muß und dazu Wärme verbraucht.
Die spezifische Wärme der Gase unter konstantein Druck (cy)
ist kalorimetrisch zu bestimmen; die spezifische Wärme bei kon—
stantem Volumen (co) nur sehr schwierig, leichter das Verhält—
nis 3 Im allgemeinen ist co — 1,99 kal.
Die Einheit für die folgenden spezifischen Wärmezahlen ist die⸗
jenige Wärmemenge, welche erforderlich ist, um die Temperatur von
Us Wasser um 10 (genau von 0 auf 19) zu erhöhen, also die
kleine Kalorie (kal, sFoben 8. 18). Man öezieht fie auf 1 g als
Gewichtseinheit. Wird sie auf das Gramm⸗Molekül (bzw. Gramm⸗
Atom) bezogen, so hat man die Molekularwärme (bzw. Atom⸗
wärme) des Körpers.
        <pb n="36" />
        28 Sweites Kapitel: Theorie der Sprengstoffe.

Bezeichnung

Formel

Mol.
Gew.

Spez. Wärme in
kal. bei konstan—
tem Druck be⸗
zogen auf

das
1866

Wasserstoff.. ...
Sauerstoff ......
Stickstoff ......
Chlor .........
Wasserdampf ...
—A—
Kohlensäure ....
Chlorwasserstoff.
Schwefeldioryd..
A
Kohlenstoff . . ...
tt
Aluminiumoxyd.
Thlorkalium.. ..
Thlornatrium ..
aliumsulfid ...
aliumsulfat ..
Natriumsulfate
Kaliumkarbonat
Natriumkarbonat
Kieselsäure . . ...

52
3X
—
0
I⸗
xä
o⸗

A1“O*
kCl
Nadl
Re8
—X
Na⸗so⸗
keco
Na:CO
8102

233,41
32 0217
28 0244
71 0124
is 9548605
28 52248
a 5215
365 9185
64 0154
32 84177
12 6241
12 0174
103 0.188
746 0173
5833 0214
110 009
1713 0190
iar 6229
1382 0216
106 6273
604 019

6.82
—*
—*
39
—*
—*—
946
6178
—*
zs
280
209
214
i20
25
19
35,5
324
291
27

Oo bis 2000
dsgl.
300 bis 2000
10 bis 2000
130 bis 2500
10 bis 2000
1000
20 bis 2100
10 bis 2000

Holzkohle
Koks

3. Arbeitsleistung.
Die Einheit der Arbeit (Produkt aus Gewicht und Fallhöhe
desselben) ist das Meterkilogramm. Jul. Rob. Mayer hat bekannt—
lich die Arbeit in Beziehung zur Wärme gesetzt und das, von
Joule experimentell bestätigte, Wärmeäquivalent gefunden. Da—
nach ist die Arbeit in eine bestimmte Wärmemenge umsetzbar und
umgekehrt. 1I1mkg0,002 342 Ral., also 1 Kal.⸗ 425 mkg.
Die Sahl 425 (9 ist das mechanische Wärmeäquivalent. Man
hat also nur die bei der Eplosion freiwerdende Wärmemenge mit
425 zu multiplizieren, um die theoretische Arbeitsleistung
(den Energieinhalt) des Sprengstoffs zu finden.
Diese theoretische Arbeitsleistung (A) drückt allerdings nicht die
tatsächliche Sprengwirkung eines Explosivstoffes aus. Ein großer
Teil Wärme wird durch Leitung und Strahlung entfernt, dyna⸗
mische Leistung wird zum Teil wieder in Wärme umgesetzt durch
Reibung usw. In Schießwaffen soll nur bis , der im Sprenqg—
        <pb n="37" />
        Arbeitsleistung.

29

stoff enthaltenen Energie zum Fortschleudern des Geschosses nutz—
bar gemacht werden, bei Sprengarbeit noch weniger. Vor allem
ist die Explosionsgeschwindigkeit von größter Bedeutung. Bei
raschem zeitlichen Verlauf entstehen naturgemäß größere Anfangs⸗
drucke. Zur Vergleichung der Arbeitswerte ist aber die Kenntnis
der Größe A von Wichtigkeit. Folgende von W. Will aufgestellte
Tabelle gibt hierüber Angaben.

Explosi
Wesrhen

Sprenggelatine
(7 Proz. Kollodium)
Hitroglyzerin. . . . ...
Hitromannit ......
Dynamit (75 Proz.
Nitroglyzerin) ...
Nitroglyzerinpulver
(A0Proz. Nitroglyz.)
schießwolle (13 Proz.
Stickstoff) .. ....
Schießwollpulver ....
ollodiumwolle
(12 Proz. Stickstoff)
Ammonsalpeter (10pPr.
Nitronaphtalin) ...
Hikrinsäure. .... ...
Schwarzpulver ......
Ammonsalpeter .....
Knallqueckfilber .....

2
(Hꝛo flüssig)

1640
1580
1520

1290

1290

1190
900

730

930
810
b85
630
410

A

700 000
670000
545 000

550 000
550 000

465 000
380000

310000

385 000
345 000
290000
265 000
175000

Wertverhältnis
(Sprenggelatine — 100)

100
96
92

70

70

—
54

44

58
49
41
38
25

Die Wärmemengen (O), also der Energieinhalt der hier auf—
gezählten Sprengstoffe ist — worauf besonders hingewiesen sei
— erheblich geringer, als der Energieinhalt gleicher Gewichte
unserer gewöhnlichen Heizstoffe. 1kg holzkohle entwickelt bei
völliger Verbrennung zu COs 8080 Kal., trocknes holz etwa
3600 Kal., magere Steinkohle 6900, Petroleum etwa 12000 Ral.,
Dynamit dagegen nur 1290 Kal. Daraus folgt, daß die Wärme—
entwickelung und die davon abzuleitende Arbeitsleistung nicht das
allein Wesentliche an einem Sprengstoff sein können. Es muß
noch etwas hinzukommen. Und das ist, daß der CEnergieinhalt
eines Sprengftoffes innerhalb eines außerordentlich kurzen Zeit⸗
raums zur Wirkung gelange.
        <pb n="38" />
        5

Zweites Uapitel: Theorie der Sprengstoffe.

4. die Zersetzungsgleichung.

Aus der Zusammensetzung eines Sprengstoffes kann man die—
jenige der Explofionsprodukte stets dann mit Sicherheit bestimmen,
wenn der Sprengstoff genügend Sauerstoff enthält, um die oxy⸗
dabeln Elemente in die sauerstoffreichste Orydationsstufe überzu—
führen. Diese Zersetzung entspricht auch dem thermischen Marxi—
mum und der größten Abeitsleistung. So ergibt sich 3. B. die
Zersetzungsgleichung für Nitroglyzerin:
2CH(O· NO 60CO 5—20 -3N202.
Diese Grenze wird allerdings in der Praxis nicht immer erreicht
wegen der außerordentlich kurzen Dauer der. Explosion, welche
den Produkten nicht genügend Seit zur Bildung des stabilsten
Siystems läßt, und wegen der plötzlichen Abkühlung, welche die
Gase erfahren.
Wenn dagegen der Sprengstoff nicht so viel Sauerstoff enthält,
um die gänzliche Oxydation herbeizuführen, oder wenn er (wie
Diazobenzolchlorid oder stickstoffwasserstoffsaure Salze) gar keinen
Sauerstoff enthält, so sind die Explosionserzeugnisse sehr verschieden,
je nach den Explosionsbedingungen, besonders der Cemperatur
und dem Druck. Dies ist z. B. der Fall beim Schwarzpulver, bei
der Schießbaumwolle und dem Kaliumpikrat.
In solchen Fällen kann man nicht mit Sicherheit die Zusammen—
setzung der Explosionsprodukte und damit den Exrplosionsverlauf
im voraus feststellen: es gehören dazu vielmehr besondere Ana—
lmsen unter Berücksichtigung der Keaktionsbedingungen.
Kecht lehrreich sind in dieser Beziehung die Untersuchungen
Berthelot's9) über die Zersetzung des salpetersauren Ammoniaks.
Sie kann, je nach der Reaktionsgeschwindigkeit und der Sersetzungs⸗
temperatur, nach sieben verschiedenen Keaktionen erfolgen, die auch
gleichzeitig stattfinden können:
I. NH*. NOs- NI4 HNO. Diese Dissoziation scheint zunächst
und bei niedrigster Temperatur einzutreten. Sie verbraucht not⸗
wendigerweise Wärme, — 41,3 Kal., bezogen auf festes, — 37
etwa, bezogen auf geschmolzenes Salz.
2. NH. NOS-N?O4 2HBO (T 10,2 Cal.). Diese Reaktion,
bei welcher sich Stickorydul entwickelt, tritt bei höherer Tempe—
ratur unter mäßiger Wärmezufuhr ein.

F 1) La Force des matières explos. J., 20; Essai de Mécanique
ehimique. II. 43.
        <pb n="39" />
        Die chemische Umsetzung.

31

3. NHS. NOS- N? -0 4 2B2O. Diese Zersetzung erfolgt ex—
plosionsartig bei plötzlicher Erhitzung. Die Reattion entwickeit
- 30,7 Kal., ausgehend vom festen Salz, 4 35 Kal. (geschmol—⸗
zenes Salz).
4. Außerdem ist noch die Bildung von Stickstoff und Stickstoff⸗
oxyd zu beobachten.
—D—
bzw. — 13 Kal. für festes bzw. geschmolzenes Salz.
5. Serner hat man: 2NH* . NOoS-3N-NO 4B2O. HAuf
1 Mol. NH* · NO* bezogen, würde diese Reaktion 29,5 (sestes
Salz), bzw. 4 33,5 Kal. (geschm. Salz) entwickeln.
6. 83NH* . NOS— 2N2 N?OS- 6?O, wobei auf J Mol.
—-23,3 Kal. bzw. 427 Kal. kommen. Indessen ist zu berücksich⸗
tigen, daß NOs Galpetrigsäureanhydrid) nur in dissoziiertem
Zustande existiert.
7. ANHS. NOS2HBNOS 4N2 9HO. Diese Bildung von
Salpetersäure, Stickstoff und dampfförmigem Wasser kann 3. B.
unter dem Einfluß von Platinmohr eintreten. Die Zersetzung er⸗
gibt auf ein Mol. - 33,4 bzw. 37,5 Ral.
Die Moglichkeit einer Zersetzung in verschiedenem Sinne, je nach
der Schnelligkeit der Erhitzung und der Zersetzungstemperatur,
ist bei den Erplosivstoffen wie bei allen unter Entwicklung von
Wärme zersetzbaren Körpern vorhanden. Man muß aber dabei
zwischen Gemischen und molekular homogenen Vörpern unter⸗
scheiden. Bei letzteren (z. B. Schießwolle, Nitroglyzerin, Knall—
quecksilber) werden durch die ploötzliche Detonation in der ganzen
Masse dieselben Zersetzungen zu einfachen und stabilen Produkien
erfolgen.
Ein Vörpergemisch, wie das Schwarzpulver, ist aber niemals
so homogen, wie eine molekulare Verbindung. hier können die
örtlichen Bedingungen verschiedene Arten des Reaktionsverlaufes
hervorrufen, und die Reaktionsprodukte haben infolge der raschen
Abkühlung, die sie erfahren, nicht die Zeit, sich zu einem be—
stimmten, stets gleichen System umzusetzen. Dies erklärt, warum
verschiedene Forscher für die Zersetzung des Schwarzpulvers 3. B.
zu sehr verschiedenen Keaktionsgleichungen gelangt find.
Indessen darf man doch auch in diesen komplizierten Fällen a
priori eine Reaktionsgleichung aufstellen. Nach der Regel von
Mallard und Le Chatelier macht man die Berechnung so, daß
man den in einem Explosiostoff enthaltenen Sauerstoff zunächst
        <pb n="40" />
        32 Sweites Kapitel: Theorie der Sprengstoffe.

mit dem Kohlenstoff zu Kohlenoxyd vereinigt und den alsdann
noch vorhandenen Sauerstoff zur einen Hälfte mit Kohlenoxyd zu
KRohlensäure, zur anderen Hälfte mit Wasserstoff zu Wasser verbindet.
Für die Zersetzung der 11fach nitrierten Schießbaumwolle würde
sich z. B. ergeben:
—DD
Im allgemeinen entspricht diese Art der Berechnung den Ana—
lysenergebnissen ganz gut. Huch die Wärmeentwickelung scheint mit
den aus der Zersetzungsgleichung zu berechnenden übereinzu—
stimmen.

5. Gasvolumen.

Aus der theoretisch oder aufgrund der Analysen der Erplosions—
gase aufgestellten Sersetzungsgleichung lassen sich nun mehrere
wichtige Folgerungen ziehen.
Außer der thermischen Wirkung zunächst die Kenntnis des Gas—
polumens der Explosionsgase oder Nachschwaden, reduziert auf
Do und 760 mm druck. Die in Gramm ausgedrückten Molekular—
gewichte der Gase nehmen bekanntlich bei 00 und 760 mim Druck
den Raum von 22,321 ein. Da der Ausdehnungskoeffizient aller
Gase 0, 003665 — d für 100 beträgt, so ist das Gasvolumen
des Gramm⸗-Moleküls bei t“, und wenn der Druck Z heist, in
Citern:

2282 (1 ahg) · Vseo

Die Zersetzungsgleichung des Nitroglyzerins
2CH (O·. NOMS -6C02 5—620 p3N? -0
z. B. besagt zunächst, daß 454 g Nitroglyzerin bei der Zersetzung
liefern: 264 g Kohlensäure, 90 g Wasser, 84 g Stickstoff, 16 g
Sauerstoff. Für das Volumen bei 760 mm und 150 (Gruben—
temperatur), ergibt sich nach:
2232 (14 8

Mol. COꝰ141,30 1 Kohlensäure,
20*117,75 1 Wasserdampf,
70668 1Stiastoff,
O* — 11,7751 Sauerstoff
341,475 1 Gas

auf 454g oder 7521 auf 1kKg.
        <pb n="41" />
        Zersetzungsgeschwindigkeit.

6. Zersetzungsgeschwindigkeit.

33

Die vorhergehenden Entwickelungen zeigen, daß die Zers etzungs⸗
zleichung eines Sprengstoffs nicht nur die Natur und die Mengen
der Komponenten und der Reaktionsprodukte erkennen läßt, son⸗
dern, thermo⸗chemisch betrachtet, auch die bei der Reaktion ent—
wickelte Wärmemenge O. Hus diesen Daten ergeben sich nun
weitere wichtige Schlußsolgerungen.
Damit die explosive Reaktion eintrete, ist die Temperatur der
sprengmasse an einer Stelle bis zu der Zersetzungstemperatur
zu steigern. Wenn die bei der Zersetzung frei werdende Wärme
ausreicht, um die Temperatur der benachbarten Leile in gleicher
Weise zu erhöhen, so pflanzt sich die Zersetzung durch die ganze
Masse fort. Die Entzündungstemperatur, also diejenige
Temperatur, bei welcher die Verbrennung beginnt und der An—
stoß zur Explosion gegeben wird, ist für verschiedene Stoffe ver⸗
schieden. Schwarzpulver entzündet sich bei 3150, Knallqueckilber
bei 1860. Andere Entzündungstemperaturen sind nach Munroe:
für Nitroglyzerin ............. 203 bis 2050
komprimierte Schießbaumwolle. .. 192 2010
Dynamit Nr. 1. .1. 2000
Belatinedynamit 203 2090.
Wenn viel Wärme durch Strahlung und Leitung verloren geht
und zur Erhöhung der Spannkraft der Gase verbraucht wird, so
kann die Temperalurerhöhung, d. h. die Geschwindigkeit der Mole⸗
kularbewegung, so gering sein, daß keine Explosion eintritt. Wenn
z. B. Acetylen durch Crwärmung in Benzol umgewandelt wird,
so wird eine sehr erhebliche Menge Wärme frei, das vierfache
der bei der Cxplosion von Pulver entwickelten Wärme, bezogen
auf gleiche Gewichte. Dennoch erfolgt keine Erplosion, weil die
Wärme so allmählich auftritt, daß sie verschwindet, ohne erheb⸗
liche Temperatursteigerung zu bewirken GBertheloth.
Die molekulare Geschwindigkeit ist also ein wesentliches Clement
bei diesen Vorgängen. Die Gesetze, welche dabei in Frage kommen,
faßt Berthelot folgendermaßen zusammen: Die molekulare Be—
wegung wächst mit der Temperatur in raschem Verhältnis. Sie
nimmt ferner zu mit der Dichtigkeit des Stoffes, also mit dem
Druck in einem gasförmigen System. Sie wird vermindert durch
die Gegenwart eines inerten Rörpers, welcher durch Wärmever—
brauch die Temperatur erniedrigt und auch die Dichtigkeit ver—⸗
Anus 286: Biedermann, Sprengstoffe.
        <pb n="42" />
        34 SZweites Kapitel: Theorie der Sprengstoffe.

ringert. Schwarzpulver, welches mit Sand vermischt ist, z. B.
brennt ab, aber explodiert nicht; Dynamit, ein Gemisch von
Kieselsäure und Nitroglyzerin, ist weniger brisant als Nitro—
glyzerin allein.
Die Fortpflanzungsgeschwindigkeit der Keaktionen drückt die Zeit
aus, welche dazu nötig ist, daß die Bedingungen, welche an einem
Punkte die Reaktion hervorgerufen haben, sich folgeweise an allen
andern Teilen der Masse wiederholen. Diese Geschwindigkeit wird,
außer von der physikalischen Struktur und der chemischen Zu—
sammensetzung der Masse, erheblich von dem Drucke beeinflußt.
Schießpulver explodiert nicht im Vakuum, weil die heißen Ver—
brennungsgase sich verbreiten, bevor sie Zeit gehabt haben, ihre
Temperatur auf die benachbarten Pulverteile zu übertragen.
Es genügt auch nicht, einen Sprengstoff an einer Stelle auf
irgend eine Weise zu entzünden. Nitroglyzerin und Schießbaum—
wolle haben große Verschiedenheiten in ihrem Verhalten gegen
die „Initialzündung“ gezeigt. Je nach der Art der SZuͤndung kann
Dynamit sich ruhig ohne Flamme zersetzen oder mit Flamme ab—
brennen oder im eigentlichen Sinne explodieren, und die Explosion
kann gemäßigt oder heftig ausfallen. Besonders das Knaillqueck⸗
silber ruft die letztere Art der Zersetzung hervor; es ist deshalb
das in der Sprengtechnik hauptsächlich verwendete Zündmittel.
Berthelot hat diese Erscheinungen thermodynamisch erklärt.
Er hat gezeigt, daß die lebendige Kraft des Initialstoßes sich an
dem getroffenen Punkte in Wärme umsetzt, welche die Temperatur
bis über die zur explosiven Zersetzung erforderliche erhöht, daß
die plötzliche Sersetzung der ersten Partikel einen neuen, heftigen
Stoß auf die benachbarten Teile ausübt, und daß dieser regel—
mäßige Wechsel von Stößen und Zersetzungen die Reaktion von
Schicht zu Schicht überträgt. Hierdurch wird eine wirkliche explo⸗—
sive Welle erzeugt, welche sich mit bei weitem größerer Ge—
schwindigkeit fortpflanzt als die einfache Entzündung. hieraus
ergibt sich die Wichtigkeit der Sündmittel, deren Funktion nicht
bloß die Einleitung einer Verbrennung ist, sondern die Erzeugung
der explosiven Welle. Und dies kann in sehr verschiedener Inten—
sität erfolgen. Es gibt endothermische Verbindungen, d. h. solche,
die durch ihre Sersetzung Wärme entwickeln, wie Azetylen, Zyan,
Arsenwasserstoff usw., welche indessen weder durch Erhitzung, noch
durch den elektrischen Funken zur Detonation gebracht werden, wohl
aber in heftigster Weise durch den plötzlichen Stoß des explodierenden
        <pb n="43" />
        Erplosive Welle.

35

Knallquecksilbers. Die explosive Welle erklärt auch die Erfahrung,
welche die Artilleristen und Ingenieure wiederholt gemacht haben,
daß eine Dynamitpatrone, die durch ein Knallquecksilber-Zünd⸗
hütchen zur Detonation gebracht worden ist, bei anderen, außer—
halb des Bereichs der direkten Entzündung liegenden, selbst in
beträchtlicher Entfernung befindlichen Patronen die Detonation
hervorzurufen vermag.
Man hat die Detonation der Sprengstoffe auf Vibrationen zu—
rückführen wollen, wie sie die Schallwellen bilden. Aber die er⸗
plosive Welle ist etwas von der Schallwelle durchaus Verschiedenes.
Ohne auf die diesbezüglichen ausgezeichneten Untersuchungen
Berthelot's näher einzugehen, wollen wir nur kurz deren Er—
gebnisse anführen, die am besten in gasförmigen Medien erkannt
werden. Während in der Schallwelle die lebendige Kraft und der
Druckzuwachs gering ist und die Geschwindigkeit nur von dem
physikalischen Zustand des schwingenden Mediums bedingt wird,
ist es die Veränderung des chemischen Sustandes, welche sich in
—— welche dem Sysstem eine enorme
lebendige Kraft und einen beträchtlichen Druckzuwachs mitteilt.
Diese Welle schreitet gleichmäßig fort, mit einer Geschwindigkeit,
die wesentlich von der Natur des explosiven Gemisches abhängt,
und die unabhängig vom Druck ist. Die kinetische Energie der
fortbewegten Moleküle des gasförmigen Systems, die durch die
Keaktion erzeugt wird und aile durch diese entwickelte Wärme in
sich begreift, ist proportional der lebendigen Kraft desselben gas⸗
förmigen Systems, welches nur die Wärme enthält, die es bei 09
besitzt. Diese Beziehung gestattet, die Geschwindigkeit der explo⸗
siven Welle in den verschiedensten Gemischen zu bestimmen.
Bei der Explosion wird aus der zuerft entzündeten Schicht eine
finzahl Gasmoleküle mit all der Geschwindigkeit fortgeschleudert,
welche der von der chemischen Verbindung entwickelten Maximal⸗
temperatur entspricht. Der Stoß dieser Gasmoleküle, welche also
nahezu die gesamte von der chemischen Keaktion entwickelte Wärme—
menge enthalten, bedingt die Fortpflanzung dieser chemischen und
kalorischen Wirkung in den benachbarten Schichten usw. Es wur—
den 3. B. folgende Sortpflanzungsgeschwindigkeiten gefunden: in
einem Gemisch von Wasserstoff und Sauerstoff 2840 m in der
dekunde, von Sauerstoff und Azetylen 2195 m, von Kohlenoxyd
und Sauerstoff 1088 m, von Methan und Sauerstoff 2287 m.
Bei der gewöhnlichen Verbrennung dient nur ein geringer Teil

* .
        <pb n="44" />
        36 Zweites KRapitel: Theorie der Sprengstoffe.

der von der Ausgangsschicht entwickelten Wärme dazu, die Nach—
barteile auf die Verbrennungstemperatur zu erhitzen; der größere
Teil wird durch Strahlung, Leitung, Ausdehnung, Spannungver—⸗
mehrung entfernt und aufgebraucht.
Die für erplosive Gasgemische sestgestellten Gesetze lassen sich
nicht ohne weiteres auf feste und flüssige Sprengstoffe übertragen.
Für solche sind mehrfach die Geschwindigkeiten der Explosionswelle
 durch direkte Messungen bestimmt worden. Nach Trauzl
explodiert 1 kg Schwarzpulver als Würfel von 10 em Seiten⸗
länge in oo Sekunde, 1 kg Dymamit in oooo Sekunde. In Oster⸗
reich hat man bei Erplosion einer 67 m langen Dynamitpatrone
eine Geschwindigkeit von über 6000 m in der Sekunde gemessen.
Bei Schießwolle sind Geschwindigkeiten von 5000 bis 7000 m
beobachtet worden. Die von der Deutschen Militärverwaltung aus—
geführten Versuche in Wahn haben ähnliche Ergebnisse geliefert,
für Sprenggelatine und Pikrinsäure etwa 7700 m, für Ammonsalpetersprengstoffe
 2000 bis 3900 m in der Sekunde. Dabei hat
fich herausgestellt, daß die Geschwindigkeiten verschieden sind,
wenn der Sprengstoff frei in der Luft und wenn er eingeschlossen
(wie im Bohrloche) explodiert. Im ersten Falle ist die Explosions—⸗
geschwindigkeit von der Patronenstärke abhängig. Ein Ammon—
salpetersprengstoff, der bei 30 mm Patronendicke 2900 m auf—
wies, ergab in einer Patrone von 50 mm Stärke 3900 m Sort⸗
pflanzungsgeschwindigkeit. Die Wirkung der festen Einschließung
ergibt sich aus folgenden von Bichel) ermittelten Zahlen.
eingeschlossen nicht eingeschlossen
4137 m 3930 m
3195 1753,
3094 , 1649,
3654, 2137,

Donarit ..
Ammonkarbonit
Ammonkarbonit.
Thunderit
Nach Versuchen von Gody, sowie von Vieille?) ist die Geschwin—
digkeit der Cxplosionswelle besonders von der Ladedichte und dem
sog. Kovolumen, d. h. dem Teil eines gasgefüllten Raumes, den
die Gasmoleküle selbst einnehmen, abhängig.

1) Preuß. Seitschr. 1902, 669.
—A—
896, p. 543. Vieitle, Mémorial des poudres et salpéêtres, IV, 21.
        <pb n="45" />
        Erplosionsgeschwindigkeit. Initialimpuls. 37

?. Initialimpuls.

Die oben (S.30) erwähnte Verschiedenheit im explosiven Serfall ein
und desselben Sprengstoffs scheint abhängig zu sein von der Art,
wie der Serfall des endothermischen Systems eingeleitet oder aus—
gelöst wird, d. h. vom sog. Initialimpuls. Der Widerstand gegen
den freiwilligen Eintritt der explosiven Reaktion muß an minde—
stens einem Punkte durch Cinwirkung einer fremden Energie über⸗
wunden werden. Die explosive Umwandlung z. B. des Systems
CI (Chlorknallgas) in das Suftem 2HCI
Hꝰ 012 2BCI 22 Kal.

erfolgt unter Cinwirkung des Sonnen⸗ oder elektrischen Cichtes.
In andern Fällen wird eine andere Form der Energie, Wärme,
mechanische, wie Stoß, Druck, Keibung, oder chemische Energie, ver⸗
wendet. Es ist aber eine Aquivalenz unter den verschiedenen Energie⸗
arten in bezug auf die Initialwirkung anscheinend nicht vorhanden.
Sso hat Berthelot nachgewiesen!), daß Knallquecksilber gegen Stoß
empfindlicher ist als Silberoxalat, daß letzteres aber bei gleicher
Wärmezusuhr früher explodiert als jenes. Es ist zweifellos, daß
die Art und die Intenfität des Initialimpulses von wesentlichem
Einfluß auf den Cintritt und Verlauf der Erplosion ist.
Der Initialimpuls kann durch plötzliche ftarke Wärmezufuhr
herbeigeführt werden (Funken⸗, Glühzündung). Stoffe, wie Pikrin⸗
säure und Kaliumchlorat, weiche bei allmählicher Wärmezufuhr
ruhig schmelzen bzw. abbrennen, explodieren, wenn sie plötzlich
sehr hohen Temperaturen ausgesetzt werden. Die plötzliche Wärme—
entwicklung ist es auch wohl, welche bei der Schlaͤg- und Stoß⸗
zündung durch die plötzlich umgewandelte lebendige Kraft der
bewegten Mafse zur Wirkung kommt.
Die gebräuchliche Sprengkapsel-(Nnallquecksilber)zündung ist
wohl nur als eine Abart der Funkenzündung anzuziehen, die sich
aber unter hohem Explosionsdruck vollzieht. Die außerordentliche
Brisanz des Knallquecksilbers vermag, wie A. Nobel zuerst ge⸗
zeigt hat, Sprengstoffe zur Detonation zu bringen, bei denen ein—
fache Zündung nur ein Abbrennen herbeiführt oder sie gar nicht
affiziert. Durch die aussprühenden Funken einer Zündschnur wird
die Dynamitladung eines Bohrlochs zunächst zum „Auskochen“
gebracht; erst bei der unter dem Besatze stattfindenden Steigerung

1) Mat. explos. 1, 71.
        <pb n="46" />
        38 Zweites KAapitel: Theorie der Sprengstoffe

des Drucks und der Temperatur tritt Explosion ein. Eine Rnall—
quecksilber-Sündung bewirkt aber momentane Detonation, hier,
wie bei allen brisanten Sprengstoffen. Wahrscheinlich spielt bei
dem Initialimpuls die Berthelot'sche explosive Welle eine wich—
tige Rolle; es ist sonst nicht gut das sehr verschiedene Verhalten
höchst empfindlicher Stoffe wie Metallsalze der Stickstoffwasser—
stoffsäure, Knallquecksilber, Schwefelstickstoff usw. als Initiierungs—
mittel zu verstehen.

8. Explosionstemperatur.

Die Kenntnis der Explosionstemperatur ist zur Bestimmung
des Drucks, unter welchem die Explosionsgase in einem bestimmten
Raum stehen, erforderlich, wichtig auch deshalb, weil die Ent—
zündung von Schlagwettern davon beeinflußt wird.
Die direkte Messung der hohen Exrplosionstemperaturen bietet
außerordentliche Schwierigkeiten dar. Man ist wesentlich auf die
theoretische Berechnung angewiesen.
Die theoretische Berechnung erfolgt auf Grund der kalorimetri—
schen Konstanten der in Frage kommenden Körper. Die bei der
Reaktion freiwerdende Wärme (O) wird durch die mittlere spezi—
fische Wärme (c) der Explosionsprodukte dividiert:
t22.

Das Ergebnis ist richtig, vorausgesetzt, daß man die richtige spe⸗
zifische Wärme einsetzt und die Menge Wärme (O) der Bildungswärme
 der Produkte entspricht, welche bei den Explosionsbedin⸗
gungen tatsächlich vorhanden sind. Die entwickelte Wärmemenge
ist unabhängig von der Größe des Raumes, in welchem die Er—
plosion sich vollzieht, ebenso von dem Verhältnis zwischen Anfangs-⸗
druck und entwickeltem Druck, bei konstantem Volumen. Es ist
aber zu berücksichtigen, daß wir über die chemische Beschaffenheit
der Explosionsprodukte bei dem Explosionsvorgange nicht genügend
unterrichtet sind. Sind sie dieselben Stoffe, welche man nach Er—
kalten der Gase auf analytischem Wege findet? Bei der hohen
Temperatur können die Verbrennungsprodukte dissoziiert und die
Elemente frei vorhanden oder zu einfacheren Verbindungen zu—
sammengetreten sein. Dann würde die im Moment der Explosion
entwickelte Wärme geringer sein. Andererseits verringert sich die
Dissoziation im Maße als der Druck beträchtlicher wird. Den
        <pb n="47" />
        Explosionstemperatur.

39

Cinfluß der Dissoziation ganz auszuschalten, ist wohl kaum an—
gängig. Im allgemeinen scheint das Temperaturmaximum erheb⸗
lich unterhalb der theoretischen Temperatur zu liegen.
Während die spezifische Wärme für feste Körper als konstant
angesehen werden kann, nimmt sie bei Gasen mit der Temperatur
rasch zu. Sie ist für Gase unter konstantem Volumen, wenn die
Keaktion in einem geschlossenen Gefäß stattfindet, oder bei kon—
stantem Druck, nämlich dem der Atmosphäre, aber nur bei leicht
erreichbaren Temperaturen bestimmt worden. Die spezifische Wärme
von Gasen bei einem Druck von mehreren tausend Atmosphären,
wie er bei Explosionen auftritt, und bei extremen Temperaturen
ist unbekannt. Es ist eine wenig begründete Annahme, daß die
spezifische Wärme zusammengesetzter Körper bei hoher Tempera⸗
tur eine konstante Größe sei, unabhängig von Temperatur und
Druck, und gleich der Summe der Waärmen ihrer gasförmigen
Elemente unter konstantem Volumen. Die spezifische Wärme aller
gasförmigen Elemente wäre dann die gleiche, 4,8 Kal., bezogen
auf das Molekulargewicht.
Nach Mallard und Le Chatelier ist die spezifische Wärme
durch eine Formel Sa — ht auszudrücken, in welcher aà und b
Konstante sind. Die Molekularwärme wird dann ausgedrückt in
VNal. für
Kohlensäure durch 6,2264 0,0037t
Wasserdampfe, 5,61 4 0,0033t
Uohlenoxnd, Stickstoff, Sauerstoff durch 4.8 40,0006 t.
Die Gleichung für die Temperatur wird dann: t4 — oder
bt?Pat -0*0.
5. B. Die theoretische Verbrennungswärme des Kohlenstoffs
ergibt sich in folgender Weise. Oben ist die Bildungswärme der
Kohlensäure aus C-0Oꝰ zu 97,65 Kal. angegeben; d. h. 128
Nohlenstoff (holzkohle) geben bei ihrer Verbrennung in reinem
Sauerstoff 97,65 Kal. oder 97650 kal., 1g KNohlenstoff also
8137 kal. Wenn 128 Kohlenstoff verbrennen, so entstehen —
Kohlensäure, aus 18 Kohlenstoff also 3,66 g Rohlensäure. Da
O,.215 kal. die spezififche Wärme der Kohlenfäure, bezogen auf
1g ist (. S. 28), so folgt für die theoretische Verbrennungstem—
peratur der holzkohle
88137 —
T 366 63 *103380 06.
        <pb n="48" />
        10 Zweites Kapitel: Theorie der Sprengstoffe

(Erfolgt die Verbrennung in atmosphärischer Luft, so werden
außer den 3,66 g Kohlensäure noch 8,82 g Stickstoff erhitzt wer⸗
den, welche eine der spezifischen Wärme entsprechende Menge
Wärme verbrauchen. Man hat dann
I 3137 —
— Zbs ⸗oꝛiöεεναοαιι2766
Bei Luftüberschuß wird die Temperatur natürlich noch weiter
herabgesetzt).
Die theoretischen Verbrennungstemperaturen werden in Wirk⸗
lichkeit nicht erreicht aus folgenden Gründen: 1. Es geht Wärme
durch Leitung und Strahlung verloren. 2. Die spezifische Wärme
der Gase ist in hohen Temperaturen viel größer, als experimentell
bestimmt worden ist. Die berechnete Verbrennungstemperatur des
Rnallgases (1240) 3. B. beträgt, wenn die spezifische Wärme
des Wasserdampfes 0,48 ist: —— —*66706. Ist diese aber
doppelt so groß (0,96), nur die hälfte. 3. In hohen Tempera—
turen tritt Dissoziation der Verbrennungsprodukte ein, wodurch
Wärme verbraucht wird. Es ist möglich, daß Kohlensäure, Wasser—
dampf usw. sich bei der Explosionstemperatur gar nicht bilden
können. Dann würde die Größe O und damit die Explosions—
temperatur niedriger sein, als die Kechnung ergibt. Andererseits
wirkt hoher Druck der Dissoziation entgegen. Der bei der Explo—
sion auftretende hohe Gasdruck kann möglicherweise die Dissozia—
tionswirkung völlig aufheben. 4. Es ist nicht sicher, daß die ex—
plosive Zersetzung so verläuft, wie es die Theorie und die Ana—
Insen der abgekühlten Zersetzungsprodukte voraussetzen lassen.
Trotz der hieraus folgenden Vorbehalte ist die rechnerische Er—
mittelung der Explosionstemperatur von Wert, da sich daraus
Folgerungen ergeben, welche experimentelle Bestätigung gefunden
haben.

P

9. Exrplosionsdruck.
Der durch die Explosionsgase entwickelte Druck kann durch Rech⸗
nung oder durch direkte Messungen bestimmt werden.
1. Berechnung.
Nehmen wir an, alle Produkte der Explosion seien gasförmig,
und die Temperatur dieser Gase im Augenblick der Explosion sei
genau bekannt, so kann man hieraus mit hilfe der bekannten
Gasgesetze berechnen, welcher Druck entwickelt wird, wenn ein
        <pb n="49" />
        Erplosionsdruck.

41

Sprengstoff in einem bestimmten Raume explodiert, und weiter die
nacheinander auftretenden Druckgrößen, wenn das Volumen wäh—
rend der abnehmenden Spannung sich ändert, wie in dem Laufe
eines Geschützes.
Es sei vd das Volumen der von einem bestimmten Gewicht
(1000 8) Explosivstoff erzeugten Gase, reduziert auf 09 und
760 mm Druck,
vt das Volumen derselben Gasmenge bei der Erplosionstempe—
ratur t und 760 mm Druck,
vr der Raum, welcher die Gasmenge aufnimmt (die Raum—
einheit 1)).
Nach dem Gay-Lussacschen Gesetz verhalten sich bei konstantem
Druck die Gasvolumina direkt proportional den absoluten Tem—
peraturen
Fe —. wo also To — to - 2730; 7T Sti 4 2730
V.
Demnach ist: P se — A
— t4273)
273

Nach dem Mariotteschen Gesetz sind, bei konstanter Tem—
peratur, die Volumina umgekehrt proportional den Drucken:
Vo kr
V. —pp5

Der Druck po ist der atmosphärische Druck bei Ob, d h. 1.033 kg
auf 1 qem.
sei der gesuchte, von den Explosionsgasen (aus der Gewichtseinheit
 1000 g Sprengstoff) bei der Explosionstemperatur t in
der RKaumeinheit (1) hervorgebrachte Druck.
v —
Dann ist: ; also * p 1.033. vt und nach Ein⸗
0 1 1
setzen des für vr gefolgerten Wertes: — 2——— aus⸗
gedrückt in kg pro qem.
Bei diesen Berechnungen wird vorausgesetzt, daß die Gase den
Gesetzen der Ausdehnung durch die Wärme und der Volumen—
änderung durch Druckänderung gehorchen. Diese als Gay-Cussac's
und Mariotte's GBonyle's) bekannten Gesetze sind zutreffend für
Druckgrößen von etwa Atmosphärendruck und Temperaturen nicht
        <pb n="50" />
        42 Zweites Kapitel: Theorie der Sprengstoffe.

höher als 500 bis 6000. Bei sehr starken Drucken und sehr hohen
Cemperaturen, also gerade unter den durch CExplosion herbei—⸗
geführten Umständen, sind sie nicht mehr streng gültig. Die Rech⸗
nungen sind also nur unter gewissem Vorbehalt zu verwenden.
Berthelot sieht das Produkt aus spezififchem Gasvolumen
und Explosionstemperatur yg t — vg— als Maß für die mecha⸗
nische Arbeitsleistung der Sprengstoffe an, und er nennt die Größe
vo O das charakteristische Produkt des Sprengstoffs. Man darf
darin aber nicht einen Wertmesser für die Explosiostoffe sehen,
da ein wichtigstes Moment, die Detonationsgeschwindigkeit, dabei
keinen Ausdruck findet.

2. Gasdruck-Meßapparate.
Man hat schon früh den Gasdruck durch direkte Messung zu
bestimmen gesucht. Dies ist auch zu empfehlen, da die theoretische
Berechnung, wie wir gesehen, mit nicht ganz zuverlässigen Sak—
toren zu tun hat.
Die zu dem 3weck konstruierten Apparate beruhen auf der
statischen oder der dynamischen Methode. Bei jener wird, wie bei
der Wage, der zu messenden Kraft eine veränderliche Kraft ent⸗
gegengesetzt, deren Größe man kennt, mit welcher man der anderen
das Gleichgewicht zu halten sucht. Die dynamische Methode be⸗
steht in der Untersuchung der Bewegung, welche einem schweren
Rörper durch den Gasdruck mitgeteilt wird.
Einer der einfachsten und am längsten bekannten Druckmeß⸗
apparate ist der des Grafen Rumford vom Jahre 1792. Dies
war im wesentlichen ein schmiedeeiserner Mörser, in dessen Boh⸗
rung die Pulverladung gegeben wurde, und der mit einer Ein⸗
richtung versehen war, um das Pulver mittels einer glühenden
Eisenkugel zu entzünden. Auf den Mörser legte man Gewichte
verschiedener Größe, und man beobachtete, ob das aufgelegte Ge⸗
wicht nach dem Abfeuern gehoben wurde, so daß die Gase ent—
weichen konnten.
Der Kerbapparat von Rodman (1857) und seine ver—
schiedenen Abänderungen, ebenso der Apparat von Uchatius
beruhen darauf, daß durch einen keilförmigen oder kreissegment⸗
förmigen stählernen Meißel, welcher mit einem durch die Ex⸗
plosionsgase bewegten Kolben verbunden ist, auf einer Rupfer⸗
platte ein mehr oder weniger langer Einschnitt erzeugt wird.
        <pb n="51" />
        Gasdruck.

43

Bei dem Apparat von Meudon beobachtet man die Verschie—
bung einer zylindrischen Bleimasse, welche durch die Explosions—
gase in einen konischen enger werdenden Kanal getrieben wird.
Das Feder-Dynamometer von Le Boulengé und die mano—
metrischen Wagen von Deprez und Sébert Elccéélrographe)
beruhen auf der Verwendung eines Gegendruckes. Verschiedene
hierher gehörige Apparate sind in dem Werke von Guttmann,
Die Industrie der Explosivstoffe, Braunschweig 1895, beschrieben.
Ein sehr beliebter Druckmesser
ist der Stauchapparat (Crusher
gauge) des englischen Kapitäns
Noble (1868), der in etwas
abgeänderter Form von Berthe⸗
lot und Vieille sowie von
Sarrau und Vieille zu Druck
bestimmungen benutzt worden ist.
Man mißt dabei die Stauchung
eines kleinen UKupferzylinders,
der zwischen einem festen Amboß
und dem Ropf eines VKolbens
angebracht ist, auf dessen Basis
von bekannter Fläche die Ex—
plosionsgase wirken. In dem
stählernen hohlzylinder A befindet
sich die Sprengladung, welche frei—
hängend angeordnet ist, so daß
sie nicht in Berührung mit der
Metallwand kommt, und welche
auf elektrischem Wege durch die Leitungsdrähte bb zur Erplosion
gebracht wird. Die Gase wirken auf die Kolbenfläche des Stahl—
zylinders à von bekannter Größe, der verschiebbar mit geringer
Reibung in einer entsprechenden Bohrung des unteren Kopf—
stückes B angeordnet ist. Zwischen den Stahlzylinder à und den
Verschlußpfropfen d ist der Zylinder r aus Kupfer von 8 mm
Durchmesser und 13 mmn Höhe gesetzt, der unter dem Drucke des
Stahlzylinders a zusammengequetscht wird. Die für die Stauchung
erforderliche Kraft der drückenden Gase wird dadurch bestimmt,
daß ein gleichgroßer Kupferzylinder in einer Quetschmaschine auf
den gleichen Grad der Stauchung zusammengepreßt wird. Die
Verschlußstücke, die durch Kupferringe gegen den Stahlzylinder

—
        <pb n="52" />
        4 Zweites Kapitel: Theorie der Sprengstoffe.

abgedichtet werden, sind in schmiedeeisernen Scheiben eingeschraubt,
welche ihrerseits durch sechs Bolzen zusammengehalten werden,
wie auf der Zeichnung zu sehen ist. Die von Noble und Abel,
sowie von Sarrau und Vieille mit diesem Apparat erhaltenen
Druckgrößen stimmen mit den durch Rechnung gefundenen recht
gut überein.
Die bequemste Methode, um vergleichsweise die Kraftäußerung
von Sprengstoffen zu ermitteln, ist die Trauzl'sche Bleiblock—
probe. Nach diesem, dem täglichen Gebrauch dienenden Verfahren
wird die Explosion des Sprengstoffs in einem Bleizylinder von
bestimmten Abmessungen vorgenommen, der eine zentrale Bohrung
von ebenfalls bekannten Dimensionen hat. In diese bringt man
die abgewogene Menge Sprengstoff, mit Sprengkapsel und Zünd⸗
schnur versehen, füllt den übrig gebliebenen hohlraum mit trockenem
Sand, spannt zweckmäßig das Ganze zwischen eisernen Platten ein
und bewirkt elektrisch die Zündung. Es entsteht ein flaschenförmiger
hohlraum, welcher durch Eingießen von Wasser aus einem gra⸗
duierten Gefäß gemessen wird.
Für die Ausführung sind auf dem V. Inter⸗
nationalen Kongreß für angewandte Chemie
(1903) einheitliche Bestimmungen beschlossen
worden. In einer gußeisernen Gießform wird
ein Bleizylinder von 200 mm höhe und
200 mm Durchmesser gegossen. In der Achse
dieses Zylinders befindet sich eine 125 mm tiefe und 25 mm
weite Ausbohrung, welche zur Aufnahme des Sprengstoffs be—
stimmt ist. Das Blei soll reines Weichblei sein, und die für eine
Hersuchsreihe bestimmten Zylinder sollen ein und derselben Schmelze
entstammen. Zur Erwärmung des Gießstutzens wird um diesen ein
glühend heißer King gelegt.
Die Bleizylinder müssen nach dem Gusse eine gleichmäßige
Temperatur von 15 bis 200 angenommen haben.
Eine Menge von 10 g des zu prüfenden Sprengstoffs wird
abgewogen und in Sinnsolie von 80 bis 100 8 pro qm nach
nebenstehenden Abmessungen zu einer Patrone von 25 mm Durch⸗
messer geformt (Fig. 2).
Als Initialzündung wird in die Mitte des Sprengstoffs eine
Sprengkapsel mit 2g Ladung mit ausschließlich elektrischer Zün—
dung eingesetzt. Die Patrone wird in das Bohrloch mit hilfe
eines Holzstäbchens bis auf den Grund des Bohrlochs hinunter⸗

120
        <pb n="53" />
        Trauzl'scher Bleizylinder.

45

geführt und sanft angedrückt, während die Zünddrähte in der
Mitte des Bohrlochs gehalten werden. Zum Besatz dient trockner
Quarzsand, welcher durch ein Sieb von 0,35 mmn Drahtstärke
und 144 Maschen pro Quadratzentimeter durchläuft. Diesen Sand
läßt man gleichmäßig einlaufen, bis der hohlraum vollständig
gefüllt ist, und streicht den etwaigen Sandüberschuß von der Ober⸗
fläche ab. Der so fertig vorbereitete Schuß wird elektrisch abgetan.
Nach dem Abfeuern des Schusses wird der Bleiblock umgestülpt,
und mit einer Bürste werden etwaige Rückstände entfernt. Die
danach bis zur vollkommenen Füllung von dem entstandenen
ausgebauchten hohlraum aufgenommene Anzahl Kubikzentimeter
Wasser nach Abzug der Ausbohrung des S5nlinders ergibt das
Maß für die Wirkung des Sprengstoffs.

Fig. 3.

Die vorstehenden Lichtbilder zeigen durchschnittene Bleizylinder,
bon welchen zwei zu dieser Probe gedient haben (Fig. 3).
Die Ergebnisse sind um so zuverlässiger, je größer die Brisanz
der Sprengstoffe ist, je weniger Zeit den Explosionsgasen zu un—
beabsichtigten Nebenwirkungen, wie Erwärmung oder Schmelzung
der Bleimasse, Entweichen durch den Besatzkanal u. dgl. bleibt.
Sprengstoffe mit langsamer Detonation, wie Schwarzpulver,
bringen nur eine unbedeutende Wirkung hervor, da die langsam
entwickellen Gase aus dem Bohrloche entweichen können.
l0. Ladedichte.
Der Gasdruck der Explosionsgase hängt nicht allein von dem
Gasvolumen und der Temperatur ab, sondern auch von dem Ver—⸗
hältnis des Gewichts des Sprengstoffs zu dem Raum, in welchem
die Explosion erfolgt.
        <pb n="54" />
        V Zweites Kapitel: Theorie der Sprengstoffe.

Man versteht unter Ladedichte (J das Verhältnis des in
Gramm ausgedrückten Gewichtes des Sprengstoffs (v) zu dem in
Rubikzentimeter ausgedrückten Raum (V),. in welchem die Explo—
sion erfolgt; also 48 .Wenn die Explosionsprodukte bei der
Explosionstemperatur gasförmig sind, so würde der entwickelte
Druck proportional der Ladedichte sein.
Dies trifft zu für sehr schwache Ladedichten, etwa bis 0,1, für
welche Größe die Gasgesetze anwendbar sind. Die Beziehung ist
nicht mehr genau für größere Dichten (O,1 bis 0,2), da ja die
Gasgesetze für größere Drucke ungenau sind. Bei noch stärkeren
Dichten hat indessen das Verhältnis eigentümlicher Weise wieder
seine Geltung, was vielleicht darin seinen Grund hat, daß die
spezifischen Wärmen mit dem Druck und der Temperatur zunehmen.
Es ist dies von Berthelot, Sarrau und Vieille und andern
für eine Anzahl von Sprengstoffen nachgewiesen.
Es sei die Ladedichte 48 wo w die Gewichtseinheiten des
Sprengstoffs, V den Explosionsraum ausdrückt. Oben (S. 41)
wurde entwickelt, daß der Druck der von der Gewichtseinheit des
Sprengstoffs gelieferten Gase bei der Cxplosionstemperatur t durch
die Formel ausgedrückt wird
—
273
Die Größenkist für jeden Sprengstoff eine Konstante, sie wird
als spezifischer Druck bezeichnet. Wenn nun w Gewichtsein—
heiten im Explosionsraume V erplodieren, so ist der Druck
.4.

