handarbeit und Formenarbeit 73
nicht gerade gestreckt ist oder zu dicke Stücke nicht zerteilt werden.
Bis zum Jahre 1855 wurden die Wickel ohne weitere Zwischen—
behandlung in das Deckblatt eingerollt. Diese Arbeitsweise war
sehr zeitraubend und erforderte große Fertigkeit der Arbeiter,
namentlich als die Formen der ursprünglich einfach zylinder—
förmigen Zigarren komplizierter und die Ansprüche an das
gleichmäßige und glatte Aussehen derselben größer wurden.
Man findet deshalb jetzt diese an CLohn und Material teure
Arbeitsweise, die sogenannte „handarbeit“, nur noch bei Si—
garren, deren verhältnismäßig hoher Preis solche Mehrausgaben
 erlaubt. Um die vorher angegebene Zeit wurde nach
dielen Versuchen die „Formenarbeit“ eingeführt, welche in den
ersten zehn Jahren auf Schwierigkeiten stieß, in der Folge aber
die weitaus überwiegende Arbeitsweise wurde. hierzu wird die
aus Holz angefertigte Wickelform benutzt (Abb. 9a, 9b6). Der
untere Teil hat 20 der Gestalt der Zigarre entsprechend aus—
gefräste Höhlungen; ist die Unterform mit Wickeln gefüllt, so
stülpt der Wickelmacher die Oberform darauf, welche zu den
höhlungen passend gefräste „Schiffchen“ trägt. Die Formen
werden alsdann in einer handpresse zugepreßt und einige Zeit
unter Pressedruck gelassen. Da sich bei der Pressung an den bei—
den Längsseiten der Wickel die Kante der Schiffchen eindrückt
und dadurch zwei, das Aussehen der Sigarren beeinträchtigende
starke „Nähte“ entstehen, so werden die Wickel nach einiger Zeit
in der höhlung so umgewendet, daß die Nähte senkrecht über—
einander liegen. Alsdann werden die Sormen nochmals gepreßt
und die Wickel zeigen dann anstatt zweier grober vier kaum
sichtbare Nähte. Nach einigen veiteren Stunden werden die
gefüllten Formen dem Sigarrenmacher zugeteilt, welcher die
Wickel in das Deckblatt einrollt. Dieses bedarf einer vorherigen
Bearbeitung durch die Deckblattripper. Sie breiten die
einzelnen Blätter in ihrer vollen Größe aus und schichten sie
aufeinander. Alsdann wird der Stengel von den Blättern ab—
gestreift und die Blatthälften wiederum ausgebreitet und pa—
rallel aufeinander geschichtet. Das so vorbereitete Deckblatt wird
dem Zigarrenmacher in Mengen zugewogen, welche etwa
einen halben Arbeitstag ausreichen. Die Werkzeuge des Sigarren—
machers sind: ein Messer mit konver gebogener Schneide, ein