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WELTWIRTSCHAFT
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        Die Bodenbewegungen
im rheinisch-westfälischen

Kohlenbezirk.

Fine wirtschaftliche Studie.

Inaugural - Dissertation

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Erlangung der Doktorwürde
der

hohen philosophischen Fakultät

der Friedrich - Alexanders - Universität Erlangen

vorgelegt

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FRIEDRICH,STÖTZEL

aus Nenkersdaorf.

Tag der mündlichen Prüfung: 14. März 1906.

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Das produktive Gebiet des rheinisch-westfälischen
Kohlenreviers umfaßt nach aufgestellter Berechnung jetzt
etwa 1200 Quadratkilometer. Wenn ich mich über die
Grenze des Kohlenvorkommens auslassen soll, so stößt
das auf einige Schwierigkeiten; denn die Grenzen, besonders
 nach Westen und Norden hin, sind keineswegs
festgestellt. Trotz der in den letzten Jahren allerorts
emsig betriebenen Bohrungen, veranlaßt durch die Hochkonjunktur
 des Kohlenmarktes, ist es doch nicht gelungen,
die äußerste Grenze des Kohlenreviers zu bestimmen.
Ständig noch melden uns Berichte das erfolgreiche Niederbringen
 von Bohrlöchern auf Steinkohlen an der Lippe,
nördlich davon bis über Münster hinaus, nach Westen
auf dem linksrheinischen Ufer und nach der holländischen
Grenze zu; ja das Karbon, das sich auf dem linksrheinischen
 Gebiete fand, gab Anlaß, auch Bohrversuche
bei Mastricht in Holland und in der Umgebung von
Antwerpen anzustellen, die von Erfolg begleitet waren.
Hierdurch wurde der Zusammenhang mit dem Lütticher
Kohlenbecken und dem im Norden Frankreichs nachgewiesen,
 und die Geologen behaupten weiter mit Recht,
daß die Kohle Englands nur eine Fortsetzung unseres
Reviers bildet. Geologisch steht auch fest, daß die
Kohlenlager von Ibbenbüren und des Piesberges ebenfalls
 mit denen des Ruhrbezirks ein Vorkommen hilden.
Wenn so die definitiven Grenzen des Kohlenvorkommens

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        nach Norden und Westen keine genaue Bestimmung erfahren
 können, sind sie nach Süden und Osten durch
das Zutagetreten der Kohlenflötze und der damit zusammenhängenden
 Grenze des Kohlensandsteins ‚genauer
bestimmt und decken sich mit einer Linie, die von Horath
über Wetter nach Schwerte streicht, Auch die Grenze
des produktiven Bezirks ist hierdurch festgelegt. Im
Uehrigen wird dagegen die Grenze des produktiven
Karbons heute bestimmt durch eine Verbindungslinie
Schwerte— Unna—Hamm-—Lünen-—Sinsen—Gladbeck und
Alsum, doch wird dieselbe, wie hier nochmals betont
werden soll, durch das Niederbringen von Schächten,
besonders in den durch den preußichen Fiskus angekauften
 Grubenfeldern ständig nach Norden und Westen
hinaus geschoben; ebenso auf dem linken Rheinufer,
wo mehrere Schächte schon bestehen und eine Anzahl
im Abteufen beegrilfen ist.

Vor etwa 50 Jahren noch war der Hauptbezirk des
Kohlenabbaues an der Ruhr selbst zu suchen; es war
keine Seltenheit, daß auf der damals noch schiffbaren
Kuhr an einem Tage 50 Kohlenschiffe flußabwärts fuhren.
Noch 1860 betrug die Verschiffungsziffer 862000 Tonnen
oder etwa !/, der damaligen Gesamtförderung im Reviere.
Kine große Anzahl Zechen, die früher als bedeutend
gelten konnten, existieren jetzt nur mehr dem Namen nach
oder haben doch nur untergeordnete Bedeutung. Veranlaßt
 ist das teilweise durch unrationellen Betrieb, durch
nicht lohnenden Abbau wegen geringer Stärke der Flötze
oder gar vollständige Erschöpfung derselben und durch
bedeutende Wasserzuflüsse. Von Zechen auf dem linken
Ruhrufer sind nur noch als bedeutendere Pörtingsiepen,
Richrath und Pauline zu erwähnen.
Auch am rechten Ufer der unteren Ruhr, in unmittelbarer
 Nähe derselben, sind nur noch Langenbrahm,
Ludwig, Deimelsberg und Eiberg von Bedeutung, Der
Hauptbergbau hat sich von der Ruhr weggezogen, und
die Stätten des intensiveren Betriebes sind im Fluß-
        <pb n="7" />
        „ebiete der Emscher zu suchen, und zwar auf einer
Fläche von rund 800 Quadratkilometern.
‚Um den riesenhaften Aufschwung der Kohlenindustrie
des Ruhrreviers zu kennzeichnen, sei erwähnt, daß die
Gesamtförderung betrug: ;
im ‚Jahre 1763 . 41900 Tonnen,
ein Jahrhundert später,
4366 000
16 408 006
28 000 000
65 000 000
Die Gesamtbeteiligung der im rheinisch-westfälischen
Kohlensyndikat vereinigten Zechen beträgt dagegen rund
73 000 000 Tonnen, und Fachleute schätzen die Förderfähigkeit
 dieser Zechen auf 100000 000 Tonnen. Durch
Abteufung weiterer Schächte in „unverritzten“ oder nur
wenig abgebauten Grubenfeldern könnte diese Zahl noch
bedeutend gesteigert werden, vorausgesetzt, daß der Absatz
 auf dem Weltmarkte bei besseren Preisen, als wie
sie in den letzten Jahren erzielt wurden, auch einer
weiteren Steigerung fähig ist. Das Kohlensyndikat sucht
aber die Anlagen neuer Gruben nach Möglichkeit zu
verhindern, um Förderfähigkeit und Absatz im Einklang
zu halten. Welch enorme Kapitalien der Kohlenbergbau
auf dem Gebiete festgelegt hat, zeigt am besten der
Umstand, daß der Wert der im Jahre 1903 abgesetzten
Kohlen — also nicht der Gesamtförderung — 520 000 000 Mk.
betrug.
. Ein Versiegen der Kohlenquellen ist glücklicher
Weise in den nächsten Jahrhunderten auf Grund der
gemachten Aufschlüsse und danach aufgestellten Berechnungen
 nicht anzunehmen.
Veranlaßt durch den Kohlenreichtum der Gegend,
durch die Nähe der großen Wasserwege des Rheins und
der Nordsee und die den Bezirk durchschneidenden
zahllosen Eisenbahnen ist eine Eisenindustrie entstanden,
die durch gewaltigen Umfang ihresgleichen in der Welt
gucht. Roheisen und seine fertigen Fabrikate haben im

34
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        rheinisch-westfälischen Kohlenbezirke eine solche Bedeutung
 gewonnen, daß ihr Gesamtwert im Jahre 1903
v/, Milliarde Mark erreichte. Firmen, wie vor allem Krupp,
mit 26 000 allein in Essen beschäftigten Arbeitern, Gutehoffnungshütte,
 Dortmunder Union, Schalker Gruben- und
Hüttenverein, Hörder Verein, Bochumer Verein, und wie
sie alle heißen, genießen Weltruf. Um einen Begriff von
der Ausdehnung des Verkehrs zu geben, erwähne ich,
daß die Eisenbahn-Direktion Essen, der kleinste KEisenbahndirektionsbezirk
 der preußisch-hessischen Eisenbahngemeinschaft,
 der auch fast nur den Ruhrkohlenbezirk
umfaßt, am 19. Dezember 1903 mit 21 130 Wagen, die für
den Güterverkehr gefordert und gestellt wurden, ihre
höchste Ziffer erreichte. Die Durchschnittsziffer für das
Jahr 1903 betrug 17143 Wagen und entspricht ungefähr
dem fünften Teil der Gesamtgestellungsziffer in Vvorgenanntem
 Verbande. ÖObige 21130 Wagen würden,
aneinander gereiht, einer Länge von etwa 190 Kilometern
entsprechen.
Im Verhältnis zu der riesigen Industrie ist auch die
Bevölkerung und insbesondere die Arbeiterbevölkerung
eine enorme. Das Kohlenrevier setzt sich mit einer Bevölkerungsziffer
 von über 1700 Einwohnern auf den
Quadratkilometer an erste Stelle in Deutschland, während
die Bevölkerungsziffer im Jahre 1880 noch 635 Einwohner
pro Quadratkilometer betrug. Große Städte und Riesendörfer,
 letztere bis zu 60000 Einwohnern groß, reihen sich
dicht aneinander, und die Zeit liegt aller Voraussicht nach
nicht mehr fern, in der die jetzt noch getrennten großen
Städte Essen, Gelsenkirchen, Bochum, Dortmund nebst
den dazwischen liegenden Städten und stadtähnlichen
Dörfern ein geschlossenes Ganze bilden, und die Grenzen
der einzelnen Gemeinwesen nicht mehr erkennen lassen.
Wie schon aus den Daten der Kohlenproduktion und
der Bevölkerungsziffer hervorgeht, ist der Aufschwung
in verhältnismäßig kurzer Zeit eingetreten.
Bis zum Jahre 1853 etwa war der Betrieb in dem
rheinisch-westfälischen Kohlenbezirke noch ein rein land-
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        wirtschaftlicher, nur unterbrochen durch kleinere Zechen
und Hüttenwerke, Von genanntem Jahre ab entwickelte
sich die Industrie mit großer Schnelligkeit und heuie isi
im Bezirk, besonders in der Nähe der großen Städte,
von landwirtschaftlichen Betrieben kaum mehr zu sprechen.
Wüßte. ich doch kaum einen Grundbesitzer, dem nicht
für Aufteilung seines Grundstückes zu Bauzwecken
seitens der Spekulanten oder auch von Berg- und Hüttenindustriellen
 für Errichtung gewerblicher Anlagen die
verlockendsten Angebote gemacht worden wären. Es
sind wenige, die der an sie herantretenden Versuchung
widerstehen. Der Grund und Boden hat bei der gewaltigen
 Entwickelung der gewerblichen Anlagen, dem durch
den enormen Bevölkerungszuwachs notwendigen Bau
von Wohnhäusern eine ungeheuere Wertsteigerung
erfahren, wodurch Preise erzielt werden, die es ermöglichen,
 für kleine Besitzungen des Kohlenbezirkes, in rein
landwirtschaftlichen Gegenden ein herrschaftliches Gut
zu erwerben. Ich spreche hier von Ländereien, die nicht
in den Stadtgrenzen selbst liegen, Hier haben die
Grundstücke noch eine bedeutend höhere Wertsteigerung
erfahren. In der Stadt Essen gibt es z. B. Straßen, deren
anliegende Grundstücke für geschäftliche Zwecke einen
Wert von 1000 Mark pro Quadratmeter und für bevorzugte
 Plätze noch bedeutend mehr repräsentieren. In
ähnlicher Weise liegen die Verhältnisse in Dortmund;
aber auch Städte wie Bochum, Gelsenkirchen u. a. weisen
äußerst hohe Werte für günstig gelegene Grundstücke
auf. Nach einem in meinem Besitz befindlichen, von
mehreren Landmessern und Ingenieuren herstammenden
Aktenmaterial, das etwa 15000 Nummern umfaßt und bis
zum Jahre 1820 zurückreicht, gewinne ich auch Anhalt
für Steigerung der Bodenwerte im Kohlenbezirk. So
betrug z. B. der Preis für die alte Post in Essen, Burgstrasse,
 im Jahre 1855 160 000 Mark, und das Grundstück
war für die damaligen Verhältnisse zu teuer bezahlt.
Nach Abtrennung von zwei Dritteln der Gesamtfläche ist
das Restdrittel mit dem aufstehenden, durchaus nicht
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        wertvollen Gebäude auf eine Million Mark seitens der
Stadtverwaltung eingeschätzt und, wohlgemerkt, die Stadt
ist selbst Besitzerin. Im Jahre 1851 kaufte Fried. Krupp
zur Erweiterung seiner Fabrik, die damals noch abseits
von Essen im freien Felde lag, ein Grundstück für den
Preis von 220 Talern pro Morgen gleich 25,53 Ar. Ich
schätze auf Grund meiner langjährigen "Tätigkeit im
Kohlenbezirke Grundstücke in ähnlicher Lage gut auf den
fünfzigfachen Wert.
Im Laufe der letzten fünfzehn Jahre sind für eine
Anzahl rheinischer Städte — ich nenne Barmen, Elberfeld,
 Düsseldorf — Krisen in der Bautätigkeit eingetreten,
die: zu einer Entwertung der Baugrundstücke geführt
haben; im Kohlenbezirke ist eine solche nicht eingetreten.
 Die Grundstückspreise haben sich zur Zeit des
wirtschaftlichen Niederganges auf der Höhe wie in den
Jahren der Hochkonjunktur gehalten, ein Zeichen, daß
Industrie und Gewerbe und die Bevölkerungszunahme
den Grunderwerb für Neubauten zu hohen Preisen bedingen.


Ich möchte noch die Steuerkraft des Kohlenreviers
erwähnen. Am besten eignet sich zum Vergleich die
Einkommensteuer. Von Interesse ist es, daß der rheinischwestfälische
 Kohlenbezirk im Gebiete der Emscher, also
auf 800 Quadratkilometer, soviel staatliche Steuer aufbringt,
 wie Ostpreußen, Westpreußen und Posen zusammen,
 d. h. pro Quadratkilometer entiallen auf das
Emschergebiet 1500 Mark, wobei ich selbstverständlich
die rein landwirtschaftlichen Verhältnisse der Ostprovinzen
 vollauf würdigen und weitere Schlüsse nicht
ableiten will.

Nach vorstehenden kurzen Ausführungen, die aber
bei näherm Eingehen auf die Verhältnisse des Reviers
zu einem Buche auswachsen würden, sollte man annehmen,
 daß der Kohlenbezirk zu den gesegnetsten Bezirken
 unseres deutschen Landes gehörte, wo er eigentlich
 allen etwas bringt, dem Kapitalisten Gelegenheit für
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        Anlage seines Kapitals und gute Zinsen, dem Industriellern
Unternehmergewinn, dem Arbeitnehmer reichlichen Lohn,
dem Landwirt nutzbringende Verwertung seiner Produkte
oder gar überreiche Bezahlung seines Grundes und
Bodens. Doch wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten.
Die sozialen Gefahren, welche die aus den verschiedensten
 Elementen zusammengesetzte Bevölkerung
in sich birgt, lasse ich dabei außer acht. Der Fremde,
der zum ersten Male die „Kohlengegend“ bereist, gewinnt
 die mannigfachsten Eindrücke. Diese ewig rauchenden
 Schlote der großen Fabriketablissements der Eisenindustrie,
 der gewaltigen Schachtanlagen, der Fabriken
zur Gewinnung der Nebenprodukte der Kohlen verbreiten
 über die ganze Gegend einen Schleier, der die
in geringer Entfernung liegenden Ortschaften oft
nicht erkennen läßt. Den Namen Kleinamerika verdient
 der Bezirk mit Recht. Ein aufmerksamer Beobachter,
 der länger verweilt, wird außer dem schon erwähnten
 Uebel, das an den berüchtigten Londoner Nebel
erinnert, noch andere Mißstände bemerken. Er entdeckt
hier und da in bevölkerter Gegend Moraste, kleine Seen
und ödliegende Ländereien, die im Mißverhältnis zu den
vorher erwähnten Grundstückspreisen und der Bautätigkeit
 stehen: er bemerkt Erdspalten im Boden, Risse
in Gebäuden, die ihm dadurch als baufällig erscheinen
und es in Wirklichkeit auch sind; er beobachtet auf den
kreuz und quer schneidenden Eisenbahnen merkwürdige
Ausbiegungen und unnatürliches Gefälle; er benutzt die
fast von Dorf zu Dorf fahrende Straßenbahn und bedauert
 die anscheinend schlechte Bauart, und kommt er
gar mit Ackerbesitzern zusammen, so beklagt sich einer
bald über Steigen des Grundwassers in seinen sonst
so trockenen Grundstücken oder gar ein anderer über
Wassermangel in seinem früher vollauf für alle Bedürfnisse
 reichenden Brunnen. Damit ist die Liste aller
Klagen noch nicht erschöpft. Nur einige besondere will
ich noch anführen: Verpesten der Umgebung durch den
vorbeifließenden Bach, Ungenießbarkeit des Wassers,
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Absterben der in der Nähe gelegenen Waldungen und
der in Obstgärten befindlichen Bäume, Versiegen der
Bewässerungs- und Entwässerungsanlagen, Auftreten
von bösartigen Krankheiten u. s. w. Fragt man nach
dem Grunde dieser Erscheinungen, so wird stets die
Antwort lauten: Ja, daran sind die Bodensenkungen
schuld.

