Behandlung auf dem Felde 27
d. h. mehr Blätter an der Pflanze stehen lassen, auf leichtem
Boden und bei trockner Witterung dagegen niedriger köpfen.
hierüber wurden u. a. von Gkonomierat hoffmann in Speyer
eingehende Versuche angestellt.) Die Zahl der am Stengel zu
belassenden Blätter schwankt je nach der Art des Köpfens zwi—
schen 10 und 22 Blättern.
Nach dem Köpfen entwickeln sich in den Augen der Blatt—
ansätze Seitentriebe, sogenannte Geizen (Abb. 5 5. 29). Auch
diese müssen zur Förderung des Wachstums der Blätter entfernt
werden, indem man sie möglichst nahe am Blattansatze vor—
sichtig ausbricht. Sowohl die Köpfe als auch die Geizen müssen
auf den Boden geworfen werden und dürfen nicht auf den
Blättern liegen, weil sonst diese an der Auflagestelle unent—
wickelt bleiben.
Die für das Gedeihen einer Tabakernte zuträglichste Witte—
rung ist reichlicher Wechsel von Regen und Sonnenbestrahlung.
Das im größten Tabakbaugebiete Deutschlands, nämlich der
Pfalz, bekannte Wort: „Ein gutes Weinjahr ist ein schlechtes
Tabakjahr“ trifft in dieser hinsicht das Richtige und hat sich
3. B. im Jahre 1911 wieder im vollsten Umfange bestätigt,
insofern, als der in den Monaten Juli und August eingetretene
vollständige Regenmangel verschuldet hat, daß die 1911er Pfälzer
Tabakernte sowohl nach Menge als auch nach Qualität des
Produktes ungewöhnlich schlechte Ergebnisse brachte.
Die Ernte. Die beginnende Keife der Tabakblätter ist daran
zu erkennen, daß die zwischen den Seitenrippen stehende dunkel—
grüne Blattsubstanz kleine hellgrüne Stellen zeigt, welche im
weiteren Verlaufe des Wachstums sich vergrößern und sich gelb—
grün, noch später hellgelb färben. Die an einer Pflanze stehen—⸗
den Blätter reifen nicht gleichzeitig, sondern stets von unten
nach oben, so daß die dem Boden zunächst angewachsenen Blätter
zuerst reif werden. In früheren Zeiten wurde die ganze Pflanze
mit allen daran haftenden Blättern abgeschnitten und geerntet,
und diese Art des Erntens findet auch heute noch in manchen
rückständigen Tabakbaugebieten Anwendung. Es ist aber erklär—

) Berichte über Versuche auf dem Gebiete des Tabakbaues, ausgeführt
in den Jahren 1903—51908 von Ph. hoffmann. Paul parey, Berlin.