Wenn 3. B. 20 kg Nitroglyzerin in einem Raum von 2 cbm
( 2000 )) exrplodieren, so ist - 9281 und 4 *0,01;
also p—92,81 kg auf 1 qem.
Das Maximum der Druckwirkung wird erzeugt, wenn der Ex—⸗
plosivstoff den ihm zugewiesenen Kaum vollständig ausfüllt, wenn
dieser also gleich dem eigenen Volumen des Sprengstoffes ist. Dies
Maximum entspricht nur dann dem spezifischen Druck, wenn die
Dichte des Sprengstoffs gleich der Einheit ist. Der Druck ist ge—
ringer bei Körpern, deren Dichtigkeit kleiner als J ist, also bei
explosiven Gasen und Gasgemischen und gewissen Slüssigkeiten;
        <pb n="55" />
        CLadedichte.

47

er ist dagegen größer bei den bis jetzt bekannten festen Spreng—
stoffen.
Man erhält den Druck der Gase des „im eigenen Volumen“
detonierenden Sprengstoffs durch Multiplikation des spezifischen
Druckes mit dem spezifischen Gewicht der reinen Substanz. Dies
ist z. B. für Knallquecssilber 4, 42. Dieser Körper würde demnach,
da der spezifische Druck f etwa 6000 kg beträgt, bei der Deto—
nation im eigenen Volumen einen Druck von 26400 kg auf
1 qom hervorbringen.
Es hat sich gezeigt, daß das Volumen der Gase bei konstanter
Temperatur nicht unbegrenzt entsprechend der Druckzunahme ab—
nimmt. Schließlich lassen die Gafse sich nicht weiter zusammen—
pressen. Man hat diesen nicht mehr zu verkleinernden Kaum das
Kovolumen (o) genannt. Den Explosionsgasen steht also nicht
der ganze Raum V, in dem die Explosion vor sich geht, offen,
sondern dieser Raum abzüglich des Kovolumens, Voô. Durch
diese Raumverminderung muß der Gasdruck erhöht werden. Man
nimmt als Kovolumen aller Gase A00 desjenigen Volumens (Vo)
an, welches von der Gasmenge bei 600 und 760 mm Druck ein—
genommen wird.
Ebenso muß die Raumgröße vermindert werden, wenn bei der
Explosion des Sprengstoffs nicht allein gasförmige Produkte ent⸗
stehen, sondern auch feste Rückstände bleiben, wie es 3. B. beim
Dynamit, einem Gemisch von Nitroglyzerin und Kieselsäure, der
Fall ist.
Aus der Zersetzungsgleichung für den Sprengstoff läßt sich das
Gewicht des festen Rückstaudes ableiten und daraus durch Divi⸗
sion mit dem spezifischen Gewicht das Volumen derselben. Unter
Berücksichtigung des Kovolumens (o) und des festen Rückstandes
(u) wird dann die Sormel PSf. A zu
1,033. võ (273 4 ) · w
4
V— (a Pusw VsGu —u4

Die nach dieser Formel ausgeführten Berechnungen stimmen
mit den experimentellen Ergebnissen ziemlich gut überein.
In der folgenden Tabelle q) sind für einige Sprengstoffe die Werte
von P in Kilogramm auf 1 qem für verschiedene Ladedichten —

1) Nach Hheise, J c. S. 27, aus „Le Spec tateur militaire“, Paris, 1901.
        <pb n="56" />
        18

Zweites Kapitel: Theorie der Sprengstoffe.

angegeben. Der Einfluß des Kovolumens und des festen Rück—
standes erweist sich als sehr erheblich.

O,1
0,2
o

o
7
c3
R
5
7

4
us
1,8
20
21

Schwarz⸗
pulver

306
708
1123
1587
2112
2708
3393
4201
5125
6236
92655
14130
29340

Nitro⸗
glyzerin

1098
2351
3847
5640
7829
10560
14060
21520
25270
35010

Schieß⸗
baumwolle

1061
2345
3921
5921
8502
12000
17020
24810
38500

Ammon⸗
salpeter

942
1217
2077
3211
4779
7082
10800
17870
36250

Anall⸗
quecksilber

468
9606
1501
2072
2686
3347
4062
4952
5683
6607
8726
11320
14560
18790
24350
43970

Zur Berechnung des Druckes der Gase bei der Explosion des
Sprengstoffes im eigenen Volumen setzt man in obiger Formel
IL, wo L das Ladegewicht bedeutet, d. h. das Gewicht des
Sprengstoffs bezogen auf die Kaumeinheit. L0, 83 bedeutet,
daß 0,83 kg Sprengstoff in 1000 cbem Raum oder 83 g in
einem Bohrloch von 100 ebem Inhalt unterzubringen sind. Bei
flüssigen Sprengstoffen, die das Bohrloch ganz ausfüllen, ist L
gleich dem spezisischen Gewicht, bei plastischen, die in das Bohr—
loch gedrückt werden, kommt Ldem spezifischen Gewicht nahe. Bei
körnigen ist es geringer. So ist die Ladedichte für Schwarzpulver
0,83 bis 0,94, je nach der Korngröße, während die absolute
Dichte, d. h. das spezifische Gewicht, 2,60 beträgt.

Die vorstehenden Betrachtungen lehren, daß aus der Sersetzungs⸗
gleichung und ihrer thermochemischen Bedeutung mehrere für die
Sprengstoff⸗Beurteilung wichtige Faktoren abzuleiten sind. In der
Folge werden diese Größen unter den gewählten Bezeichnungen
Trwähnung finden. Zusammenfassend sei hier ihre Bedeutung
wiederholt:
        <pb n="57" />
        Ladegewicht. — Schwarzpulver. 49

vo ⸗Volumen der von 1kg Sprengstoff entwickelten Cxplosions⸗
schwaden bei 00 und 760 mm Druck, ausgedrückt in Litern;
t ⸗Explosionstemperatur;
O die von 1Kg Sprengstoff bei der Explosion im eigenen
Volumen entwickelte Anzahl Kalorien;
A425 0 —Arbeitsfähigkeit in Meterkilogramm;
kGasdruck, erzeugt durch Explosion von 1kKg Sprengstoff,
wenn die Gase bei der Explosionstemperatur to in 11 zusammen—
gedrückt sind, ausgedrückt in Kilogramm auf 1 emꝰ;
⸗Kovolumen der von 1ukg gelieferten Gase;
LCadegewicht, das in der Kaumeinheit untergebrachte Ge—
wicht des Sprengstoffs.

Drittes Kapitel.

Technologie der einzelnen Sprengstoffe.

1. Schwarzpulver.

Das Schwarzpulver, der älteste eigentliche Sprengstoff (s. 8. 7),
ist ein Gemenge von holzkohle, Schwefel und Kalifalpeter. Letz
teres Salz liefert den die Verbrennung bewirkenden Sauerstoff,
Kohle ist der verbrennende Körper, ebenso Schwefel, welcher außer⸗
dem die Wirkung hat, die Zündung zu erleichtern. Auch die Ge—
schwindigkeit und die Gleichmäßigkeit der Verbrennung wird von
ihm wesentlich beeinflußt.
Die Mischungsmaterialien müssen im Zustande möglichster Rein—
heit verwendet werden.
Der Kalisalpeter kam früher hauptsächlich als indischer Salpeter
in den handel. Auch jetzt noch ist die Salpeterausfuhr aus Ost—
indien von Bedeutung. Besonders in der Ganges-Ebene wittern,
wenn auf die Kegenzeit die Periode der Trockenheit folgt, aus
dem humusreichen Erdboden salpetersaure Salze aus, die von den
sogenannten Sorahvallahs gesammelt werden. Durch einfache Auslauge⸗,
 Umsetzungs- und Kristallisationsprozesse wird daraus das
Kaliumnitrat gewonnen.
Die Salze, welche häufig auch in unserem Klima aus den
Mauern von vViehställen und Wohnhäusern auswittern und als
sog. Mauerfraß bekannt sind, bestehen wesentlich aus salpeter⸗
sauren Salzen, besonders Calciumnitrat, und können zur Kali—
Anus 286: Biedermann, Sprenastoffe.
        <pb n="58" />
        50 Drittes Kapitel: Technologie der einzelnen Sprengstoffe.

salpetergewinnung dienen. Auf diese Quelle wurde man während
der ersten französischen Republik aufmerksam, als deren Kriege
viel Schießpulver erforderten und der Bedarf an dem dazu nötigen
Salpeter durch Einfuhr aus dem Uuslande nicht gedeckt werden
konnte. „Gebt uns salpeterhaltige Erde, und nach drei Tagen
werden wir unsere Kanonen laden“, rief der Chemiker Monge
aus, und in der Tat gewann man in wenigen Monaten zwölf
Millionen Pfund Salpeter auf diese Weise. Die Salpetersäure,
welche die Nitrate der Mauerauswitterungen bildet, ist das End⸗
produkt der Oxrydation von stickstoffhaltigen organischen Stoffen,
die in den tierischen Abfallstoffen in den Ställen usw. vorhanden
—
ahmt, indem man ein Gemenge von tierischen Abfallstoffen aller
Art und von Kali- und Kalksalzen, wie holzasche, Bauschutt usw.,
der Einwirkung der Luft aussetzt. Die daraus gebildeten haufen
bleiben monate⸗ oder jahrelang liegen und werden während dieser
Zeit öfter umgeschaufelt. Schließlich laugt man die äußere Schicht mit
Wasser aus und gewinnt aus der Lauge nach Zusatz von Pot—⸗
asche (Kaliumkarbonat) durch Abgießen der Lösung von dem ent⸗
—
salpeter.
Die so gewonnenen Salpeterarten enthalten noch viele Fremd⸗
stoffe und müssen durch wiederholtes Umkristallisieren gereinigt
werden. Bedeutend einfacher ist der sog. Konversionsfalpeter
rein zu erhalten. Etwa um 1820 wurden in den Grenzbezirken
zwischen Chile und Peru die ausgedehnten Lager von Salpeter
entdeckt, die seitdem besonders für die europäische Landwirtschaft
als Stickstofflieferer für die Pflanzen, aber auch für die Industrie
von größter Bedeutung geworden sind. Die ziemlich dicht an der
Erdoberfläche liegende, „Caliche“ genannte Schicht enthält aber
nicht Kali⸗, sondern Natronsalpeter, der wahrscheinlich aus See—
pflanzen unter Mitwirkung von Guano entstanden ist. Die Sal⸗
petererde wird mit Wasser ausgelaugt und aus der Lösung durch
Eindampfen und UKristallisation der Natronsalpeter gewonnen.
Die dabei erhaltene Mutterlauge enthält Fremdsalze, besonders
jodsaure Salze, und bildet eine wichtige Quelle für die Jodgewin—
nung. Da das Natriumnitrat wegen seiner hygroskopischen Cigen⸗
schaft für die Schwarzpulver-Fabrikation ungeeignet ist, so wird
der Chilesalpeter in Kalisalpeter „konvertiert“, indem man heiße
gesättigte Lösungen von 8 Teilen Chilesalpeter und 7 Teilen Chlor—
        <pb n="59" />
        dalpeter.

51

kalium (aus Staßfurter Salzen gewonnen) vermischt und durch
Erkalten zur Kristallisation bringt, wobei sich dann das Kalium—
nitrat ausscheidet.
Seit kurzem ift eine neue, vielversprechende, weil unerschöpf—
liche Quelle zur Gewinnung von Salpetersäure und damit auch
zur Gewinnung von Kalisalpeter und anderen Nitraten erschlossen
worden. Das ist die atmosphärische Cuft, deren Sauerstoff und
Stickstoff sich unter der Cinwirkung des elektrischen Flammenbogens
zu Stickstofforyden vereinigen lassen, welche dann nach bekannten
KReaktionen mit hilfe von Luftsauerstoff und Wasser in Salpeter⸗
säure übergeführt werden. Da die Chilesalpeterlager bei Tara—
paca ihrer Erschöpfung nahe sind — die Geologen schätzen den
noch vorhandenen Gesamtvorrat auf etwa 30 Millionen Tons —,
so gewinnt die elektrische Salpetersäuregewinnung eine ungeheure
Bedeutung. KAuch auf die Verwendung von Kontaktkörpern oder
Katalysatoren zur Oxydation von Stickstoff oder Ammoniak, sowie
auf die Fähigkeit gewisser Bakterien, den Stickstoff der Luft im
pflanzlichen Organismus der Leguminosen zu binden und in Nitrate
überzuführen, ist zur Zeit die Kufmerksamkeit der Chemiker gerichtet.
Der für die Schwarzpulverfabrikation gebrauchte Salpeter muß
möglichst rein sein. Man prüft auf die Gegenwart von Chlor—
natrium. Ist diese am häufigsten vorkommende Verunreinigung
nicht vorhanden, so nimmt man an, daß auch andere Salze fehlen.
Die durch Silbernitrat in einer chlornatriumhaltigen Löfung her⸗
vorgebrachte Fällung ist eine äußerst empfindliche Reaktion auf
Chloride. Der in der preußischen Pulverfabrik in Spandau ver—
arbeitete Salpeter muß so rein sein, daß in einer wässrigen Lö—
sung von 15 g desselben durch Silbernitrat höchstens eine schwache
Trübung hervorgebracht wird. Die englische Pulverfabrik in Wal⸗
tham Abben verwendet Salpeter. der überhaupt keine Chlorreaktion
zeigen darf.
Der Konversionssalpeter ist oft durch geringe Mengen von
Kaliumperchlorat KClIOs verunreinigt, welche durch Silbernitrat
nicht nachweisbar sind. Das Vorkommen von Perchlorat im Kon—
versionssalpeter wurde zuerst von Major A. Hellich beobachtet
und ist von anderen Chemikern bestätigt worden!). Wegen dieser
Beimengung wird von vielen das deutsche Schwarzpulver als
minderwertig gegenüber dem mit ostindischen Salpeter hergestellten

1) Chem. 3tqꝗ. 1894, 485, sowie 1894. 1567.
        <pb n="60" />
        52 Drittes Kapitel: Technologie der einzelnen Sprengstoffe.

englischen Schwarzpulver angesehen. Von vielen Seiten wurde die
Behauptung aufgestellt, daß ein Gehalt an überchlorsaurem Ka⸗
lium bei längerem Lagern des Pulvers eine Explosion hervor⸗
rufen können und auch wohl schon mehrfach hervorgerufen habe.
Ein quantitativ wirkendes Mittel zur Entfernung des Perchlorats
kennt man nicht; wiederholte Umkristallisation des Salpeters be—
wirkt aber eine genügende Keinigung. Dupré einerseits, Lenze
und Bergmann andererseits)) haben indeß den Nachweis geliefert,
daß perchlorathaltiges Pulper auch gegen starke Einwirkungen
nicht gefährlicher ist als solches, das frei von diesem Körper ist.
Dies ist auch wahrscheinlich, da die Zersetzung des Kaliumper—
chlorats Wärme verbraucht, nicht entwickelt: KClO KCI4 O
-7,9 Kal.
Der für die Schwarzpulverfabrikation benötigte Sch wefel wird
durch sorgfältige Reinigung des sizilianischen Rohschwefels erhalten.
Der Schwefel fiedet bei 4480. Man kann ihn daher durch Destil⸗
lation von begleitender Gangart, Gips und UKalkstein, trennen.
Werden die Schwefeldämpfe rasch und plötzlich abgekühlt, so bil—
den sie erstarrt ein feines Pulver, die sog. Schwefelblumen. Er⸗
folgt die Abkühlung langsam und bei höherer Temperatur, so
erhöht man zunächst flüssigen Schwefel (Schmelzp. 1120), der in
hölzerne, etwas konische Formen gefüllt wird, in welchen er zu
— Pulverfabrikation
nur den letzteren und nicht, was anscheinend vorteilhafter sein
würde, die feinpulverigen Schwefelblumen, da diese infolge ihres
feinzerteilten Zustandes eine geringe Orydation erleiden und des—
halb schweflige Säure und Schwefelsäure enthalten. Um den Stangen⸗
schwefel ohne Entzündungsgefahr fein pulverisieren zu können,
leitet man zweckmäßig während des Mahlens Kohlensäure oder
ein anderes inertes Gas durch den Arbeitsraum.?)
Sehr wichtig ist die Beschaffenheit der Holzkohle, welche leicht,
porös, gut zerreiblich, leicht entzundbar, nicht hygrostopisch und
von geringem Aschengehalt sein soll. Meistens benutzt man zur
Vverkohlung das Faulbaumholz, Rhamnus frangula, besonders
für Schießpulver. Daneben auch, für billigeres Sprengpulver, das
Hholz der Weide und Erle, ferner der Pappel, Linde, Haselnuß—
staude, in Italien und Spanien auch hanf.
1) Journ. Soc. Chem. Ind. 1902, 825. - V. Internat. Kongreß
. angew. Chem. 1903.
2)D. P. 136547 von Walter.
        <pb n="61" />
        Schwefel. Holzkohle.

53

Wesentlich ist die Temperatur und Dauer der Verkohlung. Für
gewöhnliches Schwarzpulver verkohlt man bei 3000 bis 4000
und gewinnt dann eine tiefschwarze Kohle, die sich leicht zerkleinern
läßt. Man verkohlt aber auch schon bei 2700 bis 30009 und er—
hält dann die braunrote sog. Kotkohle, welche von niedrigerem
spezifischen Gewicht und leicht entzündlich ist, deshalb besonders
zur herstellung von Jagdpulver benutzt wird. Zu dem braunen
prismatischen Geschützpulver verwendet man Kotkohle, welche
häufig aus Stroh hergestellt wird.
Hus den angegebenen Temperaturen ergibt sich schon, daß die
Rohle niemals reiner Kohlenstoff ist. Nach Violette zeigt eine
für Militärpulver geeignete, sehr schwarze Kohle, die bei 3500
gewonnen wird, ein spezifisches Gewicht von 1,50, Entzündungs-⸗
temperatur von 3706, besteht aus 76,6 Proz. Kohlenstoff, 4,1 Wasser⸗
—DD
teilen; die Ausbeute aus bei 1500 getrocknetem holz beträgt
29,66 Proz. Man spricht von 255, 302, 70 prozentiger Kohle, je nach⸗
dem aus 100 Teilen holz 25, 30, 70 Proz. Kohle gewonnen werden.
Die Verkohlung erfolgt in eisernen Zylindern, feststehenden oder
rotierenden, entweder durch direkte Feuerung oder durch über—
hitzten Wasserdampf. Letzteren verwendet man besonders für Rot—
kohle, bis 70 prozentige, die für das braune prismatische Pulver
benutzt wird.
Violette hat zur Verkohlung mit überhitztem Wasserdampf eine
Vorrichtung (Fig. 4) angegeben, die im wesentlichen aus zwei in einem
Ofen angeordneten, konzentrischen Eisenblechzylindern H und Ksbe—⸗
—V0
löcherten Zylinder befindliche Holz auf. Unter den Sylindern liegt
das spiralig gewundene Überhitzungsrohr C, welches mit einem
Dampfkessel in Verbindung steht. Durch Einfügung eines ge—
schlossenen Zylinders E zwischen die Windungen des Schlangenrohres
in die Achse desselben werden die Feuergase gezwungen, die Rohr⸗
windungen zu bespülen. Sie treten dann in die Esse G. Der im
Schlangenrohr überhitzte Dampf gelangt hinten in den Zwischen⸗
raum zwischen beiden Zylindern, zieht nach dem vorderen, der
Ofentür zugewandten Ende und tritt hier in den innern, etwa
30 kg Saulbaumholz enthaltenden Zylinder, und wird von hier,
mit den Destillationsprodukten des holzes beladen, durch ein Rohr L,
welches die Ofenwand durchbricht, in das Freie oder zu einer
Kondensationsvorrichtung geleitet.
        <pb n="62" />
        54 Drittes Rapitel: Technologie der einzelnen Sprengstoffe.

Wenn in diesem Apparate der Wasserdampf auf etwa 3500
erhitzt wird, so erhält man Kotkohle mit 70 Proz. und etwas schwarze
Kohle mit 85 Proz. Kohlenstoff. Wird auch die Retorte noch erhitzt,
wobei die Temperatur von 4500 nicht überschritten wird, so wird
das Holz ebenso von flüchtigen Stoffen befreit, als wenn es in
einem Tiegel auf 12000 erhitzt wird.
Für die Gewinnung von Schwarzkohle (für
Militärpulver) scheint der Violettesche Ofen

*

R

F
F
J
SJ

8

Fid.

weniger geeignet zu sein als für die von Rotkohle, verglichen mit
der älteren Sylinderverkohlung. Auch sind die Anschaffungs- und
Unterhaltungskosten des Apparates ziemlich hoch, und es wird
viel Wärme verschwendet. Deshalb hat der Ofen keine sehr große
Anwendung gefunden. Die Abkühlung der Kohle erfolgt nur lang⸗
sam von außen nach innen, wobei die Kohle begierig Luft ansaugt
und festhält. Beim Vermahlen können dann die inneren, noch un—
gesättigten Teile zu Entzündungen Anlaß geben. h. Güttler in
Reichenstein (D. P. 42470) führt deshalb die Verkohlung in einem
        <pb n="63" />
        Verkohlungsofen. — Pulversätze. 55

dem Violetteschen ähnlichen Ofen mit heißer Kohlensäure (Ver—
brennungsgasen) aus und bewirkt die Abkühlung der Kohle durch
Einleiten von kalter Kohlensäure in die RKetorte. Die poröse Kohle
hält die Kohlensäure sehr fest und wird dadurch bei der Zer—
kleinerung vor Selbstentzündung infolge Luftzutrittes geschützt.
Die drei Bestandteile des Schwarzpulvers, Salpeter, Schwefel
und Kohle, werden nun innig miteinander gemischt, für Kriegs—
pulver (Gewehr⸗ und Geschützpulver) häufig in dem Verhältnis
74 Teile Salpeter, 16 Teile Kohle (25-prozentige), 10 Teile Schwefel.
Nach Berthelot ist dasjenige Mischungsverhältnis, welches ein
Maximum an Wärme und ein Minimum an gasförmigen Produkten
ergeben würde: 84 Salpeter, 8 Schwefel, 8 Rohle. Es ist indessen
zu berücksichtigen, daß die Kohle nicht reiner Kohlenstoff ist, und
daß das Pulver ein mechanisches Gemenge ist, von dessen Zer—
kleinerungsgrad und inniger Mischung die vollständige Verbrennung
abhängig ist.
Solgende Tabelle gibt die Zusammensetzung einiger Schieß—
pulversorten:

Salp. Schwef. sSchwarzk.

Militärpulver, Deutschland......
Gewehrpulver M/7—1......
Braunes prismat. Pulver ..
Rußland, Schweden, Enaland.
Italien......
Frankreich Kanonenpulver).
—5 (Chassepotpulver).
Osterreich ......... .
Vereinigte Staaten, Schweiz.

u Hhollande.
J China. ..
Jagdpulver, Deutschland
Frankreich
England ...
Sprengpulver, Deutschland
Italien.
Frankreich

14
76
78

10
9
3

75
75
74
75,5
76

10
12,5
10,5
10
10

70 14
51,5 5,5
7813 10
7812
797 78
6123
018
o 8

16
15(30⸗proc.)
19(70-proc.)

15
12,5
155
135
14
Kotkohle
16
23
11,5
10
12,5
21,5
12
20

Ein Kriegspulver von der Zusammensetzung 74,7 Salpeter
— 10,1 Schwefel 4 14,2 Kohle (12, C 40,. 1,450 45 0,2
Asche) 41 Wasser entspricht der Formel 166NO9 4-2104 78
und gibt folgende Reaktion:
        <pb n="64" />
        56 Drittes Kapitel: Technologie der einzelnen Sprengstoffe.
IGRKNO-21C.7S IB3COABCOABSKCOS
2804 4 2283 — 8302

Jedoch ändern die Reaktionsprodukte sich mit der Größe des
Drucks, unter welchem die Verbrennung stattfindet.
Ein Pulver aus 74,84 Teilen Salpeter, 11,84 Teilen Schwefel
und 13,32 Teilen Kohle (reiner Kohlenstoff) würde dem einfachen
stöchiometrischen Verhältnis 2KNO -84 30 entsprechen. HRus
dieser Formel wäre die Zersetzungsgleichung abzuleiten:
2NOS-8S - 30-KS N3002.
Der praktische Versuch zeigt aber, daß die Explosion in anderem
Sinne, unter Erzeugung anderer Produkte erfolgt). Nach Noble
und Abel ist die Zersetzungsgleichung für das Pulver von ge—
nannter Zusammensetzung auszudrücken durch
20xNO-TOSPBOCS GR2COSKSO 3K.S
4002 10 0 4 1082.

Danach bestehen die Cxplosionsprodukte zu 56,4 Proz. aus festen
Stoffen (Kückstand, Rauch), zu 43,6 Proz. aus Gasen.
Schwarzpulver mit 70 bis 65 Proz. Salpeter geben ein größeres
Volumen Gase. Diese haben aber eine niedrigere Flammentempe—
ratur, so daß der Gasdruck geringer ist als der mit Pulver von
75 Proz. Salpeter erreichbare. Ferner entsteht um so mehr Kohlen⸗
oxyd, je geringer die Salpetermenge ist. Pulver mit 65 Proz.
Salpeter gibt neben Stickstoff fast nur noch Kohlenoxyd.
Wenn wir die obige Gleichung als richtig annehmen, so ergibt
sich durch Umrechnung der Atomgewichte in Grammgewichte, daß
das Pulver aus 2024 g Salpeter - 320 g Schwefel 4 360 8
Kohle besteht, also 2704 g dieses Pulpers 1528 g feste, 1176 8
gasförmige Produkte liefern. Das Volumen dieses Gasgewichtes
für bestimmte Temperatur und gegebenen Druck ist leicht zu be—
rechnen. Das in Gramm ausgedrückte Molekulargewicht irgend—
eines Gases nimmt bei 09 und 760 mmn Quekfsilberdruck einen
Raum von 22,32 CLiter ein. Für jeden Temperaturqgrad dehnt sich das
Gaspolumen um 0,003665 oder aus. Bei der mittleren Tem⸗
peratur von 150 würde also der Kaum von 22,32 Liter über—

1) Gody, Traité thé0rique et pratique des matières explosives.
Namur. 1896. p. 155.
        <pb n="65" />
        Schwarzpulver, Zersetzung; herstellung. 57

gehen in 22,32(01 4 6 15) 23,55 J. Da nun nach der obigen
Zersetzungsgleichung 14 Moleküle Kohlensäure, 10 Moleküle Kohlen⸗
oxijd, 10 Moleküle Stickstoff entstehen, so hat man aus den 2704 8g
Schießpulver 14 23,55 — 329,7 1 Kohlensäure, ferner 235,51
Rohlenoxyd und 235,5 1 Stickstoff erhalten. Oder 1000 g geben
rund 122 1J RKohlensäure, 871 Kohlenoxyd, 87 18tickstoff, insge—
samt 29601 Gase (280,5 1bei 09). Dieses Volumen ist bei der
Erplosionstemperatur natürlich bei weitem größer.
Aus der oben angegebenen Sersetzungsgleichung ergibt sich:)
2811 A245 225 mkg
*24400 f*2884 kg
-577 Cal. 4302811.
Die herstellung des Schwarzpulvers aus seinen drei Be—
standteilen erfolgt nun durch folgende Operationen. Sunächst
werden die Rohstoffe möglichst fein zerkleinert, Holzkohle und
Schwefel zusammen oder einzeln in Kugelmühlen mit Bronzekugeln.
Der Salpeter wird ebenfalls für sich oder mit Kohle fein zer—
mahlen, und die „binären Sätze“ werden nun zu dem „ternären
Satz“ von der gewünschten SZusammensetzung miteinander gemischt.
Das Mischen geschieht in rotierenden Crommeln aus dickem Sohl⸗
leder, in welchen sich Kugeln aus Korkholz befinden. Die fertige
Mischung muß gleichmäßig grau gefärbt und vollständig homogen
sein.
FIn diesem feinpulverigen Zustande ist das Pulver zum Schießen
und Sprengen nicht geeignet, weil es stäubt, sich entmischt und
nur langsam abbrennt. Es wird als sog. Mehlpulver nur in der
Feuerwerkerei und zum Füllen von Zündschnuren verwendet. Um als
Schießpulver zu dienen, muß es noch gedichtet und gekörnt werden.
Zu diesem S5weck kommt der Pulversatz unter hinzufügung von
Wasser auf den Kollergang, über dessen gußeiserner Bodenplatte sich
zwei Hartgußwalzen, die Läufer, von mehreren Tausend Kilogramm
Gewicht mit etwa 7 Umläufen pro Minute drehen. Da durch die
anhaltende Keibung auf dem Schwefel des Satzes ein elektrischer
Funke sich bilden kann, so werden zweckmäßig die Kollergänge
mit einer Erdleitung versehen. Bei der Gruson'schen Kollermühle
sind die Läufer aufgehängt, so daß sie zwar mit vollem Gewicht
auf dem Pulbersatz liegen, den Bodenteller aber nicht berühren.
1P Beise, Sprengstoffe, S. 46.
        <pb n="66" />
        58 Drittes Kapitel: Technologie der einzelnen Sprengstoffe.

Es wird dadurch vermieden, daß infolge des plötzlichen herunter⸗
fallens der Läufer von einem größeren Stück Satz auf den Boden—
teller eine Explosion eintreten kann. Die früher gebräuchlichen
Stampfer, die das Gemenge in einem mörserartigen Gefäß zer⸗
stampften, sind außer Gebrauch gekommen.
Durch das Kollern ist eine Verdichtung des Satzes noch nicht
eingetreten, sondern nur eine noch innigere Mischung erzielt worden.
Die eigentliche Verdichtung erfolgt in hydraulischen Pressen. Der
aus der Kollermühle kommende Pulverkuchen wird zunächst wieder
zerkleinert, in Brechapparaten mittels hölzerner hämmer „ge—⸗
quetscht“. Man benutzt dazu auch mehrere Paar geriffelter Bronze⸗
walzen. Damit ist ein Zylindersieb verbunden, welches die zer—
kleinerte Masse in gleichförmigem Zustand liefert. Das noch immer
etwas feuchte Pulver wird nun 9 em hoch auf Rupfer- oder
Bronzeplatten ausgebreitet, die übereinander gestellt und einem
Drucke von 100 bis 110 Atmosphären während 1 bis 1 Stunden
ausgesetzt werden. Das Pulver hat dann ein spezifisches Gewicht
pon 1,7 bis 1,8. Für Sprengpulver ist die Pressung geringer, so
daß die Dichte etwa 1,5 beträgt.
Die Preßkuchen werden nun zerkleinert und durch Siebe ge—⸗
drückt. Bei der Lefebure'schen Körnmaschine bestehen die rotie—
renden Siebelemente aus drei übereinander befindlichen Sieben.
Auf dem obersten, dem Schrotsiebe, liegt die hölzerne, mit Blei
beschwerte Kornscheibe, die bei der Rotation die Pulperstücke zer—
trümmert. Das Schrotsieb hat außer den Sieblöchern zwei größere
gegenüber liegende Offnungen, von welchen aus je eine schräge,
der Bewegungsrichtung entgegengerichtete Messingschaufel bis nahe
zum Boden des zweiten Siebes reicht. Dieses, das Kornsieb, nimmt
die hindurchgefallenen Pulverstücke auf und sondert sie, indem
Pulverstaub und Rörner von gewünschter Größe durch das Sieb
hindurchfallen, die größeren Stücke dagegen durch die Zentrifugal⸗
kraft auf die Schaufeln geschleudert und durch diese wieder auf
das Schrotsieb zurückgeführt werden. Die durch das VKornsieb hin⸗
durchfallenden Teile gelangen auf das dritte oder Staubsieb,
welches die Körner zurückhält und den Staub in einen Lederschlauch
gelangen läßt.
Diel gebraucht ist die Walzenkörnmaschine des Oberst Congreve,
welche im wesentlichen aus 3 oder 4 bronzenen Walzenpaaren
besteht, von welchen die beiden untersten glatt, die oberen längs—
und quergeriffelt sind. Unterhalb der Walzenpaare befinden sich
        <pb n="67" />
        herstellung des Schwarzpulvers.

59

Cangsiebe, die in schüttelnde Bewegung versetzt werden. Die
Maschine liefert staubfreie und gleichmäßige Produkte.
Zur herstellung von rundem, sog. naßbrandigem oder Schweizer
Pulver kommt das gekörnte Pulver in einen Sack, welcher auf
eine Trommel gebunden wird. Diese wälzt sich mit dem Sacke um
sich selbst am Umfange des Rundiertisches herum.
Das gekörnte Pulver wird nun meistens, auf horden aus—⸗
gebreitet, in Trockenhäusern durch Lufstrom so weit getrocknet, daß
es noch 2-23 Proz. Wasser enthält. Dies lufttrockene Pulver wird
bon Staub befreit und durch Siebsysteme (Plansichter) sortiert.
Sodann wird das Pulver in rotierenden Trommeln aus Eichen⸗
holz poliert. Die eiserne Achse ist nicht durch die TCrommel gelegt,
sondern endigt in vier starke, rechtwinklige Arme, welche an der
hinteren Seitenwand der Trommel befestigt sind. Bei der Rotation
werden die Körner etwas abgerundet, die Poren werden verstopft,
und die Oberfläche wird dichter. Das polierte Pulver zieht weniger
Feuchtigkeit an und setzt beim Transport weniger Staub ab. Diese
Cigenschaft wird noch erhöht durch das von General Fadejeff ein—
geführte Graphitieren des Pulvers. Man bringt beim Polieren
in die Trommeletwas äußerst fein verteilten (Brodie'schen) Graphit.
Jedes Pulverkorn wird dann mit einem glänzenden hauch Graphit
überzogen, der die Mehlstaubbildung erfolgreich verhindert. Aller—
dings wird die Entzündlichkeit und die Triebkraft des Pulvers
etwas dadurch beeinträchtigt.
Schließlich wird das Pulver nahezu vollständig getrocknet, bis
es nur noch 0O,5 Proz. Feuchtigkeit enthält. Das Trocknen erfolgt
in Trockenschränken, die durch Dampf oder heißes Wasser auf 40
bis 500 erwärmt werden, oder im erwärmten Luftstrom. Die
Cuft wird bisweilen mit hilfe von Chlorcalcium von ihrer Feuchtig⸗
keit befreit. Auch das Vakuum hat man zum Trocknen benutzt.
Während des Trocknens hat sich wieder etwas Staub gebildet,
zu dessen Beseitigung das Pulver in Säcken geschüttelt wird, worauf
es nochmals sortiert wird.
Die Korngröße beträgt für
feines Jagdpulver. ,3-0,5 mm
Gewehrpulver M71.... 0,3- 1,38,
neues Gewehrpulver M,71. 0,76— 1,66,
feinkörniges Geschützpulber .. 0,7—1,3
grobkörniges * c/75 4510
05/86 6—18
        <pb n="68" />
        50 Drittes Kapitel: Technologie der einzelnen Sprengstoffe.

Die verschiedenen Pulvergrößen werden häufig miteinander
in bestimmten Verhältnissen vermengt, um ein Pulver von be—
stimmten Cigenschaften herzustellen. Denn die Wirkung des Schwarz⸗—
pulvers hängt nicht allein von dessen Zusammensetzung ab, sondern
auch von der Korngröße. Staubförmiges Pulver brennt langsamer
ab als gekörntes und feinkörniges schneller als grobkörniges.
Das fertige Pulver wird in Tonnen oder dichten kupfernen
Kasten von 50 kg Inhalt verpackt.
RKomprimiertes und prismatisches Pulver. Das aus der
Kanone abgefeuerte Geschoß soll eine möglichst große Stoßkraft
haben. Diese hängt außer von dem Gewichte des Geschosses ab
von der Sluggeschwindigkeit. Letztere kann man nicht durch Ver—
mehrung der Pulperladung ad libitum vergrößern, denn bei starker
Cadung würde der Gasdruck bei der Explosion des Pulpvers so
groß werden, daß das Geschützrohr dadurch gesprengt werden
würde. Man suchte nun ein Maximum an Sluggeschwindigkeit
und Durchschlagskraft dadurch zu erreichen, daß man statt eines
momentan abbrennenden, sog. offensiven Pulvers ein langsam
verbrennendes anwendete.
Wenn das momentan erplodierende Pulper vollständig verbrennt,
ehe das Geschoß seine Bewegung im Geschützrohre beginnt, so
haben die Pulvergase zu früh ihre höchste Spannung. Diese nimmt
ab im Maße, als das Geschoß sich zur Mündung fortbewegt, weil
die Gase den sich beständig vergrößernden Raum im Rohre aus—-⸗
füllen und dabei auch einen Teil ihrer lebendigen Kraft als Wärme
an Geschütz und Geschoß abgeben. Dieser Verlust ist um so größer,
je länger das Geschützrohr ist, und wenn das Geschoß aus der
Mündung heraustritt, ist die Gasspannung erheblich geringer als
zu Anfang, wenn die Gase das Geschoß in Bewegung setzen. Wenn
aber das Pulver so langsam verbrennt, daß die Entwickelung der
Explosionsgase erst dann vollständig ist, wenn das Geschoß die
Mündung verläßt, so kann die Gasspannung vom Beginn der
Entzündung bis zum Austritt des Geschosses im wesentlichen sich
gleich bleiben oder sogar zunehmen. Demnach wird bei gleich hohem
Gasdruck im Ladungsraume das Geschoß eine erheblich größere
Anfangsgeschwindigkeit annehmen, als wenn es durch plötzlich ver—
brennendes, offensives Pulver fortgeschleudert wird.
Auf Grund dieser Erwägungen, die durch experimentelle Messung
des Gasdruckes in den Geschützrohren bestätigt werden, hat zuerst
General Rodm an in den Vereinigten Staaten während des Bürger—
        <pb n="69" />
        Prismatisches Pulpver.

61

krieges 1863 sehr grobkörniges Pulver, das sog. Mammuth—
pulver, von über 20 mm Durchmesser der Körner für artilleristische
Zwecke eingeführt. Wegen der Ungleichheit der Korngröße wurde
indessen die Treffsicherheit beeinträchtigt. Man ging dazu über,
unmittelbar aus dem Pulversatze Patronen zu erzeugen. Allein
solche Patronen brannten zu langsam ab. Schon früher, im Jahre
1852, hatte Paolo di sS. Roberto empfohlen, gekörntes Pulver
dadurch in größere Stücke zu bringen, daß es einer Temperatur
von 100, bei welcher der Schwefel weich wird und klebend wirkt,
ausgesetzt und dann in zylindrische Formen gepreßt wird. Diese
Art der herstellung war zu umständlich, und die Verlangsamung
der Verbrennung war zu sehr gesteigert. Auch die Verwendung
von Bindemitteln, wie Gummi arabicum oder Vollodiumlösung,
gab keine befriedigenden Resultate. Infolge der Beobachtungen
einer russischen Militärkommission im amerikanischen Bürgerkriege
zeigte dann General Doremus, daß man das Schwarzpulver auch
ohne den Schwefel bis zum Weichwerden zu erhitzen und ohne
Anwendung von Bindemitteln durch genügend starken Druck zu
festen Stücken pressen könne. Dieses komprimierte oder prismatische
Pulver wurde zuerst in Rußland eingeführt. Gekörntes Schwarz⸗
pulver wird in sechseckigen Formen durch hydraulische Pressen
komprimiert. Die Sormen sind so beschaffen, daß die Prismen
sieben in der Länge durchgehende Kanäle erhalten. Diese Durch—
bohrungen ermöglichen die Verbrennung des Pulvers zugleich von
innen und von außen, so daß die Verbrennungsgeschwindigkeit nicht
allzusehr herabgesetzt wird. Man kann sogar Patronen mit Schichten
von verschiedener Dichte herstellen, indem die Pressung in mehrere
Stufen von verschiedener Druckgröße zerlegt wird.
Großen KRuf erlangte das braune prismatische Pulver der Köln—
Rottweiler Pulpverfabriken. Es besteht aus 79 Proz. Salpeter,
3 Proz. Schwefel und 18 Proz. aus holz hergestellter Kohle von
chokoladebrauner Färbung. Es wird zu Prismen von 25 mm höhe
und einem Durchmesser (von Ecke zu Ecke) von 40 mm gepreßt. Die
Prismen haben nur einen mittleren Kanal von 10 mm Weite.
die haben ein Gewicht von 40 bis 45 g, und ihr spezifisches Gewicht
beträgt 1,75 bis 1,88. Die Pulvergase enthalten erhebliche Mengen
Wasserdampf, teils vom Wassergehalt des Pulvers herrührend,
teils aus dem Wasserstoff des schwach verkohlten Holzes entstanden.
Diesem Wasserdampfgehalt der Gase wird es zugeschrieben, daß der
Kauch, von fein zerteilten Kalisalzen gebildet, rasch verschwindet.
        <pb n="70" />
        52 Drittes Uapitel: Technologie der einzelnen Sprengstoffe.

Der geringe Gasdruck des langsam verbrennenden prismatischen
Pulvers ((/82) gestattet die Verwendung enormer Ladungen in
Geschützrohren von gehöriger Länge. So wurde aus der Urupp⸗
schen Kiesenkanone, welche 1893 auf der Weltausstellung in Chikago
war, und deren Rohr ein Gewicht von 122 400 kg und eine Länge
von 14,7 m hatte, eine Granate von 1140 kg Gewicht mittels
einer Pulverladung von 410 kg Pulver (/,82 abgefeuert.
Die neueren rauchlosen Pulver haben das Schwarzpulpver als
Geschoßtreibmittel mehr und mehr verdrängt. Dasselbe ist der
Fall für die Verwendung des Schwarzpulvers als militärisches
Sprengmittel, sowohl zur Füllung von Granaten u. dergl. als auch
als Minen⸗Sprengstoff.
Im Bergbau, bei Anlage von Straßen, Tunnels usw. ver⸗
wendet man dagegen, je nach Beschaffenheit des abzusprengenden
Gesteins entweder Sprengstoffe mit langsamer Gasentwicklung und
demzufolge mehr drückender und schiebender Wirkung, oder brisante
Sprengstoffe mit plötzlicher Gasentwicklung und zerschmetternder
Wirkung. Der hauptrepräsentant der ersteren Art ist noch immer
das Schwarzpulver, brisant sind hauptsächlich die Nitroglyzerin—
Sprengstoffe.
Sprengpulver wird entweder gekörnt oder als komprimiertes
Pulver verwendet, in letzterem Falle in Form von Zylindern mit
Längskanal in der Achse und einer Kinne an der Außenseite zum
Einlegen der Zündschnur. Diese besteht aus einer Pulverseele
mit hanfumwickelung. Der von der Pulverladung nicht ausgefüllte
Teil des Bohrloches wird mit Ton ausgefüllt, „besetzt“, weil sonst
die Erplosionsgafse großenteils aus dem Bohrloche entweichen würden,
ohne auf das Gestein zu wirken.
Im UKohlenbergbau ist die Anwendung von Schwarzpulver mit
Gefahr verbunden, da sowohl das Feuer der Zündung als auch
die heißen Sprenggase Schlagwetter- oder Kohlenstaub⸗Explosionen
hervorrufen können. Man soll sich immer erfst mit der Sicherheits⸗
lampe überzeugen, daß keine Schlagwetter vorhanden sind, und
Rohlenstaub ist durch Wasserbesprühung unschädlich zu machen.
Elektrische Zündung, bei der eine Flamme nicht auftritt, ist natür⸗
lich sicherer als Zündschnur. Am besten ist es, den Gebrauch von
Schwarzpulver in Kohlengruben ganz zu vermeiden und nur die
sogen. Sicherheitssprengstoffe (s. später) zu verwenden. Zu berückfichtigen
 ist auch, daß die Pulpergase, besonders wegen ihres Ge⸗
haltes an Kohlenoxyd, in mehr oder weniger geschlossenen Käumen.
        <pb n="71" />
        Sprengpulver.

63

wie Bergwerken, gesundheitschädlich wirken. Nach jeder Sprengung
ist daher für gehörige Ventilation der Grube zu sorgen.

2. schwarzpulverähnliche Erplosivmischungen.
Chloratsprengstoffe.

Man hat versucht, den Schwefelgehalt des Schwarzpulvers zu
verringern oder ganz zu beseitigen. Je mehr Schwefel das Pulver
enthält, um so dichter, zäher und dauernder ist der Pulverrauch.
Die Wärmeentwicklung und damit die Arbeitsleistung ist größer,
wenn kein Schwefel, sondern nur Kohle als brennbarer Stoff vor⸗
handen ist, eine aus den thermochemischen Daten sich leicht er—
gebende Tatsache. Diesen Vorteilen steht aber der überwiegende
Nachteil gegenüber, daß ein solches Pulver zu schwer entzündlich
und zu langsam verbrennend ist.
Es liegt ferner nahe, den Kalisalpeter durch andere Sauerstoff⸗
träger zu ersetzen. Der Natronsalpeter (Chilesalpeter) ist billiger als
der Kalisalpeter und hat den Vorteil, daß er, da das Atomgewicht
des Natriums (23) geringer als das des Kaliums (39) ist, in der
gleichen Gewichtsmenge mehr Sauerstoff, also mehr Kraftmittel
enthält als der Kalisalpeter. Allein Natronsalpeter ist sehr hy⸗
groskopisch, und die von ihm aus der Luft aufgenommene Feuch⸗
tigkeit bereitet der längeren Aufbewahrung die größten Schwie⸗
rigkeiten. Unter Umständen ist indessen ein Natronsalpeter ent⸗
haltender Sprengstoff ganz brauchbar, 3. B. als Sprengmittel in
Steinsalzbergwerken, wo stets trockene Luft vorhanden ist. Auch hat
man mit Erfolg versucht, durch ein geschmolzenes Bindemittel die
Natronsalpeterteilchen von der Luft abzuschließen. Man kann
ein solches Sprengpulver gefahrlos bis zum Schmelzen des Schwe⸗
fels erhitzen und erhält dann durch Pressen ein Produkt, welches
gegen Feuchtigkeit nur wenig empfinolich ist.
Die Hygroskopizität ist auch das stärkste hindernis für die Ver—⸗
wendung des Amoniaksalpeters. Das Ammoniumnitrat ist von
vornherein besonders geeignet als Sprengstoff-Bestandteil, da es
bei seiner Zersetzung im Gegensatz zu Kali- und Natronsalpeter
nur gasförmige Körper liefert. Es zerfällt beim Erhitzen haupt⸗
sächlich in Wasser und Stickftofforydul: NINOs—-No4 2B0.
Die Rauchentwicklung ist infolgedessen eine geringe. Man hat
in neuerer Seit mit Erfolg versucht, die schädliche Wasseranzieh—
ung des Ammonitrats zu paralysieren. Man kann allerdings
        <pb n="72" />
        54 Drittes KRapitel: Technologie der einzelnen Sprengstoffe.

nicht ein Schwarzpulver mit Ammonsalpeter bis zum Schmelz⸗
punkt des Schwefels erhitzen und pressen und dadurch die wasser⸗
anziehenden Teile umhüllen, wie es beim Natronsalpeterpulver
möglich ist, weil schon unterhalb dieser Temperatur explosive Zer—
setzung eintritt, aber andere niedriger als Schwefel schmelzende
Bindemittel können den gewünschten Erfolg herbeiführen. Ammonsalpeterhaltige
 Sprengstoffe sind daher in neuerer Zeit von her⸗
vorragender Wichtigkeit geworden.
Nicht allein die Alkalinitrate, sondern auch die Alkalisalze an—⸗
derer sauerstoffreicher Säuren sind, wie leicht einzusehen, als
Sauerstoffträger für Explosivstoffe zu benutzen. Schon Graf Ber—
thollet hat zu diesem Zweck das von ihm im Jahre 1786 ent⸗
deckte Kaliumchlorat KClOs empfohlen. Dieses Salz zersetzt sich
bei 3520 nach der Gleichung:
2KCIOS RCIO- CI O..
Bei stärkerem Erhitzen zerfällt dann auch das Kaliumperchlorat:
RKClIO0SS KCI 202.