Die Bodensenkungen selbst.
Wenn ich auf das Wesen der Bodensenkungen
näher eingehen will, muß ich weiter zurückgreifen, Es
gibt zwar hierüber eine Literatur, die aber in verschiedenen
 fachmännischen Zeitschriften zerstreut ist,
die uns eigentlich über den Beginn der Bewegungen im
Unklaren läßt und nur einzelne Spezialfälle schildert.
Was ich über den Beginn der Bewegung in Erfahrung
bringen konnte, habe ich teilweise aus meinem bereits
früher erwähnten Aktenmaterial herausgelesen, teils
haben mir hervorragende Fachleute, wie Herr Geheimrat
Grünhagen, der Direktor des frühern Betriebsamtes
Essen, die Herren Obergeometer und Ingenieure Steuer
und Sehling persönlich die ersten Erscheinungen geschildert,
 die ihnen als Beteiligten, als Beamten der
vormals Köln-Mindener Eisenbahn noch in lebhafter
Erinnerung waren. Von technischen Zeitschriften nenne
ich: Glückauf, Zeitschrift für Berg-, Hütten- und Salinenwesen;
 Zeitschrift für Bergrecht; dann Aufsätze von
vy. Brunn, v. Dechen, Hausse, Trompeter, Sparre, Schulz-Briesen,
 Overhoff-Bochum, Dr. Schumacher-Köln und
ferner gerichtliche Gutachten von Bergsachverständigen.
Die ersten Schäden, durch Bergbau verursacht,
zeigten sich etwa im Jahre 1855. Ich finde eine Anzahl
Notizen, wonach kurz nach Niederbringen der ersten
Schachtanlage des Kölner Bergwerksvereines in Altenessen
 eine Anzahl Hausbesitzer Brunnenmessungen
veranlaßten, die bezweckten, den Nachweis zu führen,
daß die Brunnen durch Anlage der Zechen ihr Wasser
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verlieren. Im Jahre 1856 wurde auch die Zeche Viktoria-Mathias
 bereits verpflichtet, wegen Wasserentziehung an
eine Reihe von Bewohnern der Stadt Essen morgens
eine gewisse Anzahl Eimer Wasser verteilen zu lassen.
Es sei hier bemerkt, daß Essen erst nach Auftreten der
Choleraepidemie vom Jahre 1866, die ein Opfer von
5000 Seelen erforderte, mit dem Bau einer Wasserleitung
vorging. Bei den wenigen öffentlichen und privaten
Brunnen, die Essen zu der damaligen Zeit besaß, und
bei dem spärlichen Fliessen derselben war die Verpflichtung
 der Zeche mit wesentlichen Opfern verknüpft, da
das Wasser etwa eine Stunde weit von der Ruhr herbei
geschafft werden mußte. Die Akten der Landmesser
Heyden, Schwenninger und Dillenburger weisen nun in
längerer Reihe Messungen auf zwecks Konstatierung
der Wasserstände, die bis in die letzten Jahre meinerseits
 noch fortgesetzt wurden. Interessant ist es zu
erfahren, daß der geniale Begründer der Essener Gußstahlfabrik,
 Alfred Krupp, es auch hier war, der dem
derzeitigen Bergamte in Essen als Erster Mitteilung
machte, daß Schäden an seinen Gebäuden in der Fabrik
sich bemerkbar machten, die nur dem Bergbau zuzuschreiben
 seien. Das Bergyamt war zwar anderer Ansicht,
 behielt jedoch die Sache im Auge.
Von eigentlichen Senkungen der Erddecke ist bis
dahin keine Rede. Die erste diesbezügliche Beobachtung
machte man im Jahre 1861. Bei dem Neubau der Eisenbahnstreceke
 Mülheim-— Steele wurde eine Dammschüttung
an der jetzt durch den Umbau des Hauptbahnhofs Essen teilweise
 verschwundenen Hohenburgstraße notwendig und war
soweit vorgeschritten, daß man an das Legen der Gleise
gehen konnte. Eines Morgens klaffte aber der Damm
und ein Teil der Dammschüttung war in die Tiefe gegangen
 und hatte an dem seitwärts gelegenen Geländer
die weichen Bodenmassen in die Höhe gedrückt. Unter
der schweren Anschüttung war die durch den Bergbau
der benachbarten Zeche Vereinigte Hoffnung‘ unterminierte
 schwache Erddecke eingestürzt. Noch in dem
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selben Jahre entstand ganz in der Nähe — vor dem Hause
Märkischestrasse Nr. 10 — an der Stelle, die nach dem
Projekt für das Stationsgebäude bestimmt war, ein Tagesbruch,
 d. h. eine trichterförmige Vertiefung, die von
unweit der Erdoberfläche befindlichen Hohlräumen ausgehend,
 sich bis zu Tage fortpflanzte. Bemerkenswert
ist, daß die beiden Fälle Anlaß gaben, den Platz für das
Stationsgebäude zu verlegen, und daß die Zeche Vereinigte
 Hoffnung in beiden Fällen die Zuschüttung der
klaffenden Trichter veranlaßte, ein Beweis auch, daß der
Bergbau die Schuld an den Erscheinungen trug. Die
Tagesbrüche wiederholten sich nun in der Nähe der vorher
erwähnten Stellen häufiger, und noch bei der Leichenfeier
 von F. A. Krupp entstand, etwa 100 Meter von dem
Hause Märkischestraße Nr. 10 entfernt, in der Nacht
zum 26. November 1902 ein Tagesbruch mitten in der
Straße, die acht Stunden später der Kaiser an der Spitze
des Trauergefolges passierte.
Diese Tagesbrüche kommen nun häufiger vor. Im
Jahre 1863 wurden sie zum ersten Male Gegenstand
einer gerichtlichen Verhandlung in einem mehrjährigen
Prozesse eines Oekonomen gegen die Zeche Königin
Elisabeth in Frillendorf. Hier taten beim Bepflügen einer
Ackerfläche sich Trichter auf, ja eines Tages versank
sogar in einem derselben das Gespann des Pflügers.
Häufig wurden dann später Tagesbrüche auf den in der
Nähe der Ruhr liegenden Zechen bemerkt, wo der Bergbau
 in geringer Teufe umgeht oder gar die Flötze zu
Tage treten. Steiles Abfallen aber und glattes Nebengestein,
 wie es bei Königin Elisabeth vorhanden, bewirken
 besonders Tagesbrüche, die bei einer Tiefe des
Kohlengebirges von über 60 Meter schon selten sind.
Diese Art der Schäden sind jedoch keineswegs zu den
größeren Gefahren des Bergbaues zu rechnen, vielmehr
sind das die eigentlichen Bodensenkungen.
Im Jahre 1863 machte die rheinische Eisenbahngesellschaft
 den Versuch, mit ihren Bahnlinien in das
westfälische Kohlenrevier vorzudringen und erwarb zu
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dem Zwecke die Privatbahn der Zeche Zentrum, um
auf diese Weise eine Verbindung der Strecke Osterath-Essen
 mit der Zeche Holland zu schaffen. Sie gelangte
so bis Wattenscheid und suchte Verbindung mit Essen.
Die Vorarbeiten zu diesem Anschlusse bedingten genaue
Höhenaufnahmen, die aber, obwohl von tüchtigen Beamten
ausgeführt, schlechte Uebereinstimmung der verschiedenen
Messungen ergaben. Da durch erneutes Nivellement
ein Fehler nicht nachgewiesen werden konnte, wurde die
Vermutung laut, daß der Ausgangspunkt in Essen, der
heute noch vorhanden ist (Bolzen am Hause der Waldthausenschen
 Besitzung am Viehoferplatz), sich gesenkt
haben könnte, und weitere Höhenaufnahmen ergaben diese
Tatsache, Dies war ungefähr im Jahre 1863. Wie mir
der verstorbene Obergeometer Steuer mündlich mitteilte,
tauchte damals auch die Bezeichnung „Bodensenkung“
als spezieller Ausdruck für die durch den Bergbau veranlaßten
 Senkungen der Erdoberfläche auf. Unter dem
Geheimen Regierungsrat Grünhagen fanden ferner im
Jahre 1867 die Vorarbeiten zum Bau der Strecke Heissen-Steele
 statt. Hier ergaben die Höhenmessungen im Ge
biete der Zeche Hammelsbeck bei Heissen, jetzt vereinigt
mit der Grube Rosenblumendelle, eine Differenz von etwa
2_3 Dezimetern innerhalb eines halben Jahres. Auch
hier glaubte man an ein Versehen seitens der ausführenden
 Techniker. Die wiederholten Revisionen hatten
jedoch zum Ergebnis die Senkung gewisser Strecken der
Bahnlinie um obige Höhen. Zu derselben Zeit zeigten
auch die Mauerwerke der Brücken der Bahnstrecke
Karolinenglück bei Wattenscheid Risse, die nach zum
erstenmale erfolgter Aussage von Bergsachverständigen
dem Einflusse des Bergbaues zuzuschreiben waren.
Gleichzeitig mit diesen Ergebnissen ereignete sich wiederum
 in Essen ein weiterer Fall, der die Aufmerksamkeit
der bergmännischen Sachverständigen in den in- und
ausländischen Kohlenbezirken erregte, und der meistens
als erstes Vorkommen von Bodensenkungen in Rheinland
und Westfalen geschildert wurde.
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        NS

Durch die rasch sich vermehrende Bevölkerung der
Stadt Essen, veranlaßt durch das enorme Anwachsen
des Kruppschen Etablissements und das dadurch bedingte
 Zuströmen von Arbeitern, Beamten und Geschäftsleuten,
 mußte sich naturgemäß die enge Grenze
der Altstadt Essen, die auf etwa 42 Hektar über 30000
Einwohner aufwies, ausdehnen, und es entstand eine
Reihe Strassen zwischen der Altstadt und der Kruppschen
 Fabrik, die schnell bebaut wurden, Hierzu gehörte
 auch die Bahnhofstraße. Im Jahre 1867 nun
machten sich plötzlich am Hause Bahnhofstraße Nr. 75
Risse bemerkbar, die bald eine solche Zerstörung bewirkten,
 daß auf polizeiliche Anordnung das Haus abgebrochen
 und später an der Stelle, entgegengesetzt den
baupolizeilichen Bestimmungen, ein Neubau in Fachwerk
genehmigt wurde. Nicht nur dieses Haus litt, sondern
auch die in der ganzen Umgegend liegenden Häuser
wurden beschädigt, und man zählte schon Mitte des
Jahres 1868 über 100 mehr oder minder reparaturbedürftige
Gebäude. Dieses führte zu einer Reihe von Prozessen,
und namhafte Bergsachverständige, wie der Geheime
Oberbergrat v. Dechen und.der Belgier Habet, beschäftigten
sich eingehend mit der Frage über die Natur der vorgekommenen
 Schäden. Die Ereignisse in Essen ließen
Rückschlüsse zu auf Schäden, die bereits in den fünfziger
Jahren in Lüttich am Quai de Fragnege an den aufstehenden
Häusern vorgekommen waren und gaben auch Anlaß zu
den früher schon erwähnten Schriften von. Sparre,
Hausse, v. Dechen und v. Brunn. Nachdem nun einmal
die Einwirkung des Bergbaues bekannt wurde und die
Senkungen durch Techniker unzweifelhaft nachgewiesen
waren, führte man in allen‘;Gegenden des Kohlenbergbaues
 bald über die Schäden Klage und verfolgte die
beständige Vermehrung derselben mit Unruhe. Im Jahre
1876 entstand durch die Arbeiten der Zeche Konkordia
bei Oberhausen eine Einsenkung, die sich mit Wasser
füllte, und ähnlich wie später im Jahre 1890 bei Stoppenberg,
 durch die Zeche Zollverein verursacht, einen See
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        f
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von 35 bis 40 Morgen Größe bildete. Im Jahre 1877 tat
sich bereits eine Anzahl Grundbesitzer in Bocholt zusammen,
 die wegen verminderter Ertragsfähigkeit ihrer
Besitzungen Nivellements ausführen ließen, um die Einwirkungen
 der Abbaue der Zeche König Wilhelm nachzuweisen.
 Im Jahre 1878 war es wiederum die Umgebung
 von Essen, die Bodenbewegungen zeigte. Auf
der Kruppschen Arbeiterkolonie Kronenberg machten
sich bedeutende Risse in den Häusern wie auch Erdrisse
bemerkbar, die deutlich zu verfolgen waren. Die Fabrikverwaltung
 hatte gleich von Anfang an die genaueste
Aufnahme bewirken lassen und dieselbe bei allen neu
hinzukommenden Fällen erweitert. In rascher Reihe
folgten die Erhebungen, die alle den Zweck hatten, die
Bodensenkungen festzustellen. Vorzüglich geschah dieses
auch durch Besitzer größerer Ländereien an der Emscher,
wie durch Freiherrn v. Schell, v. Fürstenberg, Freiherrn
v. Romberg und andere. Bald auch taten sich Genossenschaften
 zusammen, die unter dem Namen: Gebäudebodensenkungsverein,
 Grund- und Hausbesitzerverein,
Bürgerverein, in einer ganzen Anzahl von Städten und
Ortschaften des Industriebezirkes bestehen und hauptsächlich
 bezwecken, die Mitglieder in den Besitz von
Beweismaterial für eingetretene und zu erwartende
Bodensenkungen zu setzen. Ebenfalls erfolgte dies durch
die‘ Eisenbahnbehörde. Auch Gemeindebehörden sind
in der Weise vorgegangen, um nicht allein für den Gemeindebesitz,
 sondern auch für das Grundeigentum der
einzelnen Ortseingesessenen durch genaue Aufnahme
Sorge zu tragen.
Welchen Umfang die Bodensenkungen haben können,
illustrieren am besten die beigegebenen Tafeln und Tabellen,
 die sich auf verschiedene-/Gegenden beziehen,
und zwar ist einmal eine Straße, die durch die Kruppsche
Gußstahlfabrik führt (Zeichnung 1, Tabelle 1), gewählt.
Die ersten Nivellements entnahm ich meinen Privatakten;
die nach dem Jahre 1888 erwähnten Höhenaufnahmen
habe ich selbst in die Wege geleitet. Es ergibt sich an
        <pb n="18" />
        L. 1.

der Hand der beigefügten Tabellen, daß die Senkungen
bis 2,86 Meter innerhalb 20 Jahren betrugen; ja an einer
Stelle in der Kruppschen Fabrik, die hier nicht besonders
dargestellt ist, an der sogenannten Schwanenkampbrücke,
hat die Senkung seit dem Jahre 1863 etwa fünf Meter
betragen. Dieselbe Senkung zeigt auch der Durchlaß
des Schwarzbaches bei Zeche Dahlbusch, Schacht I, an
der Chausseeunterführung am Eingange zum Bahnhofe
Gelsenkirchen. Gleiche Senkungen finden wir auch bei
Bochum. Ich füge noch bei eine verhältnismäßig starke
Senkung in kurzer Frist in der Gemeinde Horst, die
beiliegende Skizze II anzeigt. Die Zeichnung gibt ebenfalls
 Veränderungen von Niveaukurven wieder, d. h.
Verbindungslinien, die Punkte gleicher Höhe verbinden.
 Am Verlauf der Niveaukurven des Jahres
1902 lassen sich die Veränderungen der Horizontalkurven,
 die im Jahre 1880 ermittelt wurden, am besten
beobachten. Nach einem eingeholten Gutachten des Königlichen
 Oberbergamts in Dortmund sind für einzelne Teile
des Emschergebietes weitere Senkungen bis neun Meter
innerhalb der nächsten 25 Jahre zu erwarten. Die Viehofer-Chaussee
 in Essen zeigt nach meinen wiederholten
Beobachtungen, die dadurch absolute Zuverlässigkeit
haben, daß sie an einem im flötzeleeren Gebirge liegenden
festen Punkt, der keinerlei Veränderungen bei wiederholten
 Revisionen aufwies, angeschlossen sind, seit dem
Jahre 1892 innerhalb 11 Jahren eine Senkung bis
2,58 Meter. Eine Zeichnung über die Senkungen nach
Ermittelungen in den Jahren 1892, 1897 und 1908 ist
beigefügt (Zeichnung III). Ebenso zeigte die Kohlendestillation
 in Bulmke bezüglich ihrer Höhenlage ganz
gewaltige Veränderungen. Man kann sagen, daß, wo
Bergbau im rheinisch-westfälischen Kohlenbezirk umgeht,
auch Erdsenkungen auftreten. Wenn man bedenkt, daß das
Kohlengebirge des Reviers etwa 100 Flötze mit insgesamt
60 bis 70 Meter Mächtigkeit abbauwürdiger Kohle aufweist,
zo ist nicht abzusehen, welche Größe die Senkungen bei
noch intensiver betriebenem Bergbau erreichen werden.
        <pb n="19" />
        [ch komme nun zu den Ursachen der Bodensenkungen.
 Das der Steinkohle aufliegende Gestein,
oder bergmännisch ausgedrückt das „Hangende“, besteht
im Ruhrkohlenrevier aus Schieferton, dann aus Schichten
der Kreideformation, Trias, Tertiär und des Diluviums;
die erstere überlagert besonders nach Norden hin den
produktiven Karhon mit ihren Mergeln. Ist die im
Flötze enthaltene Kohle abgebaut, so wird die Zimmerung
antfernt, und man läßt das ganze zu Bruche gehen, d. h.
das überliegende Deckgebirge besorgt das von selbst.
Da dem abgebauten Flötz seine Stütze genommen ist,
bricht es in den flötzleeren Raum ein, verfüllt diesen,
und die nächsthöheren Gebirgsschichten freten unter
mehr oder minder starker Lockerung ihrer Massen teilweise
 anstelle der unterliegenden Schichten, so daß sich
die Bewegung bis an die Erdoberfläche fortpflanzt und
hier die Bodensenkung verursacht. Dies wird da der
Fall sein, wo das abgebaute Flötz in größerer Tiefe lag,
die überlagernden Gesteinsschichten ganz zu Bruche
gingen und so das aufliegende Diluvium eine einfache
Senkung mitmachte. Ist dagegen das Hangende vollständig
 zerrissen worden, so werden sich an der Oberfläche
 Senkungen, verbunden mit Erdrissen und Spalten,
bilden, oder wenn der Abbau in geringer Teufe umgeht,
wie schon früher kurz bemerkt, Tagesbrüche.
Eine feste Regel aufzustellen, wann das eine oder
das andere eintritt, ist nicht möglich. Es wirken
eine Anzahl Faktoren mit, als da sind: Mächtigkeit
der abgebauten Flötze, Tiefe derselben unter der
Erdoberfläche, Zeitdauer des Abbaues, Art desselben,
Einfall der Flötze, geognostische Beschaffenheit der
überlagernden Gesteinsschichten und Mächtigkeit derselben.

