Tabakgenuß in Afrika und Asien 11
ling Mentschikoff verpachtete. Unter Katharina 11. wurde der
Tabakbau durch deutsche Kolonisten in Rußland eingeführt.
Ebenfalls durch englische Seeleute wurde das Tabakrauchen im
Jahre 1605 in der Türkei bekannt. Daß sich dieses sowie
das Kaffeetrinken dort so ungewöhnlich schnell und in allen
Volksschichten verbreitete, mag seine Erklärung darin finden,
daß der Islam ein ähnliches vielbenutztes Reizmittel, den
Alkoholgenuß, verbietet. Murad IV. hielt die Kaffeehäuser
für die Sammelpunkte der politisch Unzufriedenen; er ließ
deshalb diese Hhäuser zerstören und verbot gleichzeitig das
Kauchen unter Todesstrafe. Dieses Verbot wurde unter der
Regierung von Mohammed 1V. aber wieder aufgehoben.
Die vereinzelt aufgestellte Behauptung, daß der Tabakgenuß
in Afrika schon früher als in Europa bekannt gewesen sei,
läßt sich kaum aufrechterhalten; denn in den ältesten Forschungs—
berichten über Afrika wird Tabak nirgend erwähnt. Man kann
daher wohl mit Sicherheit annehmen, daß derselbe durch die
Seefahrer von Portugal, Spanien, England und holland aus
in den verschiedenen Teilen dieses Kontinents eingeführt wurde.
Die Neger an der Westküsfte sahen die portugiesischen und spani—
schen Sklavenhändler Tabak rauchen und ahmten dies nach.
Hach Berichten des Engländers William Finch, welcher im
Jahre 1607 Sierra Leone besuchte, wurde damals schon von
den Negern Tabak in der Nähe der hütten angepflanzt. Um
diesen milder zu machen, pressen die Neger den Saft aus den
frischen Blättern, und erft dann wurden letztere geschnitten
und am Seuer getrocknet. Besonders leidenschaftlich betrieben
die hottentotten das Rauchen; hatten sie keinen Tabak, so dienten
ihnen hanf oder trockene Kräuter als Ersatz. Auf dem früher
beschriebenen Wege gelangte der Tabakgenuß auch in die Länder
an der Nord- und Ostküfte Afrikas. Auch Asien wurde erst
von Europa aus mit dem Tabakgenuß bekannt gemacht. Der—
selbe verbreitete sich zu Beginn des siebzehnten Jahrhunderts
von der europäischen Türkei aus in alle unter osmanischer
herrschaft stehenden Länder. Man rauchte den Tabak aus der
„Tschibuk“ genannten Pfeife, deren Kopf aus rotem geschlämmten
Ton gebrannt war, in dessen Seitenöffnung ein langes Schilf—
rohr gesteckt wurde. Die Pfeifen wurden in der Folge sehr luxu—