Bei raschem oder plötzlichem Erhitzen zerfällt das Chlorat wahr—
scheinlich direkt in Chlorid und Sauerstoff. Nach Dupré wird
Herchlorat (welches im Salpeter enthalten sein kann, s. oben 8. 52)
bei 5459 sogar umgekehrt in Chlorat verwandelt.
cin Schießversuch, der mit Bertholletschem Kaliumchloratpulver
angestellt wurde, fiel unglücklich aus, das Geschütz zersprang, und
mehrere Personen kamen dabei ums Leben (1788). Die kalium—
chlorathaltigen Sprengstoffe sind gegen Stoß und Schlag so emp⸗
findlich und zugleich so brisant, daß ihre Herstellung, Aufbewah⸗
rung und Verwendung mit Gefahren verknüpft ist. Erst in neuerer
Zeit ist man auf die Verwendung des Kaliumchlorats wieder zu—
rückgekommen, besonders seitdem dessen herstellung durch die Elek—
trolhse der Chloralkalien, die jetzt ein chemisches Großgewerbe
darstellt, sehr billig geworden ist. Es ist dabei notwendig, die
große Empfindlichkeit der Chloratsprengstoffe herabzumindern.
Im D. P. 95278 von A. v. Stubenrauch wird als geeignetes
Mischungsverhältnis für einen solchen angegeben: 80 Proz. Kalium⸗
chlorat, h —7, Proz. Teer, 12-14 Proz. Kohle, “ Proʒ.
Magnesium- oder Kalziumkarbonat. Die Anwendung von Kohlen⸗
wasferstoffen und besonders auch von fetten Olen, zur Umhüllung
des Chlorats in Chloratsprengstoffen, die sich allerdings vom
        <pb n="73" />
        Chloratsprengstoffe. — Petroklastit. 65

Typus des Schwarzpulvers weit entfernen, findet sich in vielen
Patentschriften. Gerühmt wird der von Street zusammengesetzte
Cheddit Grit. P.9970/ 1897), bestehend aus 8ô Teilen Kalium—
chlorat, 13 Mononitronaphtalin, 2 Dinitrotoluol, 5 Rizinusöl.
Nach Street's D. P. 100522 wird Kaliumchlorat (80 Proz.) mit
der Lösung eines Nitro- oder Azokörpers (3. B. 10 Proz. Azobenzol
oder Nitronaphtalin) in einem fetten Ol (10 Proz.) oder Mineralöl
mit oder ohne Zusatz von Kohle oder Kohlenhydraten zusammen—
geknetet. Nach D. P. 117051 wird der Lösung noch etwas Nitro⸗
glyzerin, Nitrozellulose oder Anilinpikrat hinzugefügt. Nach D. P.
118 102, werden als Lösungsmittel für die Nitro- usw. Verbin—
dungen Ole verwendet, welche vorher durch Erhitzen mit Schwefel
auf 140 — 1800 geschwefelt worden sind.
Bonnet (O. P. 124237) benutzt statt des Oles freie Fett⸗
säure. Ein solcher Sprengstoff besteht z. B. aus 80 Proz. Kalium⸗
hlorat, 8 Proz. meDinitrobenzol, 12 Proʒ. Stearinsäure.
Turpin's Pyrodialyt ist im wesentlichen ein Gemenge von
35 Proz. Kaliumchlorat und 15 Proz. harz (auch Teer ist ver⸗
wendbar). Zur Erzielung einer homogenen Mischung werden bei
der Verarbeitung 2 Proz. Alkohol zugesetzt.
Nach einem Bericht der franzsischen Sprengstoffkommission
ist die Sprengkraft dieser Mischungen im geschlossenen Raume,
wenn die des Schwarzpulvers — 100 gesetzt wird, 174 für Py⸗
rodialnt, 190 für die Streetschen Sprengstoffe. Der hohe Preis
des Chlorats steht ihrer Cinführung noch im Wege.
Brauchbare Schießpulver sollen nach D. P. 53 420 und 57732
von v. Brauk erhalten werden, indem man den Chloratkörnern
eine hülle von Karnaubawachs oder dgl. mit Zusatz von Traganth⸗
gummi gibt.
Statt Kaliumchlorat hat man auch das noch sauerstoffreichere
Ammoniumperchlorat NH*. CIO“, erhalten durch Umsetzung von
Nalzium⸗ oder Natriumperchlorat mit Ammonsalzen, als Basis
für Sprengstoffe empfohlen Gtreet, D. P. 94516, Miolati,
D. P. 103993, 112682).
Ein Schwarzpulver, bei welchem die Abänderung des Kohlen—
stoffträgers wesentlich ist, ist der Petroklastit der Westfälisch—
Anhaltischen Sprengstoff-Gesellschaft. Statt der Kohle wird
Steinkohlenpech benutzt. Auch harze und Fette, deren Schmelzpunkt
zwischen 30 und 2000 liegt, sind geeignet, ferner (D. P. 97401)
Cacke, Naphthalin u. dgl. Der Petroklaftit, bestehend aus 69 Proz.
Anus 286: Biedermann, Sprengstoffe.
        <pb n="74" />
        66 Drittes Kapitel: Technologie der einzelnen Sprengstoffe.

Natronsalpeter, 5 Proz. Kalisalpeter, 10 Proz. Schwefel, 15 Proz.
Steinkohlenpech, J Proz. Kaliumbichromat, ist gut widerstandsfähig
gegen Feuchtigkeit, entzündet sich erst bei 3500 (Sprengpulver bei
2400), gibt bessere Explosionsgase, ist unempfindlicher gegen Stoß
und Schlag und hat höhere Explosionskraft als Schwarzpulver. Er
wird durch eine Zündschnur zur Detonation gebracht, während
andere (nitroglyzerinhaltige) Sprengstoffe von ähnlicher Brisanz
einer Knallquecksilber-Sprengkapsel bedürfen.
Statt eines mechanischen Gemisches hat man auch chemische
schwefelhaltige Kohlenstoffverbindungen zur Sprengstoffverwen⸗
dung vorgeschlagen. Ein solcher Körper ist das ranthogensaure
246
Kalium, o/ b welches leicht durch Wechselwirkung zwi—
schen Schwefelkohlenstoff, Kalilauge und uthylalkohol zu erhalten
ist. Das Xanthatpulver von Schwarz besteht aus 68,49 Proʒ.
Naliumnitrat, 27,4 Proz. xanthogensaurem Kalium und 4,11Proz.
Kohle.

z. Sprengels Sprengstoffe.

An die Chloratsprengstoffe reiht sich eine Klasse der sog.
s5prengelschen Sprengstoffe, die deshalb hier erwähnt sein mö⸗
gen. Hermann Sprengel in London hat im Jahre 1873 eine
große Anzahl von Sprengstoffen angegeben, die zum Teil ganz
dedeutende Kraftwirkung zeigen, wenn sie mit Unallquecsilber ge⸗
—— die Sprengstoffe erst am
GHebrauchsorte herzustellen, so daß die an sich gefahrlosen Kom⸗
ponenten unbedenklich transportiert werden können. Es hat sich
indessen gezeigt, daß die Handhabung sehr unsicher ist, und daß
die kaum zu kontrollierende Mischung der Bestandteile durch Ar⸗
heiter in oder vor der Grube größere Gefahren in sich birgt, als
mnan vermeiden wollte. Diese Sprengstoffe sind daher zurzeit kaum
noch in Gebrauch.
sprengel hat zwei Arten seiner Sprengstoffe angegeben:
flüssige und feste. Bei den letzteren ist der Sauerstoffträger ein
fester Körper, im besonderen Kaliumchlorat. Dies wird, mit Wasser
angefeuchtet, zu einem Kuchen gepreßt, der an Ort und Stelle mit
einem flüssigen Kohlenwasserstoff oder nitrokohlenwasserstoff ge⸗
tränkt oder übergossen wird. Benutzt wurden Petroleum, Benzol,
Nitrobenzol und auch Schwefelkohlenstoff.
        <pb n="75" />
        Sprengels Sprengstoffe. — Nitroglyzerin. 67

Eine gewisse Berühmtheit hat das Rackarock erlangt, welches
zum Sprengen des hellgate-Selsens im hafen von New-Hork ver—
wendet wurde. Dieser Sprengstoff wurde aus Kaliumchlorat und
Nitrobenzol unter Zugabe von 12 bis 16 Proz. Pikrinsäure her⸗
gestellt.
Die flüssigen Sprengelschen Explosivmittel sind Mischungen
von Salpetersäure mit Nitrobenzol u. dgl., auch mit Pikrinsäure.
Auch derartige Gemische können, mit Knallquecksilber⸗Sprengkapsel
entzündet, bedeutende Kraftwirkung entfalten.
Obgleich die Sprengstoffe dieser Art im allgemeinen von der
Praxis zurückgewiesen worden sind, werden immer wieder der—
artige Mischungen komponiert. So von Hellhoff der hellhoffit
Galpetersäure — Binitrobenzoh), von Turpin die Panklastite.
zu letzterem soll verflüssigte Untersalpetersäure (Stickstoffdioxyd
NO9) verwendet werden im Gemisch mit Schwefelkohlenstoff, Pe—
troleumbenzin oder dgl.
Erwähnt sei hier noch, daß von Winand Grit. P. 26261/1907)
das Tetranitromethan C(NO) als Sauerstoffträger in Gemisch
mit Petroleum oder dgl. vorgeschlagen wird. Diefer Körper kri—
—A
ist in Wasser unlöslich. Um eine vollständige Verbrennung zu
erzielen, sind folgende Verhältnisse zu wählen: bei Verwendung
von Petroleum 1: 7, von Ruß 1:2,5, von Rohlenhydraten 1:2,
von Benzol 136,3, von Essigsäure 1: 2,2. Die schwierige Ge—
winnbarkeit solcher Körper steht ihrer Verwendung entgegen.

4. Nitroglyzerin, Sprengöl.

Das Nitroglyzerin ist keine Nitroverbindung, trägt seine Be—
zeichnung also zu Unrecht. Es ist vielmehr der Trisalpetersäure⸗
ester des dreiwertigen Alkohols Glyzerin. Wäre es eine Nitro—
verbindung (in welcher die Nitrogruppe NOs unmittelbar mit
einem Celtom verbunden sein würde), so würde bei der Behandlung
 mit Reduktionsmitteln die Nitrogruppe in die Amidogruppe
NH* übergeführt werden. Dies geschieht nicht, sondern es wird
dadurch, entsprechend seiner Esternatur (gemäß welcher die NO⸗
Gruppe an ein Sauerstoffatom und durch diefes an Kohlenstoff
gebunden ist) Glyzerin regeneriert, und durch Einwirkung von
fetzalkali entsteht Glyzerin und Alkalinitrat. Die Ronstitution des
Nitroglyzerins entspricht also folgender Formel:
        <pb n="76" />
        58 Drittes Kapitel: Technologie der einzelnen Sprengstoffe.
CH · OH
CH OH
CH· OH
Glyzerin

Außer diesem GElyzerin-Trisalpetersäureester oder, wie man ge—
mäß der sonst befolgten Nomenklatur der Glyzerinester sagen
muß, Trinitrin, sind auch Dinitrin (Dinitroglyzerin) und Mono⸗
nitrin (mononitroglyzerin) bekannt, beids Stoffe in je zwei iso—
meren Modifikationen.
CH. O. NO0- CH . O . Noꝰ CHꝰ . O · NO⸗
CEH ·. OH CH ONO CH. OH
CH . O. NOo chH · OH Chꝰ · OH CHẽ · OH
o⸗Dinitrin ß8⸗Dinitrin o⸗Mononitrin B.Mononitrin
Auch diese Stoffe sind neuerdings für die Swecke der Spreng⸗
stoffindustrie nutzbar gemacht worden.
Darstellung des Nitroglyzerins. Man erhält das Nitro—
glyzerin leicht, indem man reines Glyzerin in dünnem Strahle in
ein Gemisch von konzentrierter Salpetersäure und konzentrierter
Schwefelsäure einfließen läßt. Die Bildunq erfolgt nach der
Gleichung

CSHS(OB) 433NOS. OH CHO. NO)S 3HMO.
Bei der Reaktion wird, wie man sieht, Wasser gebildet. Dies
Wasser würde die Salpetersäure bald so verdünnen, daß sie nicht
mehr zur Esterbildung befähigt sein würde. Deshalb setzt man
eine hinreichende Menge konzentrierter Schwefelsäure zu, welche
dies Wasser bindet. Die „Nitriersäure“ besteht gewöhnlich aus
3 Teilen Salpetersäure und 6 Teilen Schwefelsäure (für 1 Teil
Glyzerin) oder 37,5 Teilen Salpetersäure von 1,5 spez. Gewicht
(48,10 B.) und 62,5 Teilen Schwefelsäure von 1,84 spez. Ge⸗
wicht (6069 B.). Die angegebene Bildungsgleichung verlangt für
100 Teile Glyzerin 205,7 Teile Salpetersäure; in der Praxis
nimmt man mehr, 270 bis 300 Teile und 450 bis 500 Teile
Schwefelsäure, damit auch nach erfolgter Bildung einer größeren
Menge Nitroglyzzerins sicher und schnell alles noch vorhandene
Glyzerin mit der Säure in Berührung komme. Man muß das
Glyzerin in das Säuregemisch einfließen lassen und nicht umge—
        <pb n="77" />
        Nitroglyzerin, Herstellung.

59

kehrt verfahren, weil die Dickflüssigkeit des Glyzerins in diesem
Falle die innige Vermischung verhindern würde.
Seitdem man nach dem Kontaktverfahren auf billige Weise
rauchende Schwefelsäure von beliebigem Gehalt an Schwefelsäure—
anhydrid (809) herzustellen vermag, hat man die englische
Schwefelsäure in der Nitriersäure mehr oder weniger durch an—
hyydridhaltige, durch sog. Oleum zu ersetzen versucht. Gewöhnlich
verwendet man das 20 Proz. 80 enthaltende Oleum. Man kann
dadurch unter Umständen das Volumen der Schweselsäure erheb—
lich verringern, d. h. die Menge Glyzerin und Salpetersäure ver—
mehren. Es ist wesentlich eine Preisfrage, ob es vorteilhaft ist,
Oleum zu verwenden. Jedoch ist dabei auch die Zusammensetzung
der entstehenden Abfallsäure zu berücksichtigen, die so beschäffen
sein muß, daß sie möglichst wenig von dem Nitrierprodukt auf—
löst und wegführt.
Die Bildungsgleichung ist exothermischer Art; es wird bei der
Reaktion eine Wärmemenge von 14,7 Kal. frei. Diese könnte,
wenn große Substanzmengen in Reaktion treten, die Temperatur
so erhöhen, daß Zersetzung, ja Explosion eintritt. Deshalb muß die
Wärme durch Kühlung abgeleitet werden, so daß die Temperatur
von 305, bei der sich rote Dämpfe entwickeln, nicht erreicht wird.
Die Rühlung erfolgt durch kaltes Wasser, welches Röhren im
Nitriergefäße durchfließt und dieses umgibt, oder, wie es jetzt
allgemein geschieht, durch Einführung gepreßter Luft, welche bei
ihrer Ausdehnung Wärme bindet. Diese von Mowbray (1868)
zuerst benutzte Art der Kühlung hat noch den großen Vorteil,
daß sie ein ausgezeichnetes Rührmittel für das Nitriergemisch bildet
und die Verwendung einer besonderen Rührvorrichtung entbehr⸗
lich macht. Auch werden dabei etwa entwickelte salpetrige Dämpfe
von der Luft fortgeführt, allerdings auch Salpetersäure, die da—
durch der Reaktion entzogen wird. R. Evers (D. P. 183 183)
verwendet deshalb keine Preßluft, sondern bewirkt die Mischung
der Komponenten durch eine Düse, welche durch die unter Drud
gesetzte Mischsäure betrieben wird. Bei richtiger Anpassung der
Düsengröße an die Leitungsfähigkeit des Apparates, gleichmäßigem
Zutritt der Komponenten soll sich die Nitrierung in ununterbro—
chenem Betriebe und sehr gleichmäßig vollziehen.
Ein gebräuchlicher Nitrierapparat (Sig. 5) besteht aus einem
Bleigefäß A, das in einem hölzernen Bottich B steht und mit abheb⸗
barem Deckel J, Luftzuführungsrohren C, Kühlschlangen D, Thermo—
        <pb n="78" />
        70 Drittes Kapitel: Technologie der einzelnen Sprengstoffe.

meter E und Einlaufrohren G für die Säure
und H für das Glyzerin ausgerüstet ist. Durch
die Laterne Jeist die Farbe der abziehenden
Gase zu beobachten. Der Boden des Gefäßes
ist schräg und an der tiefsten Stelle mit Ab—
—I
den Druckzylinder Meund wird durch den
Druck von durch Rohr O eintretender Preß⸗
—DD
des Gefäßes geführten, hier gewundenes und
mit feinen Löchern versehenes Kohr weiter
geführt. Das Glyzerin soll 20 bis 250
warm sein, damit es nicht zu dick—
lüssig ist. An
Wenn alles Glyzerin in die Nitrier⸗
säure eingetragen ist, so wird das Ge—
misch auf 200 gekühlt und in eine
Scheidevorrichtung abge—
lassen. hier trennt es sich
alsbald in eine untere
Schicht von Abfallsäure
(spez. Gew. etwa 1,7) und
eine leichtere obere Schicht
von Nitroglyzerin (pez.
Gew. 1,6).
Ein Scheideapparat
(Fig. 6) besteht aus einem
viereckigen Gefäße A von
Bleiblech mit nach unten
pyramidensörmig oder ko⸗
nisch zugespitztem Boden.
Der Deckel aus Glas oder
aus mit Fenstern versehe⸗
nen Bleiplatten C trägt
eine ins Freie führende
Abzugsröhre D, da sich
noch immer saure Gase in geringer Menge entwickeln. Ein Ther⸗
mometer K reicht bis in die Flüssigkeit. Von der untersten Spitze
geht das mit einer Beobachtungslaterne F und mehreren hähnen H
dersehene Abzugsrohr Geab. Un einer Wand des Apparates

Fig. 5.
        <pb n="79" />
        Nitrierapparate.

71

ist in geeigneter Höhe ein Glasfenster J angebracht, so daß man
die Trennung der Slüssigkeitsschichten beobachten kann. Ferner
befindet sich in der ungefähr bekannten Trennungslinie ein kleiner
hahn J aus Steinzeug (oder mehrere übereinander), mit welchem
man nach erfolgter Scheidung das überstehende Nitroglyzerin in
das Waschgefäß L ablassen kann. Auf man durch das Beob⸗
diese Weise wird vermieden, daß sich achtungsfenster ein
eine größere Menge Nitroglyzerin an— getrübtes Gemenge
sammeln kann, wodurch die Gefahr von niedrigen Nitro⸗
bei etwa eintretender stärkerer Er— körpern und Verun—
wärmung verringert wird. Man läßt reinigungen erschei⸗
sodann aus einem der nen sieht. Dies, sowie
unteren hähne die Abfall— das noch vorhandene
säure ab, die
nach dem Lo⸗
kale für die
zweite Schei⸗
dung läuft, bis

———

XNXX

Fig. 6.

Nitroglyzerin, wird durch einen tieferen hahn in Eimer abgelassen
und in die Waschgefäße gebracht.
Die Scheidung soll beschleunigt werden durch Zugabe von Paraffin
(0,5 bis 2 Proʒz. des Glyzerins) nach Brit. P. 13562/, 1904; nach
F. Reese Grit. P. 20 310/ 1905) durch Zusatz von 0,002 Proz.
Natriumfluorid.
Das Nitroglyzerin wird in Zylindern aus Bleiblech mit schrägem
Boden und zwei Ablaßhähnen, einem an der tiefsten Stelle für
        <pb n="80" />
        72 Drittes Kapitel: Technologie der einzelnen Sprengstoffe.

das Nitroglyzerin und einem in einer gewissen höhe für das Wasch⸗
wasser, wiederholt mit Wasser unter Luftrührung gewaschen. Da
der Unterschied der spezifischen Gewichte von Wasser und Nitro—
glyzerin (1,6) groß ist, so erfolgt die Scheidung nach jeder Waschung
sehr rasch. Um sicher alle Säure zu entfernen, wird mindestens
eine Waschung unter Zusatz von Sodalösung vorgenommen.
Das so gewaschene Nitroglyzerin enthält noch geringe Mengen von
Verunreinigungen, Spuren von Säure und besonders schleimige Stoffe,
zum Teil von der Soda herrührend. Es wird nochmals in Gefäßen
mit wirksamen Rührvorrichtungen gewaschen und sodann filtriert.
sAls Filtermaterial dient Flanell oder Schwamm oder auch Kochsalz,
welches das vorhandene Wasser absorbiert. Die Apparatentechnik
hat eine Anzahl von geeigneten Filtriervorrichtungen geschaffen.
Nachscheidung. Die bei der ersten Scheidung abfallende Säure
enthält geringe Mengen von Nitroglyzerin, von den löslicheren
Mono⸗ und Di⸗Salpetersäureestern des Glyzerins und von Glyzerin.
Bei längerem (14-tägigem) Stehen der Abfallsäure bildet sich in—
—
ehe man die Abfallsäure weiter verwenden kann. Dies geschieht
in den sog. Separatoren, großen Bleizylindern, die etwa 2000 kg
Abfallsäure aufnehmen. Sie sind mit Vorrichtungen zur Kühlung
und Suleitung von komprimierter Cuft ausgestattet und haben
einen konischen Deckel, der ein weites mit Ablaßhahn versehenes
Glasrohr trägt. In diesem sammelt sich das Nitroglyzerin an,
das jeden Tag abgelassen wird, worauf der Behälter wieder mit
Abfallsäure aufgefüllt wird, so daß die Flüssigkeit wieder bis in
das Glasrohr reicht. Dies wird so oft wiederholt, bis keine Ab—
scheidung von Nitroglyzerin mehr bemerkbar ist.
Nach dieser Behandlung hat die Abfallsäure eine Zusammen—
setzung von etwa 8 Proz. Salpetersäure, 73 Proz. Schwefelsäure und
19 Proz. Wasser. Sie wird zweckmäßig zum Denitrieren auf den
Gloverturm einer Schwefelsäurefabrik gegeben. Es sind aber auch
Verfahren und Anlagen zum Denitrieren der Abfallsäure bekannt
geworden, durch welche jede Säure für sich in möglichst reinem
Zustande gewonnen wird. (D. P. 182216, 180587).
In der englischen Sprengstoffabrik zu Waltham Abbey hat man
ein Verfahren ausgearbeitet (Brit. P. 135983/ 190 und 3050/1903),
nach welchem die Weiterbildung und Abscheidung von Nitroglyzerin
in der Abfallsäure ganz vermieden, die langwierige Nachscheidung
also überhaupt beseitigt wird. Es hat sich nämlich herausgestellt,
        <pb n="81" />
        Nitroglyzerin, Herstellung, Eigenschaften. 73

daß, wenn man der Abfallsäure eine kleine Menge Wasser zusetzt,
in letzterer auch nach langer Zeit keine Nitroglyzerinbildung ein⸗
tritt. Die Menge Wasser ist so gering (2Proz.) daß die Wiederkon—
zentration der Säure dadurch nicht beeinträchtigt wird. Man kann
die Säure ohne besondere Vorsichtsmaßregeln beliebig lange auf—
bewahren.
Die Waschwässer aus den verschiedenen Phasen der Fabrikation
können merkliche Mengen Nitroglyzerin mit sich fortführen. Die
von der Scheidung kommenden Waͤsser sind meistens sauer, die
von den endgültigen Waschungen kommenden alkalisch. Sie kommen
in lange ausgebleite Kästen, die durch Querwände in eine An—
zahl von Abteilungen geteilt sind. Die Querwände haben ab—
wechselnd oben und unten Offnungen, so daß das Wasser auf⸗
und absteigen muß und auf diesem Wege das Nitroglyzerin aus⸗
fallen muß. Dies wird von ZSeit zu Zeit durch einen hahn an
der tiefsten Stelle des mit schrägem Boden versehenen Gerinnes
abgelassen.
Da, wo es erforderlich ist, sind in der Nitroglyzerinfabrik
Sicherheitsbottiche angebracht, besonders in Verbindung mit
dem Nitrierapparate und der Scheidevorrichtung. Diese meist ver⸗
bleiten Bottiche müssen einen solchen Fassungsraum haben, daß
bei halber Füllung mit Wasser die Menge des letzteren mindestens
der zehnfachen Menge der zu ersäufenden Charge entspricht. Wenn
beim Nitrieren usw. unter Crwärmung und Entwickelung alpetriger
Dämpfe der Beginn einer gefährlichen Zersetzung sich bemerkbar
macht, so muß die Charge sogleich in den grofsen Wasserüberschuß
abgelassen werden.
Eigenschaften. Das Nitroglyzerin ist eine bei gewöhnlicher
Temperatur ölige Slüssigkeit von gelblicher Färbung, ohne Geruch
und von süßlichem Geschmack. Es ist giftig und greift die Schleim—
häute an. Die Dämpfe erzeugen, eingeatmet, Kopfweh und Schwin⸗
del. Es ist fast unlöslich in Wasser; bei gewöhnlicher Temperatur
löst dieses nur 0,003 Proz. Leichter löst es sich in Alkohol, üther, Me—
thylalkohol, Azeton, Benzol, Chloroform. Sein spezifisches Gewicht
ist 136, in gefrornem Zustande 1,735. Bei dauernder Einwirkung
einer Temperatur von 700 verdampft es langsam, nach Gutt—
mann auch schon unter dieser Temperatur. Bei 1050 entwickelt
es rote Dämpfe und bei 2170 tritt Explosion ein. Bei 4 80 ge—
friert es zu langen Kristallen und taut erst bei 110 wieder auf. Es
zeigt indessen in hohem Maße die Eigenschaft der Unterkühlung,
        <pb n="82" />
        70 Drittes Rapitel: Technologie der einzelnen Sprengstoffe.

d. h. es bleibt noch flüssig auch erheblich unterhalb des Gefrier—
punktes und wird dann durch die ganze Masse fest, sowie ein
Nitroglyzerinkriställchen hineingeworfen wird. Nauckhoff!) hat
die Schmelztemperatur des reinen Nitroglyzerins zu 12 bis 12,40,
die des technischen zu 10,4 bis 10,50 festgestellt. Es ist sehr emp⸗
findlich gegen Stoß und Schlag. Nach Will tritt durch einen Fall⸗
hammer von 2Kg Gewicht Detonation bei 4 em FSallhöhe ein.
Durch eine Flamme, z. B. die eines brennenden Zündholzes, wird
das Nitroglyzerin nur schwierig entzündet. In kleinen Mengen
brennt es ruhig ab. Kann sich aber die dabei entwickelte Wärme
ansammeln, so daß die Temperatur bis 1800 steigt, so explodiert
es mit größter heftigkeit, ebenso durch Schlag und Stoß oder
durch die Explosion eines Knallquecksilberzünders. Wird ein Tropfen
Nitroglyzerin auf Filtrierpapier gebracht und ein Hammerschlag
auf dieses ausgeübt, so detoniert es mit lautem Knall. Gefrorenes
Nitroglyzerin soll gegen Schlag weniger empfinolich sein als flüssiges;
es ist jedoch nicht ausgeschlossen, daß die durch Sertrümmern der
Kriftalle frei werdende Wärme die Sersetzung einleiten kann.
Die Zersetzung des Nitroglyzerins erfolgt nach der Gleichung:
2 CSN(.NOVSG COCS 5SHBOSBRNSO.

Es wird also der Vohlenstoff und Wasserstoff vollständig zu
Kohlensäure und Wasser verbrannt, ja es bleibt noch 4 Mol.
Sauerstoff übrig (im Gegensatz zu Schwarzpulver, Schießbaum—
wolle u. a.). Prozentisch ausgedrückt, entstehen 58,2 Proz. Kohlen⸗
säure, 19,8 Wasser, 18,5 Stickstoff, 3,5 Sauerstoff.
Die Gleichung zeigt ferner, daß dabei 6 45 3414,5 Mol.
gasförmiger Körper entstehen. Da das in Gramm ausgedrückte Mol.
Gew. eines Gases bei 760 mm Druck und 09 den Raum von
22,32 1, bei 150 den von 23,551 einnimmt, so ergibt sich, daß
2 Grammmoleküle Nitroglyzerin (also 454,3 g) eine Gasmenge
liefern, die bei 139den Raum von 14,65 23,55 341,475 1 ein⸗
nimmt. 1 kg gibt also 1070. 311, 175 — 75151 Gase bei 150
oder 712,861 bei 0Ob. hierbei ist das Wasser immer als dampf—
förmig gedacht. Berücksichtigt man nur die Gase nach Verflüssi⸗
gung des Wassers, so ergibt sich für 1k8 467 1 Gase. Für die
Erplosionstemperatur (t), die bei der Cxplosion im eigenen Volumen
entwickelte Wärmemenge (O), die Arbeitsfähigkeit (A), den Gas—
sJ 3. andew. Ch. 1905. 16.
        <pb n="83" />
        Sersetzung. — Dinitroglyzerin.

75

druck (f), das Uovolumen (o), erhält man, gemäß dem früher
Mitgeteilten, außerdem

712,861. A624673 mkg,
t31536, 9281 k8,
O 1469,8 Kal. 0,712811.
In neuerer Seit ist auch das Dinitroglyzerin, der Disalb
petersäureester des Glyzerins, CH(OM) (ONOD),, in den Bereich
 der Sprengstofftechnik gezogen worden. Seine Sprengkraft
ist allerdings erheblich geringer als die des Trinitroglyzerins,
aber es ist ein gutes Mittel, um die Gefrierbarkeit des Spreng⸗
öls herabzusetzen, ohne die Sprengkraft zu sehr zu beeinträchtigen.
Ein Dinitroglyzerin ist zuerst von Liecke beschrieben worden.) Er
hat es dargestellt, indem er 1 Volumen Glyzerin bei 009 in ein
Gemisch von J Volumen Salpetersäure (von 1,4 spez. Gew.) und
2 Vol. konz. Schwefelsäure eintropfen ließ und das Ganze mit
Wasser versetzte. Die dabei entstandene Abscheidung kann kein
reines Dinitroglyzerin gewesen sein.
Neuerdings hat Mikolajczak Dinitroglyzerin dargestellt.?) Nach
seinem Verfahren läßt man in 10 Gewichtsteilen Glyzerin unter
Abkühlung 33 Gewtle. Salpetersäure (von 1,50 spez. Gew.)
einfließen. Das Produkt enthält wesentlich lösliches Mononitro—
glyzerin. Dies ist nach mehrstündigem Stehen der Mischung in
das Dinitrat umgewandelt. Man setzt dann 10 Gewtle. kaltes
Wasser zu (nicht mehr, weil sonst das Dinitroglyzerin mehr oder
weniger gelöst bleibt) und neutralisiert die Salpetersäure mit
kohlensaurem Kalk oder dgl., wobei das Dinitroglyzerin sich als
obere Schicht abscheidet. Nach Will kann bei dieser Art der
Nitrierung selbst bei Od leicht ein Abbrennen der Masse eintreten.
Besser ist es, das Glyzerin in die Salpetersäure oder in die
Nitriersäure eintropfen zu lassen. Nach D. P. 81385 und 175731
der Zentralstelle für Wissenschaftl. technische Untersuchungen ver—⸗
wendet man zur Nitrierung von 100 g Glyzerin 500 g einer
Nitriersäure, welche in 100 Teilen 9 Teile Wasser sowie Schwefel—
säure und Salpetersäure im Verhältnis 3 zu 1 enthält. Die
Mischung wird unter Luftrührung vorgenommen, wobei eine
Steigerung der Temperatur über 200 zu vermeiden ist. Das Re⸗
aktionsprodukt wird in die 10 fache Menge Wasser gegossen, ge⸗
1) Mitt. hannov. Gewerbe-Ver. 1865, 214.
2) Glückauf, 1904. 629.
        <pb n="84" />
        76 Drittes Kapitel: Technologie der einzelnen Sprengstoffe.

ringe Mengen von abgeschiedenem Trinitroglyzerin werden ent⸗
fernt, und die Lösung wird mit Kther ausgeschüttelt. Die äthe—⸗
rische Lösung wird mit Sodalösung neutralisiert, und nach Tren—
nung von der Salzlösung wird der äther abdestilliert und das
zurückbleibende Dinitroglyzerin über Schwefelsäure getrocknet.
Man kaun das Dinitral auch bequem aus Trinitroglyzerin er—
halten, wenn man dieses in Schwefelsäure löst und die Lösung
mit Wasser verdünnt.
Genaue Angaben über Natur und Beschaffenheit des Dinitro⸗
glyzerins sind von W. Will mitgeteilt worden.) Das in der an⸗
gegebenen Weise erhaltene Produkt ist ein nahezu farbloses Ol
von 1,47 spez. Gew. bei 1503; es erstarrt erst unterhalb — 380.
In Wasser von 150 löst es sich zu 8 Proz. Verdünnte Schwefel⸗
säure löft es auf, stärkere (z. B. 70!proz.) spaltet daraus Salpeter⸗
säurereste ab, so daß erst Mononitroglyzerin, dann Glyzerin ent⸗
steht. Im Gegensatz zum Trinitrat ist das Dinitrat hygroskopisch,
indem es aus der Luft bis 3 Proz. Wasser aufnimmt. Trocken hat
es hervorragendes Gelatinierungsvermögen für Nitrozellulose.
Die Theorie läßt zwei isomere Formen für das Dinitrat des
Glyzerins voraussehen, welche durch die Formelbilder K und F
ausgedrückt werden.
C . O.NO* CN. O-.NO*
CH. O CH. O. NO?
CH . O· Hoꝰ CH . OH
(K) P)

Beide isomere Körper entstehen bei der beschriebenen Nitrie⸗
rung des Glyzerins. Man kann sie voneinander trennen, indem
man das rohe Dinitroglyzerin, welches 3 Proz. Wasser erhält, mit
Nieselgur vermischt und Temperaturen von Oð bis — 200 aus⸗
setzt. Es tritt dann Kristallisation ein. Bringt man nun einen
soichen Kristall in Dinitroglyzerin, so kristallissert ein großer Teil
aus (K), von welchem der flüssig gebliebene Anteil (F) durch Eb⸗
saugen getrennt wird.
Das Dinitroglyzerin (K) bildet Prismen vom Schmelzp. 26093;
sie sind in Wasser leicht löslich, auch in Benzol. Die Verbindung ent⸗
hält Kristallwasser, entsprechend der Formel 3 CMSOMN? HEO;

1P Ber. D. chem. Ges. 1908. 1107
        <pb n="85" />
        Dinitro⸗ und Mononitroglyzerin. 77

dies geht fort durch Trocknen an der Luft oder über Schwefel—
säure bei 400. Wasserfrei ist (K) ein Ol, das bei — 400 fest wird
und das spez. Gew. 1,47 (159 hat.
Das flüssige Dinitroglyzerin (F) verliert, wie (K), beim Trocknen
im Exsikkator etwa 3 Proz. Wasser und hat dann ölige Ronsistenz.
Wie das Trinitroglyzerin ist das Dinitroglyzerin in seinen bei—
den Formen sehr empfindlich gegen Stoß und Schlag, besonders
wenn es wasserfrei ist. Fallhammerversuche, bei denen das Fall—
gewicht 2 kg betrug, ergaben das folgende.
Trinitroglyzerin detonierte bei 4 em FSallhöhe
Dinitroglyzerin (K) trocken F 7210 F
Dinitroglyzerinhydrat () „90-100
Dinitroglyzerin (P) trocken 4— 10 ,
Dinitroglyzerinhydrat (F) 40. *

14

fuch Mononitroglyzerin ist von Mikolajczak, sowie von Will
dargestellt worden. Letzterer hat auch diesen Stoff in den beiden
theoretisch möglichen Modifikationen erhalten, indem die Mutter—
laugen von der Gewinnung des Dinitroglyzerins in ähnlicher Weise
wie dort mit Kristallen geimpft wurden, die durch Versetzen eines
Teiles mit Kieselgur und Einwirkung von Rälte erhalten worden
waren.
Das o-Mononitroglyzerin

-0. No⸗
c —
20

schmilzt bei 580. Es entsteht auch aus dem Mononitroglyzid
CH. ONO?

ch
229

cu

welcher Körper durch Behandlung eines Dinitroglyzerins mit Alkali
erhalten wird.
Die Mutterlauge von der Kristallisation des as liefert das ß—
Mononitroglyzerin
CH· OH
CH . ONOs

Cpe. op
        <pb n="86" />
        78 Drittes Kapitel: Technologie der einzelnen Sprengstoffe.

vom Schmelzpunkt 540. Dieses liefert bei vorsichtiger Nitrierung
das Dinitroglyzerin F, die o-Derbindung dagegen die beiden Dini⸗
trate F und K, ein Verhalten, welches der Vonstitution der Nitrate
E und K entspricht. Beide Mononitrate sind nicht explosiv.
Die Wirksamkeit der Dinitrate als Mittel, um die Gefrierbar—
keit des Trinitroglyzerins zu verhindern, ist nicht einwandfrei. In
wasserfreiem Zustande bleiben sie allerdings bei niedrigen Winter—
temperaturen flüssig. Sie ziehen aber aus der Luft Wasser an,
und die Hydrate kristallisieren verhältnismäßig leicht. Ihre Stoß⸗
empfindlichkeit ist, wenn auch geringer als die des Trinitro—
glyzerins, doch nicht unbeträchtlich.
Als wirksames, selbst noch sprengkräftiges Mittel zur Verminde—
rung der Gefrierfähigkeit von Nitroglyzerinsprengstoffen hat sich das
Monochlordinitroglyzerin bewährt. Nach D. P. 180 668 der
Deutschen Sprengst. Akt.“Ges. Alfr. Nobel wird Glyzerin mit
Salzsäure in Monochlorhydrin CꝰHꝰ. ClI(OM)* übergeführt, wel—⸗
ches beim Nitrieren ein Gemisch von Dinitrochlorhydrin und Tri⸗
nitroglyzerin liefert.
Das Dinitrochlorhydrin, eine gelbliche in Wasser unlösliche
Flüssigkeit, siedet bei 190 bis 1930 unter geringer Sersetzung,
unter Druck von 15 mmbei 1220 unzersetzt. Es ist sehr unemp⸗
findlich gegen Stoß und Schlag, detoniert durch Initialzündung
mittels Rnallquecksilber. Es wird bei — 300 noch nicht fest. Wert⸗
voll ist seine Eigenschaft, wie Trinitroglyzerin, Nitrozellulose auf⸗
zulösen und damit eine Sprengstoffgelatine zu bilden. Mit Tri—
nitroglyzerin mischt es sich in jedem Verhältnis. Nach D. P. 183400
der D. Sprengst. Akt.Ges. ist die Gefrierbarkeit eines Spreng—
öls, welches aus Nitroglyzerin mit 5 bis 20 Proz. Chlordinitro⸗
glyzerin besteht, praktisch aufgehoben, ohne dak die Brisanz merk⸗
lich geringer geworden ist.
Aus Monoazetin, CP(OH)? O. C2HSO, und Monoformin,
CHC(OMO. CHO, hat Vender durch vorsichtige Nitrierung
Nitroprodukte erhalten, welche ähnliche Eigenschaften wie Nitro—
hlorhydrin zeigen.
Durch Erhitzung mit konz. Schwefelsäure auf 130 bis 1609
(Wohl, D. P. 58957) oder durch einfaches Erhitzen auf 2950
(will und Stöhrer) wird GElyzerin zu Diglyzerin

Brit. P. 21117, 1907, 3. Schieß- u. Sprengstoffwesen, 2.21.
2) 3. Schieß- und Sprengstoffwesen. 1.231.
        <pb n="87" />
        Glyzerinderivate. Schießbaumwolle. 79

C(O)
20
CHꝰ( OM
polymerisiert. Dieses, eine wasserlösliche Flüssigkeit vom Siede—
punktt 240 bis 2500 bei 8 mm Druck, läßt sich leicht zu Tetra—
nitrodiglyzerin nitrieren, welches in seinem Verhalten die
größte Ahnlichkeit mit Trinitroglyzerin zeigt, aber auch bei sehr
niedriger Temperatur flüssig bleibt. Durch Nitrieren eines Ge—
misches von 75 bis 80 Proz. Glyzerin mit 10 bis 25 Proz. Di—
glyzerin erhält man praktisch ungefrierbare Nitrokörper.
J. E. STehmann Grit. P. 21117, 1907) empfiehlt, Glyzerin,
welches mit Wasser verdünnt ist, mit Chlorwasserstoffgas zu
sättigen, die gleiche Menge reines Glyzerin hinzufügen und die
Masse am Rückflußkühler auf etwa 1100 zu erhitzen. Es bilden
sich dann Die und Tri⸗Glyzerine und die Chlorhydrine des Glyzerins
und dieser kondensierten Glyzerine. Dies Gemisch, in bekannter
Weise nitriert, gibt Sprengöle, welche sich durch schwere Gefrier⸗
barkeit auszeichnen. Nach Brit. P. 21116, 1907 von Lehmann
wird Glyzerindischwefelsaͤure nitrirt. Nach Abstumpfung der Säuren
mit Kalk wird das Reaktionsprodukt mit Ather extrahiert. Das
erhaltene Ol ist gegen Stoß und Schlag unempfindlicher als Nitro⸗
glyzerin, gelatiniert Kollodiumwolle gut und erstarrt erst bei —240.
5. Schießbaumwolle.
Die Sellulose vermag wie andere Kohlenhydrate mit Säuren
Ester zu bilden. Technisch finden besonders die Salpetersäure- und
die Cssigsäureester Perwendunq. Zu den ersteren gehört die Schieß⸗
baumwolle.
Die Molekulargröße der Zellulose (CHoOꝰ) ist nicht bekannt.
Wenn man sie, wie es in der Sprengstoffchemie meistens geschieht,
durch die Formel Ci⸗æoOso qusdrückt, so existieren nach Eder
fünf Salpetersäureester mit 2 bis 6 Säureresten.
Vieille, der die Formel verdoppelt, also Cοο?o schreibt, hat
acht Stufen von Nitrozellulose mit 9 bis 16 Säureresten dargestellt.
Von Bedeutung sind besonders das Tetra- und das hexanitrat
der Sellulose CIHo, also Tetranitroʒellulose CMIOG(ONO)
mit 11,11 Proz. N, hexanitrozellulose CH(ONO)é mit
14,14 Proz. N. Die Tetra- und ebenso die Tri⸗- und Dinitrozellu—
lose ist in einem Gemisch von üther und Alkohol löslich. Diese
Lösung bildet das sog. Kollodium. Auch in HRzeton sowie in Nitro—
        <pb n="88" />
        80 Drittes Kapitel: Technologie der einzelnen Sprengstoffe.

glyzerin ist die Kollodiumwolle löslich. Die in ätheralkohol un—
lösliche Hexanitrozellulose bildet die Schießbaumwoile.
Der hauptsächlichste Zelluloserohstoff ist noch immer die gerei—
nigte Baumwolle. holzzellulose, die ja in großer Menge herge—
stellt wird, ist nach der erforderlichen, sehr sorgfältigen RKeinigung
zu teuer. Die Baumwolle wird mit Sodalauge entfettet und weiter
gereinigt, sodann auf Keißwölfen zerfasert, zerschnitten und bei
etwa 1000 getrocknet.
Die verschiedenen handelssorten der Baumwolle verhalten sich
nach Versuchen von Lunge und Bebieh beim Nitrieren nicht we⸗
sentlich verschieden voneinander. Croß, Bevan und Jenkins?)
haben ein verschiedenes Verhalten für gebleichte und ungebleichte
Baumwolle festgestellt. Von Cinfluß ist auch die mechanische Ver⸗
arbeitung der Baumwolle. Die viel gebrauchten Spinnereiabfälle
verhalten sich anders als rohe Baumwolle. Nach C. Vignon9
entstehen durch die Behandlung, welche die Baumwolle bis zur
Spinnfähigkeit erfährt, Derivate der Sellulose, nämlich Oxy⸗ und
hydrozellulose. Jene liefert unbeständige Nitrokörper, diese zeigt
eine größere Nitriergeschwindigkeit als unveränderte Zellulose.
Die hydrozellulose wurde von Girard9 durch Behandeln
von Baumwolle mit mäßig starker Schwefelsäure oder mit feuchtem
Salzsäuregas dargestellt. Es findet dabei Wasseraufnahme statt,
so daß aus CHο:o ein Kohlenhydrat CiHS0 wird. Durch
Einwirkung von Wasserstoffsuperoxyd auf Zellulose hat Wolf—
fenstein eine „hydralzellulose“ von aldehydischem Charakter und
eine säureartige „Azidzellulose“ erhalten, welche verschieden von
der Girardschen Hydrozellulose sind.
Die Hydrozellulose ist eine leicht zerreibliche Masse. Auf ihrer
Bildung beruht der Zerfall des Papiers, welches längere Zeit der
Einwirkung von Säuredämpfen ausgesetzt wird. Sie läßt sich durch
Salpetersäure leicht nitrieren, und es ist nicht zweifelhaft, daß in
der gewöhnlichen Nitrozellulose Nitrohndrozellulosen enthalten sind.
Nach Wolffenstein sind sämtliche Nitrozellulosen als Nitrohndro⸗
zellulosen aufzufassen; der nitrierenden Wirkung der Salpeter⸗
säure würde also eine hydrolysierende vorausgegangen sein.
R.Sthamer (D. P. 123 121) will sogar zunächst direkt Hy⸗
drozellulose darstellen und diese dann mit Salpetersäure nitrieren.
Er sättigt Essigsäure mit Chlor und trägt in die auf 65 bis 700
1I) —schr. angew. Chem. 1903, 197. 2) J. Soc. Chem. Ind. 1900, 318.
3) Compt. rend. 1898 u. 1000. 4) Ann. chim phys. (5) 24, 337.
        <pb n="89" />
        Zellulose. Nitrozellulose. 81

erwärmte Flüssigkeit Zellulose ein, wobei die Temperatur nicht
über 700 steigen darf. Es entsteht ein dünner Brei, der zentri⸗—
fugiert, ausgewaschen und bei 700 getrocknet wird. Man kann
auch Salzsäure verwenden, in die man bei gegen 700 Zellulose
und zugleich geringe Mengen Kaliumchlorat einträgt. Diese Hy⸗
drozellulose, besonders die mit Chlor und Essigsäure hergestellte,
löst sich leicht mit rauchender Salpetersäure und gibt ein sehr
gleichmäßiges Nitrat.
Oxyzellulose entsteht ebenfalls durch Cinwirkung vieler Oxy⸗
dationsmittel auf Sellulose. Tollens und v. Faber) bezeichnen
als Zellorin den Körper, welcher 1 Atom Sauerstoff mehr ent—
hält als Sellulose CHioOs, also CHioOs Je nach dem Grade der
Orydation sollen die Oxyzellulosen dann Verbindungen von1
bis 4 Molekülen Sellulose mit 1 Mol. Zelloxin sein. Nach
Vignon entsteht die Oxyzellulose (CoHOOS)sS. CHVIOOS durch Erhitzen
 von 30 g Baumwolle mit 31 Wasser, 150 g Kaliumchlorat
und 125 ebem konz. Salzsäure. Er hält sämtliche Nitrozellu—
losen für Nitrooxyzellulosen. Nach Lunge?) entstehen dagegen
bei Anwendung konzentrierter Säuren zur Nitrierung von Zellu—
lose keine Oxyzellulosen. Guttmann ist der Ansicht, daß, je mehr
Oxyzellulose aus der Baumwolle vor dem Nitrieren gebildet wird,
um so unstabiler die in der Nitrozellulose enthaltenen Körper sind.
Man kommt beim Nitrieren von Zellulose nicht über eine
Schießwolle von 13,8 Proz. Stickstoffgehalt hinaus, oder — wenn
man dabei geringe Mengen von nicht oder niedrig nitrierter Zellu—
lose in Abzug bringt — nicht über 14,14 Proz. N. Dieses Produkt
entspricht der Formel CMSOBM)(ONO)‘. Man sieht, in diesem
Körper sind noch 4 Hndroxylgruppen enthalten, welche nicht este—
rifiziert sind. Warum nicht? Einleuchtend ist die Erklärung von
Croß und Bevand, welche annehmen, daß beim Nitrieren ein
gemischter Schwefelsäure-Salpetersäureester entsteht. Dieser würde
dann beim KAuswaschen mit Wasser die Schwefelsäurereste gegen
Wasserstoff austauschen, eine Erscheinung, die nicht gerade selten
ist. Es ist indessen zu berücksichtigen, daß bei den vorbereitenden
ODperationen, denen die Baumwolle unterzogen wird, der Behand⸗
lung mit Natronlauge, Chlorkalk und verdünnten Säuren, zweifel⸗

1) Ber. D. chem. Ges. 1899, 2589.
2) Zeitschr. angew. Chem. 1901, 510.
3) Ber. D. chem. Ges. 35, 2496.
Anuc 286: Biedermann. Sprenastoffe.
        <pb n="90" />
        82 Drittes Kapitel: Technologie der einzelnen Sprengstoffe.

los die Gelegenheit zur Merzerisierung und zur Bildung von
hydro⸗ und Oxyzellulose gegeben ist.
Schwalbe gibt der merzerisierten Baumwolle oder Hydrat⸗
zellulose die Formel CMο:o. HaO, der hydrozellulose 6 CHloO
H?O, während nach Nastukoff?) die Ortzellulose 406H100
4CHoos ist. Da nach Schwalbe die hydro⸗ und Orxyzellulose
ein weit stärkeres Reduktionsvermögen gegen Fehlin gsche Kupfer—
lösung zeigen als Zellulose selbst, so kann die Ermittlung der
Kupferzahl“ Schlüsse auf ihre Anwesenheit in der Rohbaumwolle
zu ziehen erlauben. Wie eine solche Verschiedenheit aber in den
itrierungsprodukten zu Tage tritt, ist noch nicht genügend er⸗
mittelt worden.
Die Nitriersäure besteht aus einem Gemisch von 1 Teil Sal⸗
petersäure und 3 Teilen Schwefelsäure, beide von höchster Kon—
zentration. Die Schwefelsäure dient auch hier, wie bei der Spreng⸗
ölherstellung, zur Aufnahme des bei der Nitrierung frei werden⸗
den Wassers.
Für die Nitrierung verwendet man bei weitem mehr Säure,
als theoretisch erforderlich sein würde, die 59-fache Menge vom
Gewichte der Baumwolle und noch mehr. Da die Baumwolle
außerordentlich voluminös ist, so ist sehr viel Säure nötig, um
sie vollständig mit dieser zu durchdringen und zu bedecken. Die
Nitrierung erfolgt in eisernen, tönernen oder Bleigefäßen oder in
besonderen Nitrierapparaten, neuerdings in Nitrierzentrifugen aus
Steinzeug. Man muß dabei für Kühlung des Apparates und Ab⸗
zug der entwickelten Gase Sorge tragen. Viel gebraucht wird die
Nitrierzentrifuge der Firma Selwig und Lange (D. P. 64447),
eine Kombination des Nitrierapparats mit einer Zentrifuge. Die
Nitrierung erfordert eine längere, etwa halbstündige Berührung
der Baumwolle mit der Säure, worauf nach Ablassen der Säure
die überschüssige Säure in der Sentrifuge abgeschleudert wird.
Die Firma Vereinigte Thonwarenwerke in Charlottenburg
verfertigt Nitrierzentrifugen, in welcher alle mit Säure in Berüh—
rung kommende Teile aus Ton bestehen.
Man hat auch das Vakuum bei Nitrierapparaten verwendet
(D. P. 74 736 der Firma Nobel in Wien), um die Luft aus den
Baumwollfasern zu entfernen, wodurch natürlich die Säure rascher
und vollständiger in die Baumwolle eindringt. Die Herstellung

1) Ber. D. chem. Ges. 40, 4525.
2) Ber. D. chem. Ges. 33, 2237.
        <pb n="91" />
        schießbaumwolle.