Man behauptete früher, es würden, sobald einmal
der Bergbau in grösserer Tiefe vor sich ginge, oder gar
in Revieren, in denen die Kohle erst bei 500 Meter Teufe
beginnt, keine Bodensenkungen mehr stattfinden; n der
Praxis hat sich diese Annahme als irrig erwiesen.
        <pb n="20" />
        a

Schneller als vorauszusehen, haben im nördlichen westfälischen
 Kohlenrevier Senkungen stattgefunden; die erst
durch Abbauen in über 700 Meter Teufe, wie bei Bruch-Recklinghausen,
 veranlaßt wurden und trotz der großen
Tiefe auf der Erdoberfläche eine Senkung verursacht,
die etwa 80%, der Stärke der abgebauten Flötze entsprach,
 ein Zeichen, daß das Hangende fast unvermindert
 zu Bruche gegangen war, während durchschnittlich
 die Höhe der Senkung im hiesigen Bezirke sich zur
Stärke des abgebauten Flötzes verhält wie 2:3, d. h.
wenn kein Bergeversatz angewendet worden ist.
Ich muß hierbei die verschiedenen Arten des Abbaues
 erwähnen, die sich speziell herausgebildet haben
um die Senkungen zu vermindern. Während man in
frühern Jahren Raubbau betrieb und ohne jegliche Vorsichtsmaßregeln
 vorging, nur hier und da Sicherheitspfeiler
 anordnete, und das abgebaute Flötz sich selbst
überließ, sodaß also jederzeit das Gebirge nachbrechen
konnte, wendete man später den Pfeilerbau mit Bergeversatz
 an, d. h. man brachte in die Hohlräume Gesteinsmassen,
 die nun mehr oder minder die entstandenen
Klüfte ausfüllten. Teilweise hat dieser Abbau seinen
Zweck erfüllt, derart, daß er die Zahl der Tagesbrüche
im Vergleich zum Pfeilerbau ohne Bergeversatz verminderte.
 Dies war einmal bei steilem Einfallen des
Gebirges und geringer Teufe unvermeidlich, und Fälle,
wie im Grubenfeld der Zeche Fröhliche Morgensonne
bei Wattenscheid; wo infolge Einbrechens der Schichten
ohne vorhergegangenen Bergeversatz Tagesbrüche bis
zu 25 Ar Größe und beträchtlicher Tiefe. entstanden,
sind nicht selten. Die Sicherheitspfeiler, die früher als
Grenze zwischen zwei Bergwerksbetrieben stehen bleiben
mußten, können genau so schädliche Wirkungen ausüben.
 Hiervon überzeugt, erteilt die Bergbehörde zum
Abbau derselben stets die Genehmigung, falls es nicht
besondere Interessen verbieten, z. B. wo sie als Damm
gegen das Einbrechen der Grubengewässer in andere
Zechen dienen können und dieselben somit vor dem
        <pb n="21" />
        Versaufen schützen. Die Sicherheitspfeiler rutschen besonders
 bei steiler Lagerung des Gebirges häufiger in
den entstandenen Hohlraum ein und verursachten durch
Nachbrechen des Hangenden die Tagesbrüche. Auch da,
wo der Sicherheitspfeiler durch günstiges Einfallen des
Gebirges nicht in die Hohlräume eingestürzt ist, läßt
sich, wenn beiderseits der Markscheide Abbau betrieben
ist, häufiger die Lage derselben durch eine sichtbare
Erhöhung feststellen, auch werden sich dort am häufigsten
Erdrisse vorfinden. Andere Abbaumethoden sind die
des Strebbaues mit teilweisen und des Stoßbaues mit
vollständigem Bergeversatz. Eine Erklärung an dieser
Stelle zu geben, dürfte zu weit führen; jedenfalls ist die
Methode des Stoßbaues mit Bergeversatz die auf den
Zechen des Ruhrkohlenbezirks am meisten angewandte.
Daß der Bergeversatz aus allen möglichen Gesteinsarten
der Grube selbst besteht, ist wohl selbstverständlich.
Eine besondere Methode des Versatzes, die in neuerer
Zeit von Fachleuten mit Interesse verfolgt wird, und die
aus Schlesien eingeführt ist, ist die Methode des Spülschwemmverfahrens
 mittels Druck wasser, die von günstigen
Ergebnissen begleitet sein soll. Vorläufig hat sie erst
auf einigen Gruben Eingang gefunden, wie z. B. auf
Zeche Vereinigte Sälzer und Neuack. Das Verfahren besteht
 darin, daß das unter einem genügend hohen Drucke
stehende Wasser aus einer Druckwasserrohrleitung in
einem Trichter unter Druck zentral zum Abflußrohr
dieses Trichters ausströmt. Der Trichter dient gleichzeitig
 zur Aufnahme des ihm zugeführten Versatzmaterials,
welches durch ein Brechwerk event. noch zerkleinert wird,
Der Apparat wird in möglichster Nähe des Versatzbaues
aufgestellt. Durch das Abflußrohr des Trichters, welches
gleichzeitig als Zulassungsrohr von Wasser für das
Gemisch von Wasser und Versatzmaterial dient, wird
dieses Gemisch infolge der dem Druckwasser innewohnenden
 lebendigen Kraft dem Abbau nach Bedarf
zugeführt. Die Möglichkeit der Senkungen soll hierdurch
fast vollständig aufgehoben werden. Ich bezweifle es,
        <pb n="22" />
        22

und zwar weil auch die früher mit Bergeversatz gefüllten
Kohlenstrecken nachweislich noch bedeutende Senkungen
hervorriefen, die zu der Menge des eingebrachten
Materials in keinem Verhältnis standen. Ich bezweifle
es auch ferner auf Grund der von Bergsachverständigen
allgemein angenommenen Dauer der Wirkungen. Bei
Gutachten habe ich häufig den Satz aussprechen hören:
Es ist gar nicht möglich, daß der Bergbau die Ursache
der aufgetretenen Schäden ist, geht doch seit über zehn
Jahren kein Bergbau in der Nähe des geschädigten
Grundstückes mehr um. Ich habe das auch zuerst angenommen,
 zumal es Sachverständige waren, die ohne
Voreingenommenheit urteilten. Nach mehrfachen Aufnahmen
 kam ich zu anderen Resultaten. Noch vor kurzem
ging mir seitens einer Zechenverwaltung ein Schreiben
folgenden Inhalts zu:
Die unterzeichnete Verwaltung teilt mit, daß seit dem
Jahre 1878 unter der Burgstraße kein Bergbau mehr
betrieben wird, und die Bahnhofstraße seit dem Jahre
1895 ebenfalls nicht mehr dem Bergbau ausgesetzt ist.
Es sollte damit gesagt sein, daß Bodensenkungen
nicht mehr hätten stattfinden können. Die Höhenaufnahmen
 für diese beiden Straßenstrecken förderten als
Resultat, daß die Burgstraße Senkungen bis zu 30 Zentimeter
 aufzuweisen hatte, und zwar noch in den Jahren
1897 bis 1903, und die Bahnhofstraße ebenfalls in demselben
 Zeitraume bis zu 46 Zentimeter. Also auch näch
25 Jahren ist auf der Burgstraße der Erdboden noch
nicht zur Ruhe gekommen und zwar haben nicht etwa
plötzliche Erscheinungen, wie Tagesbrüche dieses gezeitigt,
sondern . die hier speziell besprochenen allmählichen
Bodensenkungen. Bemerkenswert ist dabei, daß diese
Senkungen innerhalb der engeren Stadt Essen noch
stattfinden bei dem enormen Werte‘ des Grundbesitzes-Habe
 ich einen Blick auf die zuerst beobachteten
Schäden des Bergbaues geworfen und bin dann übergegangen
 im allgemeinen zu den Tagesbrüchen, Bodensenkungen,
 Abbaumethoden, der Dauer der Einwirkung
        <pb n="23" />
        &amp;gt;

des Bergbaues, so geschah dieses mit Vorbedacht, da die
eigentlich zu berührende Frage mir noch vorbehalten ist.
Ich möchte noch erörtern die Theorien, welche Autoritäten
des Bergbaues aufgestellt haben über das Niederbrechen
des Hangenden, dem auch die schädlichen Einwirkungen
zuzuschreiben sind, die die betreffenden Flächen der
Erdoberfläche selbst erlitten haben.
Die natürlichste Annahme ist, daß die Schicht, die
dem abgebauten Kohlenflötze überlagert, ihrem Schwergewichte
 folgend, direkt, d. h. senkrecht zu Bruche geht:
Das ist aber nur da der Fall, wo bei steilem Einfallen
der Flötze das Hangende aus glattem Material besteht
oder die Flötze zu Tage treten. Hierbei entstehen dann
die Tagesbrüche. Liegen die abgebauten Steinkohlenschichten
 in größerer Tiefe, so erfolgt, ein festes Gebirge
als Hangendes vorausgesetzt, das Einbrechen nicht mehr
regelmäßig, sondern es zeigen sich rechts oder links,
und nicht nur direkt über dem Abbau, die Senkungen.
Das Einfallen im rheinisch-westfälischen Kohlenbezirke
wechselt aber zwischen 0° an einigen wenigen Punkten
und 90° im stärksten Einfallen bei Verwerfungen. Ueber
das Einbrechen der überlagernden | Gebirgsschichten
haben sich verschiedene Ansichten gebildet, die unter
dem Namen der Bruchtheorien bekannt sind.
Die in Betracht kommenden Versionen sind die des
Mineningenieurs Gonot in Lüttich, die auch für unser
Revier, als zusammenhängend mit dem belgischen, Bedeutung
 haben dürfte, sowie die von Schulz und
Trompeter. Ferner sind von Bedeutung die Untersuchungen
 des Oberbergamts in Dortmund. Zur Aufstellung
 eines allgemein gültigen Satzes über das Einbrechen
 der Schichten dürfte es wohl überhaupt nicht
kommen, da die verschiedensten Faktoren mitwirken, die
jeden einzelnen Fall anders gestalten. Es sind dies die
Mächtigkeit des abgebauten Flötzes, dessen Teufe, der
Umfang des Abbaues, der Neigungswinkel, mit dem das
Flötz einfällt, die geognostische Beschaffenheit des überliegenden
 Gebirges, die Stärke desselben und event.
        <pb n="24" />
        Störungen im Gestein, Da diese Faktoren nun aber
stets anders sind und in ihrem Zusammenwirken sich
steis anders gestalten, sind allgemein gültige Regeln
nicht aufzustellen.
Der Ingenieur Gonot stellt als Resultat seiner Untersuchungen
 auf, daß bei einer Decke von festem Gestein
sich die Bruchwirkung rechtwinkelig zum Einfallen des
abgebauten Flötzes äußert. Der Bergingenieur Schulz
erklärt sich in ähnlicher Weise, jedoch erweitert er seine
Ansicht dahin, daß bei flachem Einfallen der Flötze der
Bruchwinkel noch 90° übersteigt und bei steilerm Einfall
 unter 90° heruntergeht. Unter Bruchwinkel ist der
Winkel, den die Begrenzungsfläche des Bruches mit dem
Horizonte bildet, zu verstehen. Der Markscheider Trompeter-Wattenscheid
 kommt bei seinen Untersuchungen zu
dem Resultate, daß ein Bruchwinkel von 835%, zur
Horizontale angenommen, als flachster gilt. Jedenfalls
ist die Theorie von Gonot nicht haltbar; nur im
seltensten Falle ist ein Winkel von 90° zu beobachten.
Stellen wir uns ferner vor, daß das Einfallen des Flötzes
etwa 65° beträgt, so würde bei einer Teufe von 600
Meter, wie z. B. bei Recklinghausen, bei Niederbrechen
die Wirkung sich erst auf etwa 1430 Meter Weite äußern
oder bei 75° Einfallen bis auf 2400 Meter.
Ein Fallwinkel von 65° bis 75° gehört aber im
Kohlengebirge garnicht zu den Seltenheiten. Eine Erweiterung
 der von Schulz aufgestellten Regel, daß der
Bruchwinkel nach unten zu kleiner angenommen wird,
ist nach gemachter Beobachtung unerläßlich. Der Oberbergrat
 Gräff-Dortmund führt in einem gerichtlichen
Gutachten aus, daß die Bruchwirkung sich nach unten
zu erheblich weiter ausgedehnt, als eine Begrenzung
durch einen Winkel von 45° angibt, und führt Beispiele
an aus den Grubenfeldern der Zechen Prinzregent und
Dannenbaum; ja er führt den Beweis, daß auf der Zeche
Johann Deimelsberg bei Steele Bergschäden vorgekommen
sind, die einen Bruchwinkel von 36,6° voraussetzen. Von
Interesse ist noch, daß eine Anzahl Sachverständiger
        <pb n="25" />
        25

behauptet, jede Gesteinsart, die dem abgebauten Flöze
überlagert, ginge auch in einem andern Winkel zu
Bruche. Man würde hierbei auf Zickzacklinien kommen,
die dem wirklichen Tatbestand nicht entsprechen.
Meiner Ansicht nach ist kein Grund vorhanden, bei
einem Uebergange von einer Gesteinsart zur andern
jedesmal einen andern Bruchwinkel anzunehmen. Man
scheint denn auch mehr und mehr von dieser Ansicht
abzugehen, obwohl auch noch bei den durch das Oberbergamt
 gemachten und herausgegebenen Beobächtungen
beim Uebergange von Kohle in den Mergel stets ein
Bruchwinkel von 70° für letzteren angenommen ist.
Unter den durch den Kohlenabbau, durch das ver
ursachte Niederbrechen der Gebirgsschichten, durch
3enkungen und Verschiebungen hervorgerufenen Bergschäden
 sei zuerst das Versiegen von Brunnen erwähnt.
Wenn auch beim Abteufen von Schächten die meisten
Fälle dieser Art durch Anbohrung wasserreicher Schichten
vorkommen dürften, so können auch durch das Niederbrechen
 der Bergschichten die Wasseradern nach unten
zu ihren Lauf nehmen und so die Brunnen zum Versiegen
 bringen. Dies ist aber nur das kleinste Uebel
und überhaupt nicht mehr von Belang, da Wasserleitungen
überall vorhanden sind und die Zechen im Falle der
Wasserentziehung meistens bereitwillig Schadenersatz
leisten.
Weit größere Uebelstände bringen. die Senkungen
mit sich durch Störung der Vorflutverhältnisse und
Hebung des Grundwasserspiegels. Ausgenommen hiervon
ist eigentlich nur das zur Ruhr sich entwässernde Gebiet.
während fast der ganze dem Niederschlagsgebiete der
Emscher und der oberen Lippe zuzurechnende Teil darunter
 zu leiden hat. Die nach der unteren Lippe zu sich
entwässernden Teile dürften bei intensiverem Kohlenabbau
 auch bei den denkbar größten Vorsichtsmaßregeln
ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen werden. Vorläufig
ist der Bergbau in diesen Bezirken noch jung. Die
schlimmste Störung der Vorflut führen aber die ungleich-
        <pb n="26" />
        26

mäßigen Senkungen herbei, besonders da, wo sie im
Mittellaufe des größten Ableiters, der Emscher, am
stärksten auftreten. Würde eine gleichmäßige Senkung
ıler Flußläufe mit dem umgebenden Terrain stattfinden,
50 wären die Folgen nicht dergestalt, wie sie jetzt vorgekommen
 sind. Durch das Stagnieren der zahlreichen
Bäche und der Grubenabwässer der Zechen sammeln
sieh die mitgebrachten Fäulnisstoffe oder treten hei
höherem Wasserstande auf das benachbarte Gelände aus,
und hesonders im Sommer verpesten dann die Wassertänfe
 selbst und die inzwischen wieder in etwa getrockneten
Ländereien durch diese Sinkstoffe die Umgebung oder
rufen gar Seuchen hervor, wie dies mehrfach schon geschehen
 ist.
Durch die fortdauernden Senkungen treten die Bäche
über ihre Ufer, und da das umliegende Gelände häufig
noch mehr gesunken ist wie die es bis dahin entwässernden
Wasserläufe, so entstehen Seen und Sümpfe. So entstanden
 bei Stoppenberg und Oberhausen 25 bis 40 Morgen
große Tümpel. Ganze Güter werden auf diese Weise in
ihrem Ertrage vernichtet, und die Berywerksbesitzer
haben in vielen Fällen große Ländereien erwerben
müssen; denn durch das Austreten des salzigen Grubenwassers
 wird der Graswuchs auf den Wiesen zerstört,
durch Verschlammen die Bestellung der Felder unmöglich
gemacht, und die Holzungen fallen der Vernichtung durch
Abfaulen anheim. Der Grundwasserspiegel hebt sich
durch die Senkungen, und das Grundwasser wirkt so von
unten wie das stagnierende Wasser von oben. Die in
der Nähe liegenden Brunnen liefern kein genießbares
Wasser mehr und werden häufig als gesundheitsschädlich
polizeilich geschlossen, Man muß nun bedenken, daß
der Schaden noch dadurch ein größerer wird, daß die
dem Rhein zufließenden Wassermengen einen anderen
Lauf nehmen wie früher. Durch die riesige Bevölkerungszunahme
 und die gewaltige Industrie veranlaßt, auch
hervorgerufen durch die große Choleraepidemie des
Jahres 1866, entstanden an der Ruhr, die im Vergleiche
        <pb n="27" />
        zu der schon damals schlechtes Wasser führenden
Emscher noch heute bedeutend besseres Wasser aufweist,
eine Anzahl Wasserwerke, wie das der Firma Krupp bei
Hügel, das Essener Wasserwerk in Bergerhausen, das
Wasserwerk für das nördliche westfälische Kohlenrevier
und die Wasserwerke der Städte Bochum und Dortmund
mit den noch teilweise im Bau begriffenen Ruhrtalsperren,
 die ihr Wasser urößtenteils zur Emscher
hinführen. Dies bewirkt einerseits den sich für eine
spätere Kanalisation so bemerkbar machenden niedrigen
Wasserstand der Ruhr, besonders in der Zeit des höchsten
Konsums, der in die trockene Jahreszeit fällt, andererseits
 gesteigerte Inanspruchnahme des Emscherbettes,
dem fast die ganzen Wassermassen nach Gebrauch in
Häusern, Zechen und Fabriken wieder zuströmen. Die
Entnahme der oben genannten Wasserwerke beträgt
etwa 95000000 Kubikmeter im Jahre oder pro Sekunde
3 Kubikmeter, an sich schon ein ganz respektabler
Wasserlauf. Hierzu tritt nun noch die Erschließung von
Wasseradern in den tiefer gelegenen Gebirgsschichten,
weiches Wasser ebenfalls von den Zechen gepumpt wird,
Das auf künstliche Weise der Emscher zugeführte Wasser
beträgt 20%, der Niederschlagsmenge im gesamten
Emscherbezirke. Die Nebenflüsse der Emscher haben
ebenso wie der Hauptfluß in ähnlicher Weise eine Veryrößerung
 der Wässermengen erfahren, und es mußte
z. B. die Berne von der Stadt Essen mit einem Kostenaufwande
 von 300000 Mark reguliert werden, da die
überreiche Wassermenge die Ufer zerrissen hätte. Die
bedeutend größere Waussermasse der Emscher, die im
Vergleich zu anderen Flüssen auch das Niedrigwasser
um etwa 50%, höher erscheinen läßt, ist bei den an-Aauernden
 Senkungen Veranlassung zu einer fortwährenden
 Tätigkeit der Interessenten, um möglichst
Vorkehrungen zu treffen, die Wirkung der zu erwartenden
Schäden zu mildern. Es bildeten sich Genossenschaften für
die Tiefetalentwässerungen, deren Mitglieder die beteiligten
Bergwerke waren. Unter diesen nimmt die Genossen-
        <pb n="28" />
        28

