Tabak und Tabakgenuß. Historisches
welche in einem als Hülle dienenden Maisblatte ein trocknes
Kraut enthielten. Das eine Ende dieser von den Eingeborenen
Tabaco genannten Kolle wurde entzündet und aus dem anderen
Ende der Kauch mit dem Munde gesogen und ausgeblasen. Wir
ersehen aus diesem Berichte, daß das Rauchen als die erste
Form des Tabakgenusses bekannt wurde und daß ursprünglich
nicht die Pflanze, sondern die F̊orm des Genußmittels als
„Tabak“ bezeichnet worden ist. Letzteres wird auch durch den
Bericht des Eremiten Sray Romano Pane bestätigt, welcher
Tolumbus auf seiner zweiten Reise in die neue Welt begleitete
und dort zurückblieb, um die Indianer zum Christentum zu
bekehren. Pane berichtet, daß die Indianer die getrockneten
Blätter einer Pflanze, ein von ihnen Cohobba genanntes „be—
rauschendes Kraut“ auf glühende Kohlen legten und den beim
Derbrennen aufsteigenden Rauch durch ein daraufgehaltenes
Kohr durch die Nase einzogen, indem sie das andere, gabel—⸗
förmige Ende des Kohres in die Nase einführten. Auch dieses
Rohr wurde Tabaco genannt. Serner bezeichnet Pane die grünen
Blätter der Cohobba als ein vortreffliches, von den Indianern
hochgeschätztes Wundkraut. Aus den Berichten der meisten For—
schungsreifenden der damaligen Zeit kann geschlossen werden,
daß die letzterwähnte Art des Cabakgenusses fast die allgemein
übliche war. Demnach beruhte die physiologische Wirkung auf
einer Reizung der Geruchs- nicht aber der Geschmacksnerven
und erinnert damit an den Rultus der Kauchopfer, welcher im
alten Tempeldienste bei den Griechen und Juden üblich war,
wobei Weihrauch- Ambra- und ähnliche Düfte eine große Kolle
spielten. Auch die Indianer hielten die Träume, welche bei dem
durch den Tabaco erzeugten Kausche eintraten, für Nachrichten
aus einer andern Welt. Nach den Berichten von Walther Kaleigh
(16595 1506) soll der Tabak zur Zeil der Entdeckung Amerikas
schon im ganzen Antillenarchipel gepflanzt worden sein. Auch
in Zentralamerika und Mexiko war das Tabakrauchen im Jahre
1519, zur Zeit der Eroberuͤng durch Cortez, schon allgemein in
Ubung, wobei der Tabak, mit Rosenblättern, Ambra usw. ge—⸗
mischt, in schön verzierte Schilfrohre gefüllt wurde. Später
borgenommene Husgrabungen zeigten, daß schon früher die
Azteken Tabakpfeifen aus Ton brannten, welche die verschieden—

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