33

der säurefesten, ein hohes Vakuum ertragenden Apparatur macht
indessen Schwierigkeiten.
Nachdem die nitrierte Baumwolle in der Säurezentrifuge von
dem größten Teile der Säure befreit worden ist, wird sie in
Waschmaschinen, die nach Art des Papier-Holländers gebaut sind,
mit Wasser ausgewaschen und wiederum ausgeschleudert.
Darauf wird sie noch mit Wasser oder sehr verdünnter Soda⸗
lösung gekocht. Da aber die röhrenförmige Elementarfaser der
Baumwolle immer noch Spuren von Säure enthalten kann, welche
die haltbarkeit des Produkts beeinträchtigt, sogar eine gefährliche
Sselbstzersetzung herbeiführen kann, so wird die Schießbaumwolle
nach Fred. Abel's Angabe im holländer zu Pülpe zerkleinert
und gewaschen, worauf sie in der Wasserzentrifuge ausgeschleudert
wird. Kleine Knötchen, die sich in der Pülpe noch finden können,
werden dadurch entfernt, daß man den Brei Schüttelsiebe passieren
läßt.
Die zerkleinerte Schießbaumwolle wird dann wiederum einer
andauernden Kochung mit Wasser unterzogen. Dies Kochen wirkt
sehr günstig auf die haltbarkeit der Schießbaumwolle. Wie es
scheint, werden gewisse, zersetzbare Anteile der Nitrozellulosen da—
durch in wasserlösliche Derbindungen übergeführt und entfernt,
während die eigentliche Schießwolle nicht verändert wird. Willi)
hat gezeigt, daß die Nitrozellulosen je nach der Zusammensetzung
der verwendeten Nitriersäure einer verschiedenen Kochdauer be—
dürfen, um den höchsten Grad der Stabilisierung zu erreichen.
Mit wachsender Vochdauer nimmt die Geschwindigkeit der Ab—
spaltung von Stickstoff beim Erhitzen auf 1350 ab, ebenso ent⸗
sprechend dem zunehmenden Wassergehalt der Nitriersäure. Die
Abscheidung von Stickstoff wird beschleunigt durch Vermehrung
der Schwefelsäure in der Nitriersäure. Es wird ein Grenzzustand
erreicht, in welchem weiteres Kochen keine Verringerung der Stickstoffabspaltung
 mehr zur Folge hat.
Im D. P. 133954 von O. R. Schulz wird das Kochen unter
Anwendung von einem Überdruck von etwa 3 Atmosphären, ent⸗
sprechend einer Temperatur von 1350, empfohlen.
Die gekochte Schießbaumwolle wird dann in einem Waschhol—⸗
länder ausgewaschen und zentrifugiert, wodurch das Wasser bis
auf etwa 30 Proz. entfernt wird. Von diesem Keft Wasser wird sie

) Ber. 1904, 289; Mitteilungen aus der Zentralstelle für wissen—⸗
schaftlich technische Untersuchungen, Heft 2 und 3.

c v
        <pb n="92" />
        84 Drittes Kapitel: Technologie der einzelnen Sprengstoffe.

durch Verdunsten und Pressen, sowie durch Trocknen in besonderen
Vakuumtrockenschränken befreit.
Man hat versucht, das langwierige Verfahren des Mahlens im
holländer und den Rochprozeß ganz auszuschalten, indem man
die Sellulose bei niedriger Cemperatur (2 bis 39 so lange mit
konzentrierter Schwefelsäure (5 Teile auf 1TIl. Zellulose) behandelt,
bis sie gelöft oder vielmehr desaggregiert ist, und sie in diesem
Zustand mit der theoretischen Menge Salpetersäure (2 Teile) ni—
triert (O. P. 198284 der Patronenfabrik Saxonia). Man
erhält durch Eingießen in Wasser ein strukturloses Nitroprodukt,
das aber in Atheralkohol löslich ist und nicht den Nitrierungsgrad
der Schießbaumwolle zeigt.
Das aus den Nitrierzentrifugen abgeschleuderte Säuregemisch
hat bei dem Nitriervorgang so viel Wasser aufgenommen, daß es
zu erneuter Verwendung nicht ohne weiteres geeignet ist. Seine
Zusammensetzung ist etwa 70 Proz. Schwefelsäure, 10 Proz. Sal⸗
petersäure, 20 Proz. Wasser. Es würde aber zu kostspielig sein, für
jeden neuen Posten Baumwolle neues Säuregemisch herzustellen,
zumal es in so großem Überschuß verwendet werden muß. Man
sucht deshalb eine Wiederbelebung oder Kevivifikation der Ab⸗
fallsäure auszuführen. Man füllt den Betrag der von der Schieß—
baumwolle zurückgehaltenen Säure frisch nach, oder, was besser
ist, man entfernt ein PDiertel des gesamten Säurequantums und
ersetzt dies durch frisches konzentriertes Säuregemisch. Immerhin
ist eine gewisse Verdünnung bei jeder neuen Nitrierung nicht zu
vermeiden, und die Folge ist, daß das Produkt jeder neuen Ope—
ration weniger Stickstoff enthält. Um eine Schießbaumwolle von
gleichmäßiger Beschaffenheit zu erhalten, muß man deshalb die
Produkte der verschiedenen Operationen miteinander vermischen
und, entsprechend dem analytischen Befunde, nach einer gewissen
finzahl von Operationen die Abfallsäure nicht mehr verwenden.
Mit Vorteil verwendet man zum Auffrischen der Säure rauchende
Schwefelfäure von 20 Proz. SOs-Gehalt; dadurch wird der Über—
schuß an Abfallsäure erheblich vermindert.
In den Denitrifikatoren wird eine Trennung der Salpeter⸗
säure von der Schwefelsäure ausgeführt. Etwa 4 m hohe, mit
säurefesten Steinen ausgekleidete Sylinder enthalten Bimsstein,
Kugeln, Platten oder dgl. Verteilungsvorrichtungen, über welche
die Rohsäure herabrieselt, während unten Luft und Wasserdampf
eingeblasen werden. Diese führen die Salpetersäure in eine Vor—
        <pb n="93" />
        Abfallsäure. Komprimierte Schießbaumwolle. 85

lage, wo sie sich zu Säure von 1,33 spez. Gew. verdichtet, während
die Schwefelsäure (vom spez. Gew. 1,64) unten aus dem Denitri—
fikator abfließt.
Als Sprengmittel, zur Füllung von Torpedos u. dgl. wird die
schießbaumwolle in komprimiertem Zustande verwendet. Die
durch starken Druck erzeugten regelmäßigen Körper haben höheres
spezifisches Gewicht (größere CLadedichte) und sichern die regelrechte
Explosion. Man erzeugt eine gleichmäßige Pülpe und bewirkt
die Pressung in mehreren Stadien. Durch das Vorpressen wird
eine ziemlich konsistente Masse von etwa 50 Proz. Wassergehalt
erzeugt, indem ein Teil des Wassers mittels Cuftpumpe ab—
gesaugt wird und dann die Masse in handpressen oder durch
hydraulischen Druck gepreßt wird. Die vorgepreßten Körper wer⸗
den alsdann bis auf “/ ihrer höhe in starken hudraulischen Pressen
unter einem Druck von 500 bis 1000 kg pro qem komprimiert.
ewöhnlich erhalten sie Zylinderform von 5 em höhe und 180 qem
Querschnitt, und ihr spezifisches Gewicht beträgt 1 bis 1,2 bei
reinem Wassergehalt von noch 10 bis 12 Proz.
Die Patentliteratur bringt eine ziemliche Anzahl von Vorrich—
tungen zum Pressen der Schießbaumwollkörper. Diese werden auch
mit Durchbohrungen zur Aufnahme der SZündkapsel, sowie zur
schnelleren Detonation versehen. Die nachträgliche mechanische Be⸗
arbeitung der Körper, Kaspeln, Bohren der Ranäle usw. ist aus—
führbar, wenn dabei für genügenden Wasserzutritt gesorgt wird.
Man hat ferner die Körper zum Schutz gegen Wasserzutritt (bei
Seeminen) paraffiniert, wobei der für die Zündkapfel bestimmte
Kanal durch ein Papierblättchen verschlossen wird. Nach dem Ver—
fahren von M. v. Förster (D. P. 23 808) werden die Stücke einige
dekunden der Einwirkung eines Lösungsmittel, besonders Essigäther,
ausgesetzt und getrocknet. Es tritt dadurch eine oberflächliche Ge⸗
latinierung ein, so daß die Stücke eine wasserdichte haut erhalten.
Dieser Gelatinierung wird die Schießbaumwolle auch unter—
zogen, um sie durch die ganze Masse in den kolloidalen Zustand
überzuführen und sie dadurch für Schießzwecke geeignet zu machen.
cdluf diesem von Vieille 1884 eingeführten Verfahren beruht die
herstellung der rauchlosen Schießpulper.
Auf der Schießbaumwolle können sich Schimmelwucherungen
bilden. Man schützt sie dagegen durch Behandlung mit Sublimat—⸗
ösung oder einem andern Desinfektionsmittel.
Die Schießbaumwolle hat die Form der Baumwollfaser beibe—
        <pb n="94" />
        36 Drittes Kapitel: Technologie der einzelnen Sprengstoffe.

halten, ist aber rauher anzufühlen als diese. Sie ist in Wasser,
Alkohol, Ather unlöslich, in Azeton, Essigäther, Nitrobenzol lös⸗
lich. In Nitroglyzerin ist sie unlöslich, wohl aber können beide
Stoffe zusammen in Azeton gelöst werden.
Das absolute spezifische Gewicht ist 1,5; das Ladegewicht der
losen Schießbaumwolle ist aber nur 0,1 bis 0,3 und das der ge⸗
preßten 1,0 bis 1,3.
Sie ist ein äußerst heftiger Sprengstoff und gegen Stoß und
Schlag sehr empfindlich. Sie verbrennt bei einer Temperatur
von 1720 momentan mit großer rotgelber Flamme, aber ohne
Kauchentwicklung. Von guter Schießbaumwolle verlangt man, daß
ihre Erplosionstemperatur zwischen 180 und 1840 liege. In sehr
dünner Schicht kann komprimierte Schießbaumwolle von einer Ge—
wehrkugel durchschlagen werden, ohne daß sie explodiert; andern⸗
falls, sowie wenn sie sich in einer Widerftand bietenden Umhül⸗
lung befindet, tritt Explosion ein.
Die technischen Schießwollen sind nie reine Hhexanitrozellulose
(mit 14,14 Proz. Stickstoff), sondern enthalten etwas weniger Stick⸗
stoff. Unter hohem Druck verläuft die Explosion etwa nach der
Gleichung:
Ciæꝑnο ONO?) 7COAGACOMLBBROASHVASGN.
Berthelot gibt — unter Annahme der Molekulargröße
ο?“ für Zellulose — auf Grund der Analusen der Erplo—
sionsgase für die 11-fach nitrierte Zellulose (Schießbaumwolle) die
sersetzungsgleichung:
C?(O. NO)COSVOCO?AOMOA-J. BHSAS. S N2,
und für die 8-fach nitrierte Zellulose (Kollodiumwolle):
CM)O.? NO)SS ISCO-GCOBAGHBO- IOHẽA AN.
Aus diesen Gleichungen ist zu berechnen (Godwy)):
für 11-fach nitrierte Zellulose: für 8⸗fach nitrierte Zellulose:
vo 8859,21 974,281
t 26630 22210
O -10393 Kal. 795,1 Kal.
A — 441723 mkg 337930 mkg
9594,4 kg 9249 kg
08591] 0.9741

Heise. Sprenastoffe, S. 51.
        <pb n="95" />
        Kollodiumwolle.

87

Bei starken Ladedichten ist indessen nach Sarrau und Vieille
die Zersetzung so, daß entstehen:
1200 412002 6670 8 5—245 . 5N.

Hervorzuheben ist noch, daß der vorhandene Sauerstoff zur
dollständigen Verbrennung nicht ausreicht.
Die niedrigeren Salpetersäureester der Sellulose, welche als
Di- bis Pentanitrozellulose, Cl His Os (O· NO bis Cia HO“
(O · NO9“, aufgefaßt werden können und die in Alkohol-Ather
löslich sind, werden als Kollodiumwolle bezeichnet. Zu ihrer
herstellung sind viele Vorschriften gegeben. Je nach der Konzen—
tration der Nitriersäure, der Cemperatur und der Dauer der Cin⸗
wirkung erhält man mehr oder weniger stickstoffhaltige Produkte.
Man benutzt z. B. ein Gemisch aus gleichen Teilen Salpetersäure
von 75 Proz. (1,440 spez. Gew.) und Schwefelsäure von 96 Proz.
(1,840 spez. Gew.) und hält die Reaktionstemperatur bei 400
ibis 19 Stunden lang. Im allgemeinen wird die Operation
in derselben Weise ausgeführt wie die herstellung der Schießbaum—
wolle, desgleichen das Auswaschen und Zexkleinern des Produkts.
Die Lösung dieser Nitrate in Alkohol-Ather heißt Kollodium.
Sie hinterläßt beim Eintrocknen ein durchsichtiges Häutchen und
findet deshalb schon seit langem Verwendung in der Chirurgie
und in der Photographie. War das Rohmaterial nicht sorgfällig
gereinigte Baumwolle, sondern unreine, fetthaltige oder Papier⸗
masse oder Holzzellulose, so ist die Kollodiumlösung oft gelblich
gefärbt. In solchen Fällen empfiehlt es sich, die Kollodiumwolle
mit Oxydationsmitteln zu behandeln, um die Verunreinigungen
zu zerstören.
Kollodiumwolle wird jetzt in großem Maße hergestellt, weil
sie außer zu den genannten Verwendungen noch zur Fabrikation
biel gebrauchter Erzeugnisse dient. Mit Kampfer (und manchen
Surrogatstoffen) gemischt und erhitzt, bildet sie eine in der Wärme
sehr plastische, nach dem Erkalten starre, elastische und durchscheinende
Masse, das Zelluloid, welches leicht schöne Färbungen annimmt
und zur Formung zahlreicher Gebrauchsgegenstände dient.
Die Rollodiumlösung hat ferner den Anlaß zu der wichtigen
Industrie der künstlichen Seide gegeben. Eine aus Glasröhren mit
sehr feinen Offnungen ausgepreßte konzentrierte warme Kollodium⸗
löfung erstarrt in kaltem Wasser sofort zu einem feinen Faden.
Da das Material. wenn nicht explosiv, so doch sehr leicht entflamm—
        <pb n="96" />
        38 Drittes Kapitel: Technologie der einzelnen Sprengstoffe.

bar ist, so wird es noch durch Behandlung mit Schwefelammonium
u. dgl. „denitriert“, indem die Salpetersäureester mehr oder
weniger durch hHudroxylgruppen ersetzt werden, und dann weiter
verarbeitet.
Auf diese Verwendungsarten der Kollodiumwolle sei nur hin⸗
gewiesen. Aber auch für die Sprengstofftechnik ist sie von großer
Bedeutung geworden, insbesondere für die herstellung von rauch—
losem Pulver, Sprenggelatine, Gelatinedynamit u. dgl. wobei
ihre Löslichkeit in üther-kilkohol, in Nitroglyzerin, Azeton usw.
nutzbar verwendet wird.
Außer aus Baumwolle hat man auch aus Zellulose anderer
herkunft, sowie aus anderen Kohlenhydraten explosive Salpeter⸗
säureester hergestellt. Cin aus Papier hergestelltes Pyropapier“
wird in der Feuerwerkerei verwendet.
Cine Seitlang war das vom hauptmann E. Schultze 1865
erfundene „weiße Schießpulver“ ziemlich viel in Gebrauch für
Schieß⸗ und Sprengzwecke. Sein wesentlicher Bestandteil ist nitriertes
holz. harzfreie Holzfaser wird ungefähr so wie Baumwolle mit
Hitriersäure behandelt. Dies etwa 9,6 Proz. Stickstoff enthaltende
Pyroxylin wird mit einer Lösung von Kalisalpeter oder Barnyt⸗
salpeter getränkt und getrocknet. Dies Schultze⸗Pulver ist durch
das moderne rauchlose Pulver verdrängt worden. In Oberschlesien
on Trützschler) wurden neuerdings Versuche gemacht, aus
nitriertem holz oder „Nitrolignose“ Sprengkörper gleich der kom—
primierten Schießwolle herzustellen. Aus Jute hat Nühlhäuser!)
eine Pentanitrozellulose dargestellt.
Uber Nitrozellulose und Salpetersäureester vieler andrer Kohlenhydrate
 haben W. Will und Lentze eine ausführliche Arbeit ge⸗
liefert, auf welche verwiesen sei.“)
Von anderen Kohlenhydraten als Zellulose dürfte am meisten
Beachtung das Stärkemehl verdienen. Eine Nitrostärke wurde schon
1833 von Braconnot hergestellt. Man hat oft versucht, dies
„Xyloidin“ oder „Pyroxylin“ in die Sprengtechnik einzuführen.
Das weiße Schießpulver von Uchatius erwies sich für Schieß—
zwecke als zu brisant. Die Akt.-Ges. Dynamit Nobel in Wien
hat dann im D. P. 57711 vom Jahre 1890 ein besonderes Ver⸗
fahren zur Nitrierung von Stärkemehl angegeben. Mühlhäus er?)
1) Dingl. polyt. Journ. 283, 88.
Ber. D. chem. Ges. 31, 635.
5) Dinal. pol. Journ. 284. 137 (1802).
        <pb n="97" />
        Nitrostärkemehl. Dynamit. 89

beschrieb die Tetra-, Penta- und Hexanitrostärke; letztere, C12H!4O
NOHqS, hat 14,14 Proz. Stickstoff. Großen Erfolg haben diese und
biele andere Arbeiten nicht gehabt, hauptsächlich, weil man im
großen die Stärke nicht hoch genug nitrieren konnte. Dies scheint
indessen neuerdings Arthur Hough in Newyork gelungen zu sein.
Nach seinem Verfahren (D. P. 172549; Brit. P. 21171/1902)
wird Stärkemehl in Salpetersäure bei 320 aufgelöst und die ent—
standene Nitrostärke durch Hindurchleiten von gasförmigem Schwefel⸗
säureanhydrid ausgefällt. Nach einer anderen Vorschrift wird die
Sstärke mit einer Mischung von 3 Teilen 95-proz. Salpetersäure
und 2 Teilen 98-proz. Schweselsäure und soviel Schwefelsäure—
anhydrid, daß von diesem 1 bis 2 Proz. in freiem Zustande vor⸗
handen sind, nitriert, indem man während der Nitrierung durch
zusatz von Oleum den Überschuß von 2 Proz. 80 aufrecht er—
hält. Auf diese Weise soll ein Oktonitrat C12HiO? NO) entstehen
 welches 16,5 Proz. Stickstoff enthält. Dieses Nitrat würde
als Sprengstoff und Sprengstoffkomponent zweifellos von großer
Bedeutung sein.
Hhoitsema)) hat darauf hingewiesen, daß das sehr stark wasser—
anziehende Phosphorsäureanhydrid PęOs ein brauchbares Mittel
sein würde, um bei der Nitrierung von Zellulose und anderen
Nohlenhydraten höhere als Hexanitrate zu erzielen.
6. Dynamit.

Das flüssige Nitroglyzerin ist wegen seiner Empfindlichkeit gegen
mechanische Cinwirkungen und Temperaturveränderungen ein sehr
gefährlicher Sprengstoff. Schon beim Transport kann es explo—
dieren. Nobel versuchte anfangs, das Sprengöl durch Vermischen
mit Methylalkohol transportierbar zu machen, ein Verfahren, das
auch mit Übelständen verknüpft war. Man ging dazu über, das
Nitroglyzerin von porösen, pulverförmigen Stoffen (Sand) aufsaugen
zu lassen, und Nobel fand im Jahre 1866, daß RKieselgur (die
Infusorienerde der Lüneburger heide) ein besonders geeigneter
Ssaugstoff sei. Solche Mischungen, aus welchen das Sprengöl bei
mäßigem Druck, bei Temperaturerhöhung oder-Erniedrigung nicht
austreten darf, wurden von Nobel als Dynamit bezeichnet. Zu—
nächst beschränkte man sich auf die Verwendung mineralischer
Saugstoffe, ging dann aber auch über zur Benutzung verbrenn—

1J Z. angew. Ch., 1898. 173.
        <pb n="98" />
        90 Drittes Kapitel: Technologie der einzelnen Sprengstoffe.

barer, an der Explosion sich beteiligender Körper. Bei diesen kann
der bei der Cxplosion des Sprengöls auftretende überschüssige Sauer—
stoff die oxydierbaren Mischkörper verbrennen und dadurch die
Wärmemenge vermehren.
Man unterscheidet demnach Dynamite mit unwirksamer und
solche mit wirksamer Beimischung.
1. Bei den Dynamiten mit unwirksamem Saugstoff hat
dieser nur die KAufgabe, der Masse eine handliche Form zu geben,
wobei das Nitroglyzerin nicht tropfenförmig sich ausscheiden darf.
hierher gehört vor allem das Gurdynamit oder Dynamit Ur. J.
Zu seiner herstellung werden 75 Teile gut gewaschenes Nitro—
glyzerin mit 25 Teilen geschlämmter, gebrannter und sehr fein
vermahlener und gesiebter Kieselgur vermischt. Die Infusorien—
erde wird von Schalen und Panzern von Diatomeen gebildet und
besteht fast ausschließlich aus Kieselsäure mit Spuren von Eisen—
orxyd, organischen Stoffen, bisweilen auch Ton. Am reinsten ist
die der Lüneburger heide (Unterlüß); sie findet sich ferner in
vielen norwegischen Binnenseen und deren ausgetrockneten Betten,
auch in Schottland, Frankreich, Italien. Andere Mineralstoffe, wie
Gips, Kreide, Kaolin, Oker, haben geringere Saugfähigkeit. Die
Mischung der Kieselgur mit dem Nitroglyzerin wird mit der hand
ausgeführt. Man fügt dabei noch Proz. Soda zu und gibt der
Masse eine gleichmäßige Färbung durch Zusatz von etwas Bolus,
Oker oder Umbra. Die durch Siebe geriebene Masse wird in
Pressen zu Patronen von 6 bis 10 em Länge und 1 bis 2 cm
Dicke geformt, die in Papier eingeschlagen und mit diesem durch
Cintauchen in eine geschmolzene Mischung von Paraffin, harz und
Talg wasserdicht gemacht.
Gurdynamit verträgt die Erschütterungen des Cransports, wird
aber durch einschlagende Geschosse zur Explosion gebracht. Sicher
geschieht dies durch die Detonation einer Knallquecksilber-Zünd—
kapsel (Nr. 3). Die Detonationsgeschwindigkeit beträgt nach Bichel!)
6818m in derSek. (. S. 36). Zur Einleitung der Initialzündung dient
eine Zündschnur oder die elektrische Glühdraht- oder Funkenzündung.
An einer Slamme entzündet, brennt eine Dynamitpatrone ohne
Explosion ab. Bei längerer Berührung des Dynamits mit Wasser
tritt Sprengöl aus. Bei Temperaturen unter 80 kann Gefrieren
des Nitroglyzerins eintreten. Die hart und fest gewordenen Dyna—

J Untersuchungsmethoden für Sprengstoffe. Berlin 1902.
        <pb n="99" />
        Dynamit.

91

mitpatronen gelten als sehr empfindlich. Es ist indessen wieder⸗
holt das Gegenteil nachgewiesen. So fand Will bei Sallhammer⸗
versuchen, daß plafstisches Dynamit durch ein 2 kg-Fallgewicht
bei 7 em Sallhöhe, gefrorenes Dynamit bei 20 em Fallhöhe zur
Detonation gebracht wird. Nach General Ph. Heß ist indessen
Dynamit im halbgefrorenen Zustande empfindlicher. Das Ver—⸗
halten des gefrorenen Dynamits ist nicht ganz aufgeklärt. Jeden—
falls haben zahlreiche praktische grfahrungen erwiesen, daß sowohl
sein Transport als auch seine Benutzung sehr gefährlich ist. Solche
gefrorene Patronen werden vor der Verwendung durch Einbringen
in besonders konstruierte Wasserbäder, welche Wasser von höchstens
700 enthalten, aufgetaut. Auch die sog. Thermophore werden
dazu benutzt. Bei diesen doppelwandigen Gefäßen befindet sich in
der Umhüllung essigsaures Natron, welches zum Schmelzen gebracht
ist. Beim Wiedererstarren des geschmolzenen Salzes dient die frei—
werdende Schmelzwärme dazu, den die Patronen enthaltenden Innen⸗
raum zu erwärmen.
Ein Mittel, um die Gefrierbarkeit des Dynamits herabzusetzen,
ist der Zusatz von Nitrobenzol u. dgl. zu der Mischung (ogl. auch
5. 78).
2. Dynamite mit wirksamer Beimischung. ImJahre 1867
wurde von Trauzl ein Schießwolldynamit aus 73 Teilen Nitro⸗
glyzerin, 25 Teilen gepülpter Schießbaumwolle und 2 Teilen
holzkohle hergestellt. Das etwa zu gleicher Zeit von Abel an—
gegebene Glyoxylin bestand aus einem mit Nitroglyzerin getränkten
Gemisch von Schießbaumwolle und Kalisalpeter. Auch das Schultze—
sche Dualin, holznitrozellulose mit Nitroglyzerin getränkt, gehört
hierher.
Diese und ähnliche Sprengmischungen wurden übertroffen durch
die von Alfred Nobel im Jahre 1875 erfundene Sprengge—
latine GBrit. P. 4179/1875). Für diese ist die BPerwendung der
in Nitroglyzerin löslichen Kollodiumwolle charakteristisch. Die Be—
standteile werden sorgfältig durch Waschen gereinigt und getrocknet.
Die Kollodiumwolle soll möglichst viel Stickstoff enthalten, aber
oollständig löslich in Nitroglyzerin sein, alfo etwa aus Tetra—
nitrozellulose bestehen. Man führt die Mischung im Verhältnis von
90 bis 93 Proz. Nitroglyzerin zu 10 bis 7 Proz. Kollodiumwolle
in einem doppelwandigen Gefäß aus, dessen Hohlmantel von 500
warmem Wasser durchflossen wird. Es bildet sich dann eine pla—
stische, gelatinsse Masse, die wie Brotteig aussieht. Anfänglich
        <pb n="100" />
        92 Drittes Kapitel: Technologie der einzelnen Sprengstoffe.

erfolgte die Mischung mit der Hand, jetzt sind meistens KUnet—
maschinen (z. B. die von Werner und Pfleiderer) in Gebrauch.
Die Sprenggelatine ist viel weniger gegen mechanische Cin—⸗
wirkungen empfindlich als Gurdynamit. Sie ist auch widerstands—
fähig gegen Feuchtigkeit und wird deshalb vorteilhaft in nassen
Gruben und zu Sprengungen unter Wasser verwendet. Sie bedarf
zur Explosion einer starken Initialzündung. Man verwendet dazu
Sprengkapseln von mindestens O, 8 g Nnallquecksilberladung (Nr. 5),
oder man setzt auf die Sprenggelatineladung eine Patrone von
Gurdynamit, Schießwolle oder Gelatinedynamit. Sie explodiert
dann sicher und mit äußerster Brisanz.
Durch Susatz von Kampfer (ähnlich wie bei der Zelluloid—
fabrikation) wird die Empfindlichkeit noch weiter herabgesetzt (D. P.
5528). Die in Osterreich längere Zeit in Gebrauch gewesene Kriegssprenggelatine
 bestand aus 96 Proz. Sprenggelatine (90 Nitro—
glyzerin 4 10 Kollodiumwolle) und 4 Proz. Kampfer. Diese ge—
kampferte Sprenggelatine wird durch ein Zündhütchen mit 28
Unallquecksilberladung noch nicht zur Explosion gebracht; man
verwendet dazu eine Sündpatrone, welche ein Gemisch von 60 Teilen
Nitroglyzerin und 40 Teilen Nitrohydrozellulose enthält.
Für eine Sprenggelatine aus 93 Proz. Nitroglyzerin und 7 Proz.
Kollodiumwolle kann man nach heise)) folgende Zersetzungsgleich—
ung annehmen:
61, 60 HoNOV): 4 C2 SINOSs — 209 CcOoꝛ
4170620 4 202 4 97 N.e.
Daraus ergibt sich:
*7081 9332 kg
t⸗32030 0,7081
O *1535 Cal. L14 — 1,5
A652375 mkg.
Bichel?) sieht mit Recht die dynamische Stoßarbeit als das wich—
tigste Charakteristikum der Dynamite und Sprengstoffe überhaupt
an. Die Detonation eines Sprengstoffes braucht eine gewisse, ex—
perimentell zu ermittelnde Zeit, welche von einer Eigenschaft des
Sprengstoffs, seiner Detonationsgeschwindigkeit, abhängt. Die Masse

3 Heise, Sprengstoffe, 5. 56.
2) Glückauf 1905, heft 15. Methoden und Apparate zur Prüfung
von Sprengstoffen, HFamburg 1907.
        <pb n="101" />
        Sprenggelatine. Gelatinedynamit. 93

der Gase wird gegen die Raumwandungen mit einer lebendigen
2
Tnergie 8 geschleudert, wo m die Masse (Gewicht, dividiert durch
die Beschleunigung der Schwere 9,81) und v die Detonationsgeschwindigkeit
 ist. Für Sprenggelatine findet Bichel für diese
Dröße 7700 m/ssec und berechnet daraus die lebendige Energie,
d. h. die Stoßkraft 3021916 sec/ kgm.
Zum Vergleich mit anderen, zum Teil noch zu besprechenden
Sprengstoffen sei an dieser Stelle eine von Bichel aufgestellte
Tabelle wiedergegeben:

schwarzpulver

Kohlenkarbonit

Ammonkarbonit

Donarit ......

schießbaum⸗
wolle . . . ..
Hurdynamit ..

Helatine⸗
dynamit ...

Crinitrotoluol.
5prenggelatine

Pikrinsäure ...

*
5
5
—
3
8

33 *
2 — —
53238 J
— —
338 FJ
—H 8*
5355 553
* .* 33
n
39

Zusammensetzung

75 Ralinitrat, 13 Kohle, 1,04 300
12 Schwefel
25 Nitroglyzerin, 34 Kali- 1,42 2700 371559
'alpeter, 38185 Mehl, 1 Holz⸗
mehl, 1 Barntsalpeter, 0,5
Soda
32 Ammonsalpeter, 10 Rali-⸗
salpeter, 4gelat. Sprengöl,
4 Mehl
80 Ammonsalpeter, 12 Tri⸗
nitrotoluol, Agelat. Spreng⸗
öl. 4 Mehl

4578

872312

024 30 (NO) t0 Ono
75 Nitroglyzerin, 285 Kiesel⸗
gur

,25
1.58

6383
6818

2076589
2369272

63,5 Nitroglyzerin, 1,5 Kol⸗
slodiumwolle, 27 Natronsal⸗
peter, 8 Holzmehl
CH(NO-. CHꝰ
92 Nitroglyzerin, 8 Kollo⸗
diumwolle
CGCH(NOPs. OMH

1.67 7000 2497452

,55
63

76018
7700

2957 896
3021916

1,55

8183 3412920

Gelatinedynamite. Für die meisten bergbaulichen Zwecke ist
die Brisanz der reinen Sprengstoffgelatine zu stark. Man gibt ihr
deshalb Zusätze, welche ihre Wirkung abschwächen. Als Zumischpulver
 sind besonders Mischmengen von Mehl oder holzmehl mit
        <pb n="102" />
        94 Drittes Kapitel: Technologie der einzelnen Sprengstoffe.

Natron oder Ammonsalpeter gebräuchlich. Die Hygrofkopizität der
letzteren Nitrate kommt in der gelatinierten Masse nicht zu schäd⸗
licher Wirkung.
Das eigentliche Gelatinedynamit (Dynamit 1) besteht aus 65 Proz.
Sprenggelatine und 35 Proz. Zumischpulver, welches auf drei bis
vier Teile Natronsalpeter 1 Teil Mehl enthält, nebst einer ge—
ringen Menge (0,75 Proz.) Natriumkarbonat.
sAls Zersetzungsgleichung gibt Heise an:
82,6 CH (GONOVSA O, 7T CAMSMSOA. 91, ANaNO*
Nitroglyzerin Nitrozellulose
-416 CHOOS INa?C Os*
Mehl)
—316C02 289 O-2902 172 N24 46, 7 Naꝰ Cos,

woraus unter Berücksichtigung des festen Rückstandes (106 g auf
1000 g Sprengstoff) folgt
vo 606, A-C538475 mkg,
t29840, 747648,
O 1267 Kal. LS 1.5.

Andere Gelatinedynamite zeigen einen etwas höheren Gehalt
an Kollodiumwolle und andere Kohlenhydrate CHio Os anstatt
Mehl. 5. B. Gelignit (England) hat die Zusammensetzung:
96 8 Nitrogylzerin — 62,5Proz.
o Gelaline aus 3I/ KNollodiumwolle — 258,
75 Natronsalpeter *26,25,
24 holzmehl — 8,40,
1 Soda — 0435

35 Zumischpulver aus

Dynamit II Gsterreich):
15 Gelatineöl 70 Proz. Natronsalpeter
55 Zumischpulver aus ä „Maehl
1 50da-41 Proz. Farbstoff.

Schwer gefrierbare Gelatinedynamite sind:
Dynamit IN: Dynamit IIN:
65 Proz. Gelatine (aus 55Proʒ. 45Proʒ. Gelatine (aus 38Proz.
Sprengöl, 6 Proz. Sprengöl, 4 Proz.
        <pb n="103" />
        Rauchloses Pulver.

95

Nitrobenzol, 6 Proz. Nitrobenzol, 3 Proz.
Kollodiumwolle). Kollodiumwolle).
25 Proz. Salpeter. 20 Proz. Salpeter.
10 „BZumischpulver. 35 Zumischpulver.
Das Zumischpulver ist das des Dynamit II.
Mischungen ohne gelatinierenden Zusatz sind die verschiedenen
sorten Rhexit der Akt⸗-Ges. Dynamit Nobel in Wien, welche
15 bis 20 Proz. Nitroglyzerin und 85 bis 50 Proz. Zumischpulver
enthalten. Letzteres besteht in der Regel aus 74 Proz. Natronsalpeter,
 25 Proz. Cohmehl. 1 Proz. Soda.
Neuerdings wird zu solchen Sprengstoffen vielfach Ammonsal—⸗
peter verwendet. Diese Mischungen zeichnen sich durch hohe Spreng⸗
kraft aus, sowie dadurch, daß sie keine festen Rückstände bei der
CExplosion ergeben, wenn andere feste Salze vermieden sind. hinderlich
ist dabei die große Hygroskopizität des Ammonnitrats. Erwähntseien
Ammonsprenggelatine aus 40 bis 50Proz. Sprenggelatine
46 bis 55 Proz. Ammonsalpeter 4 3.5 bis 5 Proʒz. gedörrtem
Mehl Proz. Soda;
Dyunnamon aus 45Proz. Nitroglyzerin 4 47,2 Proʒ. Ammon⸗
salpeter 4 7,8 Proz. Rotkohle.
7. Rauchloses Pulver.

Wenn Sprengstoffe bei der Explosion keine festen Rückstände
geben, wie es bei manchen Gelatinedynamiten oder der Schießbaum⸗
wolle der Fall ist, so entwickelt sich dabei auch kein Rauch. höchstens
macht sich etwas Wasserdampf bemerkbar. Dies ist natürlich für
schießzwecke, besonders militärische, von Bedeutung. J
Die bald nach der Erfindung der Schießbaumwolle in Oster⸗
reich durch von Lenk angestellten Versuche, diesen Sprengstoff
als Geschoßtreibmittel zu benutzen, hatten wegen der zu großen
Brisanz des Körpers keinen Erfolg. Man schritt indessen auf dem
Wege fort, indem man weniger stark nitrierte Baumwolle ver—
wendete, die Nitrozellulose in Körnerform brachte und die Körner
kurze Zeit mit einem Lösungsmittel, wie Atheralkohol, Essigäther
oder Azeton, in Berührung brachte. hierdurch werden die Körner
mit einem dünnen festen häutchen Kollodium überzogen. Infolge—
dessen wird die Detonationsgeschwindigkeit der Schießbaumwolle
—
Reid und Johnson (1882) in dieser Weise hergestellte sog.
E. C.Pulver war wohl das erste rauchlose Pulver dieser Art.
        <pb n="104" />
        96 Drittes Kapitel: Technologie der einzelnen Sprengstoffe.

Vieille (1886) erzeugte dann das bekannte Blättchenpulver aus
schwach nitrierter Sellulose mit hilfe von Essigäther oder Uzeton.
Die fein gepülpte Nitrozellulose wird möglichst vom Wasser be—
freit, schließlich durch Trocknen bei 400 und unter Zusatz von
etwas Alkohol. Durch dieses „Alkoholisieren“ wird die Entfernung
des Wassers beschleunigt. Die feinpulverige Nitrozellulose wird
nun in Knetmaschinen (von Werner und Pfleiderer gebaut)
mit dem Lösemittel (Essigäther, Azeton) innig vermischt, wobei
die Masse Ceigkonsistenz annimmt. Der Teig wird in einem Walz⸗
werk zu Platten ausgerollt, die in ein Trockenhaus kommen. Die
Wiedergewinnung der hier und beim Walzen entweichenden Löse—
mitteldämpfe ist noch nicht gut gelungen. Das Trocknen der Blätter
ist langwierig, und diese bekommen dabei leicht Blasen. Sie passieren
deshalb noch ein Feinwalzwerk mit geheizten Walzen. Die nun
völlig homogenen, transparenten Blätter werden durch Schneid—
maschinen erst in Streifen, dann in kleine viereckige Blättchen zer⸗
schnitten. Das Blättchenpulver wird bisweilen graphitiert, um
seine Brisanz herabzusetzen.
Eine andere Klasse von rauchlosen Pulvern besteht aus Nitro⸗
zellulose unter Zusatz von Nitroglyzerin oder anderen nitrierten
organischen Stoffen. hierher gehört der von Alfr. Nobel (D.
P. 51471) eingeführte Ballistit. Man bringt bei einer Tem—
peratur von 6 bis 80 1 Teil Kollodiumwolle und 6 bis 8 Teile
Nitroglyzerin in ein Gefäß, in welchem die innige Vermischung
der Stoffe durch Evakuierung der Luft gefördert wird. Sodann
wird in einer Presse oder Sentrifuge so viel Nitroglyzerin aus der
Masse entfernt, daß diese von letzterem etwa so viel wie von der
Nitrozellulose enthält. Durch Erwärmung der Masse auf 60 bis
900 tritt die Lösung der Kollodiumwolle im Nitroglyzerin ein.
Die Masse wird bei dieser Temperatur zu Platten ausgewalzt
und zu Stäbchen zerschnitten. Durch Zusatz von Kampfer und
dgl. kann man die Brisanz regulieren. In Italien wird dieser
Sprengstoff nicht zu eckigen Blättchen verarbeitet, sondern zu
Sschnüren und runden Blättchen. In dieser Form heißt der Spreng⸗
stoff Filit.
Als eine Abart des Ballistits ist das in Waltham Abbey er—
zeugte Kordit anzusehen. Nach den Brit. P. 5614, 1890 und
11664/ 1890 von Abel und Dewar wird hierzu unlösliche Ni—
trozellulose, also reine Schießbaumwolle verwendet, die durch
Vermittelung von Azeton mit Nitroglyzerin innig vermischt wird.
        <pb n="105" />
        Rauchlose Pulver.

97

Als Susammensetzung wird angegeben: 58 Teile Nitroglyzerin,
37 Teile Schießbaumwolle (von Waltham Abbeny, mit 10 Proz.
Nollodiumwolle), 5 Teile Vaseline. Diese Mengen werden in 19,2
Teilen Azeton gelöst. Die Mischung erfolgt in einer Knetmaschine,
aus welcher die teigige Masse in Sorm von Schnüren oder in
Nudelform austritt. Die Schnüre werden bei 40 getrocknet, bis
der größte Teil des Azetons verdunstet ist. Das Vaselin übt einen
stabilisierenden Cinfluß aus. Statt dessen verwendet man auch
Anilin oder Diphenylamin.
Ein von löslicher Nitrozellulose freies rauchloses Pulver ist der
Indurit von Munroe (Grit. P. 580/ 1893). Dieser Spreng⸗
stoff wird aus Schießbaumwolle, die durch Behandlung mit Methyl⸗
alkohol von löslicher Nitrozellulose befreit worden ist, durch Lösen
in Nitrobenzol, Auswalzen und Körnen der Masse und Härten
der Körner mit Wasserdampf hergestellt.
Die Pulver der Smokeleß Powder Comp. bestehen aus lös—
licher holznitrozellulose, Salpeter und Nitrobenzol, das Plastomenit
 von Güttler (D. P. 56946) aus holznitrozellulose, gelöst
in Dinitrotoluol.
In ähnlicher Weise sind auch die Nitrate anderer Kohlenhydrate,
z. B. Nitrostärkemehl, verwendet worden.
Nach D. P. 194 87 4 erhalten rauchschwache Nitrozellulose- oder
Nitrozellulose⸗ Nitroglyzerinpulver einen Zusatz von völlig sub⸗
stituierten Harnstoffen. Dadurch soll die Perbrennungstemperatur
herabgesetzt, das Verhältnis zwischen Gasdruck und Detonationsgeschwindigkeit
 geregelt und die Stabilität erhöht werden.
Den rauchlosen Pulvern hat man die verschiedensten Formen
gegeben, Blättchen, Körner, Stränge, Röhren, Spiralen, Streifen
mit kammartigen Einschnitten Poudre peigne), welche Formen
mmer für besondere Schußwaffen bestimmt sind.
Die meisten rauchlosen Pulver erzeugen beim Gebrauch das
sog. Mündungsfeuer, eine Flammenerscheinung, die darin ihren
Grund hat, daß brennende Teilchen aus der Mündung des Ge⸗
schütze herausgeschleudert werden. Um diese bei kriegsmäßigem
Gebrauch unerwünschte Erscheinung zu verhindern, hat Dutten—
hofer (D. P. 53296) dem Pulver Natriumbikarbonat zugesetzt.
Durch die aus diesem Salze entwickelte Kohlensäure und den
Dampf des Kristallwassers wird die Flamme stark gekühlt. Es
sind noch manche andere Stoffe, z. B. Ammonsalpeter, zu gleichem
Zwecke vorgeschlagen worden.
AnucG 286: Biedermann, Sprenastoffe.
        <pb n="106" />
        38 Drittes KNapitel: Technologie der einzelnen Sprengstoffe.

Nach Duttenhofers Brit. P.791,1907 ist ein geringer Zu—
satz von Seifen, fettsauren oder harzsauren Salzen von Natron,
Kalk, Magnesia usw., ein gutes Mittel, um das Mündungsfeuer
beim Schuß mit rauchlosen Pulvern zu verhindern.
Auch für Sprengungen im Bergbau ist die Flammenlänge und
Flammendauer von großer Wichtigkeit.)
Dies führt uns zu den Sicherheitssprengstoffen.

8. Sicherheitssprengstoffe.

Im Bergbau, besonders in Kohlengruben, ist die Entwickelung
hrennbarer Gase, die mit Luft zusammen ein explosives Gemisch
geben, überaus gefahrvoll. Die Gase bestehen im wesentlichen
aus Methan CH. Wenn ein Gemisch von Luft und Methan
9 Vol.Proz. an letzterem enthält, so ist seine Explosionsfähigkeit
am stärksten. Die Explosion pflanzt sich nicht mehr von selbst fort,
wenn der Methangehalt unter 5 oder über 14 Proz. beträgt. Ver⸗
läßlich sind diese Grenzzahlen aber nicht, besonders dann nicht,
wenn auch KRohlenstaub vorhanden ist. Ja, Kohlenstaub allein,
ohne Methanbeimengung, bildet mit Luft ein explosibles Gemisch.
solche als Schlagwetter bezeichnete Gasgemische werden von
Schwarzpulver, sowie von Dynamit bei Sprengungen leicht ent⸗
zündet und verursachen dann oft schreckliche Katastrophen. Der
über der Schußladung im Sprengloch angebrachte Besatz vermindert
zwar die Gefahr bis zu einem gewissen Grade, besonders bei
brifanten Sprengstoffen wie Dynamit, da hier die Explosion unter
der hülle des Besatzes so schnell verläuft, daß die Zündung der
Sschlagwetter erschwert wird. Volle Sicherheit gibt aber der Be—
satz keineswegs.
In je größere Tiefen der Kohlenbergbau gelangt, um so mehr
treten Schlagwetter auf, um so dringender wird das Verlangen
nach Sprengmitteln, welche Sicherheit gegen diese Gefahr ge—
währen. Man hat versucht, die Explosivstoffe überhaupt zu ver—⸗
meiden und das Absprengen durch mechanisch oder treibend wirkende
Mittel zu bewirken.
hierher gehören die vielfach versuchten Kalkpatronen. Frisch
gebrannter Kalk, unter hohem Druck zu Patronen gepreßt, kann
durch Aufnahme von Wasser sein Volumen um das 2 bis 51

1) 5. hierüber Bichel in Glückauf 1904, Heft 35; ferner die Schrift:
Methoden und Apparate zur Prüfung von Sprengsioffen, 1907.
        <pb n="107" />
        Sicherheitssprengstoffe.