schaft für die Abwässerung des Schwarzbachgebietes die
bedeutendste Stelle ein; sie wurde gegründet im Jahre
1884 und hat seit dieser Zeit für Herbeiführung geeigneter
Vorflutverhältnisse mehrerer kleiner Nebenflüsse der
Emscher eine Summe von 1650000 Mark zum Zwecke
der Neuanlage von Kanälen und Abfindungen von
Mühlengerechtigkeiten aufgewendet. Nicht eingerechnet
sind die Kosten der jährlichen Unterhaltung. Auch für
Zwecke der Regulierung der unteren Emscher sind seit
dem Jahre 1885 Summen im Gesamtbetrage von etwa
6000000 Mark verwendet, ohne daß dadurch der Zweck,
eine regelrechte Vorflut zu schaffen, erreicht worden wäre.
Da ist dann im Jahre 1895 auf Anregung des verdienstvollen
 Oberbürgermeisters Zweigert in Essen eine
Kommission gebildet worden für Aufstellung eines Entwässerungsprojektes
 für das Emschergebiet, der sämtliche
 interessierte Kreise angehören. Daß die Stadt- und
Landkreise zuerst die Sache in die Hand nahmen, hatte
seinen Grund darin, daß diese gezwungen waren, regelrechte
 Kanalisationen anzulegen, die zum großen Teil
ohne Tieferlegen der Emscher mangels der notwendigen
Vorflut scheiterten. Dann führten auch die Städte die
Schmutzwasser häufig ohne gehörige Klärung den Bachläufen
 zu und trugen so zur V erunreinigung das Meiste
bei. Unzweifelhaft aber haben die Senkungen durch
den Bergbau den ‘unmittelbaren Anlaß zu einer umfassenden
 Korrektion des ganzen Emscherbettes sowie
der hauptsächlichsten Nebenbäche gegeben, und ebenso
unzweifelhaft werden die im Emscher-(Giebiete liegenden
Zechen den Löwenanteil der Kosten zu tragen haben,
zumal sie auch zur Verunreinigung der Gewässer ebenso
beitragen wie die Städte durch Ableitung ihres Schmutzwassers,
 denn das Grubenwasser wird auf einer Anzahl
 von Zechen in ungenügender Weise oder garnicht
 geklärt. Es ist seitens der Kommission nun ein
Projekt aufgestellt worden, das der Verwirklichung entgegen
 geht, zumal unter bewährter Leitung alle in Frage
kommenden Punkte in genialster Weise berücksichtigt
        <pb n="29" />
        a

worden sind. Der Kostenanschlag für die Korrektion
der Emscher, die eine Verkürzung des Laufes von rund
96 Kilometern erfährt und in der mittleren und unteren
Strecke eine Vertiefung von 4 bis 5 Metern voraussieht,
beträgt, die Regulierung der Nebenbäche einbegriffen,
rund 38000000 Mk., wovon 28000000 Mk. auf die
Korrektion der Emscher allein und 10000 000 Mk. auf die
Nebenbäche entfallen. Dabei ist eine Staatsbeihülfe
überhaupt nicht vorgesehen! Dem verflossenen Landtag
 lag ein Gesetzentwurf vor, der die Bildung einer
Zwangsgenossenschaft zur Regulierung der Vorflutverhältnisse
 der Emscher bezweckte. Da derselbe die Genehmigung
 des Abgeordnetenhauses gefunden hat, ist
mit der Ausführung des Planes sofort vorgegangen;
sieht sich doch jetzt die Körperschaft in die Lage
versetzt, die Kosten auf die Interessenten zu verteilen,
a. h. zuerst auf die Bergwerke wegen der verursachten
Senkungen, Erschließung neuer Wasseradern, Einleitung
der schmutzigen Zechengewässer, sowie auf die gewerk-Jichen
 Anlagen, ebenfalls wegen Ableitung der Fabrikwasser
 und die städtischen und ländlichen Gemeinwesen
wegen Abführung ihrer Schmutz wasserläufe. Das Projekt
sieht auch eine später notwendig werdende Korrektion
vor, die eine weitere Vertiefung bis zu 4 Metern ermöglicht.
 Notwendig ist das, denn die Angaben des Oberbergamts
 Dortmund lassen noch eine enorme Senkung
innerhalb des nächsten Vierteljahrhunderts erwarten.
Danach würde der ganze Lauf von der Mündung bis
Hörde aufwärts noch große Senkungen erfahren, die bis
4 Meter betragen, wodurch schon die Einpolderung
einer Strecke, die in der Gemeinde Altenessen liegt, notwendig
 werden würde. Wenn auch das Projekt die
Möglichkeit einer noch weitern Korrektion durch Vertiefung
 für die nächsten 75 bis 100 Jahre ins Auge faßt, so
ist meiner Ansicht nach diesem doch mit Mißtrauen zu
begegnen, wenn man bedenkt, welch enorme Veränderungen
 bei dem heute noch verhältnismäßig geringen
Kohlenabbau in den letzten 25 Jahren durch Boden-
        <pb n="30" />
        Su

bewegungen gezeitigt worden sind. Dem Rheinstrome,.
der die Emscher aufnimmt, haben sich die Zechen
beiderseitig genähert, und die Annahme ist berechtigt,
daß auch hier Senkungen auftreten; daß dadurch erneute
bedeutende Opfer erforderlich werden, ist wohl nicht
anzuzweifeln. Die Frage der Wasserableitung wird für
den Kohlenbergbau eine ungemein wichtige bleiben, und
in jedem einzelnen Falle größerer Senkungen werden
neue Opfer durch Anlage von Poldern oder Vertiefung
der Haupt- und Nebenleiter erforderlich sein.
Die bis jetzt erwähnten Schäden, das Versiegen der
Brunnen, die steigenden Grundwasser und die Störung
der Vorflut sind lediglich auf die Senkungen selbst
zurückzuführen. Bei Erwähnung der verschiedenen
Bruchwinkeltheorien wurde schon erläutert, daß das Einfallen
 des Gebirges in den allerwenigsten Fällen ein
senkrechtes zur Erdoberfläche ist, sondern daß das Einbrechen
 sich richtet nach dem KEinfallen des Flötzes
selbst, dessen Stärke, der Beschaffenheit und Mächtigkeit
des Deckgebirges, wodurch der Winkel, den der Bruch
mit der Horizontale bildet, ein mehr oder minder spitzer
wird. Daraus geht schon hervor, daß, wenn eine Senkung
eines Punktes in Erscheinung tritt, die geographische
Lage desselben sich mehr oder minder Ändert, mit
andern Worten, daß der Punkt eine horizontale Bewegung
noch neben der vertikalen macht. Diese gemeinsame
Bewegung, für welche man neuerdings wohl auch ein
Wort gefunden hat, welches seitliche Verschiebung heißt,
verursacht an einer Anzahl von Objekten noch bedeutend
größere Schäden als die Senkung allein auf Wasserläufe
und dergl,
Nach dem Auftreten der Schäden möchte ich dieselben
 zergliedern in:
1. Schäden an Gebäuden, x
2. Schäden an Gas- und Wasserleitungen und
Kanalisationen,
3. Schäden an Staats- und Straßenbahnen und
4. Schäden durch Verschiebung de: rechtlichen
Grenzen des Grundbesitzes.
        <pb n="31" />
        Durch die Senkungen umd Verschiebungen leider
am meisten die (jebäulichkeiten, und es ist Tatsache, daß
die weitgrößte Anzahl der wegen Bodenschäden angestrengten
 Prozesse, die eine wesentliche Belastung der
Arbeiten der zuständigen Gerichte bilden, wegen Schäden
an Häusern geführt werden. An Gebäuden machte sich
ja zur Zeit die Einwirkung des Bergbaues am ersten
bemerkbar. Durch das Einbrechen der Bodenschichten
senkt sich das auf denselben ruhende Gebäude mit, und
dadurch, daß die Senkung nicht gleichmäßig vor sich
geht, senkt sich auch das Gebäude ungleichmäßig.
Erfolgt eine gleichmäßige Senkung, so ist cin wesentlicher
 Schaden an den Gebäudeteilen selbst kaum zu
erwarten. Bei ungleichmäßiger Senkung dagegen ist
derselbe erheblich größer; das Gebäude wird, wenn
freistehend, aus der lotrechten Richtung gebracht, Wodureh
 in Verbindung mit der eigenen Last Risse verursacht
 werden, die meistens im Fundamente einsetzen,
sich vorzugsweise durch die Fensterbrüstungen, Türen
und Torbögen, als die am schwächsten konstruijlerien
Stellen, bis zum Dache hinziehen; auch treten in Decken
und Innenwänden weitere Risse auf. Umfangreiche
Reparaturen werden dadurch notwendig, und zwar um
so häufiger, je mehr Bergbau umgeht. Selbst nach
einer Anzahl von Jahren nach beendigtem Abbau sind
auch bei der besten Methode desselben noch Schäden
zu erwarten. Schlimmer noch wie bei offener Bebauung
treten die Schäden bei geschlossenen Häuserblocks, also
bei den eigentlichen Dorf- und Stadtlagen, auf Die
Gebäudeteile erleiden durch die mehr oder minder große
ungleichmäßige Versetzung der Erdoberfläche Zerrungen
oder Pressungen, die ein Versetzen der Mauerteile und
klaffende Risse herbeiführen. Ich komme hierauf noch
näher zurück bei Erwähnung der Schäden, die die
Grenzen der Grundstücke betreffen. Ueber den Umfang
und die Art der Schäden, besonders die Abgeltung der
Schäden an Gebäuden, hat neuerdings Kolhe-Essen ein
Werk veröffentlicht. das, wie der Verfasser im Vorworte
        <pb n="32" />
        2

betont, für den Hochbauer ein Nachschlagebuch
sein soll. Für den Architekten speziell dürfte es
von Wert sein, während die sonstigen Ausführungen
auf manchen berechtigten Widerspruch stoßen müssen.
Wenn der Stadtbaumeister einer Weltstadt in einer
Kritik das Werk als epochemachend rühmt, so kann
derselbe die Quellen überhaupt nicht studiert haben
und muß über die behandelte Materie im Unklaren
 sein. Summen für überhaupt an Gebäuden
festgestellten Schäden anzugeben, ist nicht möglich,
Die Zechen sichern sich einesteils dadurch, daß
sie möglichst viele Ländereien an sich bringen, um
auf diese Weise die Bautätigkeit zu hemmen und
grobe Straßenprojekte zu vereiteln. Andererseits erwerben
 sie auch die Gebäulichkeiten selbst und suchen
gemeinschaftlich mit den von den Bergwerken für ihre
Arbeiterschaft errichteten umfangreichen Kolonien auf
ein Fallen der Mietspreise hinzuwirken. Durch das
Fallen der Mietspreise und die dadurch vor sich gehende
Entwertung würde auch die Bewertung der aufgetretenen
Schäden an den Häusern eine geringere sein müssen. In
welcher Weise Grunderwerb von den Zechen angestrebt
wird, zeigt am besten das Beispiel der Zeche Viktoria
Mathias, die in Essen allein etwa 280 Häuser im Gesamttaxwerte
 von 5’/, Millionen Mark ihr eigen nennt. Die
Zeche Mathias Stinnes besitzt "/, des Grundbesitzes der
Gemeinde Carnap, im ganzen 550 Hektar. Die von der
Zeche Zollverein, der Familie Haniel gehörig, in der
Gemeinde (Caternberg erbauten Häuser belaufen sich auf
450; ebenso hat die Zeche Neuessen in Altenessen umfangreiche
 Kolonien errichtet. Auch die anderen Bergwerksgesellschaften
 haben für Vergrößerung ihres Grundund
 Hausbesitzes in ähnlicher Weise gesorgt, und bei
dem zunehmenden Steigen der Grundstückspreise dürfte
es der beste Ausweg sein, den Schadenersatzansprüchen
seitens Privater aus dem Wege zu gehen, besonders
wenn noch andere Forderungen Ähnlicher Art der
Kommunen an sie herantreten.
        <pb n="33" />
        JS

In den engmaschigen Straßennetzen des Bezirkes
sind durchweg Wasserleitungen vorhanden. Bei großen
Senkungen und den damit verbundenen Horizontalverschiebungen
 lösen sich häufig die Verbindungsstellen der
Wasserrohre und verursachen unter Umständen Schäden,
die manchmal schwer zu entdecken sind, wenn der Ablauf
 unterirdisch in die Kanalisation erfolgt. Im Jahre
1897 wurde das Haus Limbeckerstraße Nr. 75/77, in dem
sich ein Bazar befand, plötzlich in Wassernot versetzt
und es mußten schleunigst die Kellerräume geleert
werden, wobei nicht verhindert werden konnte, daß ein
beträchtlicher Posten der lagernden Waren vollständig
verdarb. Eine aufgestellte Lokomobile förderte pro
Minute aus den Kellerräumen 500 Liter, und das dauerte
ungefähr 5 Monate. Schreiber dieses interessierten die
merkwürdigen Erscheinungen, für die keine Erklärung
zu finden war. Die einen behaupteten, durch Stillliegen
der Zeche Hoffnung hätten alte Quellen wieder zu
fließen angefangen, die andern waren der Ansicht, daß
der Kaupenbach, der früher. seinen Lauf unter dem
Hause durch nahm, dann aber abgeleitet wurde, sich
wieder den alten Weg gesucht habe, dritte wiederum
glaubten gar an das Entstehen einer neuen Quelle, Die
angestellten Versuche mit Ultraninkali, einer sehr stark
fluorescierenden Flüssigkeit, welche dem Gewässer der
Kaupe beigegeben wurde, hätten zum Ergebnis einer
starken Färbung des im Keller des Hauses Nr. 75/77
aufquillenden Gewässers führen müssen, falls das Wasser
aus dem alten Laufe stammte. Das Resultat blieb trotz
tagelanger Beobachtungen und Untersuchungen ein
negatives, dagegen ergab später derselbe Versuch mit
Rohrleitungswasser der Städtischen Wasserleitung die
Aufklärung des Rätsels, Der Schaden war entstanden
durch einen Rohrbruch in der Kibbelstraße und zwar
verursacht durch Bodensenkung. Ebenso entstehen auch
Brüche der Gasleitungen. Noch im Laufe des vergangenen
 ‚Jahres hat die Verwaltung einer einzigen
Zeche an das städtische Schlachthaus in Essen eine Ent-
        <pb n="34" />
        schädigung in Höhe von 5000 Mk. für verursachten Gasverlust
 bezahlt. Kanalisationen leiden unter Umständen
dergestalt, daß dieselben nicht mehr funktionieren, indem
der Abfluß nicht mehr genügend ist, dann auch, daß die
ausgemauerten Gewölbe einbrechen oder sich versetzen,
dadurch undicht werden und eine Verschlanmung durch
den nachbrechenden Boden... verursachen. Wo Rohre
liegen, können dieselben ebenfalls, wie Gas- und Wasserrohre,
 Brüche durch die Senkung erieiden oder auch
durch die Bewegung in der‘ Längsrichtung aus ihren
Muffen, d. h. der Verbindung der einzelnen Rohrteile
getrieben werden.
Damit ist die Liste der: Schäden, die ‘die Bodensenkungen
 verursachen, noch nicht erschöpft .
Die Staatseisenbahnverwaltung, die nach Uebernahme
der Gronau-Enscheder Eisenbahn im Besitze sämtlicher
Vollbahnen im Industriebezirke ist, hat auf ihren Gleisestrecken
 festgestellt, daß im Laufe der Jahre enorme
Senkungen vorgekommen sind, auch verbunden mit teilweiser
 Verschiebung der Gleise. Seit geraumer Zeit schon
wird das Gelände alljährlich durch genaue Höhenaufnahmen
 einer Kontrolle unterworfen. Die Senkungen
und wie immer zu wiederholen ist, die nicht gleichmäßigen
 Senkungen, führen eine Verschlechterung
des Verkehrs herbei, indem sie auf einzelnen Stellen.
totes, auf anderen stärkeres Gefälle schaffen und dadurch
eine größere Inanspruchnahme des rollenden Materials
verursachen. Treffen diese Veränderungen der Erdoberfläche
 auf Bahnhöfen zu, so ist der Schaden ein um so
bedeutenderer, und es ist unter Umständen ein teilweiser
Umbau des Bahnhofes nicht zu vermeiden. Nun arbeitet
die Eisenbahn in eigenem Gelände und kann die Wiederherstellung
 in den früheren Zustand verlangen. Die
Maßnahmen, die getroffen werden, sind:
Wiederauffüllung der gesunkenen Stellen durch Einbringung
 neuen Schüttungsmaterials, Unterstopfen der
Gleise und, da durch diese Reparaturen, die im Laufe
der Jahre sich wiederholen, auch das Gleismaterial lädiert
        <pb n="35" />
        wird, teilweise Ersetzung desselben. Durch die Anschüttung
 gesunkener Strecken ist das alte Niveau hergestellt.
 Da der Böschungswinkel der Dämme derselben bleibt,
wird eine Erweiterung des Dammfußes notwendig, wozu
den Grunderwerb die beteiligten Bergwerkseigentümer
ebenfalls zu tragen haben. Die Bergwerksgesellschaft
Schalker Gruben- und Hüttenverein hatte noch im Jahre
1901 für Erweiterung des Bahnkörpers Wanne-Recklinghausen-Bruch
 Grundflächen auf einer Gesamtlänge von
5% Kilometern nötig und bezahlte mit den notwendigen
 Reparaturen einen Betrag von 240000 Mark.
Die Zeche Zollverein hatte innerhalb eines Jahres eine
noch höhere Quote an die Eisenbahnbehörde zu entrichten.
 Die Gesamtsummen, die alljährlich seitens der
Bergwerkseigentümer an die Eisenbahnverwaltung gezahlt
werden müssen, sind enorm.
Ganz anders stehen im Vergleich zır den Staatseisenbahnen
 die elektrischen Bahnen im Bezirke des
rheinisch-westfälischen Kohlenreviers, und ich fühle mich
weil die hier zu Tage tretenden Erscheinungen noch ganz
neue sind, und die. Frage über die Natur der in Erscheinung
 tretenden Schäden erst seit kurzer Zeit angeschnitten
 ist, veranlaßt, diesen einen längeren Abschnitt
zu widmen, da die Frage eine ungemein wichtige und
von ’einschneidender Bedeutung für die Rentabilität der
elektrischen Straßenbahnen im Bezirke ist. Wenn ich
das engmaschige Schienennetz betrachte — dieser kleinste
Direktionsbezirk hat 1092 Kilometer Eisenbahnen — ohne
die längeren und kürzeren Fabrik- und Zechenanschlüsse
zu rechnen, so arbeiten noch Hand in Hand mit diesem
gewaltigen Verkehrsmittel die elektrischen Straßenbahnen,
die geradezu ein unentbehrliches Beförderungsmittel bedeuten.
 Wie in anderen Gegenden die Sekundärbahnen
die Zubringer für die Vollbahnen sind, und zwar speziell
für den Güterverkehr, so vermitteln diese hier den
Personenverkehr, verteilen ihn auf den ganzen Bezirk
und bringen umgekehrt die vielreisende Bevölkerung zur
Volbahn hin... Man kann heute den Kohlenbezirk von
        <pb n="36" />
        36

