32 Der Tabakbau
Blättern herauszufinden. Es wurden bei dahingehenden Mes—
sungen zwischen dem untersten und dem 9. Tabakblatte, bei der
gleichen Sorte, Abstände von 1055157 cm nachgewiesen. Die
engere Blattstellung bewirkt raschere Beschattung des Bodens,
bessere Beschattung der weiter unten stehenden Blätter und
früheren Wachstumsabschluß ohne Gewichtsausfall. Die Zucht
wählt aber nicht bloß die Mutterstöcke aus, sondern an
diesen die Blüten oder später Samenkapseln. Zu diesem 3wecke
werden am besten Ende Juli die Mutterpflanzen besichtigt,
und wird ein Ausschneiden in der Weise vorgenommen, daß nur
die am weitesten vorgeschrittenen Blüten stehen bleiben, häufig
dur 7510 auf einem Samenstocke. Das immerhin damit ver—
bundene Kisiko wird gemildert, wenn man mit dem Aus—
schneiden bis nach dem Verblühen wartet.
Ist die Pflanze und damit auch der Samen gut ausgereift, so
werden die Samenkörner aus den Samenkapseln herausgenom—
men und nach Größe und Schwere sortiert. hierzu bedient man
sich einer mit einem sehr feinmaschigen Siebe versehenen Ma—
schine von der Urt, wie solche zum Reinigen von Sämereien
allgemein benutzt werden.
Her Tabakbau wird in den meisten Cändern nur von Klein—
bauern betrieben, und so ist es erklärlich, daß früher der Samen—
zucht und der Sortenwahl wenig Beachtung zuteil wurde. Da
sun zwischen den beiden Arten nicotiana tabacum und n. macrophylia
 trotz der im allgemeinen stattfindenden Selbstbefruchtung
der Pflanzen sehr häufig Kreuzungen festgestellt worden sind
—nur die wenig angebaute EUrt n. rustica kreuzt sich nicht mit
andern Arten —, so entstand eine Unmenge von Darietäten,
welche selbstverständlich die für die Tabakverarbeitung unbedingt
erwünschte Gleichartigkeit des Ernteproduktes in empfindlichster
Weise beeinträchtigten. Erst in neuerer Zeit, nachdem staatlich
betriebene wissenschaftliche Versuchsstationen für Tabakbau sich
auch mit dieser Frage beschäftigt haben, wird die Samenzucht
und die sSortenwahl mehr systematisch betrieben. Die hierauf
bezüglichen Untersuchungen haben nun ergeben, daß aus dem
gleichen Samen in den verschiedenen Gegenden ganz verschiedene
Gewuchse entstehen. Wenn die in Deutschland vorgenommenen
Anbauversuche mit Samen aus havanna⸗ und Sumatra⸗Tabak