Der Tabakbau
den meisten andern Ländern bestehenden Übung nicht voll—
ständig geköpft, sondern man läßt die Blüten je nach der Witte—
rung und Lage der Pflanzungen entweder ganz stehen oder aber
man bricht wohl die Blüten aus, läßt aber die beiden oberen
Seitentriebe mit je zwei Blättern stehen. Der Grund für diese
Anderung wird aus dem folgenden ersichtlich sein. Die Kultur
von Sumatra-Tabak wird ausschließlich auf Qualitätsbau ge—
richtet, d. h. auf die Erzielung möglichst leichter und zarter
Blätter von der jetzt beliebten hellen Farbe. Rücksichten auf die
Gewinnung großer Gewichtsmengen bleiben hierbei außer Be—
tracht, wenn darunter die Qualität des Produktes leiden könnte.
Da nun auch die Blütenknospen und deren Triebe die beim Wachs—
tum sich entwickelnden Säfte aufnehmen, so läßt man einzelne
Teile derselben an der Pflanze stehen, damit nicht die Blätter
allein die Säfte aufnehmen müssen und dadurch zu kräftig bzw.
zu schwer auch in Qualität würden..
Jede Pflanze ergibt 20224 Blätter. Die unteren 254 Blätter,
das Sandblatt, werden auf einmal abgepflückt; die nächsten 10
bis 12, Fußblatt genannten Blätter werden zeitlich verschieden
nach vorschreitender Keife abgepflückt, der Kuli darf beim täg—
lichen Pflücken höchstens zwei Blätter von jeder Pflanze ein—
sammeln. Die weiter oben stehenden sechs Blätter, das Mittel—
oder Stammblatt sowie die obersten vier Topblätter werden zu—
sammen geerntet. Ist das Topblatt zu dick und zu ölig oder
kleiner als 13 Zoll, so wird es gar nicht geerntet. Das Pflücken
der Blätter erfolgt am Morgen. Betreffs der Wahl dieser Tages—
zeit berichtet Weigand: „Früher wurde die Ernte nur vor—
genommen, wenn die morgens durch den Tau stark befeuchteten
Plätter abgetrocknet waren; dann aber — auch über die heiße
Mittagszeit — so lange fortgesetzt, bis der Abendtau einfiel. Im
Gegenfatz hierzu wird jetzt von vielen Pflanzern am frühen
Morgen das noch nasse Tabaksblatt abgenommen, die Ernte über
die Mittagszeit ausgesetzt und am Spätnachmittag wieder be—
gonnen. Zu diesem Modus ging man über, nachdem Unter—
fuchungen von Dr. Mohr im Jahre 1900 ergeben haben, daß die
jeweilige Pflückzeit Cinfluß besitze auf die spätere Farbenentwick—
lung der Blätter. Er stellte dabei die Hypothese auf, daß die
Assimilation, Umsetzung von Stoffen und Ablagerung von Be—