einem Ende zum anderen, von Oberhausen bis Schwerte,
von Mülheim über Essen nach Bochum und weiter von
Neviges bis Recklinghausen befahren, ohne eine Staatsbahn
 zu benutzen. Der Verkehr ist ein ganz enormer.
Zum größten Teile befinden sich die Straßenbahnen in
den Händen der Städt- und Landkreise, teils haben
Aktien - Gesellschaften, wie die Süddeutsche Eisenbahn-Gesellschaft,
 die Schuckert-Werke, Siemens &amp;amp; Halske
Aktien-Gesellschaft usw. die Bahnen auf eigenes Risiko
ausgebaut, und die Rentabilität ist eine äußerst gute.
Die Tatsache spricht wohl für sich selbst, daß das
Straßenbahnnetz im Stadt- und Landkreise Essen, welches
im ganzen nur 60 Kilometer Gleiselänge hat, im Jahre
1903 bereits für 16000 000 Mark verkauft war; der Verkauf
 scheiterte jedoch an Einzelheiten, die hier nicht in
Betracht kommen. Der Preis würde die Anschaffungskosten
 um mindestens das fünffache überschritten haben.
Wenn ich auch den Ilukrativsten Betrieb herausgegriffen
habe, so verteilen doch auch andere elektrische Betriebe
hohe Dividenden. Nach meinen Ermittelungen beträgt
der in den elektrischen Bahnen im Ruhrrevier angelegte
Kapitalwert etwa 115 Millionen Mark.
Die Schäden, die dieses wichtige Verkehrsmittel
durch den Bergbau erleidet, bestehen nun auch in einer
Demolierung der Gleise, Zerstörung der Unterbettung
und des Weiteren durch die schadhaft gewordene Packlage
 und das beschädigte Schienenmaterial in einer
schnelleren Abnutzung der Betriebsmittel. Die Essener
Straßenbahn, die als; erste im Bezirk arbeitet und im
Herbst 1892 dem Verkehr übergeben wurde, machte zuerst
 die Beobachtung, daß für einzelne‘ Strecken im
Gegensatze zur anderen bei gleicher Betriebsdauer;
gleichen Fahrzeiten, demselben Material, sowohl was die
Gleise wie auch das rollende Material anbetrifft, und
auch bei einer Unterbettung, die nach gleichen Vorschriften
 unter ein und derselben Aufsichtsbehörde aus:
gebaut war, ungleich höhere Summen für Reparaturen
ausgeworfen werden mußten, um das Gleise nur in einer
        <pb n="37" />
        4

Zustande zu erhalten, der der Aufsichtsbehörde keinen
Anlaß zum Einschreiten gab. Ich habe im Jahre 1897,
durch die Betriebsverwaltung der Essener Straßenbahn
veranlaßt, die erste Aufnahme zwecks Feststellung der
Bodensenkungen über sämtliche im Betrieb befindlichen
Strecken gemacht und dieselben später wiederholt.
Hierbei konnte ich, wie ich auch schon früher vorausgesetzt
 hatte, feststellen, daß ein Teil der Straßenbahn
bedeutenden Senkungen unterworfen gewesen war,
während andere Teile minimale oder fast gar keine Bewegung
 in senkrechter Richtung gemacht hatten. Durch
wiederholte Beobachtung konnte ferner festgestellt werden,
daß die Strecke, welche den größten Kostenaufwand verursacht
 hatte, auch die bedeutendsten Senkungen aufzuweisen
 hatte, während andere, die normale Aufwendungen,
wie sie jeder Betrieb mit sich bringt, beanspruchten, nur
minimale oder gar keine Senkungen aufwiesen. Daß ein
Zusammenhang zwischen den Senkungen und den abnormen
 Reparaturen bestand, war nun wohl anzunehmen,
aber über das Wie konnte auch ein gegen die Zeche
Helene Amalia, in deren Berechtsame ein Teil der geschädigten
 Strecken lag, angestrengter Prozeß wenig
Aufklärung bringen. Im Jahre 1898 ging man zum
weiteren Ausbau des elektrischen Bahnnetzes über. Da
man: annahm, daß das bis dahin benutzte Profil 35f,
System Harmann der Georg-Marienhütte in Osnabrück,
welches aus gutem Bessemerstahl gewalzt, ein Gewicht
von 92 Kilogramm pro laufendes Meter Gleise aufwies,
— das Normalprofil der preußischen Staatsbahn wiegt
etwa 75,5 Kilogramm — doch wohl den an dasselbe gestellten
 Forderungen nicht genügt haben dürfte, so
wählte man System Hörde, Profil 25 b, mit einem Gewicht
von 101 Kilogramm pro laufendes Meter Gleise, also
eine überaus schwere Schiene, Auch wurde- statt der
bis dahin angewendeten Packlage in schmalen Bändern
von 40 Zentimeter unter jeder Schiene eine durchlaufende
 von insgesamt 2 Meter Breite und 23 Zentimeter
Höhe aus Ruhrkohlensandstein, der ein vorzüegliches
        <pb n="38" />
        3

Material für die Unterbettung abgibt, eingebaut. Die
Verbindung der einzelnen Schienen war überdies eine
solche, daß statt der früheren Laschen von 33 Zentimeter
Länge mit 8 Schrauben jetzt solche von 55 Zentimeter
Länge mit 12 Schrauben die Schienenstöße hielten. Man
dachte damit, wenn auch Strecken in anderen Gegenden
die Verwendbarkeit des früher eingebauten Materials,
System Harmann, dartaten, bei Auswahl dieses
schwereren Profils jeglichen Schäden vorzubeugen; denn
die Erfahrungen bezüglich der zu verwendenden Schienen
mußten und müssen zum Teil heute noch auf allen
unseren Straßenbahnen gesammelt werden, da sie ein
zu junges Verkehrsmittel bilden. Auch diese neu gebauten
 Strecken unterwarf ich meinen Beobachtungen.
Im Jahre 1902 zeigte eine Anzahl von Strecken eine Beschaffenheit,
 die es notwendig erscheinen ließ, das ganze
Gleise aufzuheben und neues Schienenmaterial einzubauen.
 Die von neuem angestellten. Ermittelungen ergaben
 wieder bedeutende Senkungen. Die Stöße von je
2 Schienen zeigten statt der normalen Stoßfugenweiten
von 4 bis 6 Milimetern, deren Größe vermöge der
Konstruktion bis zu 10 Milimetern betragen kann, jetzt
Weiten bis 54 Milimeter. Beim Ausbau zeigten sich die
Schraubenbolzen teilweise vollständig durchgeschnitten
oder verbogen, und die Schienen zeigten nach Ausbau
zu etwa */, der gesamten Anzahl Risse im Stege, die
eine Wiederverwendung von selbst ausschlossen. An
anderen Stellen waren wieder die Schienen vollständig
aneinander und sogar ineinander gepreßt, sodaß eine
Stoßfuge überhaupt nicht mehr zu erkennen war. Auf
diesen Strecken bildet die Straßenbahn eine Schlangenlinie,
 die auf eine immense Pressung hindeutete. Bei Freiljegung
 mehrerer Schienen an einer gepreßten Stelle von
dem sie umgehenden Straßenpflaster und Lösen der
Laschenverbindung versetzte sich das Gleise so plötzlich,
und zwar um etwa 50 Zentimeter seitwärts, daß bei
weniger achtsamem Ausbau Gefahren für die beschäftigten
Arbeiter bestanden hätten. Hier sucht also das Gleise
        <pb n="39" />
        7.

Befreiung von dem umgebenden Druck. An einer Stelle
in der Gemeinde Bottrop hob sich sogar das Gleise im
Juli 1903 infolge einer gewaltigen Pressung vollständig
aus dem umgebenden Erdreich und hing auf Schienenlänge
 frei in der Luft. Da eine Schiene auch noch in
der Mitte durchgebrochen war, konnte sich auf diese
Weise die Pressung, die in der Gleisestrecke vorhanden
war, lösen. Durch die Zerrungen und Pressungen wird
nun auch die Packlage zertrümmert, das (leise liegt
lose und unregelmäßig, und das rollende Material erleidet
 dadurch Schaden; nicht nur die älteren, und wenn
ich so sagen soll, weniger stark gebauten Strecken, sondern
auch die erst seit kurzer Zeit im Betriebe befindlichen
 mit verstärktem Unterbau und bedeutend stabilerem
Schienen- und Verlaschungsmaterial weisen dieselben
Schäden auf. Kurz zusammengefaßt laufen die Untersuchungen
 darauf hinaus, daß bei anderen nicht zum
rheinisch-westfälischen Industriebezirke gehörigen Linien,
die nach gleichen Normen erbaut sind, außer. den durch
den Betrieb verursachten Schäden sich besondere Schäden
nicht zeigen, während dies im Kohlenbezirke im bedeutendstem
 Maße der Fall ist, oder mit anderen Worten
ausgedrückt: Die im Kohlenrevier liegenden Straßen-Jinien
 haben, mit anderen Linien verglichen, geringere
Lebensdauer. Daß der Bergbau die Ursache der Schäden
sein mußte, lag bei der Häufigkeit der vorgekommenen
Schäden an Gebäuden und auch bei dem Beispiel der
Staatseisenbahnen zu nahe, insbesondere da dem Betriebe
 und dem Bau selbst die Schuld nicht beizumessen
war. Da die Art des Verlegens der Gleise eine ganz
andere ist, wie sonst üblich, so konnten auch dem Einfluß
 der Temperatur die Zerrungen und Pressungen
nicht zuzuschreiben sein. Bei der Staatsbahn liegen die
Gleise bis zum Schienenfuße frei, und weil dieselben
dem Einflusse einer wechselnden Witterung ansgesetzt
sind, hält man darauf, eine normale Entfernung von
Schiene zu Schiene nach der Formel t x = 0,001
j am 1) mm bei mittlerer Temperatur einzubauen. . Bei
        <pb n="40" />
        )