99

fache vermehren. Durch die Bildung von Kalkhydrat wird sehr
viel Wärme frei, so daß ein Teil des Wassers verdampft und
überhitzter Wasserdampf entsteht. Bei sorgfältiger Anordnung
kann dadurch im Bohrloch ein Druck von etwa 500 kg pro Qua—
dratzentimeter erreicht werden. — HAuch Patronen aus Sinkstaub,
auf welchen Schwefelsäure zur Einwirkung kommt, so daß sich
Wasserstoffgas entwickelt, sind vorgeschlagen worden. Diese und
manche andere Mittel haben indessen die Explosiostoffe nicht ver⸗
drängen können, da ihre Wirkung zu unsicher ist, besonders nicht
plötzlich genug eintritt.
Man hat ferner die Sicherheit gegen Schlagwetter und Kohlen—
staub dadurch zu erhöhen gesucht, daß man als Besatz über der
Cadung des Bohrlochs eine Wasserpatrone oder mit Wasser ge—
tränkte Stoffe (Moos, Sand, Kieselgur) oder kristallwasserreiche
Salze, wie Soda, angebracht oder die Patrone mit Feuchtigkeit
umgeben hat. Besonders gegen Kohlenstaub erzeugt man in den
Kohlengruben mit hilfe von brausenartigen Vorrichtungen Wasser—
regen und Wasserschleier.
Mehr bewährt haben sich Verfahren, nach welchen die Spreng⸗
stoffe selber so zusammengesetzt werden, daß bei ihrer Explosion
Gase entwickelt werden, welche die Temperatur der Flamme stark
herabsetzen oder die Flamme nicht zur Entwickelung kommen lassen.
Am meisten hat sich in dieser Beziehung der Zusatz von Ammon—
nitrat bewährt.
Die Entzündungstemperatur von Schlagwettern liegt nach Ver⸗
suchen von Mallard und Le Chatelier“)) bei etwa 6500. Eine
französische Kommission hat die Explosionstemperaturen vieler
Sprengstoffe auf rechnerischem Wege festgestellt. Bei Persuchen
mit Patronen von 508 Gewicht, die in einem Schlagwettergemisch
zur Explosion gebracht wurden, zeigte sich dann, daß brisante
Sprengstoffe mit einer rechnungsmäßigen Explosionstemperatur
unter 22000 die Schlagwetter nicht mehr zündeten, also erst bei
einer weit über 6500 liegenden Temperatur gefahrvoll sind. Diese
Catsache findet ihre Erklärung darin, daß die plötzlich und unter
hohem Druck entstehenden Explosionsgase sich durch ihre Ausdeh⸗
nung und Urbeitsleistung sofort sehr stark abkühlen.
Indessen ist die Temperatur von 22000 nicht ohne weiteres
als Entzündungsgrenze anzusehen. Zahlreiche, in den noch zu be—

1) Annales des mines VIII. sér. vol. 14.
        <pb n="108" />
        100 Drittes Kapitel: Technologie der einzelnen Sprengstoffe.

schreibenden Versuchsstrecken angestellte Versuche haben gezeigt,
daß noch andere Faktoren in Betracht kommen. Vor allem haben
diese Versuche gelehrt, daß eine absolute Sicherheit der Spreng⸗
stoffe überhaupt nicht vorhanden ist. Wenn genügend große Ge—
wichtsmengen der Sprengstoffe zur Explosion gebracht werden, so
tritt immer Entzündung der Schlagwetter ein.
Serner hat sich gezeigt, daß die CExplosionstemperaturen der
Sprengstoffe nicht im umgekehrten Verhältnisse zu ihrer Sicher⸗
heit stehen. Bei gleichen Cxplosionstemperaturen sind Mischungen
von Ammonnitrat und Nitroglyzerin sehr unsicher, Mischungen
von Ammonnitrat mit nicht explodierenden Kohlenstoffträgern,
wie harz, Naphtalin und dgl. sind viel sicherer, und am sichersten
die sog. Karbonitmischungen aus Kali-(Natron)salpeter. Mebl und
Nitroglyzzerin.)
Einen großen Einfluß übt die Explosionsgeschwindigkeit des
Sprengstoffs aus. Durch die momentane Explosion muß eine
starke Verdichtung der umgebenden Atmosphäre eintreten. Da bei
der Explosion des Sprengstoffs im Bohrloch Drucke von 6000
bis 8000 Atmosphären auftreten, so wird die umgebende Luft
leicht bis auf 100 Atom. zusammengepreßt werden können. Bei
solchen Druckgrößen wird so viel Wärme entwickelt, daß diese allein
für sich genügt, um vorhandene Schlagwetter zur Entzündung zu
bringen. Von der Brisanz, d. h. der aus der Explosionsgeschwin⸗
digkeit und der Kraft der Sprengstoffe resultierenden Energie,
hängt die Sicherheit ab. Diese ist um so größer, je geringer die
Brisanz ist. Man muß also die Sicherheit mit einem Verlust an
Kraftleistung erkaufen. Es gibt aber noch mehrere andere Um—
stände, welche die Schlagwettersicherheit beeinflussen. hierüber sind,
zumal in deutschen Sprengstoffabriken, viele Untersuchungen aus—⸗
geführt worden, unter welchen die von Bichel?) veröffentlichten
besonders bemerkenswert sind. Sie führen zu folgendem allge⸗
meinen Ergebnis: Die Schlagwettersicherheit der Sprengstoffe ist
um so größer, je geringer die Detonationsgeschwindigkeit, der er⸗
zeugte Gasdruck, die erzielte Bleiblockausbauchung . S. 44), die
Menge der entwickelten Ralorien, die Flammenlänge und die
Flammendauer sind. Dabei darf keine dieser Erscheinungen eine
gewisse obere Grenze überschreiten, da in diesem Fall ein Aus—
I Vgl. hierüber Aufsätze von Heise in Glückauf 1898, Ur. 34238,
1899, Nr. 36.
2) 3. f. Berge, hütten- u. Salinen-Wesen (1902), 50. 669.
        <pb n="109" />
        Schlagwetter. Versuchsstrecken. 101

gleich durch die übrigen günstiger liegenden Eigenschaften nicht
mehr eintritt. So ist z. B. das Schwarzpulver nur wegen seiner
langen Flammendauer ein überaus unsicherer Sprengstoff, ob—
gleich alle übrigen Wirkungen die eines guten Sicherheitssprengstoffes
 sind. Die von Bichel konstruierten sinnreichen Apparate
zur Messung der Detonationsgeschwindigkeit, sowie seine Druck⸗
messer sind von ihm in der Schrift „Methoden und Apparate zur
Prüfung von Sprengstoffen“, Berlin 1907, beschrieben worden.
Die Messung von Slammenlängen und Flammendauer erfolgt auf
photographischem Wege.
Es ist fast selbstverständlich, daß zur Beurteilung von Sicher—
heitssprengstoffen auch die Temperatur und die Zusammensetzung
der Nachschwaden berücksichtigt werden muß. Enthalten die Explo—
sionsgase freien Sauerstoff, so muß dieser im Zustande höchster Er—
hitzung die Entzüundung und Verbrennung vorhandener Schlag—
wettergemische bewirken, zumal wenn in diesen ein Überschuß von
Methan vorhanden ist.)
Es ist noch nicht gelungen, etwa aus der Zersetzungsgleichung
folgernd, einen Ausdruck für die Größe der Sicherheit rechnerisch
zu formulieren, was angesichts der vielen in Frage kommenden
Saktoren begreiflich ist. Man ist daher zur Beurteilung der Schlag⸗
wettersicherheit auf praktische Versuche mit den Sprengstoffen an⸗
gewiesen.
Diese werden besonders in den sog. Versuchsstrecken ausge—
führt. Eine solche besteht aus einem horizontalen etwa 30 m
langen eisernen Zylinder von etwa 1,5 m Durchmesser, welcher
am einen Ende offen, am anderen durch einen starken Mauer—
klotz abgeschlossen ist; er bildet die Nachahmung eines Gruben⸗
stollens. Am geschlossenen Ende befindet sich die durch Papier—
wände abgeschlossene Explosionskammer, in welcher ein explosibles
Gasgemisch erzeugt wird. hierzu benutzt man natürliches Gruben—
gas oder, wie es in England meistens geschieht, eine Mischung von
Leuchtgas und Luft, welche empfindlicher ist als Grubengas, oder
auch Benzin⸗- oder Gasolingas mit Luft. Oder, was sich vielleicht
am meisten empfiehlt, man stellt künstlich Methan her und mischt

1), Versuche von W. Will (während der Drucklegung dieser Schrift
veröffentlicht) zeigen, daß Sprengstoffe, deren Explosionsgase Mangel
an Sauerstoff haben, also noch brennbare Gase enthalten, am leichte—
sten Wetter entzünden, die einen Überschuß an Sauerstoff enthalten;
und vice versa
        <pb n="110" />
        102 Drittes Kapitel: Technologie der einzelnen Sprengstoffe.

dies in bestimmtem Verhältnis (9,5 Proz.) mit Cuft. Die herstellung
des Methangases durch Einwirkung von Wasser auf Aluminium—

Fiq.

Fig. 8.

karbid ist bequem, doch ist dabei zu beachten, daß letzteres häufig
fein verteiltes Aluminium enthält und dann auch mehr oder
weniger Wasserstoff entwickelt (der durch Überleiten über Palla—
        <pb n="111" />
        Erplosionsflamme.

103

diumasbest zu entfernen ist). An der oberen Seite der Kammer
ist eine Mahlvorrichtung angebracht, durch welche RKohlenstaub in
die Kammer hineinbefördert werden kann.
Vvor der Kammer befindet sich in dem Mauerabschluß ein Stahl⸗
mörser (von 500 mm Durchmesser), aus welchem die CLadung in
das Schlagwetter⸗ und Kohlenstaubgemisch abgefeuert wird. Die
Sprengstoffpatronen haben den Durchmesser von 35 mm, das
Bohrloch des Mörsers hat eine Weite von 55 mm, eine Tiefe von
500 bis 600 mm. Die Patronen werden lose in das Bohrloch
zeladen, die oberste hat die zündende Sprengkapsel. Man beginnt
die Schießversuche mit einer mittelstarken Ladung von etwa 300 g.
Erfolgt keine Zündung des Schlagwettergemisches, so wird die
Cadungsmenge um 508 erhöht, bis Zündung eintritt, anderen⸗
falls wird sie ebenso vermindert, bis keine Zündung stattfindet.
die Sicherheit wird durch diejenige höchste Cadungsmenge aus⸗
gedrückt, bei welcher der Sprengfstoff unter fünf Schüssen keine
crplosion bewirkt. Die Ladung wird ohne Besatz abgefeuert.
Dieser Umstand ist eine erschwerende Bedingung, da in der Grube
mmer ein Besatz auf die Ladung kommt. Dagegen kommt in
Betracht, daß die Wände des Stahlmörsers Wärme absorbieren,
und das Mörserbohrloch weiter ist als das Bohrloch in der Grube.
Bei Sprengstoffen von hoher Sicherheit würde ein Besatz die
Zündung des Schlagwettergemisches überhaupt unmöglich machen
ind damit den Zweck der Vergleichsversuche — und nur um solche
handelt es sich — vereiteln.
Häufig sind an den Versuchsstrecken noch weitere Kohlenstaub⸗
aufwirbelungsvorrichtungen sowie Fenster in Zwischenräumen an⸗
gebracht, um den Beginn und das Ende der Flammenerscheinung
hdeobachten zu können.
Eine andere Methode zur Abschätzung der Sicherheit von Spreng⸗
stoffen ist die photographische Aufnahme der Explosionsflamme.
Nach dem Vorgange von Siersch) wird dies bequeme Verfahren
vielsach ausgeübt. Man läßt im Dunkeln vor dem geöffneten
Objektiv des photographischen Apparats die Explosion erfolgen,
indem die Patrone frei in der Luft hängt oder auf einer Unter⸗
lage liegt oder im Bohrloch ohne Besatz detoniert. Die Größe
und Form der Flamme ist ein Maßstab für die Schlagwetter⸗
sicherheit.

1P Osterr. 3. f. Berge und hüttenwesen 1896,

9
        <pb n="112" />
        104 Drittes Kapitel: Technologie der einzelnen Sprengstoffe.

Fiq. 9.

Fiꝗ. 10.

Fig. 11.

Fia. 12.

Fgiꝗ. 13.

Fiq. 14.
        <pb n="113" />
        Flammenbilder. 105

Es ist nicht mit Sicherheit festzustellen, daß die die Flamme
bildenden Gase nur die Explosionsgase sind. Auch die durch den
Explosionsstoß glühend gewordene umgebende Cuft kann zu der
Flammenerscheinung beitragen. Daß die VRompression die Luft
bis zum Glühen erwärmen kann, hat General Heß durch seine
Flammenbilder zweifellos nachgewiesen.!) Er ließ gleichzeitig zwei
Patronen explodieren, und zwischen den eigentlichen Flammen⸗
herden zeigte sich dann, oft durch völliges Dunkel von diesen ge—
trennt, eine leuchtende Sone. HAuch auf Sig. 11 ist eine solche
Kompressionsglüherscheinung bemerkbar. Oft tritt eine zweite,
von der eigentlichen Explosionsflamme räumlich völlig getrennte
Flamme auf, die anscheinend dadurch entsteht, daß noch brenn⸗
bare Explosionsgase sich bei genügend hoher Temperatur mit
Cuft mischen.
Die Darstellungen, Fig. 9 bis 14, zeigen einige von der West—
fälischAnhaltischensprengst.-Akt.“Ges. aufgenommene Cicht—
bilder. Die verschiedene Größe der Flamme von sichern und weniger
sichern Sprengstoffen ist augenscheinlich.?)
Man muß bei Beurteilung der Bilder allerdings nicht vergessen,
daß sie nur die chemisch wirkenden Strahlen des Flammenlichtes
zeigen, und daß deren chemische Intensität nicht auch die größte
Wärmeintensität und, soweit von dieser abhängig, Zündwirkung
darstellt.
Zur herbeiführung der dargestellten Explosionen haben jedes—
mal Patronen von 300 g Sprengstoff gedient, die frei liegend
mittels einer Sündkapsel UNr. 8 (d. h. gefüllt mit 2g CLadung aus
85 Proz. Knallquecksilber und 15 Proz. Kaliumchlorat) zur Deto—
nation gebracht, bzw. aus einem Versuchsstrecken⸗Mörser abgefeuert
worden sind.
Fig.9. Gelatine-Dynamit 1 der Westf.Anh. Sprengst.⸗Akt.⸗
Ges. Der Sprengstoff besteht aus: 65 Proz. gelatin. Nitroglyzerin,
26,25 Chilesalpeter, 8,40 holzmehl, 0,36 Soda. Nicht sicher gegen
tlohlenstaub und Schlagwetter.
Fig. 10. Wettersicherer Gelatine-Dynamit 1 derselben Ges. Zu—

1) Mitt. über Gegenstände des Artill.« u. Geniewesens; Wien,
1900, 8. 26.
2). Während der Drucklegung dieser Schrift ist eine Abhandlung
von W. Will erschienen (8. f. d. ges. Schieß⸗ u. Sprengstoff⸗-Wesen,
1909), in welcher nicht nur die Form, sondern auch die Dauer der
Cichterscheinung photographisch wiedergegeben ist.
        <pb n="114" />
        106 Drittes Kapitel: Technologie der einzelnen Sprengstoffe.

sammensetzung: 41 Proz. gelatin. Nitroglyzerin, 27 Ammonium-⸗
nitrat, 4Kaliumnitrat, 12,5 stearinsaure Tonerde, 10 Roggenmehl,
2 Holzmehl, 3,5 Paraffinöl. Mit Patronen von 400 g tritt noch
keine Sündung in Kohlenstaub und 9-proz. Schlagwetter ein.
Fig. 11. Wittenberger Wetterdynamit, bestehend aus 25 Proz.
litroglyzerin, 34 Kalisalpeter, J Barytsalpeter, 38,5 Roggenmehl,
J Holzmehl, O,5 Natriumkarbonat. 800g geben noch keine Zündung
in Uohlenstaub und 9-proz. Schlagwetter. Man sieht auf diesem
Bilde deutlich eine Zone von glühender Luft bzw. glühendem Rauch.
Fig. 12. Westfalit für Gestein, 95 Proz. Ammonsalpeter, 5 harz.
196 g geben keine Zündung in Kohlenstaub ohne Schlagwetter.
Fig. 13. Wettersicherer Gelatine-Dynamit IlI. Zusammensetzung:
30 Proz. gelatin. Nitroglyzerin, 32 Ammonnitrat, 6 Kaliumnitrat,
17 Roggenmehl, 2 holzmehl, 10 stearinsaure Tonerde, 3 flüf—
siges Paraffin. 500 g geben keine Sündung in Kohlenstaub und
schlagwetter.
Fig. 14. Westfalit für Kohle. Zusammensetzung: 91 Proz. Am—
monsalpeter, 4 Kalisalpeter, 5 harz. 450 g geben keine Sündung
in Kohlenstaub und Schlagwetter.
Die Fig. 12, 13, 14 sind aus weiterer Entfernung (etwa 20 m)
aufgenommen worden als die Fig. 9, 10 und 11 (etwa 5 m). Im
allgemeinen schließt man auf um so größere Sicherheit, je kom⸗
pakter und in sich abgerundeter das Flammenbild ist. Je mehr
Strahlen oder Pfeile herausschießen, um so unsicherer ist der Spreng⸗
stoff.
Ein wirksames Mittel, um die Flammentemperatur der Nitro—
glyzerinsprengstoffe so herabzusetzen, daß Schlagwettersicherheit
erreicht wird, ist der Ammoniaksalpeter. Solche, auf Anregung
der französischen Schlagwetterkommission entstandene Sprengstoffe
führen den Namen Grisoutine (grisou—Schlagwetter). Viel
verwendet werden 12-proz. Grisoutine aus 12 Proz. gelatiniertem
s5prengöl (11,75 Proz. Nitroglyzerin und 0,25 Rollodiumwolle)
und 88 Proz. Ammonsalpeter; 20-proz. Grisoutine (19,6 Proz.
Nitroglyzerin und 0,4 Proz. Kollodiumwolle, 80 Proz. Ammonnitrat);
 30-proz. Grisoutine (29,4 Nitroglyzerin, O,6 Proz. Kollodiumwolle,
 70 Proz. Ammonnitrat); ferner Gomme de sdreté
(25 Proz. Nitroglyzerin, J Proʒ. Kollodiumwolle, 64 Proz. Am⸗
monnitrat, 10 Proz. Kaliumnitrat). Grisoutine D ist eine Mischung
von Gurdynamit (75 Proz. Nitroglyzerin) und Ammonnitrat. Für
die Mischung 20 Proz. Gurdynamit und 80 Proz. Ammonsalpeter
        <pb n="115" />
        Sicherheitssprengstoffe.

107

z. B. wird angegeben: t— 14680; —6208 kg; 0,9441;
xplosionsdruck ⸗ 5940 kg/qem.
Grisoutite hat man solche Sprengstoffe genannt, bei welchen
die Flammentemperatur durch Zugabe kristallwasserhaltiger Salze
—
Durch die Verdampfung des Kristallwassers werden die Explosions⸗
gase abgekühlt. hierher gehören auch die Wetterdynamite.
Anstatt kristallwasserhaltiger Salze hat man auch Salze ver—⸗
wendet, die wie Ammonnitrat sich unter Gasentwicklung zersetzen,
3. B. Ammonoralat, Bikarbonate u. a. m.
Ein englisches Wetterdynamit hat z. B. die Zusammensetzung:
40 Proz. Dynamit, 45 Proʒ. Ammonoxalat, 15 Proz. Natron⸗
salpeter; ein belgisches Grisoutite: 44 Proz. Sprengöl, 44 Proz.
Magnesiumsulfat NMg80* 4 71u09), 12 Cellulose. Diese (älteren)
Wetterdynamite haben im allgemeinen keine große Schlagwetter—
sicherheit ergeben.
Besser bewährt haben sich die von Bichel in die Sprengtechnik
eingeführten Karbonite, Gemenge von 285 bis 30 Proz. Sprengöl
mit 25 bis 40 Proz. Roggenmehl und ebensoviel Kali- oder Natron⸗
— —
enthalten aber viel giftiges und brennbares Kohlenoxyd, da der
Kohlenstoffträger in starkem Überschuß vorhanden ist. Der Kohlen—
karbonit (der Karbonitfabrik zu Schlebusch) besteht aus 25 Proz.
sSprengöl, 34 Kalisalpeter, 39,5 Mehl (mit 2,5 Proz. Wasser),
l Barntsalpeter, O,5 Natriumkarbonat. Salpeter und Mehl werden,
gut getrocknet und feinst vermahlen, miteinander vermischt und
in besonderen Mischmaschinen, in welchen das Pulver durch Slügel
umgerührt wird, mit dem in feinem Strahle zufließenden Nitro⸗
glyzerin innig vereinigt.
Als Zersetzungsgleichung wird angegeben);:

I44 CGHONSGOVSA 80NOS 596 CHsOOSA 363 HBO
10Ba(NOS) 4 12Na?CO—
1648 C02 4- 2342 00
41647—80 4241682,—8977 N? 440CO 10 BaCO:
412 Naꝰcos
woraus sich ergibt

) HBeise, Sprengstoffe, 5. 112.
        <pb n="116" />
        108 Drittes Kapitel: Technologie der einzelnen Sprengstoffe.
v0*7631 A266 900 mkg
18450 136115kg
2 2 628 Kal. 0,7631
L1,15

Ganz ähnlich ist der Wittenberger Wetterdynamit der
Westf.Anh. Sprengst.Akt.-Ges. bestehend aus 25Proz. Nitroglyzerin,
34 Kalisalpeter, 1 Barntsalpeter, 38,5 Roggenmehl, 1 Holzmehl,
O,5 Natriumkarbonat. Der Versuch auf Wettersicherheit hat er—
geben, daß 1200 g des Sprengstoffs Kohlenstaub und Schlag—
wetter noch nicht entzünden.
Nach dem Karbonit-Cypus wird in den verschiedenen Ländern
eine überaus große Anzahl von Sicherheitssprengstoffen hergestellt,
bei welchen meistens holzmehl an Stelle von Roggenmehl ver—
wendet wird.
Karbonite, in welchen das flüssige Nitroglyzerin durch gelati—
niertes Sprengöl ersetzt ist, nennt man Gelatinekarbonite
oder wettersichere Gelatinedynamite. Das englischephönix—
Pulver z. B. besteht aus 28 Proz. Nitroglyzerin, I Nitrozellulose,
34 Ralisalpeter, 37 holzmehl.
Die Brisanz dieser Sprengstoffe wird erhöht, wenn man statt
Hali⸗MNatron⸗)salpeter Ammonnitrat verwendet. Zu diesen in
Deutschland viel hergestellten und gebrauchten wettersicheren
Ammongelatinedynamiten gehören z. B. zwei Sprengftoffe
der WestfAnh. Sprengst.Akt-Ges. von folgender Zusammen—
setzung:

Belatin. Nitroglyzerin .......
Ammonnitrat...... . .......
Maliumnitrat .. . . . . . . . ....
Stearinsaure Tonerde.. . . . . ..
Koggenmehl . . . . . . . . . . . . ....
olmehs deh
Flüfs. Paraffin .... . ....

Wettersicheres
Hel. Dynamitl

11
Pro⸗

1258
108
2 7
3.,5,

Wettersicheres
Gel. Dynamit II

30 Proz.
2
2
27

Von Nr.I geben 400 8, von Ur. Il 500 g noch keine Zündung
in Kohlenstaub und 9—proz. Schlagwetter. Die Brisanz ist bei
Nr. J etwas stärker als bei Ur. II (290 bzw. 240 cbhem Husbauchung
 im Trauzl⸗Zylinder).
        <pb n="117" />
        Sicherheitssprengstoffe.

109

Der Gelatinekarbonit der Karbonitfabrik Schlebusch besteht
aus 25,3 Proʒ. Sprengöl, 0,7 Kollodiumwolle, 6,9 Gelatine (aus 1 TI.
Ceim und 3,5 bis 7 UTln. wasserfreiem Glyzerin hergestellt), 25,6
Chlornatrium, 41,5 Ammonsalpeter. Die Wettersicherheit ist 300 g.
Die Gegenwart des Kochsalzes trägt zur Erhöhung der Wetter—
sicherheit bei. Ebenso sicher machend wirkt ein Zusatz von Chlor⸗
ammonium; 3. B. ein Sprengstoff aus 25 Proz. Nitroglyzerin, 0,6
ollodiumwolle, 6,8 Leimglyzeringelatine, 24 Natronsalpeter,
28,6 Ammonsalpeter, 15 Chlorammonium hat die Wettersicher⸗
heit 400 g; wenn statt des Salmiaks noch 15 Proz. Ammonnitrat,
also im ganzen 43,6 Proz. Ammonnitrat vorhanden sind, ist Wetter⸗
sicherheit nur bis 300 g Cadung (D. P. 175391). Nach Brit.
P. 28 245/02 von Bichel werden Sicherheitssprengstoffe hergestellt,
welche Chlorammonium und Kalium⸗(Natrium⸗nitrat in äquiva⸗
lenten Mengen enthalten. Es soll dann bei der Explosion Alkali—
hloriddampf entstehen, wodurch wegen Verringerung der Flammen⸗
zeit, der Flammenlänge und der Wärmeentwicklung die Sicherheit
erhöht wird. Zugleich wird die Entstehung von Chlorwasserstoff⸗
zas in den Nachschwaden vermieden.
Die hier benutzte Leimglyzeringelatine gibt dem Sprengstoff
eine bessere Plastizität, als sie durch die geringen in den Karbo—
niten enthaltenen Mengen Kollodiumwolle zu erreichen ist. Eine
erhöhte Plastizität, welche die vollkommene Ausfüllung des Bohr⸗
loches durch den Sprengstoff bewirkt, wird auch von der Dynamit⸗
gesellschaft RNobel nach D. P. 182030 erreicht. Dies geschieht,
indem an Stelle der bisherigen wasserunlöslichen Kohlenstoffträger
in Wasser lösliche oder quellbare Kohlenhydrate, wie Stärkemehl,
Gummi, Dextrin, der Nitroglyzerin⸗Rollodiumwolle-Gelatine beim
Gelatinierprozesse zugesetzt werden. So besteht der Nobelit aus
28Proz. Sprengöl, 0,7 Rollodiumwolle, 11 Dertrin, 0,5 holzöl,
39,7 Ammonsalpeter, 2,5 holzmehl, 17,6 Chlornatrium. Nobelit
ist sicher bis zu 600 g. Der Sprengstoff gibt O — 768 Kal.,
20688, v * 635 1.
Sprengstoffe dieser Klasse werden jetzt in sehr großer Zahl her—
gestellt. Zum Teil sind sie sehr sprengkräftig und dabei doch
mehr oder weniger wettersicher. Es würde zu weit führen, sie
alle hier aufzuführen.
Dagegen sei bemerkt, daß die Anforderungen, welche für Sicher—
heitssprengstoffe gestellt werden, in verschiedenen Ländern ver⸗
schieden sind. Auf den deutschen Versuchsstrecken (Gelsenkirchen 3. B.)
        <pb n="118" />
        110 Drittes Rapitel: Technologie der einzelnen Sprengstoffe.

werden Patronen von 35 mm Durchmesser aus einem Stahlmörser,
dessen Bohrloch 55 mm weit und 500 bis 600 mmm tief ist, ohne
Besatz abgeschossen. Man beginnt mit einer Ladung von etwa
300 g und ändert diese bei jedem neuen Schuß um 50 g, bis die
vicherheit erreicht ist, d. h. diejenige höchste Grenze, bei der noch
keine Sündung des 9⸗proz. Schlagwetters (in Gelsenkirchen wirk
liches Grubengas mit 7 bis 9 Proz. Methan aus der Grube Alter
Mann) mit aufgewirbeltem Kohlenstaub (oder ohne solchen) ein—
tritt. Bei Sprengungen in der Grube ist die Ladung mit guten
Besatz versehen. Die Versuchsbedingungen sind also der Praxis
gegenüber absichtlich erschwert. Auf der andern Seite wird ein
Teil der Explosionswärme von der Wandung des Stahlmörsers
aufgenommen.
In England (Woolwich) werden, wie in der Praxis, nur gut
besetzte Ladungen abgefeuert in eine mit 15 Proz. Leuchtgas und
85 Proz. Luft gefüllte Kammer einer Versuchsstrecke von nur 72m
Durchmesser. Die geringere Weite der Strecke verhindert besser
das Ausweichen des Schlagwetters vor den Explosionsgasen. Die
Cadung, immer 4 ounces (112 8), wird aus einem Geschützrohr
mit 6 Soll Lehmbesatz abgeschossen. Die entwickelte Kraft kann
noch durch den Rückstoß des Geschützes gemessen werden. Das
Leuchtgas⸗Cuft⸗Gemisch ist viel leichter entzündlich, als Luft⸗ und
Grubengas, so daß verhältnismäßig geringe Mengen Sprengstoff
Zündung hervorrufen. Die englische Vorschrift verlangt nun, daß
von 20 Schüssen mit Mengen, welche einen bestimmten Ausschlag
des ballistischen Pendels geben, bei einem Besatz von 6 oder 9 Zoll
kein Schuß eine Sündung bewirke. Infolgedessen stehen auf der
englischen Permitted List“ viele Sprengstoffe, die auf dem Konti⸗
nent nicht als sicher angesehen werden.
Auf der österreichischen Versuchsstrecke in Mährisch-Ostrau wird
der Sprengstoff freiliegend oder in Blechhülsen im Gasgemenge
(7 bis 9 Proz. Methan) selbst zur Entzündung.gebracht, ohne Ge—
schütz, unter Steigerung bis zur Wetterzündung. Die entwickelte
Kraft wird durch die Stauchung eines unter die Patrone gestellten
Bleizylinders gemessen.
Aus den angegebenen Beispielen geht hervor, daß das Ammon⸗
nitrat ein ausgezeichnet sicher machender Stoff ist. Seine Zer⸗
setzungswärme ist außerordentlich niedrig, Flammendauer und
Flammenlänge werden dadurch verringert, und die Explosions⸗
temperatur wird herabgesetzt.
        <pb n="119" />
        Ammonnitrat⸗Sprengstoffe. 111

Das Ammomnitrat ist selber ein (vollständig vergasender) Er—
plosivstoff. Für die Sersetzungsgleichung HNOSS2ο--Ho
ergeben sich:
89761 381 Kal. s5196 mkg
*113460 A161925 mkg.

In den Explosionsgasen ist freier Sauerstoff enthalten. Man wird
daher die an sich geringe Arbeitsleistung des Ammonsalpeters durch
Zugabe eines der Menge freien Sauerstoffs entsprechenden Kohlen⸗
stoffträgers vergrößern können. Eine weitere Erhöhung der Explo⸗—
sionsfähigkeit und Arbeitsleistung erzielt man durch geringen Zusatz
anderer Sprengstoffe, wie Nitroglyzerin, Schießbaumwolle, Trini⸗
trotoluol, Dinitrobenzol u. dgl. m. Nach diesem Prinzip werden die
Ammonsalpetersprengstoffe hergestellt, die in unserer Zeit
eine sehr große Bedeutung erlangt haben. Sie sind gegen Stoß und
Schlag unempfindlich und können auf der Eisenbahn als Stückgut
transportiert werden. Durch eine Flamme werden sie kaum ent⸗
zündet; in Berührung mit Flammen oder Funken tritt Explosion nicht
ein. Sie gefrieren nicht, wenn sie kein Nitroglyzerin enthalten.
Diesen guten Eigenschaften stehen gewisse Nachteile gegenüber.
Sie bedürfen sehr starker und deshalb teurer Sprengkapseln zur
Explosion. Diese ist nicht immer vollständig; man steigert des—
halb die Empfindlichkeit durch hinzufügung von etwas Nitro—
glyzerin. Am unangenehmsten ist die große Hygroskopizität des
Ammonnitrats. Die Patronen erhalten allerdings einen Uberzug
von Paraffin; dennoch empfiehlt es sich nicht, sie lange in feuchten
Gruben lagern zu lassen. Für die vollkommen trocknen Kalisalz⸗
bergwerke kommt dies nicht in Betracht.
Beispiele aus dieser zahlreichen Sprengstoffklasse sind außer
einigen schon erwähnten Sicherheitssprengstoffen die folgenden:
Der Westfalit für Gestein der Westf.-Anh. Akt.«Ges. be—
steht aus 95 Proz. Ammonitrat und 5 Proz. harz. Im Westfalit
für Kohle sind 4Proz. Ammonnitrat durch Kaliumnitrat ersetzt.
Die feinpulverigen Stoffe sind sehr hygroskopisch. Die Patronen⸗
hülsen werden deshalb paraffiniert. Oder, da die Schlagwetter—
sicherheit durch paraffiniertes Papier etwas herabgesetzt wird,
man benutzt sog. Beutelpatronen. Bei diesen ist die mit gewöhn⸗
lichem Papier versehene Patrone in eine äußere hülse aus paraf—
finiertem Papier gebracht, die beim Lagern der Patronen schützend
wirkt, vor dem Benutzen des Bohrloches aber entfernt wird.
        <pb n="120" />
        112 Drittes Kapitel: Technologie der einzelnen Sprengstoffe.

Vom Westfalit für Kohle geben 450 g noch keine Sündung in
Kohlenstaub und Schlaqwetter. Seine Sersetzungsgleichung ist:
6GSS7 NH*. NOEG 24 NOS 4 10 C2MSOOSS
I88 COS4 I524 HBO 4- 108 02 69 N24- 12 kacOs.
Dies ergibt:
* 9301 A — 318325 mkg L0,85
t⸗18060 f* 7316 kg
0 -749 Lal. q —0.,9301

Der Neu-Westfalitenthält 70,3 Proz. Ammonnitrat, 1,98 Proz.
Baumwohlsaatmehl, 10,89 Proz. Dinitrotoluol, 16,83 Proʒ. Alkali⸗
chlorid. Der Sprengstoff ist noch sicher in Patronen von 541 g.
hier ist die Empfindlichkeit erhöht worden durch Zusatz eines Nitro—
körpers, des Dinitrotoluols.
Dies Prinzip verwendet auch die Karbonitfabrik zu Schle—
busch, welche zu ihren Ammonnitratsprengstoffen das noch wirk
samere Trinitrotoluol (wohl die symmetrische Form CHꝰ: (NO)sß—
1:2:4: 6) verwendet. Bei anderen wird die Empfindlichkeit durch
Zusatz von Nitroglyzerin gesteigert. Diese Sprengstoffe sind fol⸗
gendermaßen zusammengesetzt:

Ammonnitrat .....
Kaliumnitrat ....
Sprengöl........
Kollodiumwolle ...
Mehl ............
Trinitrotoluol. . ...
Kohlenstaub ....

Ammon⸗
karbonit

82 Proz.
12
3.8
9,2 —2
1,0 *

Ammon⸗
karbonif

80

p J

5,0

Donarit

Thunderite
(für England)

30,0 Prozʒ. 92.0 Proz.

A
4,0 V

Die Fabrikation erfolgt so (D. P. 129381), daß feingepul—
verter Ammonsalpeter, Trinitrotoluol und Mehl auf tellerför—
migen, mit Dampf auf etwa 809 erwärmten Mischpfannen unter
Anfeuchtung zur Verkleisterung des Stärkemehls innig bis zur
Trockenheit verrührt werden. hierbei soll der Ammonsalpeter durch
den entstehenden Kleister umhüllt werden, so daß seine hygro—
skopizität vermindert wird. Dem trockenen Pulver wird in einer
besonderen Mischmaschine das Nitroglyzerin zugesetzt.
        <pb n="121" />
        Ammonnitrat⸗Sprengstoffe.

113

Über die Ammonkarbonite und Donarit hat Bichel) nach⸗
stehende Daten ermittelt;

Ammonkarbonit

Ammonkarbonit I Donarit

Normalausbau⸗
chung im Blei⸗
block. .....
Kalorien pro Ikg

3ss edem 260 obom
890 609
22,831002 4 12,3002 4
Schwadenanalnse, 29, 1604,äNAIOM
Proz. .....3083NO4 38,3 H20 4
6,49 00 7,3k200
Berechnete Temp. 20780 16480
Grenzgewicht (g),
welches Schlag⸗
wetter noch
nicht entzündet

450 cbem
836
29,70024
0,600 4
35, 88ä -4
33,9 H20
20660

3008

500 g

130 8
nicht sicher)

Von einigen andern Ammonsalpetersprengstoffen sei nur kurz
die prozentische SZusammensetzung angegeben
Dahmenit A (Vastroper Sicherheitssprengstoff⸗Akt.⸗Ges.):
91,3 Ammonsalpeter, 6,475 Naphtalin, 2,225 Kaliumbichromat.
Gesteinsdahmenit (dieselbe Fabrik): 84,5 Ammonsalpeter,
12 Wurzelmehl (Curcuma), 1 Binitrobenzol, 2,5 Kaliumbichro—
mat.
Roburit l (Roburitfabrik zu Witten): 87,5 Ammonsalpeter,
Binitrobenzol, 0,5 Kaliumpermanganat, 5 Ammoniumsulfat.
Köln-Rottweiler Sicherheitssprengpulver Röln⸗Rott⸗
weiler Pulverfabriken): 93 Ammonsalpeter, 4.9 Leinöl, 1,2 Schwe⸗
fel, O,9 Bariumnitrat.
Wetterdynammon (Osterreich): 94 Ammonsalpeter, 2 Kali⸗
salpeter, 4 Rotkohle.
Progressit (Osterreich): 94 Ammonsalpeter, 6 salzsaures
Anilin.
Die Favier'schen Sprengstoffe (Belgien) enthalten Nitroderi—
vate des Naphtalins. Nr. 13: 95,5 Ammonsalpeter, 4,5 Trinitro⸗
naphtalin. Ur. 16: 87,4 Ammonsalpeter, 12,6 Binitronaphtalin.
Ahnlich Ammonite England).
Antigrisou Favier Ur. II: 80,9 Ammonsalpeter, 11,7 Bi—
nitronaphtalin, 7,4 Chlorammonium.
1) Glückauf 1904, 1043.
Anus 286: Btedermann, Sprengstoffe.
        <pb n="122" />
        114 Drittes Kapitel: Technologie der einzelnen Sprengstoffe.
Faversham Powder (England): 84-86 Ammonsalpeter,
I0-12 Trinitrotoluol. 1-2 Chlorammonium, 2-3 Chlor⸗
natrium.
Von nitroglyzerinhaltigen Sprengstoffen dieser Gruppe seien
noch erwähnt:
Grisoutine B (Frankreich): 88 Ammonsalpeter, 11,75 Nitro⸗
glyzerin, 0,25 Kollodiumwolle.
Grisoutine G: 70 Ammonsalpeter, 29.4 Nitroglyzerin, 0,6
Kollodiumwolle.
Man sieht, daß die verschiedenartigsten organischen Körper als
Rohlenstoffträger herangezogen werden. Man wird natürlich
trachten, solche explosive Zersetzungen herbeizuführen, bei denen
die höchsten, nicht weiter verbrennbaren Oxydationsprodukte
(Kohlensäure) entstehen.
Auf der berggewerkschaftlichen Versuchsstrecke in Gelsenkirchen
und der staatlichen in Neunkirchen werden fast ohne Unterbrechung
Schießversuche mit immer neu komponierten Sicherheitssprengstoffen
ausgeführt. Die Ergebnisse werden veröffentlicht, z. B. im Glück—
auf (1908, Ur. 49; 1909, Nr. 4). An letzterwähnter Stelle macht
der Verfasser, Beyling, darauf aufmerksam, daß in neuerer Zeit
die Sprengstoffe als sichermachenden Bestandteil Alkalichlorid (Kochsalz)
 enthalten, 25 Proz. und mehr (s. 8S. 108). Die Erhöhung der
Sicherheit gegen Kohlenstaubzündung ist unbestreitbar. So zeigten
die beiden Sprengstoffe:

Nitroglyzerin ...
atronsalpeter ..
Mehl
Kaliumbichromate.
Thlornatrium ..

KarbonitlJ

25,0 Proz.
30,556
30 5

X

Zzündung mit 150

Rarbonit la

25,0 Proz.
30,00 4
38.0

708
Reine Zündung mit 6358

Beyling bestreitet aber, daß das Kochsalz auch Sicherheit
gegen Schlagwetter verleihe. Gelatinekarbonit mit 25,5 Proz. Koch—
salz zündete Schlagwetter schon mit 50 g Lademenge. Durch wei—
tere Erhöhung der Kochsalzmenge würde der Sprengstoff so ver—
dünnt werden, daß er den Namen eines solchen nicht mehr ver—
dient.
        <pb n="123" />
        Ammonal.

—115

9. Verschiedene Sprengstoffe.
a) Aluminium-Sprengstoffe.

Das Aluminium zeigt eine außerordentlich große Oxydations⸗
waärme. Die Reaktion Al-30 Al?Os entwickelt 386,6 Kal.,
d. h. 54 g Aluminium liefern bei der Verbrennung zu Aluminium—
oxyd eine Menge Wärme, welche die Temperatur von 385,6 kg
Wasser um 10 0. zu erhöhen vermag. Von dieser starken Wärme—
entwicklung. welche die Oxydationswärme der meisten andern
Hletalle übertrifft, machte zuerst Hans Goldschmidt technischen
Gebrauch. Die große Oxydationswärme kann vorteilhaft zur Ke⸗
duktion der Oxyde anderer Metalle ausgenutzt werden. So ge⸗
winnt man mit Leichtigkeit das früher so schwer zugängliche Chrom⸗
metall aus Chromoxyd: CrO -2412CůAlOS.
Die Tonerde wird dabei in der Form des kristallinen Korunds
erhalten, welcher wegen seiner härte ein vorzügliches Schleif⸗
mittel ist. Die Reaktion des Gemisches von Metalloxyd und Alu⸗
miniumpulver wird durch Initialzündung mittels einer sog. Zünd⸗
kirsche hervorgerufen. Dies ist eine kleine, durch Rlebstoff zu—⸗
sammengehaltene Kugel aus Aluminiumpulver und Bariumsuper⸗
oxyd, in welche ein Streifen Magnesium eingebettet ist.
Von der großen, bei diesen Keaktionen entwickelten Wärme wird
im besondern ein ausgedehnter Gebrauch gemacht zum Anlöten
und Anschweißen von Metallen, von Stahlschienen 3. B. Ein Ge⸗
misch aus einem billigen Metalloxyd und der äquivalenten Menge
Aluminium, welches meist noch einen Zuschlag von Sand od. dgl.
enthält, wird mittels einer Zündkirsche zur Reaktion an den be⸗
treffenden Metallteilen gebracht, die dadurch leicht bis auf Weiß⸗
glut erhitzt werden. Solche Gemische, die als Wärmeakkumulatoren
anzusehen sind, deren Wärme an beliebiger Stelle frei gemacht
werden kann, werden Ther mite genannt. Statt von Metalloxnden
kann der zur Bildung von Al?ꝰ erforderliche Sauerstoff auch
von sauerstoffhaltigen Salzen geliefert werden.
Es lag nahe, diese enorme Wärmeentwicklung auch der Spreng⸗
stofftechnik dienstbar zu machen. Dabei ist zu berücksichtigen, daß
die Thermite selber keine Sprengstoffe darstellen, da bei ihrer Re⸗
aktion keine Gasentwicklung stattfindet. Ein Zusatz von Thermit
zu einem Sprengstoffgemisch kann aber die Temperatur der Ex⸗
plosionsgase und damit ihre Kraftäußerung bedeutend steigern.
Dasselbe gilt für einen Zusatz von Aluminium, falls genügender
        <pb n="124" />
        116 Drittes Kapitel: Technologie der einzelnen Sprengstoffe.

Sauerstoff zu seiner Oxrydation in dem Sprenggemisch vorhan⸗—
den ist.
Goldschmidt selber hat in dieser Kichtung Versuche angestellt,
wie aus einem Belgischen Patent (127538) zu schließen ist.)
Die praktischen Erfolge waren aber nicht zufriedenstellend.
Dagegen ist ein Gemisch von Ammonnitrat und Aluminium—
pulver von großer Bedeutung als Sprengstoff geworden. Solche,
als Ammonal bezeichnete Sprengstoffe sind im Englischen Pat.
16277/1900 von Jos. Sührer beschrieben. Schon oben ist an—
gegeben, daß Ammomnitrat selber bei geeigneter Sersetzung als
Sprengstoff wirken kann. Diese plötzliche Serfetzung kann durch
Aluminiumpulver bewirkt werden. Man könnte daraus schließen,
daß die Herstellung eines solchen Sprengstoffs zu dem erwähnten
Goldschmidtschen Verfahren gehört, indem ein Sprengstoff (Am—
monnitrat) mit einem Thermit (äquivalente Mengen von Ammon—
nitrat und Aluminium) vermischt wird. Ellein man hat es hier mit
keiner Thermitwirkung zu tun. Ein molekulares Gemisch 2414
ZNH*. NOꝰ (d. h. 18,4 Proʒ. Aluminium 4 81,6 Proʒ. Ammonnitrat)
 ist kein Thermit. Es kann nicht in seiner ganzen Masse durch
eine Zündkirsche zur Umsetzung gebracht worden, weil die Zersetzungs⸗
temperatur des Ammonnitrats erheblich unterhalb derjenigen
liegt, bei welcher die Oxydation des Aluminiums eintritt. Die ex⸗
plosive Sersetzung des Ammonals kann nicht durch eine Zündung
mittels Zündkirsche, sondern nur mittels starker Knallquecksilber—
Zündung bewirkt werden.
Das Ammonal ist aus 72 Proz. Ammonnitrat, 25 Proz. Alu⸗
minium und 3 Proz. Kohle zusammengesetzt. Es ist ein außer⸗
ordentlich starker Sprengstoff. Versuche, die in Felixdorf in Oster⸗
reich ausgeführt worden sind Gtauchproben, Brisanzmessung)
haben gezeigt, daß 28 Ammonal 47 g Gelatinedynamit (mit
65 Proz. Nitroglyyzerin) entsprechen. Als Granatfüllung ist Am⸗
monal von größter Außenwirkung und Durchschlagskraft und über—
trifft in dieser Beziehung sowohl Dynamon (86 Ammonnitrat
14 Kohle) als auch Ckrasit (Ammoniumkresylat) und geschmolzene
Pikrinsäure bei weitem.?)
Ein Zusatz von Aluminiumpulver zu Sprengpulver ist auch schon

1) Recueil Belge des Brevets 1897, 8. 487; s. ferner Franz. Pat.
265193 und Goldschmidts Abhandlungen in Stschr. f. Elektrochemie
1897/98.
2) Zschr. f. d. ges. Schieß⸗ u. Sprengwesen 1906, 26.
        <pb n="125" />
        Ammonal.

117

von den Köln-Rottweiler Pulperfabriken seit 1902 gemacht wor⸗
den. Ihre Anagon-Sprengpulver haben die Zusammensetzung:

Für Kohle Für Gestein

Ammonsalpeter .....
Kalisalpeter . ...
Herharztes Ceinöl
holzkohle ......
luminium . .....
Barytsalpeter

78,5 Proz.
1755884
28
1,0
3.5

84,5 Proz.
1,685

3.0
5,5
0.5

1.

Durch die Ausnutzung der Wasserkräfte und durch die Vervoll—
kommnung der elektrischen Ofen ist die Gewinnung des Alumi⸗
niums so verbilligt worden, daß der Preis seiner Verwendung zu
Sprengstoffen nicht hindernd im Wege steht. Auch die erforder⸗
liche feine Zerkleinerung zu sog. Aluminiumbrokat von unter
O,5 mm Korngröße — das früher bekannte griesförmige Alu⸗
minium ist nicht brauchbar — wird ohne Schwierigkeit in Stampf⸗
vorrichtungen ausgeführt.
Ein Nachteil ist es, daß das feine Aluminiumpulver sich beim
Lagern allmählich oxydiert, wodurch nicht nur seine Wirkung bei
Verwendung des Sprengstoffes beeinträchtigt wird, sondern auch
so viel Wärme entwickelt werden kann, daß die Gefahr vorzeitiger
explosiver Zersetzung gegeben ist. Eine in Osterreich vorgekommene
Txplosion eines Ammonallagers scheint auf diese Ursache zurück
zuführen zu sein. Die Möglichkeit, eine vorzeitige Oxydation zu
verhindern, ist aber nicht ausgeschlossen. Nach D. P. 198 704 von
Claessen werden Zink.Aluminiumlegierungen an Stelle von Alu—
minium verwendet, wodurch die Haltbarkeit der Sprengstoffge⸗
mische vielleicht erhöht wird.
Auch Ferrosilizium hat man zur Erhöhung der Brisanz
vorgeschlagen; so wird im Ver. St. P. 850268 von Sparre ein
Sprengstoff aus 74 Proz. Ammonnitrat, 6 Proz. Nitrozellulose,
b Proz. CTrinitrotoluol, 2 Proz. Kerosin und 12 Proʒ. Ferrosilizium
angegeben. Das Schwed. Pat. 23947/1906 von i. Wessel be—
schreibt einen Sprengstoff aus 50 — 80 Ammonnitrat, 5 —20 Ferro⸗
silizium, 5 bis 25 Nitrozellulofe, &amp;amp;— 10 Kohle, O—8 Ammoniumchlorid
 oder Ammoniumoxalat.
        <pb n="126" />
        118 Drittes Kapitel: Technologie der einzelnen Sprengstoffe.

p) Pikrinsäure.
Das Trinitrophenol CHꝰ(NO). OH (3NO-2: 4: 6) wurde
schon Ende des 18. Jahrhunderts durch Einwirkung von Salpeter⸗
fäure auf Indigo, auf Seide (Welter's Bitter), auf Alos usw.
erhalten. Seine Darstellung aus Phenol zeigte zuerst Caurent
im Jahre 1843. Dumas gab dem sehr bitter schmeckenden Kör—
per den Namen Pikrinsäure.
Zu ihrer Darstellung im großen dient das Phenol, das man
zunächst in Phenolsulfosäure umwandelt. Diese tauscht dann beim
Nitrieren die Sulfo- leicht gegen die Nitrogruppe aus. Man er—
hitzt gleiche Mengen Phenol und konzentrierter Schwefelsäure auf
100 bis 1200, bis das Produkt wasserlöslich, d. h. zur Sulfo⸗
säure geworden ist. Man nitriert dann die Säure durch Eintragen
in 3 Teile Salpetersäure von 1,4 spez. Gew. Nach dem Erkalten
erstarrt das Produkt zu einer kristallinischen Masse, die abge—
schleudert, mit kaltem Wasser gewaschen und aus heißem Wasser
umkristallisiert wird.
Die Pikrinsäure bildet gelbe nadelförmige Kristalle vom Schmelz⸗
punkt 122,50. Sie ist in kaltem Wasser wenig, in Alkohol, Äther,
Benzol leicht löslich. Sie ist ein intensiver gelber Farbstoff für
die tierische (stickstoffhaltige) Textilfaser.
Wird die Pikrinsäure vorsichtig über ihren Schmelzpunkt hin⸗
aus erhitzt, so sublimiert sie; bei plötzlichem Erhitzen, besonders
wenn feste Fremdkörper, z. B. Bleiglätte, zugegen sind, explodiert
sie aufs heftigste; ebenso durch eine starke Initialzündung. Tur—
pin machte im Jahre 1886 zuerst hiervon Gebrauch. Da die
Pikrinsäure nicht genug Sauerstoff enthält, um eine vollständige
Verbrennung des Kohlenstoffs zu bewirken, so setzte man ihr
Sauerstoffträger, wie Salpeter und Kaliumbichromat, zu. Das
französische Melinit, welches seiner Zeit (etwa 1886) großes
Aufsehen machte, war im wesentlichen ein patroniertes Gemisch
von Pikrinsäure und in Ather gelöster Kollodiumwolle. Turpin
zeigte dann, daß geschmolzene Pikrinsäure noch stärkere Wirkungen
ausübe. Sie muß durch sehr starke Zündhütchen oder durch trockene
schießbaumwolle zur Detonation gebracht werden. Solche ge⸗
schmolzene Pikrinsäure wird besonders zum Füllen von Granaten
verwendet, in die man sie direkt aus dem Schmelzkessel eingießt,
worauf man den Zünder einsetzt und erkalten läßt.
Da die Pikrinsäure einen hohen Schmelzpunkt hat (122,59, so
        <pb n="127" />
        Pitkrinsäure. Pikratsprengstoffe. 119

ist die Schmelzoperation nicht ohne Gefahr. Man macht deshalb
von der auch sonst häufig beobachteten Tatsache Gebrauch, daß
ein Gemisch zweier Stoffe von hohem Schmelzpunkt einen nie—
drigeren Schmelzpunkt besitzt als die Komponenten. So schmilzt
nach Girard) ein Gemisch von gleichen Molekülen Trinitrophenol
(Schmelzp. 1220) und Nitronaphtalin (Schmelp. 619 bei 490;
ebenso mit Dinitrotoluol (Schmelzp. 719 bei 470; ebenso mit
Trinitrokresol (Schmelzp. 10709) bei 700.
Die geschmolzene Pikrinsäure, meistens noch vermischt mit
Nitronaphtalin, Dinitrotoluol usw., wird in Frankreich auch als
Melinit, in England als Cyddit, in Japan als Shimose be—
zeichnet.
Die Sersetzung der Pikrinsäure erfolgt nach der Gleichung:
2066NOSOMS COCHSOIICOS2BEA BZN..
Wie man sieht, besteht der Nachschwaden der größten Menge
nach aus brennbarem Kohlenoxyd und Wasserstoff. Aus der Glei—
hung ergibt sich:
28320 0 2 873,2 Kal. f* 9780,6k8.
Die sehr hohe Detonationsgeschwindigkeit und die damit zu—
sammenhängende dynamische Stoßwirkung ist schon auf 8. 93
angegeben.
Es hat sich gezeigt, daß die Pikrinsäure in Berührung mit dem
Metall der Geschoßwand pikrinsaure Salze bilden kann. Diese
Pikrate sind aber wenig stabil und können daher explosive Zer—
setzung veranlassen.
Beständiger sind die Alkalisalze der Pikrinsäure. Folgende von
Designolle (1861) angegebene Pulvermischungen waren eine
Zeitlang in Frankreich in Gebrauch:

Kaliumpikrat ...
Salpeter . ....
Kohle .....

