Deutsche Kolonien im Tabakbau 61
Tabakbau in den deutschen Kolonien wird im folgenden Abschnitt
noch ausführlich berichtet.
Der Tabakbau in den deutschen Kolonien.) Die Versuche
zu planmäßigem Tabakbau in den deutschen Kolonien begannen
bereits im Jahre 1887. Sie wurden zuerst in dem in Kamerun
belegenen Bezirke Bibundi betrieben und richteten sich auf die
Erzeugung eines dem Sumatra-Cabak ähnlichen Gewächses. Von
dem daselbst angebauten Tabak kamen etwa 200 Ballen an den
Bremer Markt, welche sofort von einer dort ansässigen Zigarren⸗
fabrik angekauft wurden. Die aus diesem Tabak angefertigten
Zigarren fanden indessen trotz der damals herrschenden Kolonial—
begeisterung keine sonderlich gute Beurteilung, und die dann
folgenden pessimistischen Anschauungen über den Wert der deut—
schen Kolonien machten den Tabakbauversuchen in Kamerun vor—
läufig ein Ende. In gleicher Weise endeten die Versuche, welche
in der Gegend von Stephansort in Kaiser-Wilhelms-Cand Meu—
guinea) unternommen wurden. 3war versprach der daselbst er—
zeugte Tabak bei sachgemäßer Entwicklung des Anbaues ein
brauchbares Erzeugnis zu liefern, indessen boten die einer plan—
mäßig betriebenen Tabakkultur höchst ungünstigen Arbeiter—
derhältnisse ein in absehbarer Zeit unüberwindliches Hindernis.
Die in Ostafrika von der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft
auf Veranlassung des bekannten Kolonialforschers Dr. Karl Peters
auf der Station Lewa unternommenen Versuche kamen über
den ersten Anfang nicht hinaus. Zu allen diesen Mißerfolgen hat
wohl in erster Linie der Umstand beigetragen, daß die deutsche
Kolonialwirtschaft im Anfang unter dem Mangel genügend er—
fahrener Kräfte und nüchterner kaufmännischer Erwägung be—
trieben wurde, und daß die Unternehmer schnelle und große Er—
folge da erwarteten, wo ein dauernder Erfolg erst nach längerer
Zeit und selbst unter der Voraussetzung sachgemäßester Arbeit
erst nach vielen Enttäuschungen in Aussicht stand. Erst in
jüngerer Zeit mit dem Beginn einer besser geleiteten Kolonial—
wirtschaft wurden die Anbauversuche von Tabak erneuert und
im Jahre 1902 auf Anregung des Gouvberneurs von Lindequist
durch den Deutschen Tabakverein bzw. eine diesem angehörende

1) Vdl. heilborn. Die deutschen Kolonien (4NuG Bod. 98.