der Straßenbahn erfolgt das Verlegen in den Straßenkörpern
 selbst, und es wird entweder die Pflasterung
bis dicht an die Schiene und zwischen den Schienen
vorgenommen, oder bei anderen Wegen erfolgt eine
Chaussierung an und zwischen dem Gleise so, daß nur
die Schienenköpfe frei bleiben. Dehnen oder Zusammenziehen
 der Schienen ist deshalb nur minimal, da Hitze
und Frost nur auf eine kleine Fläche wirken und nicht
wie bei der Eisenbahnschiene auf den ganzen Schienenkörper.
 Beobachtungen auf normalen Strecken ergaben
bei der Straßenbahn für eine Temperaturdifferenz von
45° C bei 10 Meterschienen noch nicht einen Millimeter
Differenz, während bei der Staatsbahn immerhin mit
einer Differenz von 11 Millimetern zu rechnen gewesen
wäre. Die bei der Staatsbahn häufig beobachtete
Wanderung der Schienen erfolgt gewöhnlich in der
Richtung des stärksten Verkehrs oder des. stärksten
Gefälles; es können dadurch Zerrungen und Pressungen
im Gleise hervorgerufen werden. Anders liegt der Fall
hei der Straßenbahn. Hier ist eine Wanderung der Schiene
allein noch nicht beobächtet worden; sie ist auch gar nicht
möglich, da das Gleise an dem dicht anschließenden Straßenkörper
 einen gewaltigen Widerstand findet. Damit noch nicht
genug: Es ist außerdem eine Verbindung zwischen den
beiden Schienen geschaffen, etwa alle 2 Meter durch
hochkant stehende Flacheisen, die die Wanderung unmöglich
 machen. Und doch ist die "Tatsache, daß eine
Bewegung im Gleise vorhanden ist, nicht abzuleugnen.
‚Bei Erwähnung der verschiedenen Ansichten über
das Niedergehen des Gebirges führte ich schon aus, daß
die der Kohle überlagernden Gesteinsschichten nicht
senkrecht. einbrechen, sondern unter einem mehr oder
minder spitzen Winkel zur Horizontale. Dieser Umstand
gibt uns die Erklärung für die Bewegung. Entsteht im
Kohlengebirge eine Bewegung nach unten, so verschiebt
sich gleichzeitig auch die Ebene selbst in der Horizontalen.
Da nun hier das Gleise fest in der umgebenden Straßenfläche
 eingebettet ist und so zu sagen ein Ganzes mit
        <pb n="41" />
        derselben bildet, nimmt das Gleise an der Bewegung
teil. Die ungeheuere Spannung äußert sich auf die am
schwächsten konstruierten Stellen — das sind die Schienenstöße
 mit ihren Laschenverbindungen — und bewirkt
hier die Scherung der Schraubenbolzen, die Ausweitung
der Lochung der Schiene, dadurch die Vergrößerung
der Stoßlücke und unter Umständen Risse der Schiene.
Eine weitere Folge ist das Zerschlagen der Unterbettung,
da einmal Spielraum vorhanden ist. Die Senkung
ist aber keine gleichmäßige, und an einzelnen Stellen ist
häufig gar keine vorhanden. An ein Nachgeben des
Gleises ist nicht zu denken, da das starre Gefüge dies
nicht zuläßt. Die gezerrten Gleise haben eine Ausdehnung
 in ihrer Länge erhalten, die noch auf einer
anderen Stelle wirken muß, nämlich dort, wo die
Gleisestrecke keine Wanderung gemacht hat, und
verursacht Pressungen, die, wie in dem erwähnten
Bottroper Falle, ebenfalls zum Lockern und Reißen
der Schienen führen können. Welche Bewegung
die einmal gelockerten Schienen machen können, weise ich
in meiner Tabelle nach (Tabelle 2), die zur Zeichnung 4
und 5 gehört, und die die Lage der Straßenbahn einer Teilstrecke
 in Bottrop darstellt, die erst im Jahre 1898 in
Betrieb gesetzt wurde, und die man nach den bis dahin
gemachten Erfahrungen mit dem besten Schienenmaterial
versehen zu haben glaubte. Aus den zugehörigen
Nivellementsplänen sind die Senkungen zu ersehen, auch
geht aus denselben hervor, in wie kurzer Frist die Höhen
sich ändern. Die Zeichnungen erklären sich von selbst.
Zu der Tabelle bemerke ich, daß die Lücken zwischen
den einzelnen Schienen eine normale Weite von vier bis
sechs Millimetern haben sollen, wobei kleinere Ab-Weichungen
 von einigen Millimetern vorkommen können.
Wenn auch die Konstruktion einen kleinen Spielraum
gestattet, so ist doch nur durch einen gewaltsamen Einbau
 eine Stoßlücke von über 10 und unter 2 Millimetern
möglich. Absichtlich kann also ein unregelmäßiger Einbau
 nicht geschehen, da ein solcher nur mit Gewalt
        <pb n="42" />
        erfolgen könnte und Kosten verursachen würde. Die
Konstruktion weist eben den Weg von selbst. Wenn nun
die Stoßfugenweiten im Jahre 1898 bei Inbetriebnahme
der Bahn 6 Millimeter betrugen, so haben sich dieselben,
wie die Tabelle ausweist, geändert. Die Zusammenstellung
 macht sofort ersichtlich, daß nach den in kurzen
Zeiträumen folgenden Beobachtungen eine beständige
Bewegung im Gleise sich kundgibt, wie das auch die
zugehörigen Höhenzahlen nach Zeichnung 5 zeigen,
daß Frost und Hitze wegen der umgebenden Erdschicht
keinen Einfluß auf die Schienen gehabt haben, was in
diesem Falle durch die Größe der Stoßlücke in Erscheinung
 treten würde, und daß Zerrung und Pressung
abwechselten. Die gemachten Untersuchungen lassen
keinen Zweifel an der Einwirkung des Bergbaues und
der durch denselben bewirkten Bodensenkungen. Nicht
notwendig ist es, daß der Bergbau sich direkt unter der
Bahn befindet; er kann auch in ferneren Abbauen die
seitlichen Verschiebungen herbeiführen, da ja das Einbrechen
 des Deckgebirges, wie häufig schon bemerkt, in
den allerseltensten Fällen ein vertikales ist. Um nun
mit Sicherheit die Wirkungen des Bergbaues festzustellen,
habe ich bei meinen Aufnahmen eine Anordnung derart
getroffen, daß ich Längen- und Höhenaufnahmen in enge
Verbindung bringe, die Messungen in einer die gesetzlich
zulässigen Fehlergrenzen weit übersteigenden Genauigkeit
ausführe und mehrere Messungen über ein und dieselbe
Strecke unabhängig nebeneinander gehen lasse. Zeigen
sich Schäden, so lassen bei einer Revision die Nachmessungen
 sofort feststellen, ob der Bergbau eingewirkt
hat. Ich gebe hierzu eine Skizze (Zeichnung 7), die der
Fachmann ohne Mühe verstehen wird. Wie ungemein
wichtig es ist, Unterlagen zu schaffen, ob die Bodenzenkungen
 Ursachen der Schäden sind oder nicht, beweisen
 am besten die in den Straßenbahnen angelegten
Kapitalien und der Umstand, daß die Süddeutsche Eisenbahngesellschaft
 augenblicklich für verursachte Schäden
und für Minderwert von verschiedenen Strecken, die
        <pb n="43" />
        noch nicht 10 Kilometer lang sind, etwa 500000 Mark
eingeklagt hat. Dabei haben mehrere Zechen bereits
'reiwillig erhebliche Beiträge zu den Reparaturen geleistet.
Ebenfalls habe ich in Erfahruug gebracht, daß auch
andere Straßenbahnen vorgegangen sind, die schuldigen
Bergwerkseigentümer regreßflichtig zu machen.
Die horizontalen und seitlichen Verschiebungen,
die sich bei der Straßenbahn bemerkbar machten, haben
dargetan, daß diese auch gleichzeitig mit der umgebenden
Erdoberfläche geschahen. Durch die Senkung tritt also
eine teilweise Verschiebung der Bodenfläche ein, und die
zu Recht bestehenden Grenzen werden häufig ihre geographische
 Lage nicht mehr innehalten. Grenzen sind Linien,
welche die jemanden eigentümlichen Teile der Erdoberfläche
einschließen. Wenn ich diese volkstümliche Definition
hier gebe, so bin ich mir wohl bewußt, daß das Eigentum
des Grundeigentümers einen Ausschnitt der Erdkugel
bedeutet, die im Mittelpunkte derselben ihren Anfang
nimmt und an der Oberfläche eine mehr oder weniger
kenntliche natürliche oder künstliche Begrenzung erfährt.
Wie dem Eigentümer nach unten zu sein Grund und
Boden eigentümlich gehört, so hat er auch das Verfügungsrecht
 über den über seinem Grundbesitze liegenden
freien Raum. In seinem Eigentum wird der Grundbesitzer
 lediglich durch das Bergrecht eingeschränkt,
und zwar dadurch, daß es einem jeden das Recht verleiht
 auf Gewinnung von Mineralien jeder Art, wie auch
Sool- und Salzquellen, Stein- und Braunkohlen und
Graphit nach 8 1 des Berggesetzes vom 24. Juni 1892.
Wenn auch im Grunde genommen das Bergrecht im
preußischen Staat gewissermaßen eine nicht gerechtfertigte
 Beeinträchtigung des Grundbesitzers ist, so wirkt
es doch zum reichsten Segen, denn was wäre die gesamte
Industrie in Deutschland ohne den Bergbau, ohne diese
Stellungnahme des Gesetzes für den Bergbautreibenden
im Gegensatz zu dem Grundeigentümer! Aehnlich ist es
doch auch vom ökonomischen Standpunkt aus betrachtet
mit dem viel geschmähten Eisenbahnmonopol. In Eng-
        <pb n="44" />
        land ist das Eigentumsrecht nicht in dieser Weise
eingeschränkt. Das Bergwerkseigentum ist vielmehr als
ein vollständig gleichberechtigtes Immobile dem
Grundbesitze gegenüber anzusehen, zwischen denen bei
eintretenden Kollisionen nur die rechtlichen Grundsätze
über die Einschränkung des Eigentums zum Besten der
Nachbarn Anwendung finden.
Durch das Niedergehen der Deckschichten brechen
die Erdmassen in die durch den Kohlenabbau geschaffenen
Hohlräume, und da dies Niederbrechen nur in den allerseltensten
 Fällen, d. h. bei Tagesbrüchen, senkrecht vor
sich geht, so werden die in dem einen Grundbesitze
liegende Schichten bei Senkungen auf anderes Eigentum
gebracht. Wenn dieser Schaden auch zu Ansprüchen
nicht immer führen kann, zumal bei der Gleichartigkeit
der Schichten nicht genau die Erdmassenteile als zu dem
einen oder dem anderen Grundstück gehörig zu identifizieren
 sind, so ist es doch etwas anderes mit der Verschiebung
 der Grenzen der einzelnen Besitzstücke. Das
Verschieben der Grenzen kann auch durch andere Ursachen
kommen; namentlich berichten uns fachwissenschaftliche
Werke, daß bei Erdbeben häufig die Grenzen verschoben
worden sind, wie z. B. bei dem Erdbeben in Lissabon im
Jahre 1755 und bei dem in Apulien im Jahre 1785. Auch
Bergstürze führen solche Erscheinungen herbei; sodann
können die Anlagen von Steinbrüchen und Tongruben
die Grenzen versetzen und ebenso nicht weit unter der
Erdschicht liegende poröse Schichten sich mit Wasser
füllen und an flachen Hängen langsam abrutschen.
Auch kann die Verschiebung durch große, schwere
Gebäude dadurch herbeigeführt werden, daß sie das
umliegende Gelände und damit die Grenzen und
Grenzmale verdrücken, so zu sehen in Essen an der
neu erbauten Kreditanstalt. Die Tatsache von Grenzverschiebungen
 durch Bergbau ist erst neuerdings
bekannt geworden, und es ist eigentlich merkwürdig,
daß diese Möglichkeit nicht schon früher erwogen worden
ist. Bei Aufstellung der Bruchtheorien hätte dieser
        <pb n="45" />
        Punkt wegen seiner ungemeinen Wichtigkeit schon
eine Erörterung herbeiführen müssen; man hat aber
förmlich im Finstern getappt bei Erklärung über widersinnige
 Fluchtlinien, Grenzangaben oder der Tatsache,
daß lange Linien, deren Richtung durch mehrere Grenzmale
 als grade bezeichnet waren, nach einigen Jahren
keine grade Richtung mehr zeigten, sondern Knicke aufwiesen.
 Die Ursache suchte man anderswo, und man
glaubte, daß die Differenzen auf Ungenauigkeiten bei
den früheren Angaben zurückzuführen seien. Grund dazu
 war ja vorhanden. Wenn ich dem Ursprunge der
Einrichtung der Karten und Bücher des Grundsteuerkatasters
 nachgehe, so fällt der in dem preußischen Gebiete,
 wozu auch das rheinisch-westfälische Kohlenvevier
gehört, in das Jahr 1817 und später. Es galt in kurzer
Zeit ein Kartenwerk mit wenig Kosten zu schaffen, das
dem Umfange des damaligen Staates entprach und das
bezweckte, das.Grundeigentum des einzelnen Grundeigentümers
 nach Lage und Größe auszuweisen, und auf
Grund dessen die Besteuerung der Bodenfläche herbei.
führen zu können. Man muß bedenken, daß zur damaligen
Zeit das Königreich Preußen wie auch die übrigen Länder
des Kontinents rein landwirtschaftliche Betriebe aufwiesen,
und daß von Industriegegenden etwa nur Gegenden wie
das. Siegerland, die Solinger Gegend, der Berg- und
Hüttenbezirk des Harzes und einige wenige mehr genannt
werden konnten. Die Vermessungen erfolgten so gut
wie eben möglich unter Hinzuziehung der verschiedensten
Hilfskräfte, und es wurde mehr Bedacht darauf genommen
ein möglichst genaues Bild zu erhalten, als daß man die
Grenzen ein für allemal als genau bestimmt bezeichnen
wollte. Man ahnte auch nicht, welche bedeutende Rolle
später die Grenzstreitigkeiten bei dem ungeheuren Anwachsen
 des Wertes spielen würden. Wurden später
ainmal Grenzen wiederhergestellt, so waren selbstverständlich
 die Karten des Katasters als alleinige Unterlage
 maßgebend, falls nicht durch andere Dokumente
oder Zeugen, wie auch jetzt noch rechtlich anerkannt,
        <pb n="46" />
        —

eine anderweitige Grenze als die richtige angegeben
wurde. Mit der Wertvermehrung des Bodens stellt sich
aber die Notwendigkeit genauer Grenzbezeichnungen und
Grenzmale heraus, welch letztere früher häufig gar nicht
gesetzt wurden und ebenfalls durch die erfolgte Revision
die Ungenauigkeiten, oder sagen wir lieber Unzulänglichkeiten
 der früheren Vermessungen für definitive Grenzangaben.
 Im Laufe der Jahre wurden Neuvermessungen
herbeigeführt, auch in einzelnen Gemeinden des Ruhrreviers;
 leider sind sie noch nicht vollständig durchgeführt.
Der Kreis Essen z. B. entbehrt dieselben noch ganz und
gar. Im Stadt-. und Landkreise Bochum gingen diese
Messungen in den Jahren 1876 bis 1884 vor sich. Die
Revision ergab die Fehlerhaftigkeit der Aufnahmen; die
Schuld wurde den Vermessungstechnikern aufgebürdet.
Es mögen auch Fälle von pflichtwidrigen Arbeiten vorgekommen
 sein, doch dürfte es sich wohl nur um Ausnahmen
 handeln. Die Folge hat dies auch gelehrt, denn
die von Vermessungsrevisoren ausgeführten Messungen
bestehen ebenfalls nicht mehr zu Recht. Es ist bemerkenswert,
 daß speziell die Vermessungsbeamten durch
ihre Tätigkeit weniger auf geologische Verhältnisse hingewiesen
 waren, und daß dadurch die hier besprochenen
Erscheinungen nicht beobachtet wurden. Daß man eine
Einwirkung des Bergbaues seitens fachmännischer Kreise
vermutete, ist bekannt, aber mit dieser Ansicht wagte sich
niemand hervor. Sind doch auch heute trotz der Bruchtheorien
 noch Gutachten abgegeben über Schäden an
Gebäuden, Wasserleitungen etc.,die den ausschlaggebenden
Einfluß der Verschiebungen gar nicht berücksichtigen,
und die nur von Senkungen sprechen, Ich kann wohl
sagen, daß es eine ganze Anzahl von Gutachtern gibt,
die bis jetzt noch gar nichts von seitlichen Verschiebungen
gelesen haben; auch ist von einem Gutachter, der über
die Verhältnisse im Kohlenrevier nicht genau orientiert
ist, das nicht zu verlangen. Um auf die Verschiebungen
der Grenzen zu kommen, so hat der Landmesser
Overhoff im Jahre 1900 im Auftrage der Regierung
        <pb n="47" />
        zu Arnsberg eine Revision des über die Gemeinde
Wimmelhausen gelegten Dreiecks — und Polygonnetzes
bewirkt, also trigonometrische Vorarbeiten zur Aufnahme
 der einzelnen Grundstücke. Dabei stellte er
fest, daß eine Verschiebung eingetreten war, die sich
für einzelne Punkte bis zu 3,75 Meter belief. In der beiliegenden
 Tafel 6 sind die Verschiebungen von 1900
gegen 1880 aufgeführt. Die schwarz eingetragenen
Polygonpunkte sollen die vom Jahre 1880 andeuten, die
roten die von 1900. Die Darstellung für die Verschiebungen
selbst ist verzerrt, um die Richtung der Bewegung besser
veranschaulichen zu können. Durch die Karte wird der
Nachweis geführt, wie der Abbau der Flötze gewirkt hat,
und zwar der Bruchwinkeltheorie entsprechend entgegengesetzt
 zu dem KEinfallen der Flötze. Einen Fall, der
weiter zurückreicht, möchte ich erwähnen: Bei
einer von mir persönlich ausgeführten Vermessung
im Jahre 1896 hatte ich bei Festlegung einer langen
Grenzlinie dieselbe mit möglichster Genauigkeit durch
mehrere Zwischenpunkte markiert. Etwa zwei Jahre
später errichtete der Besitzer hart an der Grenze seines
Grundstückes einen. Neubau, wogegen der Grenznachbar
Einspruch erhob mit der Begründung, daß der Bau etwa
5 Zentimeter über die Grenze gekommen sei. Gerichtlicherseits
 wurde ich als Gutachter ernannt und konnte
bezeugen, daß ich die Grenze richtig bestimmt hatte,
mußte aber gleichzeitig konstatieren, daß die mit Pfählen
markierten Zwischenpunkte nicht mehr genau in der
Flucht der durch zwei Grenzsteine markierten Grenzlinie
standen. Da ich im Jahre 1896 eine Längenmessung
bewirkt hatte zwecks Einmessung der Zwischenpunkte
konnte ich auch die Lage der Pfähle kontrollieren und
ersah, daß ein gewaltsames Verrücken dieser Punkte
nicht stattgefunden hatte. Ich gab meiner Vermutung
Ausdruck gegenüber den Interessenten, daß der Bergbau
die Ursache sei, hatte aber keinen Beweis, da ich verzleichende
 Nivellements nicht vorlegen konnte. Ich will
bemerken, daß ich mich damals schon mit der KEin-
        <pb n="48" />
        +

wirkung des Bergbaues auf die Erdoberfläche, wozu
mich ein reichliches Aktenmaterial von selbst führte;
beschäftigte. Der Streit fand damals durch Vergleich
seine Erledigung. Meine Vermutung hat sich inzwischen
bestätigt; denn genau an derselben Stelle in der Gemeinde
Holsterhausen sind später wieder Grenzdifferenzen(im Jahre
1900 bis 1903) aufgetreten, die nur auf seitliche Verschiebungen
 zurückzuführen sind. Im Laufe der letzten
Jahre hat die Katasterbehörde diese Erscheinung häufiger
konstatiert und derselben ihre volle Aufmerksamkeit
gewidmet. Am größten sind die seitlichen Verschiebungen
da, wo die Kohlenflötze ihr Einfallen vollständig ändern,
also da, wo ein Sattel oder eine Mulde liegt.
Im ersteren Falle wird durch Bodensenkungen gemäß
dem Einfallen der Schichten die Entfernung zwischen
zwei Punkten, die auf verschiedenen Seiten des Sattels
liegen, kleiner, bei einer Mulde größer. Demgemäß wird
auch ein Grundstück, das auf dem Sattel seine Grenze
nach dem benachbarten Grundstücke hin verrückt, kleiner
und in einer Mulde erfahren die Grenzen eine Erweiterung
zu Ungunsten benachbarter Grundstücke. Bei einem
Sicherheitspfeiler bleibt die Grenze da, wo die Einwirkung
des Bruches auf die Erdoberfläche ausmündet, unverrückt,
während sie an anderen Stellen mehr oder weniger
verschoben wird. Wil der Grundbesitzer nun wieder zu
seinen wirklichen Grenzen in ihrem früheren Zustande
kommen, so stehen ihm, falls eine -gütliche Einigung mit
dem Grenznachbarn nicht erzielt wird, zwei Wege offen,
die der Eigentumsklage und die der Grenzklage, welche
sich in der Weise unterscheiden, daß bei der Eigentumsklage
 eine bestimmte Fläche von dem Nachbarn gefordert
wird, bei der Grenzklage aber nur Streitigkeiten über
die Art der Begrenzung zu schlichten sind. Wenn die
Verschiebung der Grenzen als durch Bodensenkung verursacht
 nachgewiesen wird, so fallen die Kosten des
Streites und die Begleichung der eventl. Schäden dem
Bergwerksbesitzer zur Last. Die Schäden sind nun nicht
so groß, daß diese die Zechenbesitzer ungewöhnlich hbe-
        <pb n="49" />
        jasten würden, denn vielfach erhält bei Verschiebungen
der eine Besitzer von seinem Nachbarn teilweise das
wieder, was er dem anderen abgibt.
Professor Schumacher-Bonn hat in einem hochinteressanten
 Aufsatze die rechtliche Seite der Verschiebungen
 von Grenzzeichen durch Bodensenkungen
beleuchtet und macht den Vorschlag, da die Lösung aller
Streitfragen durch Eigentums- und Grenzklagen bei den
jetzt bestehenden rechtlichen Normen nicht möglich ist,
daß bei einer Regulierung die interessierten Grundeigentümer
 gezwungen werden sollen, in die Form einer Zusammenlegung
 zu willigen, wobei aber nur die frühere
Grenze wieder hergestellt und so die Grenzstreitigkeiten
geschlichtet würden. Ich kann mich dieser Ansicht nicht
anschließen, denn es könnten nur wenige Bezirke mit
vorwiegend landwirtschaftlicher Tätigkeit in Betracht
kommen. Die Grenzen des Verschiebungsgebietes wären
ohne Schädigung der Angrenzer auch kaum festzustellen
und bei der vorläufig nicht abzusehenden Bewegung
würde das Resultat nach kürzerer oder längerer Frist
wieder vollständig in Frage gestellt sein. Eine größere
Bedeutung aber haben die seitlichen Verschiebungen für
die städtischen Grundstücke mit ihrer großen Belastung.
Am Anfang dieser Abhandlung habe ich schon erwähnt,
 daß von einer eigentlichen landwirtschaftlichen
Bewirtschaftung im Ruhrkohlenreviere kaum noch die
Rede sein kann. Der Grundbesitz ist stark parzelliert
und besitzt dadurch, daß der größere Teil des Geländes
durch Auslegung von Straßen Bauplatzqualität gewinnt,
einen bedeutenden Wert, denn wie anderswo, so suchen
auch hier der Gewerbetreibende und der Arbeiter in den
Besitz eines eigenen Hauses zu gelangen. Kinzelne
Wohnungen sind wenig vorhanden, und nur wo größere
Werke wie Krupp oder Kommunen die Initiative ergreifen,
kann es unternommen werden, Gelände für villenartigen
Ausbau zu erwerben und entweder selbst zu bebauen
oder aufzuteilen unter kräftigster Unterstützung durch
Beschaffung der Kapitalien zu einem niedrigen Zinsfuße.
        <pb n="50" />
        T