Für
Torpedos
u. Granaten

55
45

—A
—
82

Geschützpulver

gewöhnl.

für
große
Ge⸗
chüre

Gewehrpulver

9,66 9 23,.6
7397 80 69,0
10.7 11 6.4

22.9
69,4
7.7

Brit. Pat. 6045/1905.
        <pb n="128" />
        120 Drittes Kapitel: Technologie der einzelnen Sprengstoffe.

Der Zersetzungsgleichung

5 CGHNOMSOK IBZKNOS—
9K2CO21002 - 5—20 16N

entspricht die Wärmeentwickelung (für IKg) O 1015Kal. (Wasser
flüssig) oder 997 Kal. (Wasser gasförmig). Die Zusammensetzung
dieses Gemisches ist ungefähr die von 50 Gewichtstln. Kalium—
pikrat und 50 Thln. Kaliumnitrat. Für Geschütz- und Gewehrpulver
wird, um die Brisanz zu mildern, ein Teil Pikrat durch Kohle
ersetzt.
Ein Gemisch von Pikrat und Kaliumchlorat (von Fontaine
vorgeschlagen) hat sich als zu gefährlich erwiesen.
häufiger benutzt worden ist das Ammoniumpikrat im Verein
mit einem Sauerstoffträger. Der Sersetzungsgleichung
5 CGHNOVSONHBS 4 I6KNOs —
8SRKCOS422002 15—20 -. 36N

entspricht O — 1109 Kal GWasser gasförmig).
Ein von Brugère angegebenes Pulver aus 54 Teilen Ammo—
niumpikrat und 46 Teilen Kaliumnitrat entspricht nicht ganz
diesen Molekularverhältnissen.
Mischungen von Ammoniumpikrat mit Barium- bzw. Strontium⸗
nitrat werden in der Kunstfeuerwerkerei zur Erzeugung grüner
bzw. roter Feuer benutzt.
Wie die Pikrinsäure wird auch das homologe Trinitrokresol
HNO)S OH als güllung von Sprengeschossen verwendet, in
Frankreich unter dem Namen Kresylit. Das Ammoniumsalz dieses
örpers ist das in der österreichischen Armee verwendete Ekrasit,
dessen Wirkung ungefähr die doppelte des Dynamits sein soll.
Noch viele andere hoch nitrierte organische Körper können be—
greiflicherweise Sprengwirkungen ausüben. Erwähnt sei z. B. das
hexanitrodiphenylamin

C6 HꝰNO)⸗
INI.οäα,

dessen Ammoniumsalz ein orange Wollfarbstoff (sog. Aurantia)
ist, und welches selber wie Pikrinsäure als brifanter Sprengstoff
gebraucht werden kann. Auch Tetranitrophenoläther CꝰH(NOV)ä.
O · CGHSNO) sei erwähnt.
Die Soc. anon. d'explosifs et de prod. chimiques
        <pb n="129" />
        Nitrokörper. Ornliquit.

121

empfiehlt im Sranz. P. 391 106 die Verwendung von hexanitro—
oxanilid

cO. NH. CHeoꝝ⸗
O NB. CP NO

zur Herstellung von Schießpulvern und Ammonsalpetersprengstoffen.
Die Westf. Anh. Sprengst.⸗A.-G. verwendet nach D. P. 203190
Dinitrodialkyloramid für sich oder mit anderen Sprengstoffen als
Granatfüllung und für Sprengstoffe im Grubenbetrieb.
In neuerer Seit hat man zum Füllen von Granaten an Stelle von
Pikrinsäure vielfach Trinitrotoluol verwendet. Ruch zu Spreng—
stoffmischungen findet dieser Körper jetzt viel Anwendung. Es wird
in großem Maßstabe das symmetrische Trinitrotoluol Cẽ 2. CHâ.
(NO9s vom Schmelzpunkt 810 (cHS: NOE— 1: 2: 4: 6), am
besten in mehreren Nitrierphasen, hergestellt, indem man erst das
leicht erhältliche Mononitrotoluol gewinnt, dies mit Salpeter⸗
schwefelsäure in der Wärme in Dinitrotoluol überführt und dies
in schwefelsaurer Lösung mit starker Salpetersäure weiter nitriert.
Beim Schmelzen zeigt das Trinitrotoluol erhebliche Volumenver⸗
mehrung. Es hat dann ein geringeres spezifisches Gewicht als
Pikrinsäure. Man hat deshalb Pressen und Zusatz von Dinitro⸗
toluol vorgeschlagen. Bichel empfiehlt im Franz. P. 369371
die Dichte durch Druck von Preßluft auf die geschmolzene Masse
zu vermehren. Die Preßwirkung der Druckluft wird durch Kühlen
der Gießformen noch verstärkt. Es ist die Dichtigkeit von

geschmolz. Trinitrotoluol 1,35
Pikrinsäure 1,62
Nitronaphtalin 1.23

nach Luftdruck von 24tm. 1,6
j 1 1 1,67
11 17 14— 1,32

Wichtig ist es, daß Trinitrotoluol nicht, wie es bei Pikrinsäure
vorkommen kann, salzartige chemische Verbindungen mit dem
Metall der Granatwandung eingeht.

c) Oxyliquit.

Seitdem man imstande ist, auf verhältnismäßig einfache Weise
Cuft in beliebiger Menge zu verflüsfigen und durch Verdunsten
des Stickstoffes eine mehr oder weniger sauerstoffreiche Flüssigkeit
zu erhalten, hat man auch daran gedacht, solche sauerstoffreichen
Flüssigkeiten als Sauerstofflieferer fuͤr die Sprengstofftechnik heran—
zuziehen. In doppelwandigen, zur Abhaltung der ftrahlenden Wärme
        <pb n="130" />
        122 Drittes Kapitel: Technologie der einzelnen Sprengstoffe.

versilberten Gefäßen kann man flüssige Luft eine Zeitlang auf—
bewahren. Bringt man sie mit feinzerteilten Kohlenstoffträgern,
3. B. Kohlenstaub oder mit Watte, die mit Petroleum imprägniert
ist, zusammen, so kann man auf diese Weise mit Papierhüllen
Patronen machen, die durch Sprengkapseln zu heftigster Explosion
gebracht werden. Nach W.Schulz!) kann eine Mischung von holz⸗
kohlenpulver mit flüssiger Luft von 50 Proz. Sauerstoffgehalt die
Wärmemenge von 1200 Kal. auf 1 Kg entwickeln. Da die flüssige
Cuft bei — 1910 siedet, da im Bohrloche infolge der unvermeid—
lichen Verdampfung das Mischungsverhältnis der Sprengstoff—
komponenten sich rapide ändert, und aus anderen Gründen ist an
die allgemeine Einführung der flüssigen Luft in das Sprengstoff—⸗
wesen nicht wohl zu denken. Es sei aber darauf hingewiesen, daß
der oben erwähnte Sprengstoff, Kohlenstaub — flüssiger Sauerstoff
ein gutes Beispiel ist für die Bedeutung der chemischen Reaktion
und der damit verbundenen Wärmentwicklung.
Die beiden Systeme

O(flüss.) 4. C CO(Gqasf.) und COꝰ (fluss.) ⸗ CO?(gasf.)
gleichen sich insofern, als die Volumverhältnisse im Endzustand
die gleichen (1 Mol. Kohlensäure), im Anfangszustande nahezu die
gleichen (1 Mol. Sauerstoff, 1 Mol. Kohlensäure) sind. Wenn
aber flüssige Kohlensäure in gasförmige Kohlensäure übergeht,
so verbraucht 1 kg dazu bei 09 die Wärmemenge von 57,48 Kal.
oder das Gramm⸗Mol. 2,5 Kal., und durch diese große Wärme—
bindung wird die Verdampfung alsbald zum Stillstand gebracht.
Vereinigt sich aber das Molekül Sauerstoff mit Kohlenstoff zu
1 Mol. Kohlensäure, so wird eine Wärmemenge von 97,65 Kal.
pro Gramm-Mol. frei. Diese enorme Wärmeentwicklung pflanzt
die Reaktion momentan fort, d. h. bewirkt Explosion.
4y Knallquecksilber.

Das im Jahre 1799 von howard entdeckte Knallquecksilber
C2NOHg oder CCNO?) (CN) Hg ist ein Körper von außerordentlicher
 Explosibilität. Zu seiner herstellung wird ein Teil Queck—
silber in 10 Teilen Salpetersäure vom spez. Gew. 1,4 unter mäßigem
Erwärmen aufgelöst und die warme Lösung in ein geräumiges
Glasgefäß, welches 8,3 Teile Alkohol von 0,83 spez. Gew. enthält,
gegossen. In lebhafter Reaktion, bei welcher sich Kohlensfäure,
1) Glückauf 1898. Ur. 17.
        <pb n="131" />
        Knallquecksilber. 123

Essigäther, Stickoryd und andere Gase entwickeln, scheidet sich das
Knallquecksilber in kleinen grauweißen Kristallen ab, die in kaltem
Wasser fast unlöslich sind und das spez. Gew. 4,43 haben.
Das Trocknen des Knallquecksilbers (unterhalb 409) ist eine ge⸗
fährliche Operation. Ein von Paßburg konstruierter Vakuum—
apparat soll aber dazu geeignet sein. Es detoniert heftig beim
Erhitzen bis auf etwa 186, leicht auch durch Schlag oder Keibung.
Auch das nasse Präparat kann durch Stoß explodieren, sicher,
wenn es durch eine kleine Menge trockenen Rnallquecksilbers ge—
zündet wird. Seine Empfindlichkeit wird erheblich vermindert,
wenn es mit Glyzerin, Vaselin, Mineralöl vermischt, „phlegma—
tisiert“ wird. Es wird aber in diesem Zustande durch eine Zünd⸗
pille von nicht phlegmatisiertem Knallauecksilber zur vollen Er—
plosion gebracht.
Die Zersetzung erfolgt nach der Gleichung
CNOHg - 200 Hg - Nae.
Demnach vo *314,619 A174772 mkg.
t34530 f4450 kg
0 411,2 Kal.y) 40.3411

Wegen der hohen Ladedichte, die mit Knallquecksilber erreicht
werden kann, und der außerordentlichen Detonationsgeschwindig⸗
keit ist die Cxplosionswirkung überaus hestig. Seine Sersetzung ist
so plötzlich, daß es Schwarzpulver, auf welches es gelegt ist, bei
der Explosion verstreut, ohne es zu entzünden. Befindet es sich
aber in einer noch so schwachen Umhüllung, so tritt Entzündung
ein. Je widerstandsfähiger die Hülle ist, um so heftiger ist der
Explosionsstoß.
Bei der Explosion im eigenen Volumen, d. h. unter der Dichtig⸗
keit 4,43, gibt das Knallquecksilber theoretisch den Druck von
28750 kę pro qem. Berthelot und Vieille haben experimen—
tell mittels des Crushers gefunden 27 470 kg. Diese Werte über⸗
treffen die aller anderen Sprengstoffe.
Ahnliche Eigenschaften wie das Knallquecksilber zeigen das
Knallsilber und Knallgold. Diese Körper sind aber noch empfind⸗
licher als jenes, sie finden keine technische Anwendung.
Auch das Knallquecksilber wird nicht als eigentlicher Spreng⸗
stoff verwendet. Sowohl das entwickelte Gasvolumen (vo), als

1) Quecksilber gasförmig.
        <pb n="132" />
        124 Drittes Kapitel: Technologie der einzelnen Sprengstoffe.

auch der Energieinhalt (O) bleiben hinter denen anderer Spreng⸗
stoffe weit zurück. Wohl aber ist es das ausgezeichnete Material
zur Füllung der Zündkapseln.
Bei der Sersetzung des Knallquecksilbers wird der Kohlenstoff
nur zu Kohlenoxyd orndiert. Die vollständige Verbrennung zu
Kohlensäure erreicht man durch Zugabe eines Sauerstoffträgers,
als welcher meistens Kaliumchlorat benutzt wird. Die Zersetzung

3 CNODHS 2XCIOGCGCSG COCOSHS -2RKCIAGN,
welcher O 663 Kal. (Quecks. gasf.) entspricht, würde ein Ge—
misch von 77,7 Proz. Knallquecksilber und 22,3 Proz. Kalium—
chlorat erfordern; man nimmt gewöhnlich eine Mischung von 85
und 15 Proz., die mit einem Druck von etwa 250 kg pro Quadrat—
zentimeter gepreßt wird, meist noch unter Zusatz von etwas
Schwefelantimon.
Verschiedene Sprengstoffe bedürfen zur Explosion verschiedene
Mengen Zündmischung. Man fertigt diezündkapseln, zylindrische
Kupferhülsen, die an einem Ende geschlossen sind und die lichte
Weite der aufzunehmenden Zündschnur besitzen, in zehn verschie—
denen Größen an:
Ur....... 12 4 dle
Füllung ing 0.3 0.4 0.54 0,65 0.8 1,0 1.5 2.0 25 3,0
Zur Prüfung der Sprengkapseln bedient man sich kleiner Blei—
zylinder von 100 mm höhe und 100 mmm Durchmesser mit zen—
traler Bohrung (55 mm tief) von der Größe der zu prüfenden
Kapsel und prüft, wie beim Trauzl-Bleiblock, die durch die Ex—
plosion entstandene Ausbauchung. Die Sprengkapsel Nr. 8 soll
eine Ausbauchung von 28 bis 30 cbem ergeben.
Noch gebräuchlicher ist es, die Sprengkapsel einfach auf eine
quadratische Bleiplatte zu stellen. Die in die Kapsel eingeführte
Zündschnur wird durch einen Bügel geführt und gehalten. Bei
der ZSündung schlägt die Kapsel eine Vertiefung in die Bleiplatte und
bringt auf dieser noch weitere charakteristische Merkmale hervor.
Die folgenden Abbildungen nach photographischen Aufnahmen
zeigen in den beiden ersten Darstellungen der oberen Reihe die
Wirkung guter Sprengkapseln. Von der eingeschlagenen Vertiefung
verläuft eine gleichmäßige radiale Strahlung auf der Bleiober—
fläche. Dies ist die Folge davon, daß die Kupferhülse durch das
Knallquecksilber zu staubförmig feinen Teilchen zerrissen und über
die Bleifläche hinweggeschleudert ist. Andere Bilder zeigen gröbere

3
        <pb n="133" />
        Sprengkapseln.

125

Cinien und Spuren von größeren Ceilchen, die wie Geschosse in
das Blei hineingeschleudert sind. Die sichere Zündung einer Spreng⸗
ladung wird nur durch eine Art der Sprengkapsel gewährleistet, die
gleichmäßige Explosionsspuren ergeben hat.
In neuerer Zeit hat man auch andere Stoffe als Knallqueck—
silber zur Initialzündung herangezogen und damit zum Teil, je
nach der Beschaffenheit der Körper, verstärkte Zündwirkung er⸗
zielt. So zunächst Pikrinsäure. Diese wird von einer dünnen Schicht
Knallquecksilber bedeckt, welche zuerst zur Entzündung kommt.
Da Pikrinsäure auf die Dauer das Kupfer der Kapsel angreift,
so wird dieser Körper zweckmäßig durch Trinitrotoluol ersetzt, bei
dem dies ausgeschlossen ist. Auch Tetranitromethylanilin scheint
—DD

Fig. 15.
silber, haben nicht nur den Vorteil größerer Billigkeit, sondern
auch den der stärkeren Initialwirkung. Mit 0,5 g Rnallquecksilber
kann man auf diese Weise Zündung erzielen, wo sonst Sprengkapseln
mit 3 gerforderlich waren. Solche aromatische Trinitroperbindungen
sind auch sichere Vermittler der Zündung von feuchter Schießbaum—
wolle (wozu übrigens auch trockene Schießbaumwolle dienen kann).
Die große Detonationsgeschwindigkeit des Knallquecksilbers, sein
hohes spezifisches Gewicht und die davon abhängige Ladedichte
gelten als die Cigenschaften, die es als Initialsprengstoff besonders
geeignet machen. Loth. Wöhler und O. Matter weisen indeß
darauf hin, daß es Sprengstoffe von größerer Detonationsgeschwin—
digkeit gibt, z. B. Nitromannit, die keine Initialwirkung zeigen.
Nach ihnen kommt es mehr auf die Auslösungsgeschwindigkeit
GSensibilität) des Körpers an. Nun ist das Knallquecksilber ja
von sehr großer Empfindlichkeit; es explodiert, wenn der 2 kgę-
        <pb n="134" />
        126 Drittes Kapitel: Technologie der einzelnen Sprengstoffe.

Sallhammer aus 2 em höhe darauf fällt; Gurdynamit bedarf
7 em Sallhöhe, Gelatinedynamit 17, Pikrinsäure 35, Trinitro—
toluol 57, Schießwolle, gepreßt, mit 15 Proz. Wasser, 85, Schwarz—
pulver, grobes 100, Petroklastit 150, Schießbaumwolle mit über
20 Proz. Wasser 180 em (Willhj.
Es gibt aber viel sensiblere Stoffe als Knallquecksilber, die
eben wegen ihrer übergroßen Empfindlichkeit von der Verwen—
dung als Sprengstoffe ausgeschlossen sind, wie dies ja auch für
das Knallquecksilber selbst zutrifft Unter Umständen würden aber
als Initialzündmittel solche Körper das Knallquecksilber wohl er—
setzen können. hierher gehören z. B. die Salze der Stickstoffwasser—
stoffsäure. C. Wöhler und Matter zeigten, daß zur Initiierung
von Pikrinsäure eine Minimalladung von 0,25 g Knallquedfsilber,
aber nur von 0,02 g Silberazid erforderlich ist. In C. Wöhler's
D. P. 196,824 (Franz. P. 387,640) werde solche Uzide, z. B. Blei—
azid Pb (N)ꝰ, für sich allein oder im Gemisch mit Trinitrotoluol
zur Füllung von Sprengkapseln beansprucht.
Die Vereinigung der Sprengkapsel mit der Zündschnur, ihre
Einführung in die Sprengladung und das Abtun des Schuffes
bilden den Gegenstand der Schieß- und Sprengtechnik und werden
nicht im Kahmen dieses Buches behandelt.
1) 3. gesamt. Schieß⸗ und Sprengstoffwesen 1, 209 (1906).
        <pb n="135" />
        Register.

Abfallsäure der Nitro⸗
zellulose⸗Fabrikation
84.
— der Nitroglyzerin⸗
Fabrikation 72.
Aluminiumtarbid 101.
— ⸗-8prengstoffe 114.
Ammonal 115.
Ammongelatinedyna⸗
mite 108.
— »enitrat 110.
⸗pikrat 119.
⸗falpetersprengstoffe
110.
Ammoniumnitrat 63.
— »perchlorat 65.
Anagon⸗Sprengpulver
116.
Antigrisou 113.
Arbeitsleistung 28.
Azidzellulose 80.
Ballistit 96.
Baumwolle, gereinigte
80.
Bildungswärme 21, 25.
Blättchenpulver 96.
Bleiazid 125.
Bleiblockprobe, Trauzl⸗
sche 44, 124.
Bleizylinder 44.
Bomben 9.
Cheddit 65.
Chilesalpeter 63.
Chinesischer Schnee 3,4.
Chinesisches Salz 4.
Chirosyphon 5.
Chloratsprengstoffe 63f.
Chordinitroglyzerin 78.
— ⸗knallgas 37.
Crusher gauge 43.

Dahmenit 113.
Denitrifikatoren 84.
Detonation 14.
Detonationsgeschwin⸗
digkeit 93, 100.
Diazobenzolsalze 15.
Diglyzerin 78.
Dinitrin 68.
Dinitrochlorhydrin 78.
— ⸗»dialkyloxamid 120.
— ⸗glyzerin 75f.
— ⸗3ellulose 13.
Donarit 112.
Dynamit 12, 89.
Dynamometer 43.

Ekrasit 13, 120.
Entropie 23.
Entzündungstempera⸗
tur 353.
Explosion 14.
Erplosionsdruck 40.
— ⸗flamme 103.
⸗geschwindigkeit 36
⸗temperatur 38.

Savershampowderl 13
Ferrosilizium 117.
Filit 96.
Flammenbilder 104.
Fortpflanzungsge⸗
schwindigkeiten 35

Gasdruck 14.
— Meßapparate 42.
Gasgesetze 41.
— -volumen 17. 32.
Gelatinedynamit 13, 93.
— ⸗tarbonite 107.
Gelignit 94.
Gesteinsdahmenit 113.

Graphitieren des Pul—
vers 59.
Griechisches Feuer 3,5,9.
Grisoutine 106, 113.
Grisoutit 106.
Grundsatz der größten
Arbeit 22.
Gurdynamit 13, 90.

—A
Hhexanitrodiphenyl⸗
amin 120.
— »nitrooxanilid 120.
Holzkohle 52.
Hydralzellulose 80
hydrozellulose 80.

lgnis volatilis 6.
Indurit 97.
Infusorienerde 89.
Initialimpuls 37.
⸗zündung 34, 44.

Ralium, xranthogen⸗
saures 66.
— ⸗chlorat 64.
— ⸗perchlorat 51.
— »pikrat 119.
KRalkpatronen 98.
Kalorie 18.
Kalorimeter 20.
Uanone 7.
UNarbonit 106.
Kerbapparat 42.
Rieselgur 809.
Knallgas 15.
— -quecksilber 15, 37.
122.
Rohlenkarbonit 107.
— staub 98.
Kollermühle 57.
        <pb n="136" />
        128

KNollodium 13.
— wolle 87.
Konversionssalpeter 50.
Kordit 96.
Körnmaschine, Lefebure⸗
sche 58.
Kovolumen 47.
Kresylit 13, 120.
Kriegspulver 55.
Kühlung durch Preßluft
69.

Cadedichte 45f.
Cadegewicht 48.
Ceimglyzeringelatine
108.
Luft, flüssige 121.
Cyoͤdit 118.
Mammutpulver 61.
Medfaa 7.
Melinit 13, 118.
Methan 101.
Monochlordinitrogly⸗
zerin 78.
⸗nitrin 68.
nitroglyzerin 68, 77
Müuündunasfeuer 97

UNachscheidung 72.
Natronsalpeter 63.
Neu⸗Westfalit 111.
Nitrierapparat 69.
— ⸗»säure 68f., 82.
— zzentrifuge 82.
itroamidin 10.
— ⸗glyzerin 11, 15, 30,
32, 67.
— »stärkemehl 88.
— zzellulose, Kochen der
83.
Nobelit 109.

Oryliquit 121.
— z3zellulose 81.

Panklastit 67.
Petroklastit 65.

Register.

Mhönix⸗Pulver 107.
Aikrinfäure 13, 117, 124.
Nantagensalpeter 50.
Plastomenit 97.
Progressit 113.
Pulper, rauchloses 14,
95.
prismatisches 60.
Pyrodialyt 66.
⸗papier 88.
Pyroxilin 88.

Kackarock 67.
Keaktion, exothermische
19.
S endothermische 19.
Koburit 113

Salpeler 3, 5, 6, 49.
— ⸗säure 51.
Scheideapparat 70.
schießbaumwollel0, 15.
79.
—, komprimierte 85.
—, sersetzungsglei⸗
chung 86. ⸗
schießpulver, Erfin⸗
dung 7, 8.
Sersetzungs glei⸗
chung 56.
— sorten 55.
schlagwetter 98.
schultze⸗Pulver 88.
schwefel 52.
schwarzpulver 49.
—, herstellung 57.
— Korngröße 59.
schwarzpulverähnliche
Explofivmischungen
63.
Shimose 118.
Sicherheitsbottiche 73.
Sicherheitssprengstoffe
98, 113.
Schmelzwärme 24.
Sprengarbeit 9.
— egelatine 13, 91.

Sprengkraft 14.
— »⸗öl 67.
— ⸗pulver 62.
Sprengstoffe, Favier'sche
113.
—, Sprengels 66.
S Street'sche 65.
Stauchapparat 43.
Stickstoffwasserstoff⸗
sfäure 15, 125.

Tetranitroglyzerin 79.
— emethan 67.
⸗methylanilin 125.
⸗phenoläther 120.
Thermit 115.
Thermochemie 16, 18.
Trinitrotoluol 111. 120

Verdampfungswärme
24.
Herkohlungsapparat
53.
Versuchsstrecken 101.

Walzenkörnmaschine,
Congreve'sche 58.
Wärme, spezifische 27.
39f.
— äquivalent, mecha—
nisches 28.
— »menge 18.
Welle, explosive 34f.
Westfalit 111.
Wetterdynamit 106.
Wetterdynammon 113.

Xvloidin 10. 88.

Zelloxin 81.
Zellulose 13, 79.
Zersetzungsgeschwindig—
keit 33.
— egleichung 30.
Zink⸗Alumimum 117.
Zinkstaubpatronen 99.
Sumischpulver 94f.
Zündkapseln 123.
        <pb n="137" />
        sche

Citteraturverzeichnis.

79.

25.
0.

18.
20.

ne

27.

ha⸗

3.

10⸗

I.
— 3—

Bernadou, J. B., Smokeless powder, nitrocellulose and theory of
the cellulose molecule. New Nork 1901.
Berthelot, M., Sur la sorce des Matières explosives d'après la
Thermochimie; 2 vol. gieme é6d. Paris 1883.
Bichel, E. E., Untersuchungsmethoden für Sprengstoffe. Berlin 1902.
Böckmann, Friedr., Die explosiven Stoffe. Wien 1895.
Chalon, P. S. Les explosifs moderneés. paris 1886.
Champion, P., La dynamite et la nitroglycérine. Paris 1872.
Tundill, J. P. A Dictionary ot, Explossveês. Condon 1889.
Dictionnaire des explosifs. Edition francç. par E. Désortiaux.
Paris 1893.
Daniel, J., Poudres et explosiss Dictionnaire des matières explosives.
 Paris 1902.
Drinker, N. S., A treatise on explosive compounds, machine rock
drills and blasting. New Nork 1883.
Eißler, Manuel, A handbook on modern explosives. Condon 1890.
— The modern high explosives. Nitroglycerine and dynamite.
New Nork 1884.
Escales, K., Die Explosivstoffe. Mit besonderer Berücksichtigung der
neueren Patente.
1. heft. Das Schwarzpulver und ähnliche Mischungen. Leipzig
1904.
2. heft. Schießbaumwolle (Nitrozellulosen), Leipzig 1905.
Förster, M. von, Schießbaumwolle in ihrer militärischen Herwendung.
Berlin 1888.
Foster, Wolcott C. Explosives and their composition. new Nork 1888.
Bodu, Céon, Traité théorique et pratique des matières explosives;
Zième éd. Namur 1007.
Bbuttmann, Oscar. Die Industrie der Erplosivstoffe. Braunschweig
1895.
— —, handbuch der Sprengarbeit. 2 Aufl. Braunschweig 1906.
— —, Schieß- und Sprengmittel. Braunschweig 1900.
heise, S. Sprengstoffe und Sündung der Sprengschüsse. Berlin 1904.
Heß, P., Über Sicherheitssprengstoffe und die Methoden ihrer Er—
probung. Wien 1898.
Cepsius, B., Das alte und das neue Pulver (Vortrag). Leipzig 1891.
Mallard et Le Chatelier, Recherches eéxpériméntales et théo—
riques sur la combustion des mélanges gazeux explosifs. Paris
1883.
Anuc 286: Biedermann, Sprenastoffe.
        <pb n="138" />
        130

Litteraturverzeichnis.

Meyer, E. von, Die Explosivkörper und die Feuerwerkerei. Braun—
schweig 1874.
Molina, R. Esplodenti e modo di tfabbricarli. Mailand 1894.
Romocki, s. J. von, Geschichte der Explosivstoffe. 88. 1. Geschichte
der Sprengstoffchemie, der Sprengtechnik und des Torpedowesens
bis zum Beginn der neuesten Zein perlin 1895. Bd. 2. Die
rauchschwachen Pulver in ihrer Entwicklung bis zur Gegenwart.
Berlin 1896.
Ssanford, B. G., Nitro-explosives; 2nd edition. CLondon 1906.
Trauzl, J., Die Dynamite, ihre Eigenschaften und Gebrauchsweise,
sowie ihre Anwendung in der Landwirtschaft und im Forstwesen.
Berlin 1876.
7 — Sprengtechnische Fragen. Wien 1885.
Upmann, J. Das Schießpulver, dessen Geschichte, Fabrikation, Eigen⸗
schaften und Proben. Braunschweig 1874.

Mitteilungen aus der Zentralstelle für wissenschaftlich⸗technische Unter⸗
suchungen zu Neubabelsberg (Leitung W. Wilh.“
Zeitschrift für das gesamte Schieße und Sprengwesen, herausgegeben
von R. Escales (erscheint seit 10000 ünkhhen

Quellenverzeichnis.
Fig. 1: Aus Heise, Sprengstoffe. Berlin, J. Springer. 1904.
Sigg. 4, 5 und 6: Aus Guttmann, Explosivstoffe. Braunschweig,
Dieweg &amp;amp; Sohn. 1895.
        <pb n="139" />
        Verlag von B. G. Teubner in Leipzig und Berlin

Aus Natur und Geisteswelt

Jeder Band geheftet M. 1.—2,. in Leinwand gebunden M. 1.25.

Auf dem Gebiete der Technik und angewandten
Naturwissenschaften erschienen u. a.:

Bilder aus der chemischen Technik: Dr. A. Müuller. (Bd. 191.)
Elektrochemie: Prof. Dr. R. Arndt. (Bd. 234.)
Bilder aus der Ingenieurtechnik: Baurat R. Merckel. (Bd.60.)
schöpfungen der Ingenieurtechnik der Neuzeit: Baurat
K. Merckel. Gd. 28.)
Die Cuftschiffahrt, ihre wissenschaftlichen Grundlagen und
technische Entwicklung: Dr. R. Nimführ. GBdod. 300.)
Der Eisenbetonbau: Diplom.Ing. Em. Haimovici. (Bd. 275.)
Das Eisenhüttenwesen: Prof. Dr. h. Wedding. (Bd. 20.)
Die Metalle: Prof. Dr. X. Scheid. EGBd. 29.)
Grundlagen der Elektrotechnik: Dr. R. Blochmann. (Bd. 168.)
Telegraphie und Sernsprechtechnik in ihrer Entwicklung:
Telegr.⸗Insp. h. Brick. (Bd. 235.)
Drähte und Rabel, ihre Anfertigung und Anwendung
in der Elektrotechnik: Celegr.«Insp. h. Brick. (Bd. 2865.)
Die Beleuchtungsarten der Gegenwart: Dr. W. Brüsch.
(Bd. 108.)
hebezeuge: Prof. R.Vater. (Bò. 196.)
Dampf und Dampfmaschine: Prof. R. Vater. (Bd. 63.)
Einführung in die Theorie und den Bau der neueren
Wärmekraftmaschinen: Prof. R. Dater. (Bd. 21)
Neuere Sortschritte auf dem Gebiete der Wärmekraft⸗
maschinen: Prof. R. Vater. (Bd. 86.)
Wasserkraftmaschinen: Kais. Geh. Kat A. v. Ihering. (Bd. 228.)
heizung und Cüftung: Ingenieur J. E. Mayer. (Bd. 241.)
Die Cehre von der Energie: A. Stein. (Bd. 257.)
Einführung in die chemische Wissenschaft: Prof. Dr. W. Coeb.
(Bd. 264.)

Näheres über diese Bände siehe im Anhang. —

Muqch 286: Bledermnann.
        <pb n="140" />
        B. G. TEUBNERS HAXDBCIER PiR HAXDEL VND GEWERBP

CEEMISCAB TBOMNOLOGIP

VON

DR. FR. HLVSIERR
Mit 126 Abbildungen. IXVI u. 861 8.] gr. 8. 1906
Geh. M 8. —. in Leinw. geb. A 8. 60

Das Buenh gibt einen Uberblick über das Gesamtgobiet der Industrien, dis chemischo
Imformungon doer naturliehon Robpstoffs powirken. De vind daner ebensowonhl die landskufig
 als „chemische Ipdustris« bezeichneton Geworpe borucksichtigt, wio auch die
koramischen und metallurgisohen Industrion, dio Grungesgewerbe u. a.
..Die Ansehaffung des Buches Kann mit gutem Gewisseon jodom Gebildoten
smpfokblen worden, dor Interesse fur die wichtigste unserer praktischen Wissonschafton,
fur dis Chemie, hat, der einen Blick in ihre Werkgtatten fun mõchto, dor sich unterriehten
iI, vio dieses oder jonos Fabrikat entsteht, das seiner Bruncho bde ene Borufstktigkeit
 überhaupt fern egt. Unbefriedigt wird das Studium de— Buches niemand
lasson; jeder Leser wird dem Vorfaster fur veinen Eleig und veine Muhe, oin so groBes
Gobiet menschlichen Wigsens in s0 anziehender Weigse una ao leient vorstündlicn geoschildert
 2zu haben, Dank wissen.“ (Hamburgissscher Correspondeunt.)

DIE CEEMISC·EE INDUVSIPRIBE

VMOX.

608TAV MIIER

KAIB. GEBEBEXIMFR OBERRFGIFRUNGBSRAT
VORTR. RAT IM REICESAMY DEBS IXNERN

DNTER MIFWIRKUNG VON De. Pun. FRIPE BENNIGSON IN BERIAN
[VII u. 488 8.]) gr. 8. 1909. Geb. A 11. 20, in Leinw. geb. A 12. —

„Uberall sind die wirtsehaftliehen Verhäaltnisss an der Hand wortvoller TabeUen
erlümtort; dis Verfassor haben mit grotzom Gesehiok verstanden, al die einzelnen Momento,
die fur das Gedeihen der versohiedenen Erwerbszweige in Betracht kommen, in KIlarer
Woise dom Lesor vorzuführen. Das Werk Kann sowonl dem wirtschaftlich siech interessierenden
 Chemiker als auch dem in der chemisohen Industrio tütigen Kaufmann angelegentlichst
 erpfohlen werden und fullt eins Loke in der einschlägigen Literatur aus.“
tTeohnisohe Rundschau.]

„Das vorliogende Handbhuoh verfolgt handelspolttigehe und wirtschaftliehe Zwecke
und wanscht, dem Kaufmann wle Uberhaupt dem im Dienstes der chomischen Industrie
and des Chemikalienhandels Stehonden ein Leitfadon dureh das wirtschaftliehe Leben
soiner Industrie und ihrer Produkte 2u soin. So goewinnt man ein aus zahllosen Strichon
zusammengesetates Bild von der Bedeutung der chemischen Woltindustrio wie von der
Beteilicung unseres eigenen Vaterlandes an derselben und sieht mit Staunen, in wie
kurzor Zeit aus deon gehbchternsten Anfüngen dieser stolze weltbeherrschende Bau emporgestiegen
 ist. In dem Werke steckt eine ungeheure Arbeit, und es wird namentlich auch
als vielkonsultiertas Nachschlacebueh allen Itereeasenten von grobem Werte und von
vielfaltigem Nutzon sein.“ (Deutsohe Literaturzeĩtungq.)

Afunrlicher Prospokt auf Verlangen umsonst und postfrei vom verlage
        <pb n="141" />
        B. G. TUVBNERS
FOR HANDRI,

HANDBCBHBBER
DND GEVERBE

EHEERAUSGIGEBEN VON

Dx. VAN DER BORGMI De. SCAVMACBER
DE. STERGEMANN
GREE. REGIFRUNGERAT INBRAVNSOAEWMXXIG

Die Handbueher sollen in erster Linio dom Kaufmanm und Industriellem ein
geoignotes Hilfsmittel bieten, vien ranen ein wohlbegründetes Wissen auf den Gebieten
der Handels- und der Industrielohre, dor Volkswirtschaft und des Rochtes, der Wirtschaftsgoographie
 und der Wirtschaftageschichte zu erwerben, wie es dis orhhtén Anforderungen
dos modernen Wirtschaftslebens ereα! ee auceh allen Volkswirtschaftlern und Poutikorn
 sowie den Vorwaltungs- und Stouerbehbrdem wird die Sammlung willkommen sein,
da sie in ihr die so oft nötigon z2uverlässigen Nachgchlagewerke über dise verschiedenen
kaufmannischen und induαιαν TFragen Boden werden

j Xon H. Mnberstroh, E. Weldliehn, B. Görts und
Anlage von Fa briken. Dr. R. Stegemann. Mit 274 rna' u. Plänen sowie
6 Tafein. II u. 6236 8.1 Br. 8. 1907. Geh. M. 12. -, in Leinv. geb. M 1280
j 9 Fon Dr. F. WV. R. SImmormann, A. Johunning, H. v.
Betrieb von rabr iken. Frankenberg u. Dr. R. — Mit 8 Vvriig.
u. z2ahlreichen Formularen. VI u. 486 8.1 gr.S. 1905. Geh. M. 8. -, in Leinw. geb. M 8.60
infü j isje 4 3j Phyaikalische Grundlagen und tech-Lintũbkrung
 in die — rotechnik. nische Ausführungen. Von R. Rinkel.
Mit 44ß Abpdungen i Voext TuV. 464 8.] gr. s. 1908. Goh. AM. 11. 20, in Neimw. geb. M.12. —
Die Lisenty AInrcetute Von Oskar Simmersbach. Mit 92 Apbild. [X u. 322 B.)
— gr. 8. 1906. Geh. M. q. 20. in Loinv. geb. M8. -
j D ——— gr. 8. 19085. Geh. M. 7. 40, in Leinw. geb. M. 7. 80.
Die Zuck ——— ———— — —
H. Cianhen u. D. P-rtz. Nũ 79 Ab IXu 2708.] Geh. M. 5. 60, in Leinw. geb. M. 6.
L. Teil: Dor nekerhandei. vVon o. Pijet. [IV u. 92 8.] Geh. AM. 1. 80, in Leinw. geb. M. 2. 20.
iĩ 7 j Jou7 Von Geh.-Rat Prof. Dr. H. Paascho.
ecærproduxtion — —
A. 7T. ab. in Leimv. geb. M. 85
Versicherungswoson

Von Dr. A. Nanes. [XII. 4G68 8.) gr. 8. 1908. Gob.
AM.. 9. 40. in Loinv. geb 10 —

In Vorbereitung:
Einleitung in die Chemile ron Professor
Dr. Partheil, Königsberg.
Einführung in die wirtschaftlJehe Statistik
 von Professor Dr. A. Wirminæhaus,
 Cöln.
Gozialpolitik von Prof. Dr. O. von Zwiedineck-Südenhorst,
 Karlsruhe i. B.
benossengehaftswesen von Privatdozent
Dr. Vygodzinski, Bonn.
Oræganissatlon und Tochnik des internationalen
 Getreidehandels von Dr. viktor
HUeller. Wien.

Dle Bilanxen privator Vnternehmungen
Xon Prof. Dr. RIohard Passsow, Anchen-Elnführung
 in die vVolkswirtschart ron
Professor Dr. Eckert, Cöln.
slold-, Bank- und Börsenvwesen ron Professor
 Dr. Sehumacher, Bonn.
Verkehrswesen von Professor Dr. Wiedonfeld,
 Cõln.
Staats- und vVerwaltungsreeht des Deutzehen
 Relehes und der Einzelstauten
von Professor Stier-Somlo, Bonn.
CCIIweoesen von Reglierunxasrat Ueberschaer.
Cöln-Brunafeid.
— — — — — — — —— — —
Ausführlicher Prospekt auf Verlangen umsonst und postfrei vom Verlage
        <pb n="142" />
        Verlag von B. G. Teubhner in Leipzig und Berlin

Lehrbuch der Physihb.

Zum Gebrauch beim Unterricht,
boi akademischen Vorlesupgen und zup Selbststudium.

Direktor der Oberrealschulo auf der Uhblenhorst in Hamburg.

Von

Mit 1091 Textsiguren, 2 farbigen Tafeln und einem Anhange,
enthaltend Tabellen ppysikalischer Konstanten und Zablentabellen.

[XII u. 10062 8.) gr. 8. 1909. Geb. M 15. —, geb. MA. 16. —

Inhalt: Einleitung. — J. Mebkunde. II. Bewegungslehre (Phoronomisô).
LDI. Die Lehro von den Kraäften (Dynamik). IV. Blasti-itut und Festigkeit. V. Gravitation.
 Potentialtheorie. VI. FIussigkeiten. VII. Luftförmige Körper. VIII. Molekularphysik.
 IX. Wärmelehre. X. Wetterkunde. XI. Wellenlohre. XII. Akustik.
XIII. Geometrische Optik. XIV. Physikalische Optixk. XV. Dio Polarisation des
Lichts. XVI. Optische Erscheinungen in der Atmosphäre. XVII. Dio Lichtenoergie
und ihro Umwandlungen. XVIII. Physiologigehe Optix. XIX. Magnotismus.
XX. Elektrostatik. XXI. Die atmospharische EBlektrizität. XXII. Die strömende
FElektrizitht. XXIII. Umwandlung olektrischer Stromenergio in Wärmeonergie.
XXIV. Bloktrolyss. XXV. Llektromagnetismus. XXVI. Mechanische Wirkungen
des elektrischon Stromes. XXVII. Induktion. XXVIII. Rlektrisehe Entladungeon.
XXIX. Hlektrisehe Sehwingungen. — Anhang: Tabellen über wiehtige physikxa-Läsche
 Konstanten. Zahlentabellen.

.. Zu rühmen ist an dem Werk vor allem die lichtvolle
Darstellung in einfacher, Klarer Sprache, die auch das Eindringen
in schwierigero Gebiete leicht macht. Ihren Ausgang nimmt ie
immer vom Tatshchlichen, arbeitet scharf heraus, wo die Hypothese
einsetzt und wie sich auf ibr dio Theorie aufbaut. Das Pnergiegeseta
 nimmt überall die ihm zukommendo führende Stellung ein.
Die geschilderten Versuchsanordnungen und Apparate sind vielfach
von Grimsehl ↄuerst angegeben, obwohl er es nur von einem Apparat
orwühnt, von dem von ihm Konstruierten Elektrometer. Wer sich
ein Urteil darüber verschaffen will, wie auberordentlich viel
selbstündige Arbeit in dom Buche steckt, muß die Literatur üboer
Unterrichtéphysik einsehen. Die tadellose Deutlichkeit und UÜbersiehbtlichkeit
 der vielen Figuren, besonders der schematischen
Zeichnungen, verdient noch besonders hervorgehoben z2u werden,
weil durch sio die klare Darstellung in hohem Grade unterstütæt
vird. Die Ausstattung des Buches ist vorzüglich, wie es beim
Toubnerschen Vorlag die Regel ist. Dem Werke ist ein grober
Leserkreis zu wünschen, und ich glaube, er ist ihm sicher.“
(Hamhurger Nachriehten.)
        <pb n="143" />
        c 4
Nus A ανι α
Sammlung wissenschaftlich⸗gemeinverständlicher
Darstellungen aus aut Gehbieten des Wiffens
Jede Band ist

59

9

Teubr

Verzeichnis der bisher etschienenen Bande innerhalb der Wissenschaften alphabetisch geordnet
J. Religion und Philosophie.
üsthetik. Von Prof. Dr. R. da Wn — 46. Sdigeg yp
345. rael. Religionsgeschichte. Bweü
Aufgaben und Ziele des Pepfceg ebeneh — 2. Mit vr
Von Dr. J. Unpl d , Aufl. Bo. 12) gant, Immanuel Darstellung und Wür—
Bergfon Henti, der Philosonh modernet digung. Von Prof. Dr. O. Fünspe.
—c 87 Ferie T F Iet 3. — Mit Bildn. BGd. — —
docke, Berkeley, Hume.
Buddhas Leben und Lehre. Hn weil enVglttsweumgz Zighrghen saglt
Prof. Dr. R.Pischel. Aufl. von Prof. meher J —8 —481.
d beez e eehn gichte d
bolvin Ishann, Voñn Vfarter DroG. Zo, tpetei vunt —A Jegcune
ze . i vison GuH. 25 —
vl mer. 3. Aufl. Mit 2Bildn. Bd. 113.
ahr entune Zuus det, Zerdezein ges ahrr ren u t g
Von Vrof. Dr J. Ge en. 3.Aufi. Prof,
(Boßay Dr. M. Verworn. 8. Auft. Mil 18
tgese Fig. Go 200
Lhriteptz Erdeh en det goh — Mission, Die evangelische. Von Pastor S.
— siche Jefus, g im Christentum. Baudert. (Bo. 406.
Einführung. in die Theologie. Muystik im Heidentum und Christentum. Von
Psychologie siehe Philofophse, Theo Brof. Dr. Edob. Lehmanu. Bd. 217.)
logie, erperimentelle Pshchologie. Mythologie. Germanische. Von Prof. Dr.
Entstethuna der Weit und, der Fide nach git noez Aufl. God. 95.)
Sage u Witsenschaft, Von PugtIrz Ngturghilofophie, Die moderue, Von vr
M., BWernstein. 2. Anfl. Bo 2258) — Bius1
Asht. Grundzuce der E. Von ehnte van a dag Fiete Ceichichts 24
—Fliehe auch Aufgaben und e des Drʒ S Frhe v. Soden ANuft. Mit
Barten, i Plan u s Ansichten VBoe6)
In een n he Vobendamchon Palastine und, seine Cuitur in funf
ungen, illensfreiheit. 3
Freimauͤrrrei vlu A schauungswelt u. Jahrtausenden. Von dr. B. Thomfen,
—
deun siehe mysir J ——5 8 n
ume siehe Locke, Berkeley, Hume. osophie. Die. Von Realschuldir. H.
— und —*— —* Von Dr. ieherrie. 2. Aufl. Bd. 186.)
E. Trömmer 2. — GBd. 199.) — Einfuhrung in die Philosophie. Von
Jesuiten, Die, Eine histor. Stizze. Bon Prof ben. Richter. 83. Aufl. von
Prof. D. H. Boehmeér 8. Aufl. wb 49.) br. M.Brahn. Bo. 155
Jesus und scine Zeitgenossen. — - Führende Denker. Geschichtl. Einleitung
Ihe Erbauliches. Von eee in die Philosophie· Von Prof DrJ
— —A und Dichtung im Leben Itfun Cohn. 2. Aufl. Mit 6 Bildn. Gd. 176.)
Von Pfarrer D. Dr. gr Mehlßorn — siehe auch Weltanschauung.
2 Jat de 1371 — Frncarart 33 in
— iss su. pof. 4 u and. Von Prof. Dr. O. K —
de die Hlelchnisgse Igsn, Von ade n depeshie olpe
        <pb n="144" />
        Jeder Band geh. le m.ä. - Aus Uatur und Eesteswelt In Leinw. geb. je M. 1.25
Derzeichnis der bisher erschienenen Bände innerhalb der Wissenschaften alphabetisch geordnet

Byrchologie. Einführung in die Pf. Von
rof. 6 E. pon Aster. GBod. 402.)
iehe Seese des Menschen.
iehe Mechanik d. Geisteslebens, Hyp⸗
dotismus u. Suggestion.
Psychologie des Kindes. Von Prof. Dr. R.
Gauph. 3. Aufl. Mit 18Abb. Bo 213)
Agchzlsesgie des Verbrechens. Von Dr. P,
—J b
vfychologle. Einführung in die erperimen—
telle F Von Dr. N, Braunshaufen,
Mit Abbildungen im Text. Go. 484.)
— siehe auch Pädagogif
Relsgign. Die Stellungsder R, im Geistesleb.
 V. Lo. Dr. P.Kalwelt. 225.)
— Die Religion der Griechen. Von Prof,
Dr. E. Samter. Bd. 457)
—, Religion und Naturwissenschaft in
Kampf und Frieden. Von dr. M
Pfannkuche. 2, Aufl. BBd. 14145
— Die relig. Strömumgen der Gegen—
wart. Von, Superintend. D. A. 6H.
n n —VF
Roussean. Von Prof. Dr. P. Henie
2 v Bde 155
— Von Realschuldir, 4
ert. 2. Aufl. Bd. 81.
Seelt des Menschen, Die. Von Prof. Dr.
J. Rehmke. NAuss. (Bd. 36.)
siehe auch Psychologie.

