28 Der Tabakbau
lich, daß diese Methode überall verlassen wurde, wo der Quali—
tätsbau sich Geltung verschafft hat. Auch in Deutschland werden
heute in den besseren tabakbauenden Gegenden die Blätter ge—
mäß ihrer verschiedenen Zeit der Keife in mehreren Perioden
geerntet. Nur bei der selten angebauten Varietät nicotiana
rustica (Deilchentabak) ift die alte Methode durchgängig noch
beibehalten worden. Bei den andern Sorten werden die Blätter
in nachstehender Keihenfolge, und zwar möglichst in zeitlichen
Abständen von 2253 Wochen, vom Stengel abgepflückt: Boden⸗—
blatt, Grumpen genannt; dies sind die unmittelbar am
Boden stehenden Blätter, welche meist schon vertrocknet sind.
Sandblätt sind die nächst höher stehenden Blätter, welche
auch schon teilweise eingetrocknet sind. mittel-und Ober—
gutt. Diese beiden Sorten werden meist hierzulande zusammen
geerntet. Das Mittelgut enthält die am besten entwickelten
Zlätter und bildet den hauptteil der Erntemenge. Es dient
vorwiegend als Material zur Zigarrenfabrikation, ist also ein
hochwertiges Produkt. Das Obergut, d. h. die obersten, meist
nicht so reifen und daher fettigen Blätter, wird beim Ernten
gesondert sortiert und hauptsächlich zu Schnupftabak und ordi—
Järem Kautabak verarbeitet. Wenn nicht in mehreren Perioden
geerntet wird, dann werden die Blätter beim Pflücken nach den
dorher bezeichneten Klassen sortiert; sie bleiben bis zum Abend
liegen und werden dann eingesammelt, mittels weicher Stroh—
seile locker in Büschel zusammengebunden und in die Trocken—
scheunen eingefahren. Die frühere Ert, die Blätter im Freien
au den Wänden der Gebäude oder in sonst üungeeigneten Räumen
zum Trocknen aufzuhängen, hatte den schweren Nachteil, daß
ein großer Teil der stark, beim Pflücken zu etwa 9000, wasser⸗
haltigen Blätter in Fäulnis geriet. Man hat deshalb in neuerer
Zeit für das Trocknen eigens konstruierte Scheunen errichtet.
Deren Wände bestehen aus Brettern, welche horizontal wie
Jalousien drehbar sind; im Dache sind verschließbare Cuft—
flappen angelegt. Diese Einrichtung gestattet die verschieden—
artigste, jeder Witterung anzupassende Durchlüftung. Im In—
nern der sScheune (Abb. 6 5. 29) sind bis zum Dache hinauf
wagerecht in Abständen von je Vm liegende leichte Balken an—
gebracht. Die vom Felde eingefahrenen Tabakbüschel werden