Auf diese Weise ist es nur möglich, Einzelwohnhäuser
zu schaffen. Der Grund und Boden hat eine enorme
Wertsteigerung erfahren, und eine genügende Verzinsung
wird nur erreicht durch den Bau von Mietshäusern, wozu
die Kapitalien nur zu willig fließen. Die Höhe ‘der Beleihung
 an erster Stelle dürfte durchweg ?%, des Wertes
erreichen. Daß es an zweiten und dritten Hypotheken
nicht fehlt, beweisen die beträchtlichen grundbuchlichen
Eintragungen. Die Hypothekenbriefe von Sparkassen
und sonstigen Beleihungsinstituten enthalten nun Bestimmungen,
 wonach die Beleihung einzig und allein unter
der Bedingung gewährt wird, daß der Besitz unangefochten
 ist; und Annahme ist, daß das Darlehen auf eine
ganz bestimmte Parzelle gewährt ist. Verschieben sich
aber die Grenzen durch Bodensenkungen und, wie die
Polygonisierung von Wimmelhausen anzeigt, in größerem
Maßstabe, so findet sich z. B. bei Grundstücken mit geschlossener
 Bebauung, wo die Giebelmauern der aneinanderstoßenden
 Gebäude gemeinschaftlich sind, daß das
Gebäude nicht mehr auf die grundbuchliche Eintragung
ausgewiesen werden kann, sondern teilweise auf eine
benachbarte Parzelle. Ebenso ist dann gewöhnlich das
auf der entgegengesetzten Seite gelegene Grundstück auf
die beliehenen Parzellen gerückt. Der Besitzer einer
solchen Parzelle hat bei einem Streite nach den allgemein
bestehenden Rechtgrundsätzen rechtlich einen Teil seines
Hauses nicht mehr im Besitze und ist in die Lage versetzt,
 gegen den Nachbar auf Feststellung der Grenze
zu klagen, wodurch ihm bei Verschiebung der Grenze
ein Teil seines Besitzes zu Gunsten des Nachbarn entzogen
 wird. Die Grenze wird beiderseits nicht mehr
durch die Giebelmauer gebildet, und wenn ihm auch die
Gebäudemasse des früher errichteten Gebäudes gehört,
so könnte er doch gezwungen werden, das Besitztum
seines Nachbarn zu räumen, d. h. abzubrechen.
Den Hypothekengläubigern würde damit ihre Hypothek
 fast vollständig entwertet, und es bedarf keiner
weiteren Erörterung, zu welchen Konsequenzen dies
        <pb n="51" />
        3

führen könnte. Tatsache ist, daß bis jetzt die Beleihungsinstitute
 noch nicht auf diese Erscheinungen der Bodensenkungen
 aufmerksam gemacht sind, sonst würde die
Höhe der Darlehen schon jetzt prozentualiter beschränkt
sein, und wie viele Institute würden ihr Geld überhaupt
nicht mehr im Kohlenbezirk anlegen oder die angelegten
Gelder wahrscheinlich unter obiger Begründung zurückziehen,
 was gesetzlich zulässig wäre! Ich erwähne noch,
daß die Bedingungen der im hiesigen Bezirke befindlichen
Sparkassen meistens Zusätze enthalten, die Bezug auf
Bodensenkungen haben. So enthalten die Schuldurkunden
der Sparkasse in Essen den bemerkenswerten Paragraphen:
 „Das Kapital ist sofort rückforderbar, wenn
Schuldner ohne Zustimmung der Sparkasse wegen Bergschäden
 oder dergl. sich mit dem Bergwerkseigentümer
einigt.“ Jedoch ist dabei erfahrungsgemäß nur der Fall
gemeint, daß das Gebäude selbst durch Bodensenkungen
Schaden erleidet. Die Folgen, die dem Grundbesitzer
entstehen, sind vorläufig nicht absehbar; sie dürften
aber noch eine äußerst wichtige Rolle spielen bei der
Riesensumme des im Industriebezirke angelegten Hypothekenkapitals.

Kommt auch nur ein Teil davon in Gefahr, so
äußert das seine Wirkung an der Bautätigkeit auf Jahre
hinaus und muß zur Entwertung der Grundstücke
führen.
Ich glaube mit diesen Ausführungen ein Bild gegeben
 haben, welche mannigfachen Schäden die Bodensenkungen
 im Gefolge haben und noch haben werden
für den engeren Bezirk des _rheinisch-westfälischen
Kohlenreviers. In den übrigen deutschen Kohlenrevieren,
dem der Saar, der Wurm, dem oberschlesischen und dem
sächsischen, liegen die Verhältnisse ähnlich, und allerorts
 sind Beobachtungen gemacht, welche die schädlichen
Wirkungen des Steinkohlenbergbaues auf die Erdoberfläche
 bestätigen. Besonders gilt dies für das umfangreiche
 Gebiet von Oberschlesien. Die Millionen nationalen
Wohlstandes, welche auf dem Spiele stehen, sind zahlen-
        <pb n="52" />
        53%

mäßig nicht auszudrücken. Die durch den Bergbau hervorgerufenen
 Schäden geben Anlaß zu einer Unzahl der
mannigfaltigsten Ansprüche seitens der Interessenten an
die Bergbautreibenden, und nicht immer sind die richterlichen
 Erkenntnisse klipp und klar in den Rahmen der
Erfahrungen einzufügen. Die Zahl der Bergschäden-Prozesse
 hat einen solchen Umfang genommen, daß sogar
 die Einsetzung besonderer Kammern an den verschiedenen
 Landgerichten des Kohlenreviers sich als notwendig
 herausgestellt hat.
Wenn auch auf diese Weise die Ansprüche der Geschädigten
 an die Zechenbesitzer bei Zuziehung von geeigneten
 Sachverständigen geprüft und beurteilt werden
können, so befriedigt doch das Verfahren nicht, und es
liegt auf der Hand, daß geeignete gesetzliche Maßregeln
ergriffen werden müssen, um eine einheitliche Regulierung
der Schäden herbeizuführen. Aus der Schilderung der
mannigfachen Mißstände geht zur Genüge hervor, daß
es sich nicht um eine Sache privatwirtschaftlicher Natur
handelt, sondern daß die Interessen großer Bezirke, die
zu den besten Steuerquellen unserer Monarchie zählen,
auf das schwerste geschädigt werden. Die Schäden
treffen nicht mehr den einzelnen, sondern die Gesamtheit.
 Ebenso wie eine totale Mißernte im Osten unseres
Reiches oder Veberschwemmungen in Schlesien Anlaß
gaben, unsere hohen Häuser zu beschäftigen und Notstandsgesetze
 herbeizuführen, so sind ganz sicherlich
meine Schilderungen dazu angetan, einmal gründlich
Wandel zu schaffen durch Abänderung unseres Berggeseizes,
 sowie durch Einsetzung von Schiedsgerichten mit
großen Machtbefugnissen zur Regelung der Mißstände
in den betroffenen Gegenden.
Ich hebe ausdrücklich hervor, daß der Kohlenbergbau
 äußerst segensreich gewirkt hat, daß ohne die ungeahnte
 Ausbreitung desselben der rheinisch-westfälische
Industriebezirk nicht entfernt die Machtstellung hätte
einnehmen können, welche er jetzt besitzt. Die Bergwerksbesitzer
 führen ja auch nicht absichtlich die
        <pb n="53" />
        3

Schäden herbei, und viele tun alles mögliche, um
die Schäden abzuwenden. Sehr häufig werden die
Zechen auch mit Schadenersatzansprüchen belästigt, die
gar nicht durch ihre Bauten entstanden sind. Sei dem
wie es will und vollauf diese Tatsachen gewürdigt: Das
rechtliche Gefühl sagt, daß, wer den Schaden verursacht,
auch für den Schaden aufzukommen hat. Daß dieses
aber nicht jedesmal auf dem gerichtlichen Wege erkämpft
werden muß, und daß auch stets genügende Mittel zur
Befriedigung berechtigt anerkannter Ersatzansprüchen aus
Bergschäden vorhanden sind, ist eine Forderung, die bei
der großen Anzahl von hunderttausenden Interessenten
wohl berechtigt ist. Wie schon bemerkt, liegen die Verhältnisse
 in anderen Kohlenrevieren ähnlich.
Die Forderung nach hinreichendem Schutze würde
auch seitens der Bergbautreibenden mit Freude begrüßt
werden, da endlich Klarheit über die Natur der Bergschäden
 durch umfassendste Untersuchungen gewonnen
würde,
Die wirtschaftliche Bedeutung der Regelung dieser
Forderung gewinnt aber in letzter Zeit noch durch verschiedene
 Vorkommnisse für unser ganzes Volk an
Interesse. Es sind dies einmal die aus verschiedenen
Gründen erfolgten oder erst geplanten Stillegungen von
Zechen im Ruhrgebiete, wie: Louise Tiefbau, Kaiser
Friedrich, Glückauf Tiefbau, Eiberg u. s. w., Gruben im
Süden und Südosten des Kohlenreviers. Sie sind entweder
 abgebaut, leiden unter starken Wasserzuflüssen,
oder sind nicht mehr abbauwürdig wegen zu geringen
Umfanges ihrer Felder und lassen teuere Neuanlagen
nicht zu. Nicht selten, wie dieses in den letzten Jahren
geschehen ist, werden sie auch angekauft von großen
Bergwerksbesitzern, welche die kleinen Betriebe dann
stillegen. Der Ankauf kleinerer Zechen ist gerade in
letzter Zeit sehr häufig vor sich gegangen und zwar bezweckte
 er für die besser situierten Kohlenunternehmungen
die Sicherung einer größeren Beteiligungsziffer beim
Kohlensyndikate. Es bestand und besteht noch bei den
        <pb n="54" />
        großen Zechen die Neigung, die kleineren Gruben ein.
gehen zu lassen, da durch praktische Einrichtungen auf
den großen Gruben und durch größere Förderungen
die erhöhte Beteiligung am Syndikat wohl ausgenutzt
werden kann. Die schwer betroffenen Gemeinden haben
es nur durch Petitionen aller Art erreichen können, daß
eine größere Anzahl von Zechen, deren Stilllegung geplant
 war, noch im Betriebe sind. Umfangreiche Bittschriften
 sind dem Hause der Abgeordneten während
der verflossenen Sitzungen seitens der schwergeschädigten
Gemeinden zugegangen, worin um Abänderung von 8 65
des Berggesetzes ersucht wird. Die Frage wird erörtert,
einen Gesetzentwurf einzubringen, die Leistungsfähigkeit
kleiner Zechen durch geeignete Zusammenlegung mit
anderen zu erhöhen und dadurch ein Eingehen zu verhüten.
 Speziell betonten die Petitionen die ungeheuere
Schädigung der Grundbesitzer durch Bodenschäden, die
vorhanden sind oder noch eintreten werden und verlangten
 zwangsweise Bereithaltung der notwendig werdenden
 Mittel für den Fall, daß die Zechen zum Erliegen
kommen würden. Die Sache wird eine noch ernstere
durch den so plötzlich hereingebrochenen Streik, durch
den die großen Bergwerksgesellschaften in ihrem Vorsatze
bestärkt werden könnten, auch ihrerseits einmal ihre
Machtmittel zu zeigen, und zwar eben durch Stilllegung
der kleineren Betriebe. Jedenfalls ist, wenn dieser Fall
eintreten sollte, es den durch Bergbau Geschädigten
schwer oder gar unmöglich gemacht, ihre berechtigten
Ansprüche erfüllt zu sehen.
Zweitens ist die wichtige Tatsache zu bemerken,
daß bergbautreibende Gesellschaften, obwohl sie sich
bewußt sind, die Schuld an den durch sie verursachten
Schäden zu tragen, sich überhaupt weigern, eine von
Kommunen gewünschte andere Art ihres Betriebes zur
Sicherung des Grundbesitzes einzuführen. - Meistenteils
nehmen die Interessenten gerne keine Veranlassung, Ersatz
 für Bergschäden zu fordern, wo in Wirklichkeit
keine vorhanden sind. Sie können aber bei fortgesetzter
        <pb n="55" />
        J8

Weigerung der Bergbautreibenden, um der Entwertung
ihrer Grundstücke vorzubeugen, sich nicht enthalten,
Vorsichtsmaßregeln zu fordern. Kein Wunder, daß unter
diesen Umständen bei den vielfachen Beschwerden
größere Gemeindeverbände selbst eingreifen, um kraft
ihres größern Einflusses eine endgültige Regulierung
herbeizuführen.
Inwieweit Forderung und Bewilligung auseinandergehen,
 zeigt am besten die öffentliche Stadtverordnetensitzung
 vom 29. November 1904 in Essen. Berichterstatter:
 Der Oberbürgermeister. Thema: Stellung
eines Antrages beim Oberbergamte, den unter der Stadt
bergbautreibenden Zechen den Abbau mit Bergeversatz
vorzuschreiben. Speziell der Mülheimer Bergwerks-Verein
 kommt hier in Frage. Nicht allein daß, wie die
Rede des Herrn Oberbürgermeisters Zweigert ausführt,
sich die beteiligten Zechen weigern, diesen Abbau, nämlich
 den des Spülschwemmverfahrens, den ich schon bei
den Methoden des Abbaues als eine neuerdings viel
empfohlene erwähnt habe, auszuführen, sondern der
Mülheimer Bergwerks-Verein geht weiter und verlangt
sogar für eine Fläche von nur 7'/, Hektar, unter der er
Abbau treibt, eine Entschädigung von 1'/, Millionen
Mark für den Fall, daß er gezwungen sein sollte, besondere
 Abbaumethoden, wie solche das Berggesetz
nicht direkt zum Schutze des Grundbesitzes vorschreibt,
einzuführen. Damit ist doch wohl die Frage der Senkungsschäden
 auf die Spitze getrieben. Bei aller Achtung
vor dem großen Einfluß und dem ungeheuren Nutzen
den uns der Bergbaubetrieb bringt, kann man doch
diesen Standpunkt der Zechen nicht teilen. Es ist
übrigens Tatsache, daß auch andere Zechen ähnliche
Forderungen stellen.
Vor mehreren Jahren verlegte der KEisenbahnfiskus
den Güterbahnhof Witten nach der sogen. Sporenwiese
und verlangte, um den Bahnhof vor Bodensenkungen
unbeeinflußt zu wissen, von der Gewerkschaft Franziska,
daß die Zeche diesen Teil der Kohlenfelder nicht abbaue.
        <pb n="56" />
        3

Ein darauf hin von der Gewerkschaft angestrengter
Prozeß hat sich jahrelang hingezogen und findet jetzt
seine Erledigung dadurch, daß der Eisenbahnfiskus etwa
*, Millionen Mark Entschädigung an die Zeche zahlt.
Hier hat also der Fiskus direkt den Schaden zu tragen.
Eine weitere und viel ernstere Bedeutung für unsere
Volkswirtschaft liegt aber in der drohenden Verstaatlichung
 des Bergbaubetriebes im Kohlenreviere. Rund
für 60000 000 Mark Kohlen-Bergwerksanteile hat der
preußische Fiskus im Kohlenreviere an sich gebracht
und noch immer werden, begünstigt durch den fast ohne
Grund vom Zaune gebrochenen Streik, neue Vorstöße
gemacht, die Majorität des Fiskus im Kohlensyndikate
herbeizuführen.
Hauptsächlich dem einmütigen V. orgehen einer großen
Anzahl Aktionäre der Berg werksgesellschaft Hibernia
unter Leitung des General-Direktors dieser Gesellschaft
ist es bis jetzt gelungen, einen dauernden Einfluß der
Staatsbehörde zu unterbinden. So segensreich auch die
Verstaatlichung des Eisenbahn- und Postwesens für die
Allgemeinheit und für den Einzelnen gewirk({ hat, so wird
ein Monopol des Bergbaues für die ganze Industrie und für
die Kommunen doch nur von Schaden sein. Abgesehen
davon, daß das letztere schon durch die entgehende
Besteuerung der großen Unternehmungen und den Wegzug
 der bei denselben gut besoldeten Privatbeamten
enorm in den Steuererträgnissen geschädigt werden,
leidet auch der Betrieb nach Ansicht aller Fachleute und
nach national-ökonomischen Erfahrungen in den meisten
Fällen, wo der Staat selbst die technische Bewirtschaftung
in die Hand nimmt. Woher kommen denn auch unsere
bedeutenden Verbesserungen im Bergwesen, Ventilationen,
Ent- und Bewässerungen,, Verminderung der Explosionsgefahr,
 Einrichtung des elektrischen Betriebes, oder bei
der Eisenbahn alle neuen Verkehrseinrichtungen und
Verbesserungen? Wer hat das geleistet?
Durchweg nicht der Fiskus als Unternehmer, sondern
die Privatunternehmungen, wenn auch die Tatsache nicht
        <pb n="57" />
        verkannt werden soll, daß der Staat mit glücklicher
Hand die erfundenen Verbesserungen sich zu Nutze gemacht
 hat. Auch wenn wir einen Vergleich ziehen
zwischen den Wohlfahrtseinrichtungen auf den fiskalischen
Werken einerseits und den rein kaufmännischen der
Großindustrie andererseits, so fällt derselbe zu Gunsten
der letzteren aus. Die von mir aufgeworfene Frage der
Bodenentschädigung gewinnt aber noch mehr dadurch
an Bedeutung. Wie stellt sich der Staat dazu, wenn das
Bergwerksmonopol für den Ruhrkohlenbezirk in Kraft
treten wird? Wird der Bergfiskus, auch ohne daß er
auf Grund eines Gesetzes hierzu verpflichtet ist, für die
Bergschäden aufkommen? Wohl kaum!
Leider lehrt uns kein Vorgang auf den fiskalischemn
Gruben des Saarreviers, wie der Staat sich zu dieser
Frage stellen wird, Die im rheinisch-westfälischen Bezirke
 liegenden staatlichen Berechtsamen weisen einen
so jungen Betrieb auf, daß noch kein Anlaß gewesen ist,
die Stellungnahme des neuen Grubenherrn erkennen
 zu lassen, ebenso wenig wie die Reden der
Regierungsvertreter im Landtage, die ebenfalls in eine
Beantwortung der heiklen Frage nicht eingetreten sind,
trotz der großen Anzahl von Petitionen, die bezüglich
der Stillegung der Zechen einliefen und die auch das
hier behandelte Thema angingen. Eine weitere Frage
ist die, auf welchen Standpunkt sich die Volksvertretung
bei einer vollständigen Monopolisierung des Bergbaues
stellen würde.
Die Schäden, die in Betracht kommen, können kaum
ihrer Höhe nach aufgestellt werden. Wie die Ausführungen
 dieses Aufsatzes dartun, handelt es sich eben
um Schäden der mannigfachsten Art. Jedenfalls wird
auch ein Fond hierzu geschaffen werden müssen, der
dem des preussischen Ansiedelungsgesetzes, dem bekannten
 Hundertmillionen-Fond, nicht nachstehen dürfte.
Die Forderung nach einer Abänderung und Ergänzung
 des Berggesetzes ist wohl eine berechtigte.
Da aber die Vorarbeiten für ein einheitliches Berg-
        <pb n="58" />
        3&amp;amp;

gesetz -— Ausnahmegesetze wirken wie zweischneidige
Schwerter --— ganz bedeutende sind, so ist vorab
die Bildung von Schiedsgerichten anzustreben, die,
solange eine gesetzliche Regelung nicht erfolgt ist, in
ihrer Zusammensetzung erfahrene Sachverständige jeder
Art, wie Ärzte, Bautechniker, bergmännisch gebildete
Gutachter, Landmesser, erfahrene Landwirte ete. enthalten
und mit weitgehendster Machtbefugnis zur Schlichtung
ausgebrochener Streitigkeiten seitens der Bergwerksbesitzer
 wie auch der geschädigten Parteien versehen
werden, um unter Vorsitz von eigens hierzu vorgebildeten
‚Juristen zu verhandeln, sowie auf Grund der eingehendsten
Prüfungen und unterstützt durch die Behörden sorgfältige
Untersuchungen zu treffen und danach ihr Urteil abzugeben,
 inwieweit der Bergbautreibende Schadenersatz zu
leisten hat.
        <pb n="59" />
        Anlagen.