Sittliche Lebensauschauungen der Gegen⸗
wart. Von weil. Prof. Dr. O. Kixrn.
2. Aufl. GBd. 177.)
— siehe auch Ethik.
en in g. Schw
Speurer, Herbert. Von De. K. arze.
Mit Bildnis. Bd. 245.)
Staat und Kirche in ihrem gegenseitigen
Verhältnis seit der Reformalson. Von
Dr. A. Pfaͤnnkuche. Bd. 485.)
eege ⏑ ⏑ * T.
nach seiner geschichtl. Entwicklung. Von
—J——— Al Pott. Mit 8 —
— siehe auch Jesus. 16Bd. 134.)
Theologie. Einführung in die Idrebeghe
Von Pastor M. Cornils. GBdb. 347.)
Untergang der Welt und der Erde nach
Sage und Wissenschuft. Von Prof. Dr.
ernn —5 — D Ide
AV—
Dr. M. Wundt. Bd. Fig
Weltanschauungen, Die, der großen Phsilo—
sophen der Neuzeit. Von weil. Prof.
Dr. L. Busse, 6. Auft., deraugg von
Prof. Dr. R. Falcken berg. Gd.5.
— siehe auch Philosophie.
Wiltensfreiheit. Das Problem der W. Von
Prof. Dr. G. F Lipos. GBd. 383.)
— siehe auch Ethik.

II. Pädagogik und Bildungswesen.
Amerikanisches Bildungswesen siehe Techn. Knabenhandarbeit, Die, in der heutigen
Hochschulen, Universitäten, Volksschule. Fgiegung Von Sem Dir. Dr. Papst.
Buͤdungswesen Das deutsche, in seinier ge- Nit 1NMbb. u Titesbiide Bö 140)9
schichttlichen Entwicklung Von weil. Prof. Lehrerhiidung siehe Vortsschule und Leh—
Der. Fr. ——3 8. Aufl. Von Prof. rerbildung der Ver, Staaten.
Dr. W. Munch. Bdo100) geibezübungen fiehe VJ.
Deutsches Ringen nach Kraft und Shön- Rädchenschüie, Die höhere, in Deutschheit.
 Aus den literar. Zeugn. eines Jahrh. land. Von Oberlehrerin M. Martin.
gesammelt. Bon Turninspeltyr K. MG1 Wittelichnsef. Folts-un Mittelich Bb.65)
ler, 2 Bbe. Bd. I in Vorb. Bd. 188. 189.) Vldaaogit Allgemeine. Von d Dr.
Er iehung zur Arbeit. Von Prof, Dr. EdDv. Th e 4. Aufl 6Gb 33)
F mäann. GBd 459.) Padagogit, Trperimentelle, mit bes Rüds
Erziehuug, Moderne, in Haus und Schule. auf die Erzieh. durch die Fal. VBon AeWe
Von, J. Tews. 2. Aufl. Bd. 159.) A. Lah. 2. Auft. Rit SzRoͤb. WBod 227)
— siehe auch Großstadtpädagogif. -,iehe Erziehung, Großstaͤdtpadageogik.
Fortbildungsschulwesen, Das deusse Von Psychelegie des Kindes und Einführuͤng
Dir. Dr. de Schilling. Gd. 256.) 8 experimentelle Psychologie Nbi.
Fröbel Friedrich. Leben und Wirken. Von Pestalozzi. Leben und Zocen. Von Prof.
Dr. Jo h. gane r5. Bd. 82. Dr. P. R erg 2. Aufl. (Bd. 2350.)
Grotzstadtpädagog. BJ, Tews, Go 3274 Nöuüsscau, Von Prof. dr P. Feusei
— siehe —B Schulkämpfe d. Gegenw. 2Auft. Bd. 180)
berbarts Lehren und Leben. Von 3 Schule siehe Fortbildungs-, Hilfsschulweft,
Dr. . Flagel. 2. Auft. Bd. 1645 T8och- Maädchen-, Heitiel, Volksschule.
dilfsschulsvesen. Von Rektor Dr. B. Magen —ulhygiene. Von Prof. Dx. S. Burnel.
 GBdasz. gerstein. 8. NAufl. Mit 33 Fig. Bd. d6.)
hochschulen s. Teghhn. Hochschulen u Unin Sthnitämpfe vdere Grgenwarre Gon.
— Die öffentlicher Von Wai- Tews. SAufl. Bd. 111)
Vndire tor Dr. JI Petersen. — siehe Erziehung, Großstadtpaäd.
2 Bde. b. 161, 162) 3chulwesen. Gesch ichte de⸗ —I88 Sch.
Jugendoflege. Von Fortbildungsschutteß- Von Oberrealschuldir. De e u abe
rer W. Wiemann. Bd. 434) Booe 85
        <pb n="145" />
        Jeder Band geh. je m... -Aus Natur und Geisteswelt In CLeinw. geb. Je m. 1.25
Keligion u. Philosophie, Pädagogikt u. Bildungswesen, Sprache, CLiteratur, Bildende Kunst u. Musit

Student. Der Leipziger, von 1499 bis
4989. Von Dr. W. Bruchmuͤller,
Mit 26 Abb. Gd 273.)
Studententum, Geschichte des deutschen St.
Von Dr. W. Bruch müller GBo. 477)
Techn ische iien in Nordamerila.
Von, Prof. S. Muühler. GBd 190)
über Unsversitäten u. Univerfitütgstudium.
Von Prof. Dr. Th.8Siegler. GBdo. 41145
Universstüt, Die ainerikanische. Von P.
D. E.D. Perr y. Mit 22 Abb. Gd. 206.)
Unterrichtswesen, Das deutsche, der Gegen⸗
wart. Von Oberrealschuldir. Dr. K.
Knaber GBd. 299.)

Volksbildungswesen. Das moderne. Bü—
chexr⸗ und Lesehallen, Volkshochschulen
und verwandte Bildungseinrichtungen in
den wicht, Kulturländern. V. Stadtbibl.
Dr. G. Fritz. Mit 14Abb. GBd.266.)
Volks⸗ und Mittelschule, Die preußische,
denwiuns nd ine Von Geh. Reg.
u. Schulrat Dr. A. Sachse. GBb. 432.)
Volksschule und Lehrerbildung der Ver⸗
eiuigten Staaten. Von Dir. Dr. F. Kuy⸗
pers. Mit 48 Abb. Bd. 150.)
—
Weber. Mit 82 Abb. u. 1Taf. (Bd. 430.)
III. Sprache, Literatur, Bildende Kunst und Musik.
Architektur siehe Baukunst und Renais- Griechische Komödie. Die. Von FProf. Dr.
sancearchitektur. A. Körte. Mit einem Titelhild und 2
kithetilk. Von Prof. Dr. R. Hamann. Tafeln. Bod. 400)
Bd. 345.)8) Briechische Kunit. Die Blütezeit der wWig
Bau und Leben der bildenden ens Von im Spiegel tiefsartöphage, Fine
Dir. Prof. Dr. Th. Vol behr, . Auft. Einführung ariech. Plastit. Von
Mit 44 Abb. Bb. 68.)*) Dr. H. Wach « Mit 8 Taf. u. 32
Baukunde siehe Abtlg. VI. Abb. GBd. 272. )*)
Bankunst. Deutsche B. im Mittelalter. Von — siehe auch Dekorative Kunst.
Geh. Reg.Rat Prof. DPr. A. Mat7 darmonium fiehe Tasteninstrumente.
thae i, 3. Aufl. Mit 29 Abb. GBd. 8.) dauptmann, Gerhart. Von Pref. br. E.
Deutsche Baukunst feit dem Mittelalter SülgerGebünßs. Bo. 283
bis z0 Augg. des 18. Zahrh. Von Goh, dahdn, Wozart, Becihsven. Von Lrot.
Req. Rat Vref. Dre. A. Matthagi Mit DrC. Rrebs Nut. GBoe 92
83 Abb und .Iafein. —
gzehrtcher Varnun t zm Ide Jahrh, Von diu — Gd 408.)
te Prot De. A. w Vbghh deldensage, Die germanische. Von DVr. J.
Beethoben siehe Haydn. —— ——
Zsoͤrnfon siehe Ibsen. — Björnson und ihre geitacngssen.
Zuch. Wie ein Vuch entsteht siehe VI. n e eeee eee
higederve. Daa weunddle dültur von Dr. G Worgenstern. Min nh
ehe
Dekoratibe Kunst des Altertums. Von Dr, Impressionismus. Die Maler des J, Von
tige rn e en geegrhe de
Drama, Das Von Dr. B. Buse. Giii farb, Tafe. Bd. 895.)*)
Abb 88Bde. stlavier siehe Tasteninstrumente.
BdoiJ: Von der Antike zum franz. Klas- Krunst. Deutsche, im täglichen Leben bis
Azismus. (Bd. 287.) —— Schlusse des 18. Jahrh, Von Prof.
Bd. I: Von Versailles bis Wanceg x. B. Haendcke. Mit ba ehes,
Bd. II: Von der Romantik zud Grgen Kunst siehe auch Dekorative, Gliech ische
wart. GBd, 239.) Otssasiatische Kunst.
— siehe auch Shakespeare, Lessing, Schil⸗ Aunstoflege in gris und Heimat. Von
ler und Theater. Superint. R. Bürkner. 2. Aufl. Mit
Dramg, Dag deutsche, des 19. Jahrh. 29 Abb. Gd. 77.)
sa Entwickl. dargest. von Proß Dr. G; defsing. v. Dr. Ch. Schrempf. Gd.403)
Bohto wehhingedeklust pim h 61.) unri Gejchichee der deutschen c. sein Cian,
— ———
Dürer Albreht. Von Dr. Ne W Tze Nehe auch Minnefang und volislled
V aadneman, Der, und dg —— — —
arzeige dew cu —* n den deni. hinee
rauendichtung. Geschichte der deutschen“ ug.
— —* gauns — Bd. 390 siehe auch Impressionismus.
* *) Auf Wunsch auch in Halbpergamentbänden zu M. 2. —
        <pb n="146" />
        Jeder Band geh. je m.n -Aus Natur und Goisteswelt In Leinw. geb. je m. 1
Verzeichnis der bisher erschlenenen Bände innerhalb der Wissenschaften alphabetisch geordnet

—
Rede. Bd. 456.)
— siehe auch Sprechen.
Roman. Der französische Roman und die
Novelle. Von Flate. 6.377)
Romantit, Deutsche. Von Prof Dr 0.
Walzel. 2. Aufi. (Bd. 232.)
Romautik siehe auch Musikal. Romaniik.
Schiller. Von Prof, br. Th. Ziegler.
Mit Bildn. 8Aufl. Bb. 74.)
Dhate wente und seine Zeit. Von Prof. Dr.
E. Sieper. 2. Nuft. Boͤ. 185.)
Sprachbau. Die Haupttyhen des menschlichen
 S. Von weil. Krof. Ar. F..
Finck. Bd 268.)
Sprache Die, deutsche S. von heute. Von
r. W. Fischer. Bd. 475
Sprachstämme des Erdkreises. Von weil.
en I ck. Peof Bd.
Sprachwiffenschaft. Von Prof. Dr. Kr.
Factzitenschat Pe Bd. 472.)
2Apren— Wie wir sprechen. Von Dr. E.
Richter. GBd. 354.)
— siehe auch Rhetorik.
Stile. Die Entwiclungsge 3 der Stile
in der bildenden Kunst. Von bre6.
o hn Wiene 2 Bde.
Bdel:, Vom Altertum bis zur Gotik.
Mit 57 Abb. Bd. 317.*)
Bd. U: Von der Renaissance b.3. Gegen⸗
wart. Mit 31 Abb. God. 318.)*)
Tasten instrumente. Klavier, Orgel, Har—
monium. Von Prof. Dr. ß. Bie,
Bd. 325.)
Theater, Das. Schauspielhaus und Schau⸗
diglunit vom griech Altert. bis auf die
egenwart. Von Pr. Ehr. Gaehde.
2. Aufl. Mit 18 Abb. Bd. 230.)
Tonkunjit siehe Musik.
Urheberrecht siehe VI.
Volkslied, Das deutsche. Nber Wesen und
Werden deutschen Volksgefanges, Von
—
Volkssage, Dir deutsche. Von De. O. Böcdel
2. At Bd. 262.)
— siehe auch Mythologie, German.
Wagner. Das Kunstwert Richard Wagners.
Von Dr. E. I st el. Mit Bildn Go 330
T.liehe auch Musikal. Romantik
Zeitunasmesen von Dr. H. diieß. (Bd.328.)
IV. Geschichte, Kulturgeschichte und Geographie.
Alpen. Die. Von H Reishauer. Mit amerikaner, Die. Von N. M. Butler.
rpbe F 7 d n GBd. 319.)
Vtum Pas am. Lehen der Gegenwart. — siehe ferner Lehrerbildunge wolre!
— —— In —B——
Amerika. Geschichte der Vereinigten Siaa- Amerikas in AÄbt. IL.
ten vbon A. Von Prof. Dr. E. AÄgenell. Autite Wirtschaftsgeschichte. Von Dr. O.
2. Auft. GBd. 147) Neurath. Bd. 258.)
) Auf Wunsch auch in Halbvergamentbänden zu M. 2 —

Malerei, Die deutsche, im 19. Jahrh. Von
Prof Dr , Hamann. AVande Tert
2 Bände Abbildgn., auch in albper—
gamentbb. zu M6. —. GBd. 1485. 451.)
Malerei, Niederländische, im 17. —8
Von Dr. H. Jantzen, Mit zaͤhir Aöb,
Fliehe auch Rembrandt. 18Go. 873
Michelängelo, Von Vroef, Deeé.&amp;amp;Kitdebrandit,
 Mit 41 Ahb. Bdr392)*)
RNinnesang. Von Dr. J. W. Bruinser.
Wozart siehe Hahdn. IBd· 404.)
Musit. Geschichte der Musik siehe Haydn,
Mozart, Beethoven, Wagner.
.Die Grundliagen der Tonkunst. Von
Pref. Dee 6 d (Bd. 178
Musikal. Kompositionssormen. Von S. 6.
Labllegbers. 2 Bde.
Bd. J: Die elementaren Tonverbindun⸗
gen als Grundlage der Harmguielesge
GBGd. 412
Bb. V: Kontrapunktik und Forhe
Gd. 413)
Mufilkal. Romantik. Die Blütezen der in
N. in Deutschland. Von Dr. E. I
Mit Silhouette. Bo 239
ihnage Sermanische, Von Prof. Dr
J. v. Regelein. se Aufst. Bò. 95)
F siehe, auch Volkssage, Deutsche.
Novelle siehe Roman.
Orchester. Die Instrumente des Orch. Von
Brof. Dr. Fr. Volbach. W
Das moderne dester in seiner Ent⸗
wigdlung. Von Prof. Dr. Fr. Volrbach.
Mit Partiturbeisp. u. 8 Taf. Gd. 808)
Orgel siehe Tasteninstrumente.
Ostasiatische Kunst und ihr Einfluß auf
Curong. Von Dir. Prof. Dr. R. Graul.
Mit 18 Abb. Sd. 87
Personennamen, Die deutschen. Von Dir,
A. Baͤhn 2. Aufl. Bd. 296.)
Plastit siehe Griechische, Kunst,,
VBoetit. Von De. R.MuülterFreienfels.
 Bd. 460.)
Rembrandt. Von Prof. Dr. P. Shub
ring. Mit 30Abb Bde. 168.9
Nenaissanccarchitektur in Italien 1. Von
Dr. P. Frankl. Mit 12 Taf. u. 27
Textabb. (Bdo. 881.)8)
Aehe Von Dre. F. Geißler. J Kichtinien,
 fͤr die Kunst des Sprechens.
2. Aufl. (Bd. 455.)
        <pb n="147" />
        Jeder Band geh. je m.i. -Aus Natur und Geisteswelt In Leinw. geb. se M. 1.25
Sprache, Citeratur. Bildende Kunst und Musik, Geschichte, Uulturgeschichte und Geoaraphie

Australien und Neufsceland. Land, Leute
und Wirtschaft. Von Prof, Dr. R.
Schachner. Bd. 366.)
Bauernhaus. Lutturgeschichte des deutschen
B. Von Reg.⸗Baumeister Chr,Raud
2. Aufs. Mit 70 Abb. GBd. 121
Bauernstand. Geschichte des deutschen J.
Von Prof. Dr. H. Gerdes. Mit 21
Abb. GBd. 320.)
Bismarck und seine Zeit. Von Dr. V. Bg
lentin. Bdy 500.
Buchgewerbe. Das B. und die Kultur
Mit I Abbh. Bd. 182.)
F siehe guch Schrift- und Buchwesen.
Byzantinische Charatterkoͤnple. Von Privat⸗
doa. Dr. K. Dieter ich. Mit 2Bildn.
GBd. 244)
Charakterbilder aus deutscher Geschichte
ehe Von Luther zu Bismarck.
Deutsch: Deutsches Bauernhaus sBauern⸗
haus. — Deutscher Bauernstand .Bauern⸗
stand. — Deutsches Doxf s. Derf. —
Deutsche F — Vom Bund zum Reich
— Deutsches Frauenleben s. Frauenleben
— Deuitsche Geschichte Geschichte. —
Deutscher Handel s. Handel — Deutsches
Haus Haus. — Deutsche Kolonien s.
Kolonien. — Deuische Sprache s. Sprache.
Abt. III.- Wuische Städte s, Städte.
— Deutsche Ver asung Verenose
rxechtJ. Verfgssung, Verfassungsrecht. —
Deulsche Volkefeste, oaea Volks⸗
trachten s. Vollsfeste. —. Deutsches Wirt⸗
schaftsleben s. Wirtschaftsleben usw.
Deutschtum im Ausland, Das. Von Prof.
Dr. R. Hoeniger. GBd. 402.)
Dorf, Das deutsche. Von R. MNielke.
2. Aufl. Mit 631 Abb. GBd· 192)
Fuglands Weltmacht in ihrer Entwicklung
vom 17. Jahrhundert bis auf unsert
Tage. Von, Prof. Dr. W. Langen;
beck. 2. Aufl. Mit 189 Bildn. (Bd. 174.)
Futdegungen, Das Zeitatter der. Von Prof.
Dr. S. Günther. 3. Aufl. Mit 1Welt⸗
karte. Bd. 26.)
Familienforschung. Von Dr. E. De—
vrient. GBdʒ 350.)
Frauenbewegung, Die moderne, Ein ge—
schichtlicher Uberblick Von Dr. . Schir⸗
m'acher. 2. Aufl. Bd. 67.)
Frauenleben, Deutsches, im Wandel der
Jahurhunderte. Von Dr. Ed. Otto.
Friedrich der Große, Von P —
riedr er Große. Von Prof. Dr. Ih.
Bittérguf, 3 Aufl. (Bd. 246.)
Gartenkunst. iie d. G. Von Reg.⸗
Baumeister Chir. Ranck. Mit 41 Abb.
Bd. 274.)
Germanische hspege siehe Heldensage.
Germanische Kultur in der Urzeit. Von
Prof, Pr. G. Steinhausen. Z.Auft,
Mit 13 Abb. (Bd. 75.)
Beschichte, Deutsche siehe Von Luther zu
Bismarck, Friedrich der Große, Restaura—

tion u. Revolution, Von Jena bis zum
Wiener Kongreß,Revolution (1848)
RFegafktion u. neue Ara, Vom Bund zum
Reich, Moltke, Bismarck.
zriechentum. Seine Entwicklung bis zur
römischen Kaiserzeit. Von Proöf. Dr. R.
von Scala. GBd. 471.)
Briechische Städte. Kulturbilder aus gr.
St. Von Ichyeg Dr. E. Sgebarth.
2. Aufl. Mit 23 Abb. u. 2 Tafelu—
GBd. 131.)
dandel. Geschichte des Welthandels. Von
Prof. Dr. M. G. —— 78
— dche des deutschen Handels. Von
Prof. Pr. W. Langenbeck. Gd. 237.)
dandwerk, Das deutsche, in seiner kultur⸗
gesgichttlichen Entwiclung. Von Dir. Dr.
Stto. 4. she Mit 2 Adb. Gd. 14)
daus. Das deutsche, und sein Hausrxrat,
Von Prof. Dr. R. Meringer. Mit
106 Abb. Bd. 116.)
deldensage. Die germanische. Von Dr. J.
W. Bruinier. Bdb. 486.)
dolland siehe Städtebilder, Historische
Japaner, Die, in der Weltwirtschaft. Von
Prof. Dre. K. Rathgen. 2. Rufl.
Bo. 72
Jefuiten, Die. Eine histor. Flizze. Von Prof.
Dr. H. Boehmer. 8. Auflt. Bd. 29.)
Internationale Leben, Das. der Gegen—
wart. Von A. H. Fried. Mit 1 Täajfel.
Bd. 226.)
Island, das Land und das Velk. Von
Arch Dr. Herrnann. Mit 9Abb.
Kalender siehe Abt. V. I6Gd. 461.)
Kolonien, Die deutschen. (Sand und Leute.)
Von Dr. A. Heilborn. 3. Aufl. Mit
26 Abb. u. SKarten. GBd. 98)
— Unsere Schutzgebiete nach ihren wirt⸗
Vgth Verhältnissen. Von DrEhr. G.
arth. GBd. 290.)
trieg, Der, im Zeitalter des Verkehrs
und der Technit. Von Wiasor M.
Meyer, Mit 3 Abb. Bd. 271)
Vom Kriegswesen im 19. Jahrhundert.
Von Major O. v. Sothen. Mit 9uüber—
sichtskarien. Bd59.)
siehe auch Seekrieg
Pensch und Erde. Skizzen von den
A zwwischen beiden.
Von weil. ne Dr. A. Kirchhofif.
4. Auflage. Bdo. 31)
Mittelalterliche Kulturideale. Von Vrof.
Dr. B. Vedel. 2 Bde.
Bd.I; Heldenlebean. Bd. 292.)
Bd. I: Ritterromantik. Pd. 293.)
Moltke. Von iserb Ottoman. Maiox im
Generafstab F. CEndres. G0 4159
Münze, Die, als historisches Densmal so—
wie pre Bedeutung im Rechts⸗ und
Wirtschaftsleben. Von Prof, Pr A. Su⸗
schin v. Ebengreuth. Mit 83 Abb,
—Fiehe auch Gesd. Abt. VI. 146Bd. 91.)
        <pb n="148" />
        Jeder Band geh. je m.i. -Aus eiatur und Geisteswelt In Leinw. geb. je m. 1.28
berzeichnis der bisher erschienenen Bände innerhalb der Wijsenschaften alphabetisch geordnet

Mythologie siehe J.
Napolton J. Von Prof. Pr. Th. Bitterauf.
 2. Aufi. Mit Bildn. Gb155.)
Naturvölker, Dir Leitee Lultur der N.
Von Prof. Dr. K. Th. Preuß. Mit
7 Abb. Bd. 452.)
Drient. Der. Eine Länderkunde. Von E.
Baunse. 8 Bde
Bd. J: Die Atlasländer. Marokko, Alge—
rien, Tunesien. Mit 15 Abb., 10 Kar—
goitizzene 3 Diagr.u, 1. Tafel. (Bd 403
Bd U: Dex garöbische Orient. Mitne
Abb, und,7 Diagrammen. Bd. 278.)
Bd. UII Der arische Orient, Nit 84
Abb., 3 Karten u. 2 Diagr. (Bd. 279)
dsterreich. Geschichte der auswärtigen Po—
gtit Hsterreichs im 19. Jahrhundert. Von
R, Charmatz., Bde. I., Bis zum
Sturze Metternichs. Bd. 374) I. Son
der Revolution bis zur Annexion (1848
bis 1908). Bd. 375.
Sjterreichs innexe Geschichte v. 1848 bis
hr vn R. Charmatz. 2 Bände.
ufl.
Bd.J. Die Vorherrschaft der Deutschen.
6d. 242.
Bd. II: Der Kampf d. Nationen. Go 243.
Ostseegebiet. Von Privatdozent Dr. G.
Braͤun.— Bd. 367.
Palästina und seine Geschichte. Von Prof
Dr. H. Freiherr, von Soden 8. AMufl
Mit 2 Karten, 1Plan und —
Pulästina und seine Kultur in tan Jahr⸗
tansenden. Von espatninerswr Dr.
B. Thomsen, Mit 36 Abh. Goͤ 260)
Polarforschung. Geschichte der Entdeckungsreisen
 zum Nord- und Südpol von den
ältesten Beiten bis zur Gegenwart. Von
Irzt Dr. K. gee 3. Aufl. Mit
Karten. Bd. 38.
Polstische Geographie. Von Dr. E. Schöme.
Bde 353)
Politische anperwanaen in Europa im
19. Jährhundert. Von Prof. Dr. K. Th.
v. Hefgel. 2. Aufl, (Bd. 129)
—A veien sasse Stadt in Ita—
Uen. Von Prof. De. Fr. v Duhn.
2. Aufl. Mit 62 Abb. Bd. 114)
Reaktivn und neue üxa. Skizzen zur Ent—
Viesungeaegchigte der Gegenwärt. Von
Prof. Dr. R.Schwemer. 2. Aufl
GBd. 101.)
Religion, gesemue siehe J.
Restäuration und Aevolution. Skizzen zur
Entwicklungsgeschichte der 3 Ein⸗
he Von Prof. Dr. R. Schwemer.
Aufl. Bd.87.)
Ptvolution. Geschichte der Franzoͤsischen
R. Bou Vrofß. Dr. Th. Biieer 79
— 1348. Sechs Vorträge. Von Hrof. Dr.
O. Weber. 2. dufl. (Bd. 53.*

Rom. Das alte Rom. Von Geh. Reg.⸗Rat
Prof. Dr. O Rich ter. Mit Bilderanhagg
 u. n Bd. 386.)
— Soziale Kämpfe im alten Rom. Von
Privatdoz. Dr. 8. Bsloch. 8. Ag 7
— Roms Kampf um die Weltherrschuft.
Von Prof. Dr. J. Kromaher—
Bde 368.)
Schrift- und Buchwesen in galter und neuer
Zeit. Von Prof. Dr. O. Weise. 3. Nusi
Mit 37 Abb. Bd.4.)
— siehe auch Buchgewerbe.
Schweiz. Land. Volk, Staat und Wirt—
schaft. Von O. Wettflein. Bd. 182)
ie Eine geschichtl. Entwicklung voni
Zeitalter der Entdeckungen big zur Gegen⸗
art. Von K. Freiherrn v. Malßahn,
Vizeadmiral a. D. —B
Das Kriegsschiff. Von Geh. Marinebgu⸗
rat Krieger. Mit 60 Abb Go 389.)
Soziale Bewegungen und Theorien bis
zur modernen Axbeiterbewegung, Von
G. Maier. 4. Aufl. Bd. 2.)
Staat und Kirche in ihrem geßenseitigen
Verhältnis seit der Reformalion. Von
Pfarrer Dr. phil. A. Pfanncuch?
(Bd. 485.)
Städte, Die. Geographisch betrachtet. Von
Prof. Dr. K. Hafsseri. Nin g
— Deutfsche Städte und Bürger im Mittelalter.
 Von Prof. DPr. B. Heil. 3.
Aufl. Mit zahlrx. Abb. Bd. 43.
— gistorische Städtebilder ans Holland
und Ar Von Reg.Bau⸗
meister a. D. A. Er be. Mit 59 Abb.
Bd. 117.)
— siehe auch Griechische Städtie, ferner
Pompeji, Rom.
Student. Der Leipziger, von 1499 bis
1909. Von Dr. W. Bruchmüller.
Mit 25 Abb. Bd. 273.)
Studententum. Geschichte des dentschen St.
Von Dr. W. Bruchmüller. GBd. 477.)
Berfafsung. Grundzüge der V. des Deut⸗
schen Reiches. Von Prof. Dr. F Loen⸗
ing. 4. Muflt. Bd. 34.)
Berfassungsrecht, Deutsches, in geschicht⸗
licher Entwilung. Von Prof. Dr. Ed.
Hubrich. 2. st. GBd. 80.)
Boͤlkerkunde, Allgemeine. Von Dr. Adolf
8 bati. 2Bände.
Vd. J: Das Feuer, der Nahrungserwerb,
Wohnung, Schmuck und Kleidung.
Gd. 487.)
Bd. II: Waffen und Werkzeuge, die
Industrie Oandel und Geld, die Ver—
Lhrsmittel. Bdo 488
Bd UI: Die geistige Kultur der Natur
völker. Von Prof. Dr. K. Th. Preuß,
G6Bd. 452)
siehe auch Naturbölker.
        <pb n="149" />
        Jeder Band geh. je m... — Aus Natur und Geisteswelt In Leinw. geb fe M. 1.26
Geschichte, Kulturgeschichte und Geographie, Mathematik, Naturwissenschaften und Medizin

Volksfeste und Volksfitten. Deutsche. Von Ven Luther zu Bismarck. 12
ehen. Mini Abb. Gb.2149 bilder aus deutscher hie dte
—— ee — Sond⸗ Dr. O. Weber. 2 ee gee
aften. on Prof. O. ise.
4. Aufl. Mit 29 — r — Wirtschaftlichte Erdkunde. Von weil. —9*
Volkstrachten. Deutsche. Von Pfarrer, K. br. Ihr Sra ber E Aufh, Begrb,
Agzrag Bie4) whs Prof. Dr. K. Do vee. Bd. 122.)
Vom Bund zum Reich. Neue Stizzen zur ir nsteden nes Auf, geogra⸗
Entwidtungsgeschichle der deu schen Ein⸗ Froposecher Ferrinon geschidert Von
eee . Schemer weil. Prof. Dr. Chr. Gruber. 3. Aufl.
p Ruft —4 B) Reubearbeitung von Dr. H. RNegt i
Von Jena bis zum Wlener Kongreß. Von — D Wirt
— Zen elirennngedes deutichen Wirt
V. Mathematik, Naturwissenschaften uund Medizin.
Aberglaube. Der, in der Medizin und seine Arzt.
esze für Gesundheit dedn ua r gdt en Fon dwd Iasgagen
n Gegenw. Von Dr.
Prof. Dr. D. v. H adiemiu dn eg 5 M. aan (Bo. 265.)
83531 ie. bleme der modernen Astr.
Abstummungs⸗ und Vererbungslehre, Erx⸗ n gre
aeette —A ——— Vei Pros br 6. dbenbeg 3
Mi . —
nnndehehre uud Darm in tshagVin onehe in ihrer Bedentung fur
snrzagethefsedehhenae waeee ee
Fig. d. 39. 3 *3 7J *
Widhrkrafte des Körvers. Die. Tinsehe „ntiehe gech Weltall, Weltbild, Sonne.
dung in vdie Immmnitätslehre. Von ond, Plaueten.
awegzu Dpo e zumerer, Atome. Moleküle — Atome — Weltüther.
—9 siehe Axithmetit. IW3. A Von Prof. Dr. G. Mie. 8. Aufl. Nit
Ailtoholismus, der. Von Dr. G. B. G,.ruu 27 Fig. Bd. 58)
ber, Mit,7 Abb. 7 103.) Auge des Menschen, Das und seine Ge⸗
en Von Dr. Fr. Vong; Vne ege ghene Prof. Pr. G.
i ig. .94. e rf. Mit1
Asatomir des Menschen, Die, Von, Hrauf. UAuge.— —* und Re Ve
uigtopuig des ctn Ve deht. Ve düo hre WMit va cbhe undi
Teit: Zelen⸗ und, Gewebelehre. Ent- ZFichtdrucktafel. GBd. 372.)
wictlungdgeschichte. Der Körper gls Gan- Bakterien, Die, im Kreislauf des Stoffes⸗
8Nit 70 Abh. 6Bo 418.) 1in der Natur und inn ———
Teit: Das Skelett. Mit 53 Ibbi9) Amen aden Prof. Dr. E. ge e
F —6 b. Bd. 233.
—— Anugtet nd ee — Die krankheiterregenden Balterien. Von
iVie Eingeweide, Matin- At Finethorent De. M vne dieg
hugee. Horne und Geschlech guro uen Bau gndz Tatigteit des mguschlichen For⸗
dTeit: KRervensystem und Sinnesorgane vers. Von Vroft Dr. H. Sach s8.8Angt
dit 6 e Mitpeeb ——
Fe Feitt Statik und Mechauit des Befruchtungsvorgaug, Der, se in Wesen und
Mathieetcil weth t 433) eine, Vvedentung Von dh Sowge
agariin. dãs. Von ẽ. W. din da Aufl. Mit 7 Abb. —
i ig. 335. — .
Arithmetit und Aigzerg zum enihe Blochemie. Einführung in die B. Von
richt. Von Prof, Dr. P. Cranz, 2Bde. Prof. Dr. W. Löb. Bd. 332)
j. Feil Die Rechnungsarten. Gleichun— Biologie. Allgemeine. Von Prof, Dr. H,
gen ersten Grades mit, einer und nieh⸗ Me h'e. ANufl. Mit 140 Fig. Gd 130.)
2 120. —*
I Teit:· Gleichungen. Arithmetische und — e gesehung. (Bd. 336.)
geometrische Reihen. Zinseszins⸗ und Zand Ur! Regeneration, Transplantation
Rensenrecnung, Kompicxe Zahlen. Bi- und, verwandte Gebiete. Bd. 337)
————
.Von Prxg efruchtungsvorgang, Lebewesen, Orga⸗—
inn 5. I nd Genugmitte 1Bd. 363) nismen. —D—— Tier, e ao
        <pb n="150" />
        Jeder Band geh. je m. 1-ÿ Aus Natur und Geisteswelt In Leinw. geb. je m.1.5
verzeichnis der bisher erschienenen Bände innerhalb der Wissenschaften alphabetisch geordnet

Blumen. Unsere Bl. und Phangen im
KGarten. Von Prof. Dr. u. Sanmer.
Mit 69 Abb. Bd. 360.)
AUnsere Bl. und Wiynen im zimmer.
Von Prof. Dr. U. Ram mer. Rit 65
Abb. GBd. 859.)
Blut. —— —— und Blut und
àů8 rkrankungen. Von Veo Dr. H.
o sin. Mit 18 Abbðbh. Bd. 312.)
Botanit siehe Blumen, Kulturpflanzen.
Koloniglbotgnik in Abt. Vi.
Brille. Das 45 und die Br. Von Dr.
M. v, Rohr. Mit 84 Asb. und Sicht
drucktafel. Bd. 372)
khemie. Einführung in Pe este Viß
—VV
16 Fig. Bd. 264.)
— Mederyne in die organ. Chemie; Na⸗
türl. und künstt. Pflanzen- u. Tierstosfe.
Von Dr. B. Bavinks. Ant Wii
7 Fig GBd. 187.
.Jiehe auch Biochemie.
Chemiie in Küche und Haus. Von Dr. J.
Klein. 8 Aufl. BGd 76.)
—“3— Die. unserer Zeit. Von Wegh
r. Feßler. Mit 132 Abb. GBd. 3391
Darwinismus. Attammnnaslehee und D.
Von Prof. Dr. R. Sesfe. I —— Mil
837 Fig. Gd. 39.)
Desinfeltion, Sterilisation und outr
pierung. Von Rege u. MedRat br
2. Solbrig. Mit Abbildungen im
Tert. Bd. 401.)
Differential⸗ u. Integralrechnunge Von
Dr. M. Lindow. Bd. 387
whie Die, und der uerpeicshete
ensch. Von Fep Dr. G. tein⸗
mann. Mit 24 Abb. GBd. 302.
—— Von Prof. Dr. K. Ærudt.
Mit 38 Abb. (Bd. 234.)
Elektrgtegnik, Grundlagen der E. Bon
Dr. A. Rot tg Mit 72 Abb, Gd. 391)
Energie. Die Lehre von der F. Von Vr!
A. Stein. 2. Aufl. Mit 13 860.
(Bd. 257.)
Etnhrung und Vollsnghrungsmittel. Bon
weil. Prof. Dr. J. Frenvei. Aufl.
von eegt Prof Dr. R.Sungß.
Mit Tibbu g .6G
353 Das menschliche, seine Extrankußg
un Visege· Von Zahnarzt — Fä
ger. Mit 24 ubb. Bd. 229.)
Gristeskrankheiten. Von Anstaltsoberarzt
Dr. G. Ilbera. Bd. 151)
Benußmittel siehe Kaffee, Tee, Kakao
Tabak. Arzneimittel u. Genuhmitten
Beologie, Allgemeine. Von Geh Bergrat
— De. 45 Freche u. 3. Inft.
del: Vulkane einst und jetzt. HRil 80
Abb. Bd. 27
Bd. I Gebirgsbau und Erdbeden. Mi
7 Abb. .G6Gd. 208)
Bd. M: Die Arbeit des fließenden Wa
sers. Mit 56 Abb. (Bd. 2099

VBd. IVz Die Arbeit des Ozeans und die
chemische Tätigkeit des Bassers im allgemeinen.
 Munse Abb Wyy 210.)
Bd. Vz Rohlenbildung und Fümg, der
Ihrget Mit 50 Abp. Bd. 211.)
— — Fuerger einst und jeßt. Nit
lTitelbild und 65 Abb. Gd. 61.)
Beschlechtskranktzeiten, ihr Wesen, ihre Ver⸗
breitung, eade und Verhütung.
Von Geuexalarzt Prof. Hr. WSsch u inburg.
 2. Aufl. Mit 4Abb. und J Tafel.
GBd. 251.)
Besundheitslehre. Aßt Vortruge aus der
. Von weil. Prof. Dr. H. Huchner.
4. Aufl. 35— von Prof. Dr. Maovpon
Gruber. it 26 Abb. GBd. 1.)
7 detrdhesueeüt für Frauen. Von
Prof. Dr. Opiß. Mit Abb Go. 1713)
Graphische Darstellung, Die. Bon Prof.
Dr. F. Auerbach. Bd. 437.)
daustlere. Die Snmur Weseate unserer
d Von Prof. Dr. C. Kelter, Mite28
ig. Bd. 252.)
dtalmisienschast. Die moderne. Wesen und
Grenzen des ärztlichen Wissens Von
Dre. E. Biernacki Bd. 25.)
derz, Vintgenute und Blut und ihre Er⸗
krankungen. Von Prof. Or. H. Rosin.
Mit 18 Abb. —X
dynntismus und Suggestion. Von Dr.
E. Trömner. 2. Ausl. Bd. 199.)
vIn mumirutslehre siehe Abwehrkräfte des
dörpers.
Infinitesimgalrechnung. Einführnung in die
* Von Brof. Dr. G. Kowalewßfti,
Fa Mit 18 Fig. Bd. 197.
Kaffee, Tee,, Kakas und die übrsgen nar—
totischen Getrände, Von Prof. Dr. A.
Wieler. Mit 24 Abb. und 1 Karsie,
Bd. 132
Kalender, Der. Von weil, Prof Dre. W.
Fa Wistteenus. FAuft. Bo69)
Korallen und andere gesteinbildende Tiere.
Von Prof. Dr. W. Mah. Mil 4156 Abb.
Bd. 231.)
stosmetilk. Von Dr. J. Sauder
Bd. 489)
seranlenvflene. Von Chefarzt Dr. 8B.
Leick. Bd. 152
— Unsere wiehtigsten K. (Die
Getreidegräser) Voun Prof. Or Giesenhagen.
 2. Aufl. Mit —
debewesen. Die Beziehungen der Tiere und
ktlanzen zueinauder. Von Prof. Dr. K.
aepehin, Mit 132 Abb.
— 1, Der Tiere zueinander. GBd. 426.)
. ADer Pflanzen zueinander und zů
den Tieren. Gd. 427.)
—.siehe Organismen, Biologie.
Leibesuͤbungen. Die, und ihre Bedeutung
sir die Gesundheit, Von, Prof, Dr. R
ander. 3. Aufl. Mit 1I9 Abb. Bb. 13
        <pb n="151" />
        Jeder Band geh. je m. 1 Aus Natur und Geisteswelt In Leinw. geb. je M. 1.20
Mathematik, Naturwissenschaften und Medizin

Licht, Das, und die Faffen Von Fi
Dr. S. Graetz. 8. Ruft. Mit ðve Ihby
dust. Wasser, Licht und Wärme., Neun
Vorträge aus dem Febiete der Exrperi—
mentalchemie. Von Prof. Dr. R. Boch⸗
mann. 4. Aufl. Mit 115 Abb. GBd.5.)
duftstickftoff, Der, und seine Verwertung.
Von Prof. Dr. K. Kaifer. Nit 13 Abb
Gd. 313.)
Mathematik, Praktische, Von Dr R. Re u—
endoxrff. J. Teil: on u. nu⸗
merisches Rechnen. Mit 62 Fig. u,1
Tafel. Bd. 341.)
— Naturwijssenschaften und M. im klassi—
shen Altertum. Von vbrof. Dr. J'oh.
8. Heiberg. Bd. 370)
— RNathematische Spiele. Von Dr. W. ——
rens. 2. Aufl. Mit 70 Fig. Gd. 170.)
Mechanit. Von Kais. Geh. dieg.Rat A.
v. Jhering. 2Bde.
Bd. 1; Die Mechanik der festen Körper.
Mit 61 Abb. (Bd. 303.)
Bd. I; Die Mechanik der flüssigen Kör⸗
per. Mit 34 Abb. Bd. 304.)
Vieer. Das M. seine Erforschung und sejn
Leben, Von Dr. X. Jansone 3. Auflt.
Mit 40 Fig. GBd. 30.)
Mensch. Entwicklungsgeschichte des M. Von
Dr. A. Heilborn. PNit 60 Abb.
Bd. 388.)
— Mensch d. Urzeit, Der. Vier —A
aus der Entwicklun vgeichichte des Men⸗
jchengeschlechtes gHeg .A. Heilo„
 vrñ. 2. Aufl. Mit zahlr. Abb. Boͤ. 62)
— Der vorgeschichtl. Mensch siehe Eiszeit.
RMensch u. Erde. Skizzen von den Wech⸗
selbeziehungen nen beiden. Von weil.
Profs. Br. U. Kirchhoff. 4. i
Bdo 31.)
—Menscheu. Tier. Der ane zwischen
Mensch,und Tier. VBon Fcr .Dr. K.
Eckstin. 2. Aufl. Mit 51 Fig. Gb. 184
Wenschlicher Körper. Bau und Tatigteit
des menschl. K. Von Prof. Hr.
Sachs. 8. Auft. Mit 37 Abb. Gd. 32)
— siehe u Anatomie, Blut, Herz, Ner⸗
vensystem, Sinne, Verbildungen.
Moletule — Atome —, Weltaͤther. Von
Brof. Dr. G. Mie. 3. Aufl. Mig 38
Mond, Der. Von Prof. De. J Franu;
Mit 31 Abb. —— 90.)
Natur und Mensch. Von Direktor Prof.
Dr. M. G. Schm idt. Mit 19 Abb.
GBd. 458.)
Naturlehre. Die Grundbegriffe der mo—
dernen N. Von Prof. Dr. F. Auerbach.
 83. Aufl. Mit 79 Fig. Gdb. a0.)
Naturphilosophie, Die moderne. Von J.
M. Verwehen. (Bd. 491)

Naturwifsenschasten im Haushalt. Von Dr.
J. Bongardt. 2 Bde.
L Teil: Wie sorgt die Hausfrau 8 die
Gesundheit der Familie? Nie
.125.
I.Teil: Wie sorgt die Hausfrau für gute
Nahrung? Mit 17 Abb. Bd. 126.)
Naturwissenschaften und Mathematit im
affijchen Altertum. Von Prof. Dr.
Joh. L. Heiberg. Bd. 370.)
ö und Religion. N. und. N.
in Kampf, und Frieden. Ein Zeschichtlicher
 Ruückblick. Von Dr. A. ee,
kuche. 2. Aufl. (Bodͤ. 141.)
— und Technik. Am qoe
senden Webstuhl der Zeit. Wersene ůber
Wirkungen der Eutwicklung der N. und
T. auf das gesamte Kultuürleben. Von
Prof. Dr. W. Launhardt. 3. Aufl.
Mit 16 Abb. Bd. 23)
Nerven. Vom RNervensystem, seinem Bau
und seiner Bedeutung für Leib und Seele
in gesundem und krankem Zustande. Von
Prof, Dr. R. Bander. 8. Aufl. Mit
27 Fig. Bd. 48.)
Optit siehe Auge, Brille, Licht u. Farbe,
Wikroskop, Spektroskopie, Stereoskop,
Strahlen.
Drganismen. Die Welt der O. In Ent—
wicklung und Zusammenhang dargestellt.
Von Prof. Dr. K. Lampert. Rit 62
Abb. GBd 286.)
— siehe auch Lebewesen.
3 Fad revg und Derhenen der
. Von Brof. Dr. P. isevius.
Nit 21 Abb. —* 173.)
. Vermehrung und Sexugnlität bei den
Pflanzen. Von Prof. Dr. E. Küsterx.
R enehe sienden Pfl 865 13
-Die fleischfressenden Pflanzen Von Dr.
A. Wagner. Mit 82 Ig— Bd. 344.)
— Ans Blumen und Pflanzen im Gar⸗—
ten. Von Prof. Dr. U. Dammer. Mit
69 Abb. Bd. 860.)
— Unsere Blumen und Pflanzen im Zim—
mer. Von Prof. Dr. U. Dam mer. Mit
65 Abb. GBd. 859.)
siehe auch Lebewesen.
Pflanzeuwelt des Mitkroslops, Die. Von
Pn ersehuttehrer E. Reudag Mit
100 Abb. Bdo 181)
ohotechemie Von Prof. Dre. GKüm⸗
melt. Mit 23 Abb. Bd 227.)
opniit Werdegang der modernen Vh. Von
r. H, KellerMit 18 Fig. Gdo. 313)
—Einleitung in die Erbexrimentalphysit.
Von Prof. Dr. R. Börnstein. Mit 90
hosit in. gahe und daus. Ked 31
— Vhysik in e und Haus. Von Prof.
H. Sd. ——
Physiker. Die großen Ph. und ihre Lei—
stungen. Von Prof. Dr. J. A. Schulze—.
Mit 7 Abb. Bb. 324
        <pb n="152" />
        Jeder Band geh. je m.ĩ. — Aus Natur und Geisteswelt In Leinw. geb. je M. 1.25
Verzeichnis der bisher erschienenen Bände innerhalb der Wissenschaften alphabetisch geordnet

Pilze, Die. Von Dr. A. Eichinger. Mit
54 Abb. Bd. 384.)
Planeten, Die. Von Prof. Dr. B. Peftex.,
Mit 18 Fig. (Bd. 240.)
Planimetrie gum Selbstunterricht. Von
Prof. Dr. V. Crantz. Mit 99 —
BbB310.)
Nadium und Radioaktivität. Von Dr. M.
Fentnexsaewer. Mit 33 Abb. (Bd405.)
Saugling, Der, seine Ernährung und seine
—— Von Dr. W. Kaupe. Mit 17
Abb Bd. 154.)
Schulhugiene. Von Prof. Dr. . Buxr ger
stein. 8. Aufl. Mit 43 Fig. GBde96,
Sinne des Menschen, Die fünf. Von Prof.
Dr. J. K. Kreibig. 2. Aufl. Mit 38
Ahb. Bd. 27.
Sbektroskopie. Von Dr. S. Grebe. Mit
32 Abb. Bd. 284.)
Stereostop, Das, und seine Anwendungen.
Von Prof. Th. Hartwigs. NMit 40
Abb. und 19 Tafeln. God. 135.
Sonune. Die. Von Dr. A. Krage Mit
64 Abb. Bd. 357.)
mer sotine S Ian pihre
yglene. Von Prof. Dr. P.8. Gerber.
2. Hiite Mit 20 —2* Bd. 136)
Strahlen, Sichtbare und unsichtbhare. Von
Prh Dr. R. Börnstein und, Prof.
x. W. Marckwald. 2. Aufl. Mit, 85
Abb. Bde64.)
Suggestion. Hypnotismus und e
V Dr. E. Trömner. 2. Aufl. (Gb. 199.)
Sußzwasser⸗ Plaulton, Das. Von Prosß, Dr
D gacharias. 2. Aufl. Mit 49 Abb
Bd. 156
Tiere der Vorwelt. Von Prof, Dr. O.
Abel. Mit 31 Abb. Bd. 399.)
Tierlunde, Eine Einführung in die BZoo—
logie. Von weil. Privatdozent Dr. K.
Hennings. Mit 34 Abb. (Bd. 142.)
— Lebensbedingungen, und Verbreitung
der Tiere. Von Pros. De. O. Mags,
Mit 11 Karten und Abb. Bd. 139.)
— Zwie gestgt der Geschlechter in der
Tierwelt (Dimorhhismus). Von De. 5
Knauer. Mit 37 Fig. GBd. 148.)
— siehe auch Lebewesen.
Trigonometrie, Ebene, zum Selbstunter
richt. Von Prof. Dr. P. Craupßz. Mit
50 Fig. Bo. 431.)

