Tabakproduktion in Mittel- und Südamerika 53
geführt. Der Rest dient zur herstellung von Zigarren, ein ge—
ringer Teil von Zigaretten, in einheimischen Fabriken. Von
Zigarren wurden im Jahre 1911 reichlich 188 Millionen Stück
ausgeführt. Der Gesamtwert der Ausfuhr von Tabak und Tabak—
fabrikaten betrug im Jahre 1911 rund 180 Millionen Mark.
Die Insel Portoriko baut zwar nur eine Jahresmenge von
etwa 3000 Tonnen Tabak, aber in sehr brauchbarer Beschaffen—
heit, welcher teils in der Zigarrenfabrikation, teils zur her—⸗
stellung von Kauchtabak verarbeitet wird. Von besserem Zigarren⸗
tabak kommen nur selten Anfuhren nach Curopa. Man sortiert
nach Blattgröße und Qualität vier Klassen.
Die auf der Insel Haiti gelegene Rupublik San Domingo,
woselbst der Tabakbau schon sehr früh durch die Spanier ein—
geführt wurde, müßte hinsichtlich des Ulimas und der Boden—
beschaffenheit unter den tabakbauenden Ländern mit an erster
Stelle genannt werden. Indessen die unsicheren politischen Ver—
hältnisse dieses Staates verhindern die Erzeugung eines wert—
vollen Gewächses. Der Domingo⸗-Tabak bietet ein Schulbeispiel
dafür, wie der Tabakbau nicht betrieben werden soll. Die Sor—
tierung des Tabaks ist sehr ungenau. Man scheidet nach der
Blattgröße vier Klassen, welche 8 (größte), Ff, Feund A be—
zeichnet werden. Der Tabak wird in Ballen aus Schilfgeflecht
oder Leinen mit einer inneren hülle aus Bastplatten gepackt. Die
jährliche Produktion zeigt außerordentlich große Schwankungen.
Sie betrug im Jahre 1911 rund 300000 Baällen (zu 50 Kg),
von denen 210000 Ballen nach Bremen und Hhamburg, den ein⸗
zigen hierfür bestehenden Auslandsmärkten, ausgeführt wurden.
Jamaika brachte vor etwa 25 Jahren einen Tabak nach
Deutschland, welcher wegen seiner guten, dem havanna ähnlichen
Qualität bei den Zigarrenfabrikanten großes Interesse erregte.
Die steigende Aufnahmefähigkeit des heimischen Konsums bewitkte
indessen, daß der Tabak nur noch sehr selten und dann nur in
kleinsten Mengen ausgeführt wird.
In Südamerika war es die Kepublik Kolumbia, welche
bis gegen das Jahr 1865 der hauptlieferant von Zigarren—
deckblatt für Curopa war. Die daselbst angebauten Sorten
Tarmen, Ambalema, Giron und Palmyra waren damals
ein wichtiger Handelsartikel des Bremer Tabakmarktes. Sie wurden