Tabelle 1.

TABELLE

über die Senkungen in der Gußstahlfabrik

F. A. Krupp

zur beiliegenden Zeichnung 1 gehörig

Die eingetragenen: Höhenzahlen
sind Meter und auf N. N.bezogen.

Aufgestellt durch
Stötzel.
        <pb n="60" />
        60

Bezeichnung
des Gebäudes

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5
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Kj Nagel | — 169,126 — | 68,769] 0,357] 68,648 0,121 68,620 0,028)
f Höhenn. 70,714 70,685 0,029 70,409 0,276 70,300 0,109 70,275 0,025! 0,439
Sockel 169.366 69,337 0,029) 69,064/ 0,273 | 68,895) 0,471
‚Höhenm., 72,608 72,595 0,013 72,374 0,221 72,240 0,134 72,216 0,024| 0,392
Sockel 70,448 70,433 0,015‘ 70,209 0,224 70,077! 0,132 70,033 0,044| 0,415
d Höhenm. 73,979 73,966 0,013; 73,723 0,243: 73,473: 0,250 73,418 0,055/0,561
Sockel 71,925 71,917 0,008 71,672: 0,245 71,418 0,254. 71,330. 0,088 0,595
Sockel 69.463 69,427. 0,036, 69,156 0,271, 69,050, 0,106 68,998 0,052| 0,465
Nackel 69,446 69,438 0,008 69,171. 0,267 — 69,031) 10.415
Sockel — 71811 ‚70,456
Nockel — , — | — 171,819 — 71,618 0.201: 71.550 0.068!
ı Nockel 72,726 72,699 0,027; 72,408: 0,291
6 Sorkel 72,592 72,574 0,018| 72,307 0,267
‘4 Socke) 72,846/ 72,825. 0,021: 72,511 0,314, 72,022 0,824
6! Sockel 72,896 72,876 0,020| 72,521. 0,355 | ı 72,035 0,861
bh -Höhenm 75,423 75,392! 0,031' 74,945 0,447 74,617‘ 0,328 74,471. 0,146| 0,952
Sockel 73,073] 73,041| 0,032; | 173,573 ı 72,820, 0,753| 0,253
Mechanisehe Werkstatt I! oc .Höhenm. 75,228 75,146: 0,082 74,545' 0,601! 74,155: 0,390 73,932/ 0,223| 1,296
Haupt-Portier ,..,., a Sockel 73,297 ‘72,722 0,575 72,345| 0,377
Ip} Sockel 73,195 ı 72,725 0,470) 72,373 0,352
Schmiede SS1 , ,,., a Höhenm,, 76,352 76,317' 0,035! 75,945 0,372: 75,670 0,275 74,912 0,758
Limbeckerch, Nr.157/159 a Höhenm. 75,574 75,527 0,047 74,868) 0,659. 74,493 0,375 Ta 0,324
Nockel | 74,044; 73,984 0,060 73,333‘ 0,651. 72 954 0,379 72,537 0,417
6 Höhenm. 75,203 75,106 0,097 74,484 0,622 74,081 0,403. 73,432 0,649
b Nöhenm.) 175,081] "73,652
d; Nagel 173,381, ‚71,675!
8 :Höhenm.' 75,425! 75,286 0,139 74,601 0,685 74,234; 0,367; 73,516‘ 0,718| 1,909
a Höhenm.| 76,871! 76,802: 0,069: 76,147' 0,655 76,768 0,379 75,069| 0,699| 1,802
Nockel 74,136! 74,067 0,069 73,421 0,646: 73,040| 0,381 72,537 0,503| 1,599
Höhenm.: 75,484| | 174,651. | 74,318 0,333. 73,625, 0,693! 1,859
‚Höhenm. 75,554, 75,387| 0,167 74,687' 0,700: 74251 0,336. 73,631 0,720 1,923
Sockel 74,407 74,224 0,183; 73,527] 0,697 73,190! 0,337, 72,445 0,745 1,962
Höhenm.‘ 75,636, 75,406. 0,230; 74,727 0,679 74,417, 0,310 73,667 0,750! 1,969
Nockel 75,522 N 174,041 ı 73,449 0,592| 2,123
Nockel 75,601 75,157, 0,444 74,545' 0,612. 74,071, 0,474 73,492 0,579| 2,109
Nockel 75.648 75,205, 0,443 74,593| 0,612 74,109 0,484: 73,526: 0,583 2,122
Sockel 75,677! 75,246 0.431 74.640 0,606! | ‘73,561; 2116

Eisenbahn-Überführung ,
Bandagen-Walzwerk .

Schloss.d.i.Mech.Werkst,

Schmiede | .,.,...
Feuerwache , ..

Montageschunpen . .

Limbecker-Ch, Nr, 141
Lohnhureau .,....
        <pb n="61" />
        Ba

Bezeichnung
des Gebäudes

Bessemer Werk Mi ,.

Brücke am Kesseihaus 0

Reparatur-Werkstatt IV

Limbeckereh. Nr. 60 .

„5%..
„52.
„ „ 50...
Kesselhaus 0 .....

Limbeckereh, Nr.101 . .

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‚ 65
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„ 81.

Brücke an der Metzgerei
Mefzgerei .... 0...

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Sockel | Te 76,071| 0,404 74,977 74,449 0,532] 2,026
Nockel | 76,469! 76,063! 0,406 | 174,465 74,371
Nockel | 76,918 76,319 0,599, 75,181
Sockel 76,934 76,341 0,593 75,243
Nockel 76,944 nn 0,668 zn z
Nockel 76,954 76,346| 0,608 ;
Höhenm. 78,714 DTM 0,40 77,638) 0,736| 0 0,623 76,212 0,803 cm
Nockel 6 76,2741 0,342 75,545 0,729 74,922 0,623 74,094 0,82 22
Sockol 75,330 74,486 73,844/ 0,642 72,880 0,71 N
Sockel 75,598 74,776 73,844 0,932 73,138 0,20 160
Sockel 75,213 74,330 73.311.109 72,690 0,621 an
Nockel 75,219 74,443 73,409 1,034 72,800 0,60 2417
Nockel 75,165 74,389 73,364! 1,043 72,743 0,60 2,422
Sockel 78,131 77,163, 76,625 0,538 76,046 0,5792, ;
Nagel 77,231! 76,838 0,393! 76,241 0,597 75,665 0,576 75,057 0,608} 2,17
Sockel 78,138 77,759 0,379 AG 0,597 76550 0,574: 75,980 He Dias
Sockel 77,929 77,615 0,314. 77,000 0,615 76,358 0,642 75,744 0, 185
Yockel 77,889) 77,583| 0,306 77,030) 0,553 76,280 0,744 75,626 D6% Te
Nockel 77,443| 77,055! 0,388 76,405! 0,650: 75,828 0,577 75,083 0,745 2,360
Nockel 77,439 77,046 0,393 | ; 75,023 2416
Sockel 77,469 77,083 0,386, 76,392 0,691 75,787 0,605 74,968 0,819 m
Sockel 77,049 76,673 0,376 76,022} 0,651: 75,365. 0,657, SS 0,832' 2,5 6
Sockel 77,073! 76,710 0,363 ) 174,550 - U
Nockel 77,049 76,700 0,349 75,965 0,735 75,339 0,626 74,511 0,828 2,508
Sorkel_ 76,749 76,481 0,268 75,736 0,745 75,121 0,615 74,333 058 2,016
Nockel 76,744 76,483, 0,261. 75,730 0,753 75,108 0,632 74,340 Dr6S 2,008
Sockel 77,016 76,687, 0,329 75,909 0,778, 75,282 0,627 74,531 0, A
Sockel 76,897: 76,579! 0,318 75,807 0,772! 75,175 0,632 4,056 0,7192,
Nockel 73,904: 72,831‘ 1,073, 72,253 0,578
Nockel 73,898 72,809 1,089 72,268 0,541
Sockel 73,728 72,701 1,027 72,1 02 0,59%
Sockel 73,710; 72,673, 1,037| 72,134. 0,538 6
Sockel 73,064 FAT 0,992 71,584 TE 2,
Nockel 73.002 72.032 0.970 71.549 0.4831 2,230

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        Tabelle 2.

TABELLE

über Veränderungen der Stoßfugenweiten
der Essener Straßenbahn in Gemeinde

Bottrop.

Zur Zeichnung 4 und 5

Eingetragene Zahlen sind Millimeter.

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152 |+ 582,54 | 3868250 |+532 36 360237|- 045 |-043 02t
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AT | 3,86 Kawa 07 1: 743 96 3431 05|- 0,08 «002 008
158 | 795,38 3446 89 |+r 795,86 344738 |. 028) 043 0,64
167 |+ 938,83 3306,72 929,00 3397,97|+ 9/2 |s086' 0,86
86 |: 985.23 | 3206,60|1 986,28 329704), 005 |r036| 035
85] 1062,03° 3364,88 | 706309 335232 «8746047 | 667
27 |+ 93747 826m 05|r 57,43) 3240,68|- got |- 237 | 937
88 |+ 1070,03] 3092 78 |4 4048 27|-3090.83|- 0,76 ]|- 492 | 2,07 Le
39 | 427,52 2937,80| 04026 06|- 20734 87|- Abb |- 2483| 284
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(92 4948,79 2742 2714 D4680 |- 2789.50 - 4,00 |272 | 3,37
90 1890,42 0766.22 |. 888,28 Ä276LA 244 | 3.08 | 375
U | T43,49 2878,68 |674490 |-2870,84|- 4,29 | 4,84 | 2.25
92 | 565,08 d004,7 4 | 66338 |. 3000 04 |-1,48 F4,73|2,26
162 62204 3447.69 |. 620,285 1.812877 |-478 „492 2,63
ACH |n Gy4, 34 3B08SEG6 | 670,00 | 348386|- 2,34 | 7,86 | 223
143 | 738, 8 jr + 732,66 |- 36487 MH | 066 | Z04
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BB | 655,98 | 3845,28 [108676 | 3866,54 +0,85 |-4 26| 4,54
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Literatur.

Zeitschrift für Berg-, Hütten- und Salinenwesen im
preußischen Staate,
Berlin. Jahrgang 1859.
Lottner: Ueber die Grundsätze des Abbaues der Steinkohlenflötze in
Westfalen, bei kritischer Würdigung der Abbaumethoden in Belgien,
Frankreich und England.
Jahrgang 1897.
Veröffentlichung des Oberbergamts in Dortmund über die Einwirkung
des unter Mergelüberdeckung geführten Steinkohlenbergbaues auf die
Erdoberfläche im Oberbergamtsbezirke Dortmund.
„Glückauf“, Berg- und Hüttenmännische Wochenschrift.
Essen. Jahrgang 1867.
v. Sparre: Ueber das Nachbrechen der Schichten des Steinkohlengebirges
Jahrgang 1895.
Dr. Leo Kramer: Erdbeben und Bergbau..
Jahrgang 1901.
Gräff: Verursacht der Bergbau Bodensenkung durch die Entwässerung
wasserführender diluvialer Schichten.
Jahrbuch für das Berg- und Hüttenwesen in Sachsen.
Freiberg. Jahrgang 1885.
Hausse: Beiträge zur Bruchtheorie,
Zeitschrift für Bergrecht.
Bonn... Jahrgang 1869.
Bluhme: Das Bergwerkseigentum in England.
Jahrgang 1874.
v. Brunn: Mitteilungen über die Bodenbewegungen bei Essen,
Jahrgang 1876.
Maas: Die Beschlüsse des Abgeordnetenhauses vom 26. Juni 1876 betreffend
 das Rechtsverhältnis zwischen Grundbesitzer und Bergwerksbetreiber.


Berggeist.
Köln. Jahrgang 1873.
Prinz zu Schönaich: Ueber Bodenbewegungen durch Steinkohlenbergbau,
Zeitschrift des Rheinisch-Westf. Landmesservereins-.
Cassel. Jahrgang 1903.
Prof, Dr. Schumacher: Lage und Feststellung der Eigentumsgrenzen bei
seitlicher Verschiebung der Grenzzeichen infolge von Bodenbewegungen
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unter besonderer Berücksichtigung der durch den Bergwerksbetrieb
veranlaßten Bodehsenkungen.
Zeitschrift für Vermessungswesen.
Stuttgart. Jahrgang 1903.
Rothkegel: Ueber Verschiebung von trig.-polygonometrischen Punkten im
Ruhrkohlengebiet.
Beiträge zur Geschichte von Stadt und Stift Essen.
Essen, Jahrgang 1903. .
Herausgegeben vom Historischen Verein für Stadt und Stift Essen.
Alb. Waldthausen: Zur Geschichte der Verkehrsverhältnisse in Stadt
und Stift Essen.
von Dechen: Die Bodensenkungen in und bei der Stadt Essen. (Als
Manuscr. Bonn 1867.)
Trompeter: Die Expansivkraft im Gestein als Hauptursache der Bewegung
 des den Bergbau umgebenden Gebirges. Essen. 1899.
Dumont: Les affaisements du sol produits par P’exploitation houillere.
Liege 1871,
Schulz-Briesen: Das Deckgebirge des rheinisch-westfälischen Carbons.
Essen 1903.
z. Kolbe: Translocation der Deckgebirge durch Kohlenabbau. Oberhausen
 1903.

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Lebenslauf.

Am 21. Januar 1868 wurde ich, Friedrich Heinrich
 Stötzel, evangelischer Konfession, Sohn des Landwirtes
 Georg Stötzel und seiner Frau Anna Maria, geb.
Kölsch, in Nenkersdorf, Kreis Siegen, Königreich Preußen,
yveboren. Bis zum 14. Jahre besuchte ich die Elementarschule
 meines Heimatsortes und wurde nach 1*/,jährigem
Privatunterricht Herbst 1883 in die Obertertia des Realoymnasiums
 zu Siegen aufgenommen. Ich verließ diese
Anstalt zu Ostern 1886, da meine Vermögensverhältnisse
a@inen weitern Besuch nicht gestatteten, mit dem Zeugnis
der Reife für Prima, um mich dem Landmesserberufe zu
widmen. Nach einjähriger praktischer Ausbildung bezog
ich die Universität Bonn bezw. die landwirtschaftliche
Akademie Poppelsdorf-Bonn und hörte hier Vorlesungen
über Mathematik, Geodaesie, Physik, Chemie, Landwirtschaft,
 Kulturtechnik, Baukunde, KRechts- und .Staatswissenschaften
 ete. ete. Nach vier Semestern bestand ich
das Landmesserexamen und verblieb nach neunmonatlicher
 Beschäftigung bei der Katasterverwaltung fast drei
Jahr in Diensten der preußischen Staatseisenbahn. Seit
1892 habe ich mich als Landmesser und Ingenieur in
Essen an der Ruhr niedergelassen. Ich bin verheiratet
und Vater von vier Söhnen.
Zeit und Verhältnisse gestatten es mir nach langer
Unterbrechung von Wintersemester 1902/03 an meine
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        Studien an der Kgl. Universität Marburg wieder aufzunehmen
 und vier Semester dort Vorlesungen zu hören
über Philosophie, Geschichte, Staatswissenschaften,
Geologie, Mathematik und Physik.
Vorlesungen hörte ich in Bonn bei den Herren
Veltmann, Reinhertz, Koll, Gieseler, Kreusler, Dreisch;
Dünkelberg, Werner, Huppertz, Sering, Schumacher,
La Valette St. George, Pollmann; in Marburg bei den
Herren Kühnemann, Cohen, Niese, Wenck, Troeltsch,
Sieveking, Bauer, v. Dallwigk, Richarz, Feußner.

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        n

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Druck von

Thaden &amp;amp; Schmemann
Essen-Ruhr

VS
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