J. Tabak und Tabakgenuß. hHistorisches.
Schon Tiedemann, dem wir eine der interessantesten hiftori⸗
schen Darstellungen über Tabak und Tabakgenuß) verdanken,
erwähnt in dem Vorworte zu seinem Buche, daß die Entdeckung
des Tabaks und insbesondere die Ursachen seiner ersten Be—
nutzung durch die Naturvölker seines Ursprunggebietes in
Dunkel gehüllt sind. Die nächstliegende Frage, was wohl der
erste Anlaß zum Tabakgenusse gewesen sein mag, läßt sich
nicht beantworten. Tiedemann äußert hierüber die Vermutung,
daß die Indianer die großen Blätter und dicken Stengel der
Tabakpflanze auf ihren Streifzügen als Brennmaterial zum
Uochen der Speisen, vielleicht auch zum Vertreiben der in den
Sümpfen häufig vorkommenden Moskitos benutzt hätten. Der
beim berbrennen der Pflanze entstehende Duft reizte zum Ge—
nusse. Das Bestreben, die quantitative Erzeugung des Duftes
bzw. die Rauchentwicklung zu regeln, führte in der Folge dazu,
die Tabakblätter zu Kollen zu formen und nach dem Entzünden
durch Saugen mit dem Munde glimmend zu erhalten; so mag
wohl das Tabakrauchen entstanden sein. Sehr bald wurde die
Erfahrung gemacht, daß durch das Rauchen das Gefühl des
hungers, eines häufigen Begleiters der umherstreifenden Völker,
erheblich abgestumpft, das Gefühl der Ermüdung durch die an⸗
regende Wirkung gemildert wurde, anderseits aber auch Gemüts—⸗
aufregungen einem Zustande der Beruhigung wichen. Als Sym⸗
bol in letzterem Sinne könnte man auch die „Friedenspfeife“
auffassen. Die ersten authentischen Nachrichten finden sich in
den Berichten über die Entdeckung Amerikas. Als am 12. Oktober
1492 Christoph Columbus mit seinen Leuten die von Indianern
bewohnte Insel Guanahani betrat, fanden sie die friedlich bei—
sammensitzenden Bewohner RKauchwolken aus Mund und Nase
ausstoßend; diese. wurden aus z3ylindrischen Rollen erzeugt,

I1). Tiedemann, Geschichte des Tabaks und ähnlicher Genußmittel.
Frankfurt a. Main 18654.