Tabak in Osteuropa und Deutschland 57
Der Pflanzer sortiert die Blätter in drei Klassen: a) Machful
(damit bezeichnet er auch die Gesamternte) — unverletzte rein—
farbige obere Blätter, b) Sirapastal — größere, verletzte,
weniger reinfarbige obere Blätter, c) Kotra oder Refusen
— Sandblätter und andre geringere Blätter. Die Produktion
stieg von 18873 Tonnen im Jahre 1902 auf 31737 Tonnen im
Jahre 1910. Der Durchschnitt der Jahre 190721911 ergibt rund
28 000 Tonnen, wovon 17000 Tonnen auf die europäische Türkei
entfallen.
serbien, Griechenland, Bulgarien und Rumänien erzeugen
ebenfalls ein dem türkischen Tabak ähnliches Gewächs, welches
in Qualität geringer ist, aber wegen des billigeren Preises
dennoch, teils sogar in größeren Mengen, zur Ausfuhr gelangt.
In Osterreich-Ungarn wird Tabak in Südtirol, der Buko—
wina, Bosnien, herzegowina und dem östlichen Galizien sowie
im Alföld angebaut. Zur Ausfuhr kommt nur der ungarische
Tabak, welcher zum größten Teil allerdings auch von den
Monopolverwaltungen der Monarchie, sowohl zu Rauchtabak als
auch zu Sigarren, verarbeitet wird.
In Deutschland ist der Tabakbau seit dem Jahre 1880 er—
heblich zurückgegangen, und zwar in der Anbaufläche von rund
30 000 ha auf rund 16500 ha. Die Ursachen dieses Rückgangs
sind in der veränderten Richtung des Tabakkonsums zu suchen,
insofern das Pfeifenrauchen seit dieser Zeit beträchtlich dem
Zigarrenrauchen gewichen ist. Der Rückgang hat denn auch nur
diejenigen Gebiete betroffen, welche vorwiegend Tabak für die
Rauchtabakfabrikation bauen. Die Hauptgebiete des deutschen
Tabakbaues sind Baden, die angrenzenden Teile von hessen
Bergstraße) und Württemberg, die linksrheinische bayrische Pfalz
und das nördliche Elsaß bis in die Gegend von Kolmar. Dazu
kommen in Norddeutschland die Uckermark und der Oderbruch.
Ferner wird in geringerem Umfange noch am Niederrhein nächft
der holländischen Grenze, in der Gegend von Nürnberg sowie in
den Provinzen Schlesien, Westpreußen, Hannover und Hessen
Tabak angebaut, welche meist nur für die lokale Tabakindustrie
in Betracht kommen. Die amtliche Statistik zeigt für den Durch—
schnitt der Erntejahre 1907-1911 folgendes Bild (die Gewichtsmengen
 beziehen sich auf dachreifen, also noch nicht fermentierten