50 Rohtabakproduktion der Welt

in Betracht kommender Bedeutung ist derselbe in der Schweiz.
Von größerer Bedeutung, allerdings auch nur für die heimische
Industrie, ist der Tabakbau in Beĩgien, und zwar vorwiegend
derjenige der vlämischen Gegenden, welche einen Jahresdurch⸗
schnitt von rund 5000 Tonnen erzielen. Holland ist wohl als
die Wiege des europäischen, sicherlich des weste und mittel—
europäischen Tabakbaues anzusprechen, denn bereits gegen das
Jahr 1610 wurden in der Gegend von Amersfort Tabakbau—
versuche mit größerem Erfolge unternommen, und der Amers—
forter Tabak lieferte auch den Samen für den Tabakbau in
Deutschland. Indessen sind die jetzt angebauten Erntemengen
ziemlich gering; das Produkt wird zum kleineren Teile zu Zi⸗
garren, zum größeren Teile zu Rauchtabak verarbeitet; es kommen
auch, allerdings nur geringe Mengen zur Ausfuhr. In Großbritannien
 findet Tabakbau nicht ftatt; er ist in England
fogar seit dem Jahre 1652 durch Gesetz verboten.
Afrika: Es ist zwar aus Schriften von Forschungsreisenden
bekannt, daß die eingeborene Negerbevölkerung zum Teil dem
Tabakgenusse frönt und den hierzu erforderlichen Rohtabak an—
baut. Indessen konnte bis in die neuere Zeit nur Algier einen
planmäßig betriebenen Tabakbau aufweisen. Der daselbst an—
gebaute Tabak in einer jährlichen Produktionsmenge von rund
11500 Tonnen wird zum größeren Teile im Lande selbst zu
Rauchtabak und Zigaretten verarbeitet. Der Überschuß wird als
Rohmaterial für billige Sorten Rauchtabak, und zwar zum
größten Teile an die französische Monopolverwaltung ausgeführt.
Es verdient noch erwähnt zu werden, daß Agypten, welches
doch bekanntlich große Mengen meisit hochpreisiger Zigaretten
ausführt, keinen RKohtabak anbaut, fondern nur Rohtabak aus
der Türkei und den Balkanstaaten verarbeitet. Neuerdings wer—
den in den unter englischem und deutschem Protektorat stehenden
Kolonialländern vielversprechende Versuche im Tabakbau be—
trieben, welche eine eingehende Darstellung verdienen. In der
südafrikanischen Republik richten sich diese Versuche auf die Er—
zeugung eines Ersatzes für Kohmaterial zu Pfeifentabak und
szigaretten, die dort und im Mutterlande meist konsumierten
Tababfabrikate; die Konkurrenz richtet sich also gegen die Pro—
dukte von Nordamerika (Dirginia) und der Türkei über den