Die hauptgebiete des deutschen Tabakbaues 59
entfallen. über die Betriebsverhältnisse in Oberbaden gibt
Dr. hassinger) nach einer Statistik der Jahre 1906,09 folgende
Auskunft: Weniger als 5 ar bebauten 324 Pflanzer, 5210 ar
3897, 10- 25 ar 8692, 25 ar bis 1ha 3305, 1ha und mehr
17 pflanzer. Nach demselben Verfasser zeigt der Wert der
Grundstücke innerhalb der letzten Jahre in denjenigen Amts—
bezirken die größte Zunahme, welche den größten Tabakbau be—
tkreiben, und zwar am meisten für die zum Tabakbau geeigneten
Bodenklassen. Diese Tatsache ist besonders erfreulich, weil in
diesen Bezirken der kleinbäuerliche Besitz vorherrschend und Lati—
fundienbefitz sehr selten ist. Ferner stellt hassinger auf Grund
eingehender Untersuchungen fest, daß daselbst sowohl das Ein—
kommen als auch die Lebenshaltung der Bevölkerung seit dem
Jahre 1885 (Dergleichsperiode 1888521909) ganz erheblich ge—
stiegen ist. Die in sozialpolitischer Beziehung erfreuliche Tatsache,
daß der deutsche Cabakbau dem bäuerlichen Kleinbetriebe vor—
behalten ist, hat aber andererseits den Nachteil, daß neue Kultur—
methoden zur qualitativen Verbesserung des Produktes nur sehr
langsam Eingang finden können, teils wegen des Mißtrauens
der jeder Neuerung wenig zugänglichen Kleinbauern, teils wegen
des Mangels an Geldmitteln.
Von seiten der staatlichen Behörden wird versucht, diese
schwierigkeiten durch Landwirtschaftslehrer, staatliche Saatzucht—
und Versuchsanstalten sowie Gründung von örtlichen Tabakbau—
vereinen zu beheben. Ein nennenswerter Erfolg ist hiermit in—
dessen bisher nur im Elsaß zu verzeichnen, und so muß mit Be—
dauern festgestellt werden, daß eine Verbesserung der Qualität
des deutschen Tabaks noch lange nicht in dem vielfach trotz der Un—
gunst des Klimas wohl erreichbaren Umfange erzielt worden ist.
JItalien erzeugt eine Jahresmenge von etwa 7000 Tonnen
Tabak von geringer Güte, welcher nur von der dortigen Monopol—⸗
berwaltung verarbeitet wird. Ebenfalls nur für den heimischen
Derbrauch erzeugt Frankreich in sehr zerstreut liegenden
Anbaugebieten jährlich etwa 20000 Tonnen. Spanien und
Portugal haben keinen irgendwie nennenswerten Tabakbau.
pleichfalls von geringer und nur für den heimischen Verbrauch

1) Hassinger, Der oberbadische Tabakbau. Karlsruhe 1912.