30 Der Tabakbau
aufgebunden und dann die Blätter einzeln auf weiche, etwa
2cm dicke hanfschnüre (sogenanntes Tabaksgarn) aufgereiht,
wobei man die Mittelrippe mittels einer dicken Nadel etwa
5 cm vom unteren Ende ab durchbohrt (Abb. 7 8. 29). Die
Schnüre werden dann zwischen den Balken in der Scheune frei—
schwebend aufgehängt. Sowohl die Abstände der Schnüre von—
einander als auch der Blätter an denselben dürfen nicht zu
enge sein, um Fäulnis der Blätter zu verhüten. Namentlich
waͤhrend der ersten beiden Wochen nach dem Aufhängen müssen
die Abstände zwischen den einzelnen „Bandelieren“ Bezeichnung
für die behängten Schnüre) ziemlich groß sein, um einen mög—
iichst starken Cuftzutritt an die beim Einheimsen noch über
8000 Wasser enthaltenden Tabakblätter zu bewirken. Während
dieser Zeit sind die Bandeliere häufiger zu prüfen und faulende
Blätter zu entfernen, damit das Umsichgreifen der Fäulnis ver—
hindert wird. Namentlich bei anhaltend ruhigem Regenwetter
ist diese „Dachbrand“ genannte Gefahr sehr groß. Mit dem
vorschreitenden Trocknen der Bandeliere können dieselben enger
zueinander gehängt und kann damit Platz für die später geern—
leten Blätter geschaffen werden. Nach Verlauf von 628 Wochen
ist der Tabak dachre if geworden. Die Mittelrippe des Blattes
ist dann nicht mehr weich und fleischig, sondern ziemlich trocken,
die Blätter haben eine bräunlichgelbe Farbe angenommen, und
der Wassergehalt ist erheblich, bei günstiger Witterung bis auf
etwa 12660, zurückgegangen. Hunmehr wird der Tabak abgehängt
und gebüschelt. In den meisten Tabakbaugegenden Deutschlands
benußt man zum Büscheln offene holzkasten von 36 cm Länge,
36 cm Breite und 12 cin höhe; eine Schmal- bzw. Kopfseite des
Büschelkastens ist offen. Heuerdings benutzt man gern höhere,
aber schmälere Büschelkaften mit Klappdeckel. Nachdem die
Blätter glatt gestreckt und angefaulte Blätter entfernt sind, faltet
man die Bandeliere auf die Breite des Büschelkastens, legt 2253
derselben hinein und bindet das Büschel mit Tabakgarn in der
Mitte zusammen. In Deutschland wird im Gegensatz zu vielen
andern Anbaugebieten der Tabak nicht von den Bauern selbst
zur Fermentation (Gärung) gebracht, sondern in dachreifem
Zustande verkauft, so daß der Käufer die Sermentation selbst
bornehmen muß. Die allerdings nur sehr wenig angebaute Sorte