Tuberkulost, Die, ihr Wesen, ihre Verbrei—
tung, Ursache, Verhütung und Heilung.
Von Generglarzt Prof. Dr. W. Schum⸗
burg. 2. Aufl. Mit 1 Tafel u, 8 Fig.
Bd. 47.)
Urtiere, Die. Einführung in die Bielogie.
Von Prof. Dr. R. Goldschmidt..
Aufl. Mit 43 Abb. (Bd. 160.)
Verbildungen, Körperliche, im Kindesalter
und isre Vexhütung. Von Dr. MDapäd,;
Mit 26 Abb. GBd. 321.)
Vererbung. Erperimentelle Ahstammungs⸗
und Veteppagaiet Von Dr. H. Seh⸗
mann. Mit 26 Abb. Bd. 379.)
Bogelleben, Deutsches. Von Proß, Dr. A.
Voigt. Gd 221.)
Bogelaua und Vogelschutz. Von Dr. W, R.
Eckaärdt. Mit 8 Abb. Bd. 218.)
Volksnahrungsmittel siehe Ernährung u. V.
Wald, Der deuntsche. Von Prof. Dr. H.
Hausrath. 2. Aufl. Mit 15 Abb. und
3 Karten. Bd. 153.
Wärme. Die Lehre von der W. Vou Prof.
Dr. R. Böruste in. Mit 383 Abbh.
Bd. 172.)
— siehe auch Luft, Wasser, Licht, Wärme.
Weltall. Der Bau des W. Von Prof. De.
J.Scheiner. 4. Aufl. Mit 2883

Weltäther siehe Moleküle.
Weltbitd. Das astronomische W. im Wan⸗
—A
heim. 8.Auft. Mit 24 Abb. GBöͤ. 110.)
BWelteuntstehung. Entstehung der Belt und
der Erde nach Sage und Wissenschaft.
Von Frot Dr. M. B. Weiͤnstein—.
8. Aufl. Bd. 223.)
— Untergang der Welt und der Erde
nach Sage, und Wissenschaft. Von Pref.,
Dr. M. B. Weinstein. GBd. 470.)
Wetter, Gut und tzut. Von Dr. R.Hen⸗
n ig. Mit 46 Abb. Bd849.
Winde und Wetter. Von Krof. Dr.
Weber. 2. Aufl. Mit 28 Figurxen und
Tafeln. Bde. 55.)
Wirbeltiere. Vergleichende Anatomie der
Sinnesorgane der W. Von —3— Dr.
W. gu bofch, Mit, 107. Abb. Gd. 282.)
Zahnheillunde siehe Gebiß.
VI. Recht, Wirtschait und Technik.
ageisuer gemie. Von De. P. Krißsche,
it 21 Abb. Bd314.)
Altoholismus, Der. Von Dr. G. B. Gruf
ber, Mit 7.Abb. Bd. 1903
Amerika. Aus dem amerik. Wirtschaftsleben.
 Von Prof. J. 8. —A
Angestellte siehe eee A.
Anktite Wirtschaftsgeschichte. Von Dr. O.
Neurath. 6(Bd. 258.

Arbeiterschutz und Arbeiterversicherung.
Von Pro HisSwiedineck-Sudaui,
horst. 2. Aufl. Bd. 78.)
siehe auch soziale Bewegung.
Arzneimittel und 3 Von Prof.
Dr. O. Schmiedeberg. GBd. 363.)
Arzt, Der. Seine Stellung und Aufgahen
imn Kulturleben der Gegenw. Von De.
med. M. Fürfi. (Bd. 265.)
        <pb n="153" />
        Jeder Band geh. je m.i .-Aus Natur und Geisteswelt In Leinw. geb. je m. 7e
Mathematik, Naturwissenschaften und Medizin, Recht, Wirtschaft und Technik

Automobil, Das. Eine nshren— in
Bau und Betrieb des modernen Kraft—
I Von Ingenieur K. Blau. 2.
Auft. Mit 86 Abb. u. 1 Titelbild.
GBd. 166.)
Baukunde. Das Wohnhaus. Von — —
hee a.D. G. Langen. 2 Bde.
Mi 3
Bd. I Sein e Aufbau. (Bb. 444.)
Bd. II: Seine Anlage und
— Eisenbetonbau, Der. Von VipleIng.
E. Haumovici. 81 Abb. Gd. 275.)
Baukunst siehe Abt. III.
bigructungewelen Das moderne. Von
Dr. H. Sux. Mit 54 Abb. GBd. 433.)
Brvölterungsiehre. Von Prof. Dr. M.
Haushofer. GBd. 50)
Bierbrauerei. Von Dr. A. Bau. Mit
47 Abb. Bd. 333.
Blumen. Unfere Bl. und Pflaͤnzen im
Barten. Von Prof. De. U. ammer,
Mit 69 Abb Bd. 360.)
—, Unsere Blumen, und Pflanzen im
Zimmer. Von Prof. Dr. U. Dammer.
Mit 65 Abb. Gd. 359.)
Brauerel. Die Bierbrauerei. Von Dr. R.
Bau. Mit 47 Abb. Bd. 333.)
Buch. Wir ein Buch ehh Von Pros.
A. W, Unger. 3. Aufl. Mit 7 Taf. u.
26 Abb. 8 Bd. 175.)
— ‚siehe auch Abt. IV GBuchgewerbe,
Schrift⸗ u. Buchwesen)
Buchhaltung und Bilanz, Dirt kaufm.
Von Dr. P. Gerstner. EGd. 489)
Lhemie. Bilder aus der chemischen Technitk.
 Von Dr. A. Mühler Mit 234
Abb. GBd. 191.)
Lhemie in Küche und Haus. Von Dr. 3.
Klein. 3. Aufl. BGd. 76.)
Chemie und Technologie der Sprengstoffe.
Von Prof; Dr. R. Biedermann—
Mit 15 Fig. GBd. 286.)
—X— — Die. Von Geh. Bergrat
Proͤf. R.Vater. n2 Bde. I: Wirkungsweise
 des Dampfes in Kessel und Ma—
ghn 3. Aufl, Mit 48 Abb. (GBd. 393)
— U: Ihre Gestaltung und ihre Verwen—
dung. Mit 95 Abb. u. 1Taf. (Boͤ. 394)
Desufektion, Sterilifation und Lonser—
vierung, Von Reg. und, Med.Rat Dr.
D. Sölbrig. Mit Abdildangen tm
Text, Bo. 401
deutsch: Deutscher Handel s. Sandet. —
ne Verfassung s., Verfasffung. —
Deutsche Landwirtschaft s. Landwirtschaft.
Deuische RNendwrr s. Reichs⸗
A — Deutsche Shabet
Schiffahrt. —, Deutsches Weibwertef.
Weidwerk. — Deutsches Wirhschaftsseben
Wirtschaftsleben. — Deutsches Zivilprozeßrecht
 s. Ztvilprozeßrecht.

Drähte und Kabel, ihre Anfertigung und
Anwendung in der Elektrotechnit. Von
Telegrapheninspektor H. Brick. Mit
x I Eherech 8 p Bd. 285.
he un erecht. on Prof, Dr. S.
Wahrmund. ———
Fisenbahnwesen, Das. Von Eisenbapnban⸗
u. Betriebsinspea. D. Biebermiann.
2. Aufl. Mit Abb. Bd. 144.)
— siehe auch Klein- u. Straßenbahnen,
Verkehrsentwicklung.
kisenbetonbau. Von Dipl⸗Ing. F Haf—
movici. Mit 81 Abb. Bd. 275.)
Fisenhüttenwesen. Von weil. Geh. Bergrat
Prof. Pr. H. Wedding. 4Aufl. von
Bergref. F. W. Wedding. Mire Ihß
Elektrische Kraftübertragung. Von Ing.
P. Köhn, Mit 137 Abb. 6GBd. 424.)
Elektrochemie. Von Prof. Dr. R. Arndt.
Mit 38 Abb. GBd. 234.)
FElektrotechnik. Grundlagen der E. Von
br Rorth, Hit 78 Abb. G. 391
— siehe auch Drähte u. Kabel, Telegr.
Erbrecht. Testamentserrichtung und E. Von
Prof. Dr. F. Leonhard. Gd. 429.)
rrwe und Volklsnahrungsmittel. Von
wei Groh rdge e hoohl i
vpon Geh.⸗Rat Prof, De. N Zuntz. Mi
7 Abb. und 2 a GBd 195
rarben und Jartstoftg Ihre Erzeugung
und Verwendung. Von Dr. A. 8art
Mit Abbildungen im Text. (GBd. 483)
— siehe auch Abt. VCicht).
Feuerungsanlagen, Industrielle, u. Dampf⸗
lessel. Von Ingenieur J. E. Maper.
dhelsan. Von rof Hdez
nanzwissenschaft. Von Prof. Dr. S. ß.
Altmanznn. Bd. eh
Frauenarbeit. Ein Problem des Kapita—
lismus. Von Prof. OPr. R. Wilbraunudt.
Bd. 106)
Friedensbewegung. Die moderne. VBon A 5
Fried. Bd. 157)
Funkeuntelegraphie, Die Von Oberpost⸗
ð H. Thurn. Mit 53Illustr.
.Aufl, Bd. 167.)
Sarten siehe Blumen, Plladgen
dartenkunst. Dugcichie der G.Von. Reg
Baumeister Cher. Ranck. Mit 41 Abb.
GBd. 274)
Bartenstadtbewegung. Die. Von Gencçcral⸗
sekretär HKampffmeher 2. Aufl.
Mit 43 Abb. Bd. 259)
beld, Das, und sein Gebrauch. Von G.
Maier. Gd. 8398.)
— siehe auch Abt. IV. (Münze).
Benußmittel fiehe Kaffee, Kakgo, Tabak.
Arzneimittel und Genußmittel.
Kulturpflanzen.
veerbucer ie an “ Ih maud
on Patentanw. B. To or h.
(Bd. 138.)
        <pb n="154" />
        Jeder Band geh. je m.i. -FAus Natur und Geisteswelt In Leinw. geb. je M. 1.25
verzeichnis der bisher erschienenen Bände innerhalb der Wisfenschaften alphabetisch geordnet
Graphische Darstellung, Die. Von Prof, stolonisation, Innere. Von A. Bheny;
F. Auerbach. Bd. 437.) yh ng sfenschast. Die. V
andel. Geschichte des Welthandels. Von stonsumgenoöossenschaft, Die. Von Propar,;
Vrof. — G. Schm bß SNAuft. „FStaudinger, Gd. 222)
(Bd. 1185) atptaaen siehe Feuerungsanlagen und
gran des deutshhen Oandeis. Fon Dampfkessel, Elektr., Kraftlütbertragung,
Prof. DreWe Sangenbec. (Go 237.5. dampfmäschine, Warmoekraftmaschine,
dandseuerwaffen, Die. Ihre Entwigiung „Woaßserkraftmaschine.
nbeeee Von Hanpicranu k. Wernn draftübertragnng, ie eleltriche. Von
Mu n Bo gorh Ing. FKhn. Mit 137 Abb. Gd. 24
erieg. Der K. im Jeitalter des Verkrhrs
dandwert, Das deutsche, in sriner kulture 13 Fenniten aeethe
geschichtlichen Fntwickilung. Von, Dir. — fsonit roon Pgiotheftz
dr. E Otto. 4. Aufl. Mit dAb trlegsschijt. Vas. Von Geh, ——
otnsernan siehe Baukunde, Heizung und — e eehe de
Lüftuug. Mitan So
oebezeuge. Das Heben yster, sginsiger und — ——— in Küche
luftförmiger Koͤrner Von Geh. Berqgrat suüsturnsinugen. ünsere wi tigten . die
eeae e
. J. en 2. ig.
Jomee ad vib. W 15 agen. 2. Aufl. Mit 38 F10)
Hofelwesen, Das. Ben P. Damm? Landwirtschaft, Die Fnige Von Dr. W.
ECtienne. Mit 80 Abb. (Vd. 331.) Elaaßen. Mit 15 Abb. und, Karte.
Hüttenwelen siehe Eisenhüttenwesen. GBd. 215)
Ispaner, Die, in der Weltwirischaft. Von Landwirtschaftliche Maschinenkunde. VBon
VProf. Dr. K. Rathgen. — — VProf. Dr. G. Fischer. Vine *
Immunitätslehre siehe Abwehrkräfte des Luftfahrt. Die, ihre wissenschafllichen
Körpers. Grundlagen und ihre technische Entwick-Jugenieurtechnik.
 Bilder aus der J. Von lung, Bon Dr R.Nimführ, 3. Aufl.
Baurat K. Merckel. Mit 483 Abb. bon Dr. Fr. Huth. Mit ba Abb.
Bd. 60.) Bd. 300.)
— Schöpfungen der Ingenieurtechnik der Luftsticstoff, Der, und seine Verwertung,
Neuzeit. Bon GehRegierungsrat M. Von Prof. Dr. K. Kaiser. Mit 13
Gertel. Mit 82 Abh. Bd. 28) „Abb. Bd. 313.)
Juͤrispyrudenz im hänslichen Leben, Für euftung. Heizung und fK. Von Ingenieur
Familie u. Haushalt. Von Rechtsan—⸗ J. E Mavyer., Mit 40 Ahb. GBd. 241.)
Dalte . Bienenargher,ee Bde. Naschinen siehe Hebezeuge, Dampfmaschi—
Bd. 219, 220.) ne, Wasserkraftna⸗
Kabel. Drähte und K. ihre Anfertigung schine und die folg. Bände.
und Anwendung, in der Eleftrotechnik Maschineuelemente. Von Geh Bergrat Prof.
Von Teiegrapheninfpektor H. Brick MWit R. Vater. 2. Aufl. Mit 84 Abb.
13 Abb. Bd. 285.) 6Bdb. 304.)
Anffec, Tee, Kaktao und die übrigen nar Maschinenkunde siehe Landwirtschaftl. Ma⸗
kotischen Getränke. Von Prof, Dr. A. Ichinenkunde.
Wieer. Mit'24 Abb. und 1Karte. Mahze und Messen. Von Dr. W, Blo,k,;
(Bd. 132) Mit 34 Abb. Bd 385.)
sKälte, Die, ihr Wesen, ihre Erzeugung und Mechanik. Von geaiß Geh. Reg.⸗Rat A.
Berwertung. Von Dr. H. Allt. Mit o Ihering. 2 Bde.
45 Abb. Bd, 3115. Bd. I Die Mechanik der festen Körper.
Kaufuignun. Das Recht des K. Von Rechts- Hiit 614b66. Bd. 303.)
anwalt Dr. M. irgu (Boͤ. 400.. Bd. II; Die, Mechanik der flüssigen Kör—
vingestellte. Das Recht der per. Mit 84 Abbh, —DA
jd Ron Rechisamw. Dr. M. Strauß. etalle, Dic. Von Prof. De. K. Scheid.
Bd. 3614.) 3. Aufl. Mit 11 Abb., GBd. 29.)
Kinematographie. Von De. Ha Seh mMiete, Diegß enach dem, BGB. Von Rechtzs;
mann. Mit 69, Abb. Bd. 358.) Tanw, Dr. M. Strauß Bd. 194
Kiein⸗ und Stratzenbahnen. Von Ober, Mitrostop, Das, seine Optik, Geschichte und
ingenieur aa D. MeSiebmann. Mit Anwendung. Von Dr. Scheffer Aufl.
853 Abb. (Bd. 322. Mit 98 Abb. d. 35
sohlen Ansere, Von Bergassessor V. KFu⸗ Mich, Die, und ihre Produkte. Von Hr,
kurt. Mit 60 Abb. Boͤ. 396. A. KReitz. Mit 16 Ahb. GBGd. 362.)
goloniasbotanit. Von Prof. De. fskh Mittelstandzbewegung, Die moderune. Von
ILexr. Mit 21 Abb. NdD. 184. De. B. Müffelmann. (Bd. 417.)
        <pb n="155" />
        Jeder Band geh. je m. i - AAus Natur und Geisteswelt In Leinw. geb. je M. 1.25
Recht, Wirtschaft und Tochnik

Naturwissenschaften im Haushalt. Von!
DrJ. Bongardt. ZBde.
J. Teil: Wie sorgt die Hausfrau für die
Gesundheit der Familie, Rit 31 vlbbw.
GBd. 125.)
II. Teitl: Wie sorgt die Hausfrau, Für
gute Nahrung? Mit 17 Abb. (Bd. 126.
Ratnrmissenmsen und Technik. Am sgu⸗
Wden Webstuhl der Zeit, Ubersicht uͤber
irkungen der N. und T. auf das .
santte Kulturseben. Von Prof. Dr. ð
Launhardt. 3. Aufl. Mite Abb
Nautik. Von Dir. Dr. J. Möller. Hil
58 Fig. Gd. 255.
Obsthau. Von Dr. E. Voges. Mit 15
Abb. GBd. 107.)
Optischen Instrumente, Die. Von DPr. M.
v.Roher. 2. Aufl. Mit 84 Abb. (Bd. 88.)
Organisationen, Die wirtschaftlichen. Von
Privatdoz. Dr. E. Lederer. (GGd. 458.)
Ostmark. Die. Eine Einführung in die
Probleme ihrer Witsns e Von
Prof. Dr. W. Mitschertich. Goͤ 351.)
Patente u. Vatentrecht s. Gewerbl. Rechlssch
Vorbetuum mobile, Das. V. Dr. 5 J gk
Rubiner. Mit 38 Abb. EGBdo 1462)
Vhotgchemin Von Prof. Dr. G. Küm⸗—
mell. Mit 23 Abb. —
Photographir, Die, ihre etaen
Grundlagen und ihre Anwendung. Von
Dr. O. Prelinger. Mit 68 86
Bd. 414.)
— Die Fanstlerische Photographie, Von Pr.
We Warst aͤt. Mit Bilderanhang e
Tafeln). Bd. 410.)
Phusit in Küche und Haus. Von Prof.
H. Speitrkamp. (Bd. 478.
Dostwesen, Das. Entwicklung und Bedeuts.
Von Postrat J. Bruns Bd. 165.)
Rechen maschinen, Die. Von Regiexungsrai
Dipl.Ing. K. Lenz, (Bd. 190
Necht sehe Eherecht. Erbrecht, Gewerbi.
Rechtsschutz, Jurisprudenz, ausignn
Kaufmann Angestellte, Urheberrecht, Ver⸗
brechen, Kriminalistik, Verfassungsrecht,
Wahlrecht, zivisprozeßrecht
Nechts probleme, Roderne. Von Fhen Dr.
J. Kohler. 3.Aufl. Bd. 128.)
— Die, Von Landesver⸗
sicherungsassessor H. Seelmann.
Salzlagerstätten, Die deutschen. Ide
zlagerstätten. Die deutschen. Von Dr.
Remaun. Mit 27 — Bd. 407.
Schachsyiel. Das, und sefne strateaischen
Prinzipien. Von Dr. MSande, Susi
Mit 2Bildn., 1 Schgchbrettafet u48
Darst. von übungsbeispelen. Bd. 281.
Schiffbau siehe Kriegsschiff.
Schiffahrt. Dentsche, ünd Schiffahrtspolitit
der Gegenwart. Von Brof. Dr. K.
Thieß. Bd. 169)
— siehe auch Nautik.

Schmucksteine. Die. und die Schmudstein⸗
industrie. Von Dr. A. Eppler. Mit
34 Abb. Bd. 376
—A—
schaftlichen Verhältnissen. Im Lichte der
Erdtunde dargestellt. Von Dr. Chr. G.
Baxth. Gd⸗, 290.
Zoziale Bewegungen und Theorien bis zur
modernen Arbheiterbewegung. Von G.
Magier. 4. Aufl, Bd. 2.)
— siehe auch Arbeiterschutz und Aroͤeiter⸗
versicherung.
Soziale Kämpfe im alten Rom siehe Rom.
Sozialismus. Geschichte der soziglistischen
Ideen im 19. dchrg Von Privaldoz.
r. Fx. Muckle. Bde.
Band J: Der rationale Soz. Gd. 269.)
Band II; Proudhon und der entwicklungsgeschichtliche
 Soziglismus. Bd. 270.)
Spinnerei. Von Dir. Prof. M.
mann. Mit 36 Abb. Bd. 338.)
Sprensstoffe, Chemie und Technologie der
Spr. Von Prof. Dr. R. Biedermaun.
Mit 15 Fig. (Bd. 286.)
Stant und sKirche in ihrem eeigen
Verhälinis seit der Refornalion. on
Pfarrer Dr. phil. A. Pfannkuche.
Bd. 485.)
Statistil. Von Prof. Dr. S. Schott.
3b. 442.)
Strafe und Verbrechen. Von ——
bi . Bd. 323.)
Straßzenbahnen. Die Klein⸗ und Straßenbahnen.
 Von Oberingenieur a. D. vi.
Liebmann, Mit 88 Abb. Gd. 322)
Tabaet. Der, Anbau, Hundel und Verar—
beitung. Von Jac. Wolf. Wit Abbildungen,
 im Text. GBd. 416.)
Tee. Kaffer, Tee, Kakao und die uprigen
narkotischen Getränke. Von Prof. Dr.
A. Wieler. Mit 24 Abb. und assüte
Telegraphen⸗ und Jernsprechtechnit in
hrer, Entwidlung. Von Telegraphen⸗
inspektor H. Bruck. Mit 58 gbb.
GBd. 235.)
7. Die Fnuukentelearauhie. Von Sber⸗
Postpraktikant H. Thurn. Mit 383
Ilfustrat. 8 Ae (Bd. 167.
liehe auch Vrähte und Kabel
Tgegraͤthie Die, in ihrer Entwicklung und
Bedeutung. Von Vostrat J. Vrung.
Mit 4 Fis. Bd. 183)
eeemgergasng und Frurse Von
rof. Dr. F. Leonhard. Gd.49.)
Tirrzüchtung. Von DrG. Wilsdorf
Mit 30 Abb. auf 12 Tafeln Gd. 369.)
— Die Fortpflanzung der Tiere. VBon
Prof. Dr. R.Goldischmidt. Mi77
Abb. GBd 253.)
uhr, Die. Von Nehg Bauführer g. D. 8
Bock. Mit 47 Abb. Bb. 216)
rheberrecht. Das Recht au Schrift⸗ und
Kunstwerken. Von Rechtsanwalt Dr. R.
Mothes. Bd. 435)
        <pb n="156" />
        Jeder Band geh. se m.1. -Aus Natur und Geisteswelt In Leinw. geb. je m. 1.25
Recht. Wirtschaft und Technilk

Verbrechen. Strafse und V. Von, D; Waßfer, Das. Von Privatdozent Dr. 98
Pollitz. Gozes) Anfelmainog Mit 44 Abb. Gd 291.)
Verbrechen und Aberglaube. Skizzen Aesiehe Ahte ut Wast ucht Warme)
auge har kedii hen Kriminatstett. Wassertrastinaschinen und die Ausnützung
Von dr. A, —6 Bo2429 der Wasierträfte., Von Geh Res zZRat A.
Berbreger. Die Piichologie deg V. Bonn v. Jherins. 2. Aufl. Mit 7 — —
Dr. P. — Bd. 248 Bd. 228)
Berfassung, Grundzüge der B. des Secut. Weidwerk Das dentsche. Von 6. FI6
jchen Reiches. Von Prof. Dr. EI8877 xbb Nordenflycht. Bd 436
ninzg. 4.Aufl. Go 345 Weindau und Weinbereitung. Von Dr. F,
Berfaffe u. Verwalt. der deutschen Städte. Sthm a enenz 34 Abb. GBd. 332.)
Von“ Dr. Matth. Schmid, Bd. 466) re iehe Handel.
Berfassungsrecht. Dentsches, in geschicht- Wirtichaftliche Erdlunde. Von weil Vrof.
licher Entwiglung. Von Prof. . Dre Ehr. Gruber. SAufl„Begrb;
Hübrich. 2 —V (Bd. 80.) von Prof. Dr. K. Dove. Bd. 122.)
Berkehrsentwicklung in Deutschland. 1800 Wirtschaftsleben, ree Auf geogra⸗
his zur Gegenwart. Von Prof, Dr. W. isper Gruͤndlage geschildert. Von weil.
Lotßßz. 3. Aufl. GBd. 15. roftr dr. Ehr. Gruber. 3.Anl,
siehe auch Eisenbahnwesen. Reubearb.v. r H. Reinlein, Gd42.)
Verlicht rungsnesen, Grundzüge, des, BV—7, Die Entwiclung des den hheg Wirt⸗
Von Prof. De. A. Manes. 2. Autl, schaftglebens im letzten, Ja rhgeertz
(GBo ioß) Voun vrof Dr. S. Pohle. 8. Aufl. Bd.57.)
— siehe Arbeiterschutz, Reichsverficherung —. Deutschlands Stellung in der Welt⸗
VPollsnahrungsmittel fiehe Ernährultg uV ien Von Prof. Vr. P. Arntdt.
Wahlrecht. Das. Von Reg.⸗Rät, Dr. O, 2. Auflh, GBd. 179.)
Poensgen, GBo240) wirtschaftlichen Orgagisotionen Die. Von
Warmeiraimaschinen, Die neneren. Von Vrivatdozent Dr. E. Lederex,
Geh. Bexgrat Prof.,‚ R.Vater, 2Bde. Bd. 428)
Einführung in die Theorie und den Wirtschaftsgeschichte siehe Antike Wirt-Ban
 ber Masshinen sür gassormige und Ichaftsgeschächte.
ssuffige Brennftoffe. 4. Auit. Mit 2RAbb, Wohnhaus siehe Baukunde.
Bo. 21) Zeunuüngswesen. Von ÜUr. H. Daiez;
— 1: Gasmaschinen, Gas⸗ und Dampf⸗ Bd.328.)
turbinen. 8. Aufl. Mit 48 Abb. Gd. 86.) Ziviuvaqzeggrecht Dos deutsche. Von Fee
Dsiehe auch Kraftanlagen. auwalt bDr. Moasstrauß. 6Gsod 315.
zSZere Bände sind in Vorbereitung. *

urviffenfchhaftliche Bibliothet
Mit zahle. Abbild. · Von Professor Dr. Bastian Schmid ˖ In Leinw. gebunden

Phyysikalisches Experimentlerbuch. Von H. Re⸗ Geogr. Wanderbuch. Von WBerg M,7
vhenstorff,. Teile. J. Teil. Mit sd Abb. Geologisches Wanderbuch. Von K. G. Volk.
M. 3- II. Teil. M. 8.- ↄ Teile. I. Teil. M.4.-. II. Teil. ca. M. 8. —
Chemisches Experimentierbuch. Von K.Scheid. stüsienwanderungen. Von B. Franz, M. 8.-In
 2Tin. A TI. M.8.- II. TL xca. M3.- nnsere Fruͤhlingspflanzen. Von g. Hock. M52
Bioiog. Experimentierbuch. Von C. Schäffer. rnleiiung ju photogr. Naturaufnahmen. Von
— sN Eg Shhiz wii photogr. Aufn. W, s.-Au
 der Werkbank. Von E. Gscheidlen. Quart. Aus dem Luftmeer. V. MSafssenfeld. M. 34
Mein Handwerkszeug. Von G. Frey. M. Die Luftschiffuhrt. Von R.Nimführ. M8—
Ponfitalische Plaudereien. Von 8. Wunder. Dom Finbaum zum Linienschiff. Von K. Ra
Kart. M. 1 IM. 1.- M· 8.— lnexr. M. 8 —
Chemische Plaudereien. Von 8. Wunder. Vegetalionsschilderungen ˖ Von P. Graeb⸗
dervorragende Leistungen der Technil. Von din der Ser. Von P. Dahms. W.8 —
K.Schreber. M.8— himmelsbeobachtnng wit bloßemn Auge. Von
Groͤße Phyfiter. Von 9. Keferste in. Ms⸗— Fr.Rusch. M. 8.50.
Broße Biologen. Von K. May. M. 8.- Tierieb. d. Tropen. Von A. Guenther. M. 1.-Weitere
 Bände in Vorbereitung. Ausfuhrlicher illustrierter Katalog umsonst nud vostfrei.

Ferkag von B.G. Teubner in Leipzig und Berlin
        <pb n="157" />
        DIE FUOLTUVR DER GEGENMWART
— HRE ENTWICKLUNG VND IHBRE ELES—
HERAUSGEGEBEN VON PROF. PADIL HINNEBERG

Eine systematisch aufgebaute, geschichtlich begründete Gesamtdarstellung unseror beutigen
Kultur, welche die Kundamentalergebnisse der einzelnen Kulturgebiete nach ihrer Bedeutung
tür dis gesamto Kultur der Gegeuwart vud für deren Weiterentwicklung in groben Zügen
rur Darstellung bringt. Das Werk vereinigt eine Zahl erster Namen“ aus Wisgenschaft
und Praxis und bietet Darstellungen der einzelnen Gebiete jeweils aus der Feder des dazu
Berufensten in gemeinverständlicher, künstlerisch gewählter Sprache auf knappstem Raume.
Jeder Band ist inhaltiich vollstândie in siehabgeschlossen und einzelin erhäitlich.
—— IND BERLIN
TEIL II: Die mathematischen, naturwissenschaftlichen und
medizinischen Culturgebiete.
Die mathematischen Wissenschaften. Abteilungsleiter und
Bandredakteur: F. Klein. [Abt. I) In 6 Lieferungen.
Erschienen sind: Lfrg. I: Die Mathematik im Mittelalter: H. G. Zeuthen.
1912. Geh. M. 3.-. Lfrg. II: Die Beziehungen der Mathematik zur Kultur
der Gegenwart: A. Voß. Die Verbreitung math. Wissens und math. Auf.-fassung:
 H. E.Timerding. 1914. Geh. M. 6. —. Lfrg. III: Uber die math.
Erkenntnis: A. Votß. 1914. CGeh. M. 5.-. [ILfrg. IV bis VI in Vorb.]
Die anorgan. Naturwissensch. Abteilungsl.: E. Lecher. Abt. III.]
Bande1: Physik. Bandredakteur: E. Warburg. Geh. M. 22. -. [1914]
Inhalt: 1. Me cha vi k. Die Mechanik im Rahmen der allgemeinen Physik; E. Wiechert.
2. AKustik. Histor. Entwicklung u. kalturelle Beziehungen: F. Auerbach. — 3. Wärmelehre.
 Thormometrie: E. Warburg. Kalorimetrie: L. Holborn. Entwicklung der
Thermodynamik: F. Henning. Mechanische und thermische Kigenschaften der Materie
in den drei Aggregatzuständen: L. Holhorn. Umwandlungspunkte, Erscheinungen
bei koexistierenden Plasen: L. Holborn. Wärmeleitung: W. Jagor. Wärmestrablung:
H. Rubens. Theorie der Wärmestrahlung: W. Wien. Experimenteile Atomistik: E. Dorn.
Theoret. Atomistik: A. Einstein. — 4. TSPe ktrizitätslehre. Geschichte der Eloktrizitüt
—
Maxwell und Hertz; EB. Lecher. Die Maxwellsche Theorie und die Elektronentheorie:
H. A. Lorentz. Altere und nedere Theorien des Magnetismus: R. Gans. Die Energie
degradierender Vorgänge im elektromagnetischen Feld: E. Gumlich. Die drahtlose
Telegraphie: F. Braun. Schwingungen gekoppelter Systeme: M. Wien. Elektrisches
Leitungsvermögen: H. Starke. Die Kathodenstrahlen? W. Kaufmann. Die positiveu
Strablen: E. Gehrke und O. Reichenheim. Röntgenstrahlen: W. Ka ufmann. Entdeckungsgeschichte
 und Grundtatsachen der Radioaktivitäat: J. EIster und B. Geitel.
Radioaktive Strahlungen und Umwandlungen: St. Meeyer und E. v, Schweidter. —
5. Leohre vom Licht. Entwicklung der Wellenlehre des Lichts: O. Wiener. Neuere
Fortschritte der geometrischen Optik: O. Lummex. Spektralaualyse: F. Exner. Struktur
der Spektralliuien: E. Gehrgke. Alagnetooptik: P. Semann. — 6. AllIgem. Goesetaze
and Gesichtspunkte. Uber das Verhältnis der Präzisionsmessungen zu den allgem.
cielen der Physst: E. Warburg. Prinzip der Erhaltang der Energie u. die Vormehrung
der Entropie: F. Hasenöhrl. Prinzip der Kleinsten Wirkung: M. Planck. Die Relativittstheorie:
 A. FEinstein. Phänomenologische und atomisstische Betrachtungsweise:
W. Voigt. Verbãaltnis der Theorien 2zueinander: M. Pla nCK.
Band 2: Chemie. Bandredaktur: E. v. Meyer. Allgem. Kristallographie
und Mineralogie. Bandredakteur: Fr. Rinne. Geh. M. 18. —. [1913]
Inhalt: Entwickl. der Chemie von Robert Boyle his Lavoisier 1660- 1793]: R.v. Meyer. —
Die Entwicklung der Chemie im 19. Jalrh. düurch Begründung und Ausbau der Atomthéorie:
E. v. Meyer. — Anorganische Chemie: C. Engler u. L. WGhIer. — Organische Chemie:
O. Walla cb. — Phys. Chemie: R. Luther u. W. Norast. — Photochemie: R. Luther. —
lektrochemie: M. Le Blanc. — Beziebungen der Chemie z2ur Physiologie: A. Koss el. —
Bezieh. der Chemie zum Ackerbau: 40. Ke TIner u. H. Immendorf. — Wechselwirkungen
zwischen der chem. Technik. O. N. Witt. — Kristallographie u. Mineralogie: Er. Rinue.
jeder Band fosstet T ¶ — i—
        <pb n="158" />
        TEIL UI u. IV DER KULTUR DER GEGENWART
Die organ. Naturwissensch. Abteilungsl.: R.v. Wettstein. [Abt. IV.]
Band 1: Allgemeine Biologie. Bandredakteure: C. Chun und W. Johannsen.
 Unter Mitwirkung von A. Gunthart. Geh. M. 21.—. [1914.)
Inhalt: Zur Geschichte der Biologio von Linné bis Darwin. T. Radl. — Die Richtungen
der biologischen Forschung mit besonderer Berückaichtigung der 20010gischen Forschungsmoethoden:
 A. Fis chel. — Die Untersuchungsmethoden des Botanikers: O. Rosenber 8. ⸗
Zur Geschichte und Kritik des Begriffes der Homologie: H. Spemann. — Die ZwockmaBigkeit:
 O. zur Strass on. — Die allgemeinen Kennzeichen der organisierten Supetanæ:
W., Ost wal d. — Das Wesen des Lebens: W. Roux. — Lebenslaut, Alter und Tod des
ndividuums: W. ScChlei p. - Protoplasma; Zellenbau, Elementarstruktur, Mikroorganismen,
Irreugung: B. Lidforss. — Durch Licht verursachte Bewegungen der Chromatophoren:
G. Senn. — Mikrobiologie; M. Hartmaun. — Entwicklungsmechanik tierischet Orgauismen:
 E. La queur. — Regeneration der Tiero: H. Præibram. — Regeneration und
Transplantation im Pflanzenreich: E. Baur. — Fortpflanzung im Tierreiche: P. G0dle
 ws Rci. - Fortpflanzung im Pflanzenreiche: P. CIa uBen. - Peoriodizitâãt im Leben der
Pflanze: W. Johà nns en — Gliederung der Organismenwelt in Pflanze und Tier. Wechseiberiehungen
 2wischen Pflanze und Tier: O. Porssch. — Hydrobiologis Slizzo ihror Mothodon
 und Ergebnisso): P. Boysen-Jensen. — Experiméntelle Grundlage dert Deszendenzlehre,
 Vereérbung, Variabilitäat, Kreurung, Mutation: W. Johannsen.
Band 2: Zellen- u. Gewebelehre, Morphologie u. Entwicklungsgeschichte.
. Botan. Teil. Bandredakteur: PE. Strasburger. Geh. M. 10.-. [1913
Inhalĩt: Pfflanzliche Zellen- und Gewebelehre: PE. Strassburger. — Morphologie und
Entwicklungsgeschichte der Planzen: W. Benecke.
II. zoolog. Teil. Bandredakteur: O. Hertwig. Geh. M. 16.-. [191 3.)]
Inhalt: Die einzelligon Organismen: R. Hertwig. — Zeluen u. Gewebe des Tierkörpers
H. PoII. - Allgemeine und experimentello Morphologie und Entwicklungslobre der Tiere:
O. Hort wig. — Entwicklungsgeschichte u. Morphologis dexr Wirbelosen: K. Heider. —
Entwicklungsgeschichto d. Virbeltiero: F. Kei bel. - Morphologie d. Wirbeltiere: R. Gaupp.
Band 3: Physiologie und Gôxkologie.
. Botanischer Teil. Bandredakteur: G. Haberlandt. [U. d. Pr.]
Inhalt: A. Einleitung: N. N. B. Ernahrung: Fr. C2za pexk. C. Wachstum: H. v. Gutten?
ber . D. Das Bewegungsvermögen: H. v. Guttenberg. E. Die Fortpüanzung: ER. Baur.
II. TSoolog. Teil. Bandred.: N. N. IIn Vorb.] Inhalt u. Mitarheiter noch unbest.
Band 4: Absstammungslehre, Systematik, Palüontologie, Biogeographie.
Bandredakteure: R. Hertwig u. R. v. Wettstein. Geh. M. 20. - —[i913.)
Inhalt: Die Abstammungslehre: R. Hortwäig. — Prinzipien der Systematik mit beson
dorer Berücksichtigung des Systems der Tiereè: L. Platâ. - Das System der Planzen:
R. v. Wottstein. — Biogeographie: A. Brauer. — Pflanzengeographis: A. Engier, —
Tiergeographie: A. Brauer. — PalSontologie u. Palüorzoologie: O. Bei. — alxohotanik:
M J. Jongmans. — Phylogenie der PsRanzen: R. v. Wettstein. — Phylogenie der
Wirbellosen: K. Heĩder. — Phylogenie der Wirbeltiero: J. E. V. Roas.
Naturphilosophie und Psychologie. [Abt. VII.]
Band i: Naturphilosophie. Bandredakt.: C. Stumpf. Geh. M. 14.-. [1914.)
Inhait: Einleitang. Aufgabe der Naturphilosophio. Naturerkenntnistheoris. Gecamtbild
der Natur: K. Becher.

TEIL IV: Die technischen Kulturgebiete.

Technik des Kriegswesens. Geh. M. 24. -. [1913. Bd. 1 2.]
nhalt GBandredakt. M. Sehw art e): Kriegsvorbereitung, Kriegsführung: M. Schwarte. —
Waffentechnik, af in ihren Bezichungen 2ur Chemie: ð. Poppenberg; bin ibren Beziehungen
 2. Metallurgie: W. Schwinning; e) in ihren Beziehbungen 2. Konstrustionsiehre:
W. Schwinning; din ibren Beziehungen . optischen Technik: &amp;amp;. on EBberbara ; e) in
ihren Beriehnngen 2. Physik u. Mathomatik: O. Boc Kor. — Technik des Befestigungswesens:
J. So hStor. -Xriegsschiff bau: O. Kretschmoer. — Vorbereitung für den Soekrieg u. Seeriegsführung:
 M. Glate el. - ERinssub d. Kriegswesens auf die Gesamticuitur: A. ReFTSMIuEx.

srobeheft mit ĩsaeubersicht des Gesamtwerkes, Proboabschnitten, Inhaltsverzeichnissen
 und Besprechungen umsonst durch B. G. Teubner, Leipzig, Poststr. 3.
        <pb n="159" />
        Schoffen uno Schauen
⸗wene Anoge] Ein Fiihrer ins Pebeneæuxete mMnnue

4. Boanoe —
Von deutscher Art
undo Irbeitf

9

*

2. Bano:
Des Menschen Sein
Uuno DMerbden

Unter Mitwirkung von
R. Bürkner · J. Cohn · H. Dade · R.Deutsch · A. Dominieus · M. Dove · E. Fuchs
P. Klopfer · E. Koerber · O. Cyon · E. Maier · Gustav Maier · E. v. Maltzahn
A. v. Reinhardt F. A. Schmidt O. Schnabel · G. Schwamborn
G. Steinhausen · E. Teichmann · A. Thimm · E. Wentscher · A. Witting
G. Wolff · Th. Sielinski Mit 8 allegorischen Seichnungen von Alois Kolb
Jeder Band in Leinwand gebunden m. 5. —

J 1 von Männern des öffentlichen
Nach übereinstimmendem Urteile P.anen eeseucten
zeitungen und Seitschriften der verschiedensten Richtungen löst „Schaffen und Schauen“
in erfolgreichster Weise die Kusgabe, die deutsche Jugend in die Wirklichkeit des
Cebens einzuführen und sie doch in idealem Lichte sehen zu lehren.
hat sich „Schaffen und Schauen“ als ein
Bei der Wabhl des Berufes weilblickender Berater bewährt, der einen
Uberblick gewinnen läßt über all die Kräfte, die das Leben unseres Volkes und des
Einzelnen in Staat, Wirtschaft und Technik, in Wissfenschaft. Welt—
anschauung und Uundst bestimmen.
3 4 unsere gebildete deutsche Jugend werden zu lassen,
Zzu tüchtigen Bürgern kann „Schaffen und Schauen“ helfen, weil es nicht
enntnis der Sormen, sondern Einblick in das Wesen uns Einsicht in die inneren
sßusammenhänge unseres nationalen Lebens gibt und zeigt, wie mit ihm das
Zdeben des Einzelnen auäfs engste verflochten ist.

werden das deutsche Land als Boden deutscher Kultur,
Im ersten Bande das deutsche Volk in seiner Eigenart, das Deutsche Reich
in seinem Werden, die deutsche Dolkswirtschaft nach ihren Grundlagen und in ihren
wichtigflen Zweigen, der Staat und seine Aufgaben, für Wehr und Kecht, für Bildung
wie für Sörderung und Ordnung des sozialen Lebens zu sorgen, die bedeutsamsten
wirtschaftspolitischen Fragen und die wesentlichsten ftagisbürgerlichen Bestrebungen.
endlich die wichtigsten Berufsarten hehandelt.

3 werden erörtert die Stellung des Menschen in der
Im zweiten Bande Natur, die Grundbedingungen und üußerungen seines
ieiblichen und seines geistigen Daseins, das Werden unserer geistigen Kultur, Wesen
And Aufgaben der wissenschafllichen Forschung im allgemeinen wie der Geistes— und
slaturwissenschaften im besonderen. die Bedeutung der Philosophie, Religion und Kunst
als Erfüllung tiefwurzelnber menschlicher Lebensbedürfnisse und endlich zusammenfassend
die Gessaltung der Lebensführund auf den in dem Werke dargestellsen Grundladgen

Herlag von B. G. Teubner in Leipziq und Berlin
        <pb n="160" />
        Dr. R. Hesse und Dr. SF. Doflein
——— Ir Sendir scaftuichen Professor der ean guger Universität
v *
Tierbau und Tierleben
in ihrem Zusammenhang betrachtet

2 Bände. Lex.s.
Mit Abbildungen und Tafeln in Schwarz-, Bunt-⸗ und Lichtdruck.

In Original⸗Ganzleinen geb. je Mm. 20.—.,
in Original⸗Hhalbfranz je m. 22.
. Band. Der Tierkörper als selbständiger Organismus.
Von R. Hefse. Mit 480 Abbild. u. 15 Tafeln. sXVII u. 789 Ss.] 1910.
II. Band. Das Tier als Glied des Naturganzen. Von SF. Dof⸗
lein. Mit ca. 500 Abbild. 8 farbigen und zahlr. schwarzen Tafeln.
Unter der Presse.]

Aus den Besprechungen:

„Der wissenschaftliche Charakter des Werkes und die ruhige, sachliche Darstellung,
die sich von allen phantastischen Abschwmeifungen, wie sie in der gegenwärtigen biologt
chen Literatur so häufig sind, freihält, berdienen volle Anerkennung. Dabei ist das
Werk so klar und populär geschrieben, daß sich auf den Leser unwillkürlich die Liebe
des Verfassers zu seinem Gegenstande überträgt und er sich ohne Muͤhe guch zu den
verwickelten Einzelfragen führen läßt. Eine ungewöhnlich große inzahl von Abbildungen
erleichtert das Berständnis und bildet nicht nur einen Schmuck, sondern einen wesent⸗
lichen Bestandteil des ausgezeichnelen Buches.“ (Deutsche Rundschau.)

„Man wird dieles groß angelegte, prächtig ausgestattete Werk, das einem wirk—
lichen Bedürfnis entspricht, mit einem Gefühl hoher Befriedigung durchgehen. Es ist
wieder einmal eine tüchtige und originelle Leistung. ... Eine Zierde unserer natur—
wissenschaftlichen Citerarcur. .. Es wird rasch seinen Weg machen. Wir können es
einer Griginalität und seiner Vorzüge wegen dem gebildeten Publikum nur warm
mpfehlen Ganz besonders aber begrüßen wir sein Erscheinen im Interesse des natur—
geschichtlichen Unterrichts.“ (prof C. Keüer in der „Neuen Zürcher Zeitung“.)

„.. Der erste Band von R. Hesse liegt vor, in prächtiger Russtattung und mit so
gediegenem Inhalt, daß wir dem Verfasser für die Bewältigung seiner schwierigen Auf—
Jabe aufrichtig dankbar sind. Jeder Zoologe und jeder Freund der Tierwelt witd dieses
Werk mit vergnügen studieren, denn die moderne zoologische Literatur weist kein Werk
auf, welches in dieser großzügigen Weise alle Seiten des tierischen Organismus so ein⸗
jehend, behandelt. Hesses Werk wird sich bald einen Ehrenplatz in jeder biologischen
ßibliothek erobern.“ C. Plate im Archiv f. Rassen⸗ u. Gesellschafis Piolodgie.)

„Ein in jeder Hinsicht ausgezeichnetes Werk. Es vereinigt sachliche, streng
wissenschaftliche Behandlung des Gegenstandes mit klarer, jedem, der in rechter Mit⸗
arbeit an das Werk herantritt, verstaͤndlicher Darstellung. Jeder wird das Buch mit
großem Gewinn und trotzdem großem Genuß lefen und inblid in den Ernst der Wissen⸗
chaft gewinnen. Das schöne Werk daͤrf als muster volbstümlicher Behandlung wissen⸗
schaftlicher Probleme bezeichnet werden.“ (Eit. Jahresbericht des Dürerbundes.)

Ausführl. Prospekt vom Verlag B. G. Teubner in Ceipzig
        <pb n="161" />
        Künstlerischer Wandschmuck für das deutsche Haus

B.G. Teubners farbige Künstler⸗Steinzeichnungen
(Original⸗Cithographien) entsprechen allein vollwertig Original⸗
ßemälden. Ueine Keproduktion kann ihnen gleichkommen an künst⸗
lerischem Wert. Sie bilden den schönsten Simmerschmuck und behaupten
sich in vornehm ausgestatteten Räumen ebensogut, wie sie das ein⸗
fachste Wohnzimmer schmücken.

sAr. 201. N. Cuntz: Altes Srtädtchen.
4. BoO em. M. 2.50.
verkl. farbige Wiedergabe der Orig.ithographie.

„Don den Bilderunternehmungen der letzten Jahre, die der neuen
ästhetischen Bewegung! entsprungen sind, begrüßen wir eins mit ganz
ungetrübter Freude: den ‚künstlerischen Wandsaäämuck für Schule und
haus“, den die Firma B. G. Teubner in Leipzig herausgibt. Wir
haben hier wirklich einmal ein aus warmer Liebeè zur guten Sache mit
rechtem Verständnis in ehrlichem Bemühen geschaffenes Unternehmen vor
uns — fördern wir es, ihm und uns zu Nutz, nach Kräften!“ (Kunftwart.)
—D Runst
sehen zu lernen. als an vielen hundert mittelmäßigen Keproduktionen
das Auge zu verbilden und totes Wissen zu lernen, statt lebendige
Kunst mitzuerleben.“ (Illustrierte Zestung.)

3 j der Künstler⸗Steinzeichnungen mit far⸗
yollstãndiger Ratalog biger Wiedergabe von ca. 200 Blättern gegen
Tinsend. von a0 Pf. Ausland 50 Pf.) bom vernag B. ,
        <pb n="162" />
        —